Erst in den 70er Jahren wurden die Werkzeuge entwickelt, die die moderne Gentechnologie ermöglichten. Dazu gehören zunächst einmal die Entdeckung und Nutzbarmachung der Restriktionsendonukleasen (kurz Restriktionsenzyme, s. Linder S.327) und der Ligasen. Die Restriktionsenzyme wurden entdeckt, als man untersuchte, wie sich Bakterien gegen Viren schützen. Sie zerschneiden die eindringende DNA der Viren. Ihre eigene DNA ist durch Methylierung an entsprechenden Stellen der DNA geschützt. Dafür besitzen die Bakterien ein entsprechendes Modifikationsenzym, das DNA an den Stellen methyliert, an denen das eigene Restriktionsenzym die DNA schneiden würde. Mit den Restriktionsenzymen lassen sich DNA-Stücke gezielt an bestimmten Stellen spalten. Ligasen sind Enzyme, die die zerschnittene DNA wieder zusammenfügen können.
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Abb.1 Beispiele für Restriktionsenzyme:Hpa I stammt von Haemophilus parainfluenza. Es schneidet die 6 bp lange palindromische DNA-Sequenz in der Mitte glatt durch. Eco RI stammt von Escherichia coli dem berühmten Darmbakterium und schneidet eine 6 bp lange DNA-Sequenz überlappend durch, wobei klebrige Enden entstehen. Klebrig heißt hier, dass komplementäre Sequenzen mit dem herausragenden Ende hybridisieren können (s. nächste Abb). Hier wäre das also die Sequenz -TTAA oder -AATT. Hind III stammt von Haemophilus influenza und schneidet eine 6 bp lange DNA-Sequenz überlappend durch. Pst I stammt von Providencia stuartii und schneidet ebenfalls überlappend. |
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Abb. 2 Nutzung der klebrigen Enden:Zwei DNA-Sequenzen wurden beide mit Eco RI geschnitten, wodurch die gezeigten überhängenden Enden entstanden. Sie passen genau zueinander. Der Spalt, der nach dem Verbinden (annealing) entstanden ist, kann durch Ligasen geschlossen werden. |
Mit Hilfe der Restriktionsenzyme kann nun eine Kartierung des
Genoms durchgeführt werden. Trennt man zunächst die
einzelnen Chromosomen voneinander ab und nimmt man dann z.B. das
Chromosom 1 des Menschen, so wird es durch ein bestimmtes
Restriktionsenzym in eine genau definierte Anzahl von Fragmenten
zerlegt und zwar in reproduzierbar dieselben. Das ist wichtig
für die Gewinnung derselben Ausgangssituation. Jedes einzelne
Fragment kann nun seinerseits mit anderen Restriktionsenzymen
geschnitten werden, bis man so kleine Fragmente erhalten hat, die einer
Sequenz-Analyse (Sanger-Methode (s.u.)) unterworfen werden
können. Die Schritte, die man dazu durchführen muss,
sollen nun im Einzelnen besprochen werden.
Wir gehen also von einem Chromosom oder einer recht langen DNA-Sequenz
aus. Diese wird mit einem bestimmten Restriktionsenzym behandelt.
Dadurch entstehen eine ganz bestimmte Anzahl von kleineren
DNA-Fragmenten, die ihrerseits von unterschiedlicher Länge
sind. Diese müssen also erst einmal getrennt werden. Das
geschieht durch eine Gelelektrophorese.
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Abb. 3 Gelelektrophorese-Methoden zur Trennung von DNA-Fragmenten.A: Beispiel für die Verwendung eines kleinporigen Polyacrylamidgels zur Trennung von DNA-Fragmenten von der Größe zwischen 50 und 200 Nukleotiden. Es sind 4 Bahnen zu erkennen. Die Mischung aller Fragmente wurde oben aufgetragen. Zwischen dem oberen und unteren Punkt ist eine elektrische Spannung angelegt. Weil die DNA-Fragmente geladen sind, wandern sie nun von oben nach unten. Die kürzeren Fragmente wandern, weil sie leichter sind, schneller. Dadurch sind die kurzen Fragmente unten zu finden (s. Markierung 50 = 50 Nukleotid-Sequenzen). B: Verwendung eines Agarosegels mittlerer Porengröße zur Trennung doppelsträngiger DNA mit einer Länge zwischen 1000 und 6000 bp. C: Pulsfeld-Agarosegel-Elektrophorese zur Trennung von Chromosomen. |
Für die Sequenzierung kürzerer DNA-Fragmente
(200-500 bp) gibt es heutzutage Automaten, die nach der Sanger-Methode
arbeiten und die Sequenzierung automatisch erledigen können
(s. Linder S.329). Die Methode soll hier deshalb nicht weiter
erörtert werden. Es soll uns hier beschäftigen wie
sie zur Kartierung eines Chromosomenabschnittes eingesetzt wird.
Angenommen wir haben ein bestimmtes DNA-Fragment von der Länge
10 kb isoliert und wollen es sequenzieren. Dann muss es erst einmal in
kleinere Fragmente zerlegt werden, weil ein so langes Fragment nicht
auf einmal sequenziert werden kann. Dazu wird es mit zwei
Restriktionsenzymen geschnitten und zusätzlich einzeln mit nur
jeweils einem dieser Restriktionsenzyme. Danach wird eine
Gelelektrophorese mit den entstandenen Fragmenten
durchgeführt. Dadurch kann unter Umständen die
Reihenfolge festgestellt werden, wie die Fragmente zusammen
hängen. Das erläutert folgende Abb:
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Abb. 4 RestriktionskartierungDurch das Schneiden des Ausgangsfragmentes mit zwei
Restriktionsenzymen kann die Lage der Schnittstellen festgestellt
werden.
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Abb. 5 RestriktionskartenAusschnitte von einem Abschnitt der DNA, der um das
Hämoglobingen herum liegt. Die roten Quadrate entsprechen der a-Kette des Hämoglobins.
Jeder Buchstabe gibt die Schnittstelle eines anderen Restriktionsenzyms
an.
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