Familie Pröll - Josef Pröll

Josef Pröll, der Ehemann von Anna Pröll, wurde am 19. März 1911 in Augsburg geboren. Er wuchs in einer neunköpfigen Textilarbeiterfamilie auf. Josef besuchte 8 Jahre lang die Volks- und anschließend 2 Jahre lang die Fortbildungsschule. Mit 14 Jahren arbeitete er in einer Textilfabrik als Aufstecker und später dann als Weber, Notstandsarbeiter und nach Kriegsende als Kraftfahrer.
Da er kommunistisch engagiert war, trat er am 1. Oktober 1929, mit 18 Jahren, dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) bei. Am 5. Mai 1933 kam er in das KZ Dachau in Schutzhaft, weil er der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) angehörte. Nach seiner Entlassung am 20. Dezember 1935 musste er seine Arbeit sofort wieder aufnehmen.
Zusammen mit einer antifaschistischen Gruppe wurde er im Herbst 1936 verhaftet, er wurde jedoch nach ca. 3 Monaten mit allen Anderen wegen Mangel an Beweisen wieder entlassen. Im selben Jahr lernte er Anna Nolan kennen. Obwohl die Gestapo versuchte, diese Verbindung zu verhindern, heirateten die beiden am 5. November 1938. Am 16. Februar 1939 kam ihr Sohn Rudolf zur Welt.
Am 1. September 1939 um 6 Uhr morgens wurde Josef Pröll an der Arbeitsstelle als "politisch unzuverlässig und rückfällig" verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht, wo er später auf seinen Bruder Fritz traf. Dort war er Mitglied der illegalen Lagerorganisation. Für die beiden Männer begann nun eine schwere Zeit in verschiedenen Konzentrationslagern:

  • von 14. März 1942 an: KZ Natzweiler
  • von 30. April 1943 an: KZ Dachau
  • von 1. Juni 1943 an: KZ Natzweiler
  • von 17. Dezember 1943 bis zur Befreiung: KZ Buchenwald

insgesamt 8 Jahre und 6 Monate in KZ- Haft

Dank seiner Kameraden, die ihn in den sogenannten Pferdeställen versteckt hielten, wurde Josef nicht wie sein Bruder nach Dora weiter transportiert.
Am 11. April 1945 wurde er von der US Army befreit und konnte am 8. Mai 1945 schließlich zu seiner Familie zurückkehren. Er schloss sich erneut der KPD an und wurde 1947 Mitglied des Verbands der Verfolgten des Naziregimes (VVN).
Am 8 April 1953 wurde ihr zweiter Sohn Josef geboren.
Was er durchgemacht hat, verfolgte ihn bis zu seinem Tod am 27. März 1984.

Statement Josef Prölls

Josef Pröll geboren 19.3.1911 in Augsburg
Volksschule und Berufsausbildungsschule.
Mitglied des Kommunistischen Jugenverbandes seit dem 1. Oktober 1929

"Ich bin in einer Textilarbeiterfamilie aufgewachsen. Wir waren 7 Kinder, 4 Jungen und 3 Mädchen, im Durchschnitt kamen wir immer im Abstand von 2 Jahren. Ich war der dritte in der Runde.
Den 1. Weltkrieg habe ich als kleines Kind durchlebt. Danach die vielen Nöte, der Hunger und die Inflation. Dies alles hat uns Kinder sehr beeindruckt und ich habe mich frühzeitig um Politik gekümmert.
Wir wohnten im Stadtbachquartier. Das waren Betriebswohnungen der Stadtbachspinnerei. Am Wochenende kam da immer schon eine Gruppe der Arbeiterjugend zusammen. Sie sangen und tanzten und führten Reigen auf. Wir diskutierten, lachten und scherzten und träumten von besseren Zeiten.
Mein Vater hat im Wohnraum das Bild von Lasalle aufgehängt.
Mein Vater war ein fleißiger Mann, hat Tag und Nacht für seine Familie gearbeitet. Beim Essen schob er immer der Mutter die besseren Brocken hin: " Die Mutter muss Kraft haben," sagte er.
Auch die Mutter ging von Morgens bis Abends zur Arbeit. Was in einer so großen Familie noch an Arbeit auf sie zu kam, das kann man sich vorstellen.
Eine Lehre bekam ich nicht. Damals hat man schon darauf gewartet bis ein Kind 14 Jahre alt geworden ist und husch, husch so schnell wie möglich in die Fabrik, dass man am Wochenende eben ein paar mehr Groschen nach Hause brachte.
3 Jahre habe ich in der Spinnerei gearbeitet und dann in der Weberei. Dann wurde ich arbeitslos und teilte das Schicksal mit vielen Anderen. Meinen Vater haben wir sehr früh verloren. Er starb im Jahre 1925.
Unsere Mutter verloren wir durch einen Bombenangriff im in der Nacht vom 25-26. Februar 1944.
Meine zwei älteren Schwestern arbeiteten in der Spinnerei. Meine jüngere Schwester arbeitete später in einem Büro der Messerschmid- Werke als Dienstverpflichtete.
Mein Bruder Alois erlernte den Beruf als Feilenhauer. Der Fritz 1915 geboren, lernte als Mechaniker in der MAN. Der jüngste Bruder war noch in der Schule, kam zum Arbeitsdienst und wurde später zur Marine eingezogen.
Ich kam 1917 zur Schule. Kriegsjahre. 1918-19-20-21.Die ganzen politischen Verhältnisse setzten sich auch in den Kinderseelen fest. Die Arbeiterkinder trugen damals schon rote Armbinder und die Kinder aus dem Bürgertum haben weißblaue getragen. Bei uns am Stadtbach, wo auch der Proviantbach fließt und der Lech - da kamen damals die Weißgardisten aus Württemberg und haben die Stellung bezogen an Ostern 1919. Sie haben hinaufgeschossen gegen die Lechhauser Lechbrücke. Diese Brücke war besetzt von den roten Matrosen, die haben dann wieder heruntergeschossen.
In diesen Jahren als ich mich dem Jugendverband anschloss, gab es viele Demonstrationen gegen Lohnabbau, gegen die immer größer werdende Arbeitslosigkeit. Auch die Bauern kamen in Not. Pfändungen waren an der Tagesordnung. Dann kamen Wahlen und die Gefahr, dass Hitler die Macht zugespielt bekäme.

Die Sozialdemokraten hatten zur Wahl Hindenburgs aufgerufen, die Kommunisten sagten : "Wer Hindenburg wählt - wählt Hitler!! Wer Hitler wählt, wählt den Krieg!!"

So kam es!


Josef Pröll


Josef Pröll (in älteren Jahren)


Razzia in der Vorstadt 1933


Alle Bayern aus Buchenwald (3. v. l. vorne: Josef Pröll)


Inhaftierungsbescheinigung (1)


Inhaftierungsbescheinigung (2)


Josef Pröll in Dachau


Josef Pröll in Dachau (2)


Kleines Lager (mit Josefs Bemerkungen)


Artikel über den Tod von Josef 1984


Über Josef und Fritz


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