Sowohl in pflanzlichen wie in tierischen
Körpern kommt Stickstoff hauptsächlich in Form von
Aminosäuren, Proteinen, Nukleotiden und Nukleinsäuren
vor. Die anderen Verbindungen bespreche ich hier nicht. Bei der
Stoffaufnahme im Darm, werden diese Stoffe in Form von
Aminosäuren und Nukleotiden aufgenommen. Aminosäuren
liegen nicht immer im benötigten Verhältnis vor (es
kann z.B. sein, dass zu viel Leucin, aber zu wenig Alanin vorhanden
ist). Dann müssen die überschüssigen
Aminosäuren abgebaut werden. Dabei muss die Aminogruppe -NH2 beseitigt werden. Das
ist chemisch kein Problem, denn sie könnte einfach
hydrolytisch abgespalten werden, dann entstünde NH3. Dieses ist
gasförmig, könnte also im Prizip abgeatmet werden wie
CO2.
Das geht deshalb nicht, weil NH3
sofort mit Wasser zu NH4+ und OH- reagiert. Dadurch
würde das Blut alkalischer, was sehr gefährlich ist.
Mit anderen Worten, diese Reaktion muss wegen ihrer Giftigkeit
vermieden werden.
Um Vergiftungserscheinungen zu vermeiden, wird im gesamten Tierreich
die freizusetzende Aminogruppe an einen Träger gebunden. Das
ist meistens Glutaminsäure. Durch die Aminierung entsteht das
Aminosäureamid Glutamin. Damit ist die Aminogruppe
natürlich noch nicht aus dem Körper entfernt. Die
Exkretion ist am Einfachsten für die Fische. Sie
transportieren nun das Glutamin zu den Kiemen, d.h. im Blut wird NH3 gebunden zu den Kiemen
transportiert und dort wird das NH3
abgespalten und ins hinausströmende Wasser freigesetzt. Auf
diese Weise gelangt also NH3
ins Wasser.
Dieser Stoff ist aber energiehaltig und reduzierend, ist daher in der
Umwelt nicht stabil. Bakterien nutzen das aus und er wird stufenweise
entweder zu N2
oder zu NO3- oxidiert. Das N2 sammelt sich in der
Atmosphäre an, das NO3- ist die
Endoxidationsstufe des Stickstoffs und wäre in der Umwelt
stabil, sofern es nicht irgendwie beseitigt wird. Das tun nun die
Pflanzen. Sie könnten zwar NH3
besser nutzen zum Aufbau von Proteinen aber das geht nicht, weil es von
den Bakterien "weggefressen" wird. So können die Pflanzen in
der Regel nur über NO3- an den
benötigten Stickstoff kommen. Das aufgenommene NO3- wird sofort in den
Wurzeln stufenweise zu NH3
reduziert und als Aminogruppe gebunden. Die Pflanzen müssen
also die von den Bakterien extrahierte Energie auf ihre Kosten
für die vorzunehmende Reduktion von NO3- zu NH4+ aufbringen. Der
Stickstoff wird dann im Xylem schon in Form von Aminosäuren
oder Purinen und Pyrimidinen (Bausteine der Nukleotide) in die oberen
Pflanzenteile transportiert. Pflanzen haben keine Exkretion, schon gar
nicht stickstoffhaltiger Stoffe, weil sie diese selbst bestens
verwenden können. Muss eine Pflanze einmal ein Protein
abbauen, so können die entstehenden Zwischenprodukte in jedem
Fall wieder verwertet werden, so dass es nicht zur Exkretion kommt. In
der Pflanze verbleibt der Stickstoff also bis sie stirbt.
Wenn die Pflanze stirbt, beginnt ein langwieriger Prozess des Abbaues
der verschiedenen Pflanzenteile. Blätter, Wurzeln
können vielleicht noch von Pflanzenfressern genutzt werden,
die restlichen Teile werden von Bakterien und Pilzen abgebaut. Sie sind
die wesentlichen Destruenten der Pflanzen. Die tierischen
Pflanzenfresser verwerten natürlich die Proteine und
Nukleinsäuren, sie müssen dann ebenfalls wie die
Fische z.T. Proteine abbauen, wobei NH3
anfällt. Dieses NH3
wird auch bei ihnen an Glutaminsäure gebunden und als Glutamin
ins Blut abgegeben. Da sie an Land leben, können sie es aber
nicht problemlos ausscheiden. So wird das Glutamin zur Leber
transportiert, dort aufgenommen, dann werden aus zwei
Molekülen NH3
und einem Molekül CO2
Harnstoff in der Leber hergestellt. Dieser Harnstoff wird zur Niere
transportiert und dort gelöst in Wasser ausgeschieden. Die
Stickstoffexkretion ist also mit einem Wasserverlust verbunden.
In diesem Falle gelangt der Stickstoff also in Form von Harnstoff in
die Umwelt. Harnstoff wird von Amphibien und Säugetieren
gebildet, d.h. dass er also ins Wasser oder in den Erdboden gelangt.
Dieser Stoff ist natürlich sehr energiehaltig. Das bedeutet,
dass es wieder Bakterien geben wird, die sich auf ihn stürzen
und ihn als Energiequelle nutzen werden. Wegen der weiten Verbreitung
von Harnstoff können wohl praktisch alle Bakterien diesen mit
Hilfe von Urease abbauen. In Anwesenheit von NH3 wird die Bildung einer
Urease allerdings gehemmt. Dann ist also wieder NH3 entstanden und der
Prozess läuft so wie oben geschildert weiter. Tiere, die in
trockeneren Klimaten leben, können sich eine
Stickstoffexkretion in Form von Harnstoff nicht leisten, weil sie mit
einem zu großen Wasserverlust verbunden ist. Daher scheiden
diese Tiere Harnsäure aus (Reptilien, Vögel,
Insekten), ein Stoff, der noch komplexer gebaut ist, der aber
weitgehend ohne Wasser ausgeschieden werden kann. Auch die
Harnsäurezersetzung in der Umwelt läuft dann im
Prinzip wie die des Harnstoffes ab.