1.1 Antigen: Als Antigen wird ein Fremdstoff bzw. Krankheitserreger bezeichnet. Dies können Peptide, Proteine, Polysaccharide oder Polynucleotide sein.
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Abb. 1
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Nicht die ganze Fremdzelle wirkt als Antigen, sondern nur
bestimmte Makromoleküle auf ihr. Bestimmte Atomgruppen an der
Oberfläche der Antigene werden Epitope genannt. Diese rufen
die Bildung von Antikörpern hervor. Eine Fremdzelle kann
verschiedene Antigene besitzen und auf einem Antigen können
sich verschiedene Epitope befinden.
Es gibt auch Antigene auf eigenen Körperzellen. Das
Immunsystem hat sie jedoch als zum Körper gehörend
kennengelernt und reagiert nicht auf sie
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Abb. 2
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Aufbau und Aufgabe
Die Lymphe ist eine durchsichtige fetthaltige Flüssigkeit, die
Lymphozyten enthält. Das Lymphsystem ist kein in sich
geschlossenes System. Es durchzieht den ganzen Körper,
beginnend als Kapillaren im Gewebe (in unmittelbarer Nachbarschaft der
Blutkapillaren). Diese Lymphkapillaren besitzen eine
außerordentlich große Durchlässigkeit und
können Flüssigkeit aus den
Interzellulärräumen mit allen Bestandteilen wie
Proteinen, toten Zelltrümmern, Fremdkörpern (z.B.
Bakterien) aufnehmen. Diese Lymphkapillaren fließen zusammen
und bilden die kleineren Lymphgefäße. Diese besitzen
Klappen (ähnlich den Venenklappen), die dafür sorgen,
dass die Lymphe nur in eine Richtung fließen kann. Die
kleineren Lymphgefäße fließen zusammen und
bilden die größeren Lymphgefäße
und die Lymphstämme. Diese besitzen muskuläre
Wände und münden an den Venenwinkeln in die Blutbahn.
Der Transport der Lymphe erfolgt wesentlich langsamer als der
Bluttransport. Auf ihrem Weg durch den Körper passiert die
Lymphe viele Lymphknoten. Diese filtern die Lymphe von Fremdstoffen und
wirken so als Barriere für Krankheitserreger.
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Abb. 3 Die lymphatischen Organe des Menschen |
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Abb. 4 Querschnitt durch einen Lymphknoten |
Die Lymphknoten sind rundlich bis länglich und meist abgeflacht. Sie besitzen eine Einbuchtung, die Hilus genannt wird. Sie sind von einer Bindegewebskapsel umgeben. Man kann zwischen der äußeren Rinde und dem inneren Mark unterscheiden. In der Rinde befinden sich hauptsächlich B-Lymphozyten und im Mark findet man hauptsächlich T-Lymphozyten. Diese werden hier gespeichert. Die Lymphknoten dienen zur Reinigung der Lymphe von Zellfragmenten. Sie treten gehäuft in der Achsel-, der Leisten- und der Halsgegend auf, um das Eindringen von Fremdstoffen ins Gehirn sowie in die inneren Organe zu verhindern.
2.2.2 Rotes Knochenmark:
Das rote Knochenmark ist für die Bildung der Blutzellen aus
Stammzellen entscheidend.
2.2.3 Thymusdrüse:
Die Thymusdrüse besteht aus zwei Lappen. Hier findet die
Prägung der T-Lymphozyten durch Hormone statt.
2.2.4 Milz, Mandeln,
Wurmfortsatz:
Dies sind weitere wichtige Organe, die für die Speicherung der
Immunzellen verantwortlich sind. Die Milz dient außerdem als
Filter für die Blutbahn.
A: Die Leukozyten: (weiße Blutkörperchen)
2.3.1 Die Granulozyten:
Die Granulozyten haben große
unregelmäßig gelappte Zellkerne und kleine Partikel
im Cytoplasma.
Neutrophile
Granulozyten:
Die neutrophilen Granulozyten machen
55-70% der Leukozyten aus. Ihr Cytoplasma enthält 2 Typen von
Vesikeln.
Sie sind entscheidend für die
Abwehr von Bakterien und Pilzen. Sie betreiben Phagozytose von
Bakterien.
Dabei sterben sie und bilden Eiter. Eiter
besteht zum größten Teil aus neutrophilen
Granulozyten.
Sie spielen außerdem eine
wichtige Rolle bei Entzündungsreaktionen, Schmerzreiz,
Blutstillung.
Eosinophile
Granulozyten:
Eosinophile Granulozyten machen 2-5% der
Leukozyten aus. Ihr Cytoplasma enthält MBP (major basic
proteine).
Dies ist giftig für parasitische
Larven. Eosinophile Granulozyten sind wichtig zur Dämpfung
allergischer Reaktionen und bei Parasitenbefall.
Sie wirken als Gegenspieler der
basophilen Granulocyten und der Monozyten da sie allergische
Sofortreaktionen zu dämpfen versuchen.
Basophile
Granulozyten:
Basophile Granulozyten machen weniger als 1% der Leukozyten aus.
An ihrer Oberfläche befinden
sich IgE-Rezeptoren.
Diese lösen allergische Reaktionen aus.
Basophile Granulozyten spielen eine Rolle
bei Asthma und Heuschnupfen.
2.3.2 Die Agranulozyten:
Die Agranulozyten haben rundliche oder
bohnenförmige Zellkerne und keine Partikel im Cytoplasma.
Lymphozyten:
Lymphozyten sind die kleinsten Leukozyten
und machen 25-40% der Leukozyten aus.
95% der Lymphozyten sind in den
lymphatischen Organen gespeichert und können bei Bedarf ins
Blut abgegeben werden.
Sie erkennen Antigene durch
antikörperähnliche Rezeptoren.
B-Lymphozyten:
B-Lymphozyten machen ca. 10% der
Lymphozyten aus.
Sie bilden Plasmazellen aus, die Antikörper produzieren.
B-Lymphozyten besitzen
Rezeptormoleküle für EIN bestimmtes Antigen in ihrer
Zellmembran.
Sie können daher nur ein
bestimmtes Antigen erkennen und binden.
Beim Kontakt: mit diesem Antigen werden
die B-Lymphozyten mit Hilfe von Cytokinen der T-Helferzellen zur
Teilung angeregt.
Die Tochterzellen werden Plasmazellen
genannt. Sie produzieren eine Sorte von Antikörpern.
Außerdem werden Gedächtniszellen gebildet.
Die Plasmazellen leben nur wenige Wochen.
Sie geben pro Sekunde etwa 2000 gleiche Antikörper ans Blut
und an die Lymphe ab.
T-Lymphozyten:
T-Lymphozyten machen ca. 90% der
Lymphozyten aus. Sie werden in der Thymusdrüse
geprägt und erzeugen keine Antikörper.
Sie besitzen Membranrezeptoren mit denen
sie Antigene und antigen-präsentierende Zellen erkennen.
Sie können zwischen
körpereigenen und körperfremden Stoffen
unterscheiden.
Als körpereigen werden alle
Stoffe angesehen, die am Ende der Embryonalzeit im Körper
vorhanden sind.
Als körperfremd gelten alle
Stoffe, die später in den Körper gelangen.
T-Helferzellen:
T-Helferzellen produzieren verschiedene
Cytokine und regen damit die B-Lymphozyten zur Teilung an.
T-Killerzellen:
T-Killerzellen erkennen und vernichten
körperfremde und körpereigene befallene Zellen
(z.B. virusinfizierte Zellen,
Transplantate oder Tumorzellen).
T-Effektorzellen:
T-Effektorzellen greifen
körperfremde Substanzen an und vernichten sie.
T-Suppressorzellen:
T-Suppressorzellen hemmen die Teilung der
B-Lymphozyten und die Aktivität der T-Helferzellen.
Außerdem hemmen sie die Bildung
von Killerzellen und schalten die Immunreaktion ab.
B/T-Gedächtniszellen:
Wenn der Körper einmal
Antikörper gegen ein bestimmtes Antigen gebildet hat,
behält er die Erinnerung an diesen Stoff.
Bei erneutem Befall mit diesem Antigen
sind bereits Lymphozyten vorhanden die eine sofortige Reaktion
auslösen können.
Die Antigene werden sofort
bekämpft und es kommt in vielen Fällen gar nicht erst
zum Ausbruch einer Krankheit.
Diesen Zustand nennt man
Immunität.
Natürliche
Killerzellen:
Natürliche Killerzellen
töten virusinfizierte Zellen und Krebszellen, also allgemein
Zellen mit veränderter Oberfläche.
Außerdem produzieren sie
Cytokine.
Monozyten/ Makrophagen:
Monozyten bzw. Makrophagen sind die
größten Leukozyten. Sie machen ca. 5-8% der
Leukozyten aus.
Solange sie sich im Blut befinden, werden
sie Monozyten genannt. Wenn sie das Blut verlassen, und im Gewebe
auftreten,
werden sie als Makrophagen bezeichnet.
Sie kommen dann in Lymphozyten, Leber, Milz, Lunge, Niere und anderen
Organen vor
und phagozytieren Bakterien und Pilzen.
Dabei scheiden sie Cytokine aus.
Sie spielen eine wichtige Rolle bei
Entzündungen und Wundheilung und können von HIV-Viren
befallen werden.
Dendritische Zellen:
Dendritische Zellen entstehen aus
Monozyten. Sie identifizieren Antigene und präsentieren den
Lymphozyten, die dadurch geprägt werden.
Sie können Killerzellen
aktivieren und sind im ganzen Körper vorhanden.
Man unterscheidet zwischen spezifischer und unspezifischer Abwehr.
Zur unspezifischen Abwehr gehören angeborene und
sofort verfügbare Abwehreinrichtungen. Sie wirken gegen
unterschiedliche Fremdstoffe mit etwa gleicher Intensität.
Außerdem wirken sie bereits beim ersten Kontakt: mit den
Fremdstoffen.
Hierzu zählt z.B. der mechanische Schutz durch Haut
(Säureschutzmantel, verhornte Zellen) und
Schleimhäute, schleimige Sekrete, Säuren (Magen),
Speichel und das Enzym Lysozym. Es wird beim Zerfall phagozytierender
Zellen frei und kommt z.B. in Nasenschleim und
Tränenflüssigkeit vor. Es zerstört
Zellwände von Bakterien.
Zur unspezifischen Abwehr gehören außerdem das
Komplementsystem und die Cytokine.
Das Komplementsystem:
Das Komplementsystem ist, wie der Name schon sagt, ein
Ergänzungssystem. Es besteht aus Enzymen und Enzymvorstufen,
also Proteinen im Blutserum. Diese zerstören Membranen von
Mikroorganismen, spalten Proteine und bereiten Bakterien auf den
Zugriff von Makrophagen vor.
Die Cytokine:
Cytokine sind hormonartige Substanzen. Sie dienen zum
Informationsaustausch der Zellen untereinander und mit anderen
Körperzellen. Daher werden sie oft auch als Mittlerstoffe
bezeichnet.
Virusbefallene Zellen schütten Cytokine aus um andere Zellen
zu warnen. Diese Cytokine nennt man Interferone.
Cytokine aktivieren z.B. Makrophagen und regen B-Lymphozyten zu Teilung
an.
Auf zellulärer Ebene gehören zur unspezifischen
Abwehr die zuvor genannten Makrophagen, Granulozyten und die
natürlichen Killerzellen.
Die spezifische Abwehr wird auch Immunreaktion genannt und
kommt ausschließlich bei Wirbeltieren vor. Sie ist erst nach
dem Kontakt: mit dem Erreger möglich. Dies bezeichnet man als
Latenz. Die spezifische Abwehr weist eine hohe Spezifität auf
und entwickelt eine jahrelange Gedächtnisfunktion. Jede erste
Begegnung mit einem Antigen verläuft anders als jede weitere.
Die wichtigsten Bestandteile der spezifischen Abwehr sind die
Antikörper.
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Abb. 5 |
Immunglobuline
(Antikörper):
Antikörper sind Proteine, die von Plasmazellen gebildet
werden. Es gibt ca. 10 Millionen verschiedene Antikörper.
Diese lassen sich in 5 Klassen (IgG, IgA, IgM, IgD, IgE) unterteilen
(s. Abb. 6). Sie unterscheiden sich in ihrem Bau.
Der Antikörpertyp, der am häufigsten vorkommt, ist
IgG, dessen Aufbau in der Abb. 5 dargestellt ist. IgG besteht aus 4
Untereinheiten: 2 identischen leichten L-Ketten mit je ca. 214
Aminosäuren und 2 identischen schweren H-Ketten mit je ca. 446
Aminosäuren.
Man kann zwischen der konstanten und den variablen Regionen
unterscheiden. Die variablen Regionen dienen als
Antigenbindungsstellen. Ein Antikörpermolekül hat
zwei Antigenbindungsstellen und kann sich daher mit zwei
Antigenmolekülen verbinden. Innerhalb der variablen Region
befinden sich sog. Hot-Spots. Dies sind Stellen die besonders
unterschiedlich sind und häufig durch Mutationen hervorgerufen
werden.
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Abb. 6
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Auf zellulärer Ebene spielen die Lymphozyten für die spezifische Abwehr eine wichtige Rolle.
1) Ein Fremdstoff (Antigen) gelangt in den Körper.
Dabei durchdringt er die natürlichen Abwehrbarrieren z.B.
durch Wunden in der Haut. Es kommt zur:
AKTIVIERUNGSPHASE: Die
unspezifische Abwehr beginnt.
2) Es entsteht eine Entzündung. Beschädigte Zellen
setzen Hormone frei, die den Blutfluss erhöhen. Es kommt zu
einer Rötung und Erwärmung der Haut. Diese
Wärme ist ungünstig für die Mikroorganismen,
jedoch günstig für die Beweglichkeit der Leukozyten,
da dadurch ihre Stoffwechselrate gesteigert wird. Die Granulozyten
phagozytieren die Erreger und bilden Eiter. Die Monozyten phagozytieren
tote Zellen und präsentieren Teile der Antigene auf ihrer
Oberfläche.
3) Das Komplementsystem beginnt zu arbeiten. Die spezifische Abwehr
setzt ein.
4) Die T-Lymphozyten erkennen die präsentierten Strukturen und
beginnen mit der Abwehr. Dies löst die Bildung von Cytokinen
aus, die an die Umgebung abgegeben werden.
5) Die Cytokine aktivieren weitere Makrophagen und Lymphozyten. Diese
senden weitere Cytokine aus. Es entsteht ein Kreislauf. Es kommt zur:
DIFFERENZIERUNGSPHASE:
6) Cytokine aktivieren Killerzellen, Suppressorzellen und
T-Helferzellen.
7) T-Helferzellen veranlassen B-Lymphozyten zur
Antikörperbildung. Es entstehen Gedächtniszellen.
EFFEKTORPHASE:
8) T-Lymphozyten greifen direkt an.
9) Antikörper verbinden sich mit Antigenen
(Schlüssel-Schloss-Prinzip). Es entstehen sog.
Antikörper-Antigen-Komplexe.
10) Antikörper-Antigen-Komplexe aktivieren das
Komplementsystem. Es löst die Zellmembranen auf. Die
Fremdstoffe werden phagozytiert.
11) Wenn die Fremdstoffe bekämpft sind schalten die
Suppressorzellen die Immunreaktion ab.
Immunisierung:
Passiv:
Man gewinnt bestimmte Antikörper aus Tieren. Man injiziert
diese Antikörper gegen das bestimmte Antigen, wenn man nicht
warten kann bis der Körper selbst Antikörper bildet.
Diese Antikörper bekämpfen die Antigene. Diese
Methode bietet jedoch keinen Langzeitschutz.
Aktiv:
Man injiziert abgetötete oder abgeschwächte Erreger.
Das Immunsystem bildet Antikörper und
Gedächtniszellen. Dieses Verfahren ist als Schutzimpfung
bekannt und bietet einen Langzeitschutz.
Immuntoleranz:
In der Embryonalzeit ist das Immunsystem noch nicht
vollständig ausgebildet. Wenn ein Antigen in den
Körper gelangt wird es akzeptiert und als körpereigen
anerkannt. Es findet keine Immunreaktion statt.
Immunsuppression:
Wenn die Suppressorzellen zahlenmäßig stark genug
sind, können sie die übrigen T-Lymphozyten so stark
hemmen, dass diese nicht mehr gegen die körperfremde Substanz
aktiv werden können. Dies wird bei Organtransplantationen und
zum Schutz vor Allergien genutzt.
Es kann aber auch durch Alterung oder Schädigung des
Immunsystems zur Immunsuppression kommen. Dann findet keine
Immunreaktion gegen Krankheitserreger oder Krebszellen statt.
6.1 Autoimmunerkrankungen:
Das Immunsystem verwechselt körpereigenes und
körperfremdes Gewebe.
Dies passiert z.B. bei Multipler Sklerose. Hier wird das Nervensystem
vom Immunsystem angegriffen. Bei Diabetes Mellitus Typ 1 werden die
Langerhanschen Inseln zerstört und bei Rheumatischer Arthritis
sind die Gelenke betroffen.
Bei HIV oder AIDS findet das Gegenteil statt. Die befallenen Zellen
werden nicht als fremd erkannt und toleriert.
6.2 Allergien:
Allergien sind unangemessene Überreaktionen des Immunsystems
auf harmlose Antigene.
Das Referat stammt von Manja Stellmann
Mario.Hupfeld@uni-konstanz.de
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