"Christo-Projekt"
von Reinhard von Tümpling

 

 

         Verpackung und Christo

-----Tendenzen der Gegenwart-----

Das Christo-Projekt passt in etwa in die 8. Klasse Kunst HS By, Lz 8.3 Wege in die Moderne, Lz 9.1 vom Gegenstand zur Abstraktion und besser in Lz 9.3 Tendenzen der Gegenwart.

Die im Netz veröffentlichten Bilder über die Arbeiten von Christo und seiner Ehefrau unterliegen dem Lizenz-Copyright der VG Kunst, Bonn. Ich erspare mir deshalb die Zitate der Bilder oder deren Gebrauch selbst und bitte die interessierten Kollegen, sich selbst auf die Suche zu machen. Meistens sind aber die Bilder und die Projekte bekannt. Gleichwohl könnte sinnvoll sein, die Geschichte der Objekte und Plastiken von Christo für den persönlichen Gebrauch zusammen zu sammeln.

Allein der Gedanke, einen Gegenstand oder ein Gemeintes durch Verhüllung und Verkleidung umzudeuten und ihm so womöglich einen neuen Sinn zu geben, ist reizvoll genug. Eine Verkleidung selbst macht den Gegenstand interessanter und vieldeutiger, und die bloße Abbildung des Gegenstands macht ihn billig und trivial oder lässt ihn zumindest so erscheinen.

Eine Verkleidung und Verhüllung lässt ihn mehrdeutiger, vieldeutiger oder ganz anders Fantasie anregend erscheinen. Die ganze Medien- und Verpackungsindustrie lebt vom schönen Schein der Dinge, von ihrer Umdeutung, deren Verherrlichung und dem Kleinreden. Sie vermittelt den Zugang zu den Dingen, kontrolliert ihn, profanisiert, sanktioniert und schafft sogar noch den Kult des Wertstoffhofes.

Wer den Transfer von der Verpackungsindustrie ohne Brüche zur Werbewirtschaft vollzieht, hat in Christo noch den Schlüssel zur semantischen Vielgestaltigkeit des Erscheinungsbildes.

 

 

Die Bilder "christo1.jpg", "christo2.jpg" und "christo3.jpg" zeigen den einfachsten unterrichtlichen Einstieg in das Thema.

Die Vorgabe waren gleich große Zigarettenschachtel große Styroporklötze, und die Aufgabe hieß nur, diese mit einfachsten Materialien zu verpacken.

Es ist kaum zu glauben, mit welchem liebevollen Eifer die Schüler die Klötzchen allein durch die Wahl des Materials in kleine kostbare Geschenke verwandelten.

Zu Verfügung standen Einmalpapierhandtücher, Servietten, Küchenabdeckfolie aus Aluminium und verschiedene farbige Geschenkbänder.

Wer von den Kollegen unterrichtlich noch weiter ausholen kann, findet hier auch den Einstieg zu Daniel Spoerri's Tafelbildern der gegessenen Mahlzeiten.

 

 

CHRISTO1.JPG

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CHRISTO2.JPG

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CHRISTO3.JPG

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Die Bilder "christo7.jpg", "christo8.jpg" und "christo9.jpg" zeigen die Zwischenphasen der Arbeit.

Beliebige Rundformen, geschweifte, mit Zacken und Haken versehene Scheiben aus 20 mm dickem Styropor, ca. 20 cm breite Bahnenstücke, paarweise mit dem Hitzedrahtschneider geschnitten, sortiert im Bananenkarton.

Technische Probleme waren die Verknüpfung von beliebigen Formen mit Häkelgarn, feucht gemachtem Serviettenmaterial oder ca. 1 m lange Bahnen von Alu-Folie. Einfach zusammen binden, und wenn einmal wickeln mit Häkelgarn nicht reicht, dann eben mehrfach. Zum Wickeln mit Servietten war sinnvoll, die Tücher nass zu machen.

Die Formen sollten nichts bedeuten, um eine größtmögliche abstrakte Vielfalt hervor zu bringen.

 

 

CHRISTO7.JPG

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CHRISTO8.JPG

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CHRISTO9.JPG

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Die Bilder "christo4.jpg", "christo5.jpg" und "christo6.jpg" zeigen die eigentlichen beabsichtigten Ergebnisse der Arbeit.

Denn die plastischen Arbeiten waren nur eine Vorstufe zur zeichnerischen Arbeit:

"Gestalte mit Schraffuren, Strukturen, gezeichneten Bändern, Tauen, Tampen, Korderln das Objekt!"

So entstanden vom Objekt her verfremdete Bildteile.

 

CHRISTO4.JPG

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CHRISTO5.JPG

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CHRISTO6.JPG

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Reinhard von Tümpling, 2001

 

 

 

 

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