Farbe
Rein-Trüb und Stumpf-Leuchtend

von Reinhard von Tümpling

Ich habe in dieser Arbeit zwei Farbprobleme zusammengefasst, unterrichtlich abgearbeitet und einen dritten Bereich mit hinein genommen.

Lehrplanzitat:
BILDNERISCHE PRAXIS

Lz 6.1 Gestaltungsmittel erkunden und anwenden: Ausdrucksvoll ins Bild gesetzt

Das naiv-erzählende Darstellen der Schüler entwickelt sich schrittweise zu einem stärker auf die Bildwirkung bedachten Gestalten inhaltlicher Anliegen. An Themen, die ihren Interessen und Bedürfnissen entsprechen, sollen die Schüler grundlegende Prinzipien des Bildaufbaus sowie die Ausdrucks- und Wirkungsmöglichkeiten malerischer und grafischer Gestaltungsmittel erproben und absichtsvoll einsetzen. Im Betrachten, Beschreiben und Charakterisieren eigener Arbeitsergebnisse, auch im Vergleich mit geeigneten Kunstwerken, sollen die Schüler erfahren, wie sehr die Wirkung der Bilder vom überlegten Einsatz der Bildmittel abhängt. KR 6.6.1, Ph/Ch/B 6.3.3, WTG 6.5.2

Gestalten:

Wirkungsvolles Darstellen inhaltlicher Anliegen:
Format, Bildaufbau, Größe und Platzierung von Bildelementen, Figur-Grund-Bezug
Malen: Nutzen von Farbverwandtschaften und Farbgegensätzen
Zeichnen: Beleben von Flächen mit grafischen Strukturen

Betrachten:

Die eigenen Arbeitsergebnisse und vergleichbare Werke der Malerei und Grafik, malerische und grafische Gestaltungsmittel, Farb- und Formcharaktere, Komposition und Darstellungsweisen im Bild, Ausdruck und Wirkung.

Der Unterricht fand 2002/2003 statt und war innerhalb der 6. Klasse auf das anschließende Thema "Fantasiemaschine" hin bezogen.


Bild:
Farbe22.jpg

Das bildnerische Problem hat sich an den Arbeiten von Sonia Delaunay orientiert, "elektrische Prismen" 1914.

Copyright Probleme


Bild:
farbe23.jpg


Im Schuljahr 2003/2004 habe ich das Farbproblem anders thematisiert. Während der heißen Jahreszeit im Sommer lief die Fernsehwerbung des Coca-Cola-Spots zum "Chiwawa-Mann".
Es zeigt in einer sehr schön arrangierten und nachgestellten blauen düsteren U-Bahn-Szene einen Rasta-Musiker mit einer Gitarre, der nach dem Genuss eines Schluckes Coca-Cola plötzlich belebende zündende Akkorde spielt.

Coca-Cola hat hier in der Fernsehwerbung mehrere Dinge verwoben: das Multikulti-Thema, die Sicherheit in U-Bahnen, die Okkupation eines musikalischen Gassenhauers von DJ Bobo und den beliebten Konzerttourismus zu einem Massen- Event.


Lehrplanzitat:
BILDNERISCHE PRAXIS

7.2 Darstellen, Verändern, Übertreiben: Typen und Charaktere

Jugendliche suchen nach Orientierung und wählen sich oft Vorbilder, die sie zu Idolen überhöhen und denen sie durch Nachahmung ihrer Kleidung und Haltung nahe zu kommen suchen, in der Hoffnung, ihr schwankendes Selbstwertgefühl dadurch zu stützen und Anerkennung in ihrer Gruppe zu gewinnen. Dabei fällt es ihnen noch schwer, Schein und Sein, Wunsch und Wirklichkeit auseinander zu halten. Die praktische Auseinandersetzung mit gängigen Figuren-Stereotypen aus der Medienwelt, der Mode oder des Sportes kann die hier nötige Klärung unterstützen.
Im vergleichenden Erkunden solcher Typen-Muster sollen die Schüler lernen, deren Erscheinungsbild und Wirkung zu verstehen und mögliche eigene Abhängigkeiten von solchen Einflüssen zu erkennen. Durch Betonen, Übertreiben und Verändern der Körperproportionen, der Haltung und "Aufmachung" der Helden, Anti-Helden und der Umgebung, in der sie auftreten, sollen die Schüler in eigenen Bildern Möglichkeiten der Distanzierung erfahren. Dabei kann ihnen die Technik der Collage als Zuordnungsspiel mit gegebenen Bildelementen hilfreich sein.

Rollen und Erscheinungsbilder KR 7.5.1, EvR 7.1.2, Eth 7.6.1, E 7.2.3
Helden und ihre Widersacher; Idole und ihre Fans; Berufstypen

Gestalten:

Collagieren, Zeichnen, Malen, plastisches Formen
Verdeutlichen charakteristischer Merkmale, Körperproportionen und -haltungen
7. 6 Bekleidung/Attribute
7. 5 Verändern von Erscheinungsmerkmalen, z. B. durch Betonen, Übertreiben,
Umkehren, Vertauschen

Betrachten:

Helden, Typen und Stars aus Sage und Märchen, der Film- und Popszene, dargestellt auf Fotos, in Illustrationen, Karikaturen, in der Werbung und in der Kunst Beschreiben von Aussehen, Haltung, Mimik, Gestik und Ausdruck, Vergleichen der Wirkungen betrachten:


Ich habe in meiner 7. Klasse des Schuljahres 2003-2004 methodisch das Problem der Comics verbunden mit dem Farbproblem, eine aktive Farbe auf einem passiven Untergrund zu bearbeiten.
Die Schüler können das Menschenbild bildnerisch noch nicht gestalten; ich habe deshalb Teile meines Comic-Baukastens als Tischvorlage ausgeteilt und den Kopf übergroß darstellen lassen; der Aspekt stammt aus dem früheren CuLP (siehe auch: http://www.kunstlinks.de/material/vtuempling/versatz/)

 

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Bild: metho20.jpg zeigt drei Entwürfe

Bild: metho21.jpg das beste Ergebnis der Skizzen

Nach der Findung der Umrissformen hieß die Aufgabe nur, mit kräftigen und klaren Farben die Figur auszumalen und den Hintergrund dunkel und schmutzig zu gestalten.

Die Ergebnisse:


Bild: farbe26.jpg zeigt den professionellsten Gitarristen, das zerrissene und gewollt schmutzige Hintergrund-Grau gibt die Szene im U-Bahn-Waggon gut wieder

Bild: farbe27.jpg zeigt 2 recht einfache Chiwawa-Männer

Bild: farbe28.jpg zeigt 8 Gitarristen, einige davon wollen es noch werden

Bild: farbe29.jpg zeigt den fröhlichsten und unbeschwertesten Chiwawa-Mann

Anmerkung zum Ergebnis:
Die Schüler kannten fast alle passiv den Spot, konnten sich aber aktiv nicht in der Form eines Unterrichtsgesprächs erinnern, dass sich da zwei Charaktere und Rollenträger in der U-Bahn getroffen und gefunden haben. Die Schüler kennen keine U-Bahn, nur den Schulomnibus. Sie konnten auch die Gestik und Mimik nicht erkennen in "traurig, gelangweilt und überrascht". Sie kannten aber die Massenbewegung vom Fußball her bei der die Zuschauer die "Welle" machen und waren plötzlich mit Begeisterung bei der Sache, dass es noch andere Bereiche gäbe, in dem man "Chiwawa" machen könne.


Fach übergreifender Bezug:

Etliche Schüler kommen ohne Frühstück in die Schule. Ich habe während des Unterrichts oder im Anschluss daran auf ein gesundes Frühstück hingewiesen, damit man ohne Hungergefühl und mit etwas gefülltem Magen in die Schule kommt. Manche Schüler stehen auch zu spät auf und können sich deshalb kein Frühstück bereiten oder können es nicht bereitet bekommen, oder sie müssen den Omnibus erreichen. Die Angewohnheit und Einbürgerung des Snacks verführt zum Essen zwischen den Hauptmahlzeiten.

Deshalb habe ich während der Arbeit auch über das Verkehrsmittel gesprochen.


Anmerkungen in eigener Sache

Angeschlossen habe ich daran eine Schilderung der Berliner S-Bahn und U-Bahn, die wir August 2003 erlebten. Es ist auch abends nicht so, dass unruhige Menschen die Passagiere ängstigen, worauf das Bild der Coca-Cola-Werbung abhebt. Es gibt unanmeldete Fahrscheinkontrollen, unregelmäßig mitfahrende Schaffner und einen Wachdienst. Die S-Bahn schien auch nicht verwahrlost, gelegentlich sahen wir aber verkratzte Glasscheiben. An den Gebäuden im S-Bahn-Bereich gibt es Graffiti, kunstvoll und weniger gut.

Die S-Bahn hat uns für 2,20 Euro (die Fahrt im engeren Verkehrsbereich, Umsteigen erlaubt) überall ans Ziel gebracht, wohin wir wollten. Unsere Bekannte Johanna M. hat uns dabei gerne geholfen und ich bedanke mich an dieser Stelle herzlichst bei ihr für die Begleitung auf einem besonderen Ausflug nach Fürstenwalde zu meiner Kollegin.

Eine Fahrt führte uns zur neuen Nationalgalerie und zum Sony-Center am Potsdamer Platz.


Bild: selb2416.jpg:
als Denkmal ist dort ein Teil der Berliner Mauer aufgestellt.


Bild: potsdamp.gif:
(Die Quelle war Power Route von Cardy, ab WIN 95. Ich habe die Grafik über die Printscreen-Taste exportiert und als -.gif nachbearbeitet. Die U-Bahn befördert direkt zum Zentrum am Potsdamer Platz. Der Weg zur Neuen Nationalgalerie (Mies van der Rohe) http://www.smb.spk-berlin.de/nng/s.html ist im lang gestreckten Bogen immer noch in Sichtweite zum Sony-Center, http://www.sonycenter.de/, das Grundstück ist noch nicht verbaut.

Wer sich etwas Gutes antun möchte, kauft die CD der Nationalgalerie Berlin, "Kunst in der DDR", ISBN 3-86502-081-X. Nach der Installation lässt sie sich über den Arbeitsplatz hinweg öffnen. Sie zeigt teilweise bestes Handwerk (aber auch die Zeitverzögerung, mit der die Strömungen aus der Bundesrepublik in die DDR kamen).

Bild fehlt

Bild: sony_1.jpg das Innere des Sony-Centers.
Wir brachten etwas Zeit für die weiten Strecken zu Fuß mit und gingen im Sony Center in die ebenerdige Cafeteria und bewunderten die eigenwillige Architektur: der ganze Bau ist dem Straßendreieck nachfolgend angelegt und umfasst einzelne Komplexe. Auffallend waren die kalten Flächen außen, der abschließende turm-artige Vorbau der Telekom nach Nordosten hin, die flachere Staatsbibliothek nach Südwesten hin und die zwei schräg und steil aufragenden Halbschalen im Inneren, die dem Publikum den Eindruck einer verspielten Lichthalle vermitteln. Als Dach dient eine eigenartige und luftige Zeltkonstruktion, die nach oben von einem Ring gehalten wird.

Ich habe dies Foto aufgenommen, weil es den Eventcharakter des Gebäudes für das Publikum schildert. Man kann die transportierbare Beleuchtungsanlage mit farbigen Scheinwerfern erkennen. Ein Kamera-Wagen mit seinem beweglichen Kranarm fährt vor und zurück und auf und ab und sucht den besseren Blickwinkel, ein Mann mit einer Handkamera streicht langsam um eine saloppe Moderatorin herum und auf einem sehr glatten Fußboden bewegt sich eine fahrbare Kamera.

Dazwischen immer Regieanweisungen, ein Mann am Megafon, die Moderatorin bewegt sich und dreht sich in immer neuen Wendungen zu diesen drei Kameras. Ein roter Kleinwagen steht als fiktiver Gewinn neben der Szenerie, nahe genug, um ihn als Verheißung sofort präsent zu haben, ein kleiner Dreiradwagen steht als Pizzeria-Auto herum.
Es war nicht klar ersichtlich, ob jetzt gerade eine Moderation für einen Pizza-Service gemacht wurde, ein Werbespot für einen Kleinwagen oder das Ambiente sich nur selber darstellte.
Ein aufregendes Summen und Brummen lag von den vielen Menschen in der heißen Sommerluft. Es schien aber so nichtssagend wie der Kaffee, den wir zu uns nahmen und wie die frechen Spatzen, die zwischen den Tischen nach Kuchenkrümeln suchten.

Es kann ja sein, dass der Blickwinkel der Kamera alles als wichtig erscheinen lässt, was sie aufzeichnet. Die Kamera schließt aber auch alles andere aus und macht ein Geheimnis aus dem Nichtgesagten, man sieht das Rätsel und möchte es lösen. Und das Rätsel wird um so größer, je geringer die Worte sind.

Bild fehlt

Bild: sony_2.jpg zeigt mit der Ansicht von der Neuen Nationalgalerie her den ganzen geschlossenen dichten Gebäudekomplex: ein Verwaltungs-, Wohn- und Zweckbau.

 

Reinhard von Tümpling, 2003