Das Bild vom Menschen

von Reinhard von Tümpling

Bewegung / Mensch

Das Thema kann im Zusammenhang mit dem Daumenkino und dem Phenakistoskop gesehen werden, in dem es um einzelne Bewegungsphasen geht, es lässt sich aber nirgendwo so richtig eigenständig zuordnen. Ich trage dies Thema seit vielleicht 20 Jahren mit mir herum.


Diese Konstruktion kann z.B. auch den beweglichen Spielfiguren in der 6. Jahrgangsstufe zugeordnet werden, im weitesten Sinne. Man kann damit eine Art "Schattentheater" mit vom Boden aus beweglichen Seitenriss-Figuren gestalten, die vor einem weißen Tuch bei rückwärtiger Beleuchtung bewegt werden.

Unter http://www.moduni.de/ bietet z.B. der Verlag Scheuer und Strüver mit den Suchbegriffen "Mechanik" und "modellbau" dem Freund skurrilen britischen Humors eine Reihe von Flachkartonmodellen an.

 

 

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Wenn man dieses Thema auf Papierebene dem Daumenkino vorschaltet, ergibt sich eine den Schüler zu sehr belastende Sequenz- die Schüler erfassen zwar das Problem, können aber nicht konsequent die Sache durchhalten und das Thema würde zu viel Zeit beanspruchen.

Ich stelle es ins Verzeichnis, weil mit dem Werkzeug der zu Grunde liegenden Menschenschablone des Bildes vom Menschen sinnvoll weiter gearbeitet werden kann.

Die Ausgangsbasis


mensch_l.jpg
: der Vitruvius, von Leonardo

mensch2.gif: Dürer

 

Die professionellen Versuche zum exakten Bild vom Menschen aus neuerer Zeit


mensch5.jpg: eine Studie zur Ergonomie von Bosch

mensch4.jpg: eine AutoCAD-Datei eines Gabelstaplerfahrers

 


Durchgesehene Netzeinträge:

http://www.kusem.de/konz/su1/s1setup.htm
http://www.kusem.de/lk/prop/prop.htm
von Uli Schuster
http://www.kusem.de/konz/su7/sitzset.htm
Uli Schuster streift hier recht erfrischend an meinem Kernthema vorbei
http://www.tu-harburg.de/b/kuehn/lec4.html
gibt u.a. den Zugang zum "Modulor" von Le Corbusier
http://www.sportunterricht.de/animation/index.html
sehr interessante und gut animierte Beispiele zum Bewegungsproblem, arbeitet mit Movie Gear, beste Seite zum Sportunterricht


mensch3.jpg zeigt eine sehr gute käufliche Ergonomie-Schablone aus transparentem grünem Kunststoff, an deren Gelenken Hohlniete angebracht sind. Dies Beispiel habe ich künstlerisch benutzt, umgesetzt und für Schülerzwecke vereinfachend weiter entwickelt. Bei genauer Betrachtung fallen die Unterschiede auf: in Schlüsselbeinhöhe und auf Schambeinhöhe ist die Vorlage kleiner. Ebenso weist das Original eine gelenkige Wirbelsäule im Lendenbereich auf.


mensch28.gif
zeigt den zerlegten Menschen als Stück-Schablone, angepasst im Maßstab etwa 1:4,68 und auf DIN A4. Hier sind Oberkörper, Unterleib und Kopf noch drei einzelne Gelenk-Teile. Ebenso habe ich die Gliedmaßen noch als Einzelteile gestaltet.

Diese Teile für den Schüler umzusetzen und auszuschneiden ist immer noch zu kompliziert, ich habe sie hier nur für die Genauigkeitsfanatiker unter uns Kollegen aufgenommen, um zu zeigen, dass ich sie im Bedarfsfall auch als -.dxf-Exportdatei mailen kann.


mensch29.gif
zeigt dasselbe und zusammen gestellt für die Dekupiersäge, auszusägen als Stapellage in Graupappe. Auch als -.dxf-Exportdatei auf Wunsch erhältlich.

mensch37.gif
ist das endgültige Blatt, eventuell auf DIN A3 zu vergrößern, auch als -.dxf-Datei mailbar. Ich habe diese Teile in randverleimter Graupappe aus dem Stapel gesägt und bekam so einen Satz mit 10 Teilen. Ein Hinweis: es lassen sich max. vielleicht 12 Bögen Graupappe sägen, die Standzeit des Sägeblattes Nr. 5 ist sehr viel geringer als bei Pappelsperrholz und wegen der unvermeidlichen Gratbildung links und rechts des Schnittes empfiehlt sich eine Deck- und Bodenschicht 3er Pappelsperrholz

 


mensch38.jpg: die zur Schülervorlage als Stapel gesägten Teile

Dieser Arbeitsumfang war überschaubar gering und im Anspruchsniveau genug für die Schüler, um unmittelbar nach dem Austeilen des kleinen Plastiktütchens mit dem Legen der Figuren und dem Nachzeichnen anzufangen. Die Arbeit erwies sich als sofort ohne Probleme nachvollziehbar in meinen beiden 8. Klassen im Schuljahr 2002/2003 am Schuljahresende.


Die Ergebnisse:


mensch39.gif:
die erste Aufgabe hieß nur, eine fortlaufende und gleichförmige gehende Bewegung in Phasen darzustellen, z.B. eines gehenden Mannes

mensch40.jpg:
diese Aufgabe sollte den Übergang von einer ruhenden Phase in eine laufende Bewegung darstellen.

mensch41.jpg:
diese Arbeit gelang auch recht gut

mensch42.jpg:
diese Aufgabe zeigt den Übergang vom Sitzen zum Gehen.

Das Ziel der Zerlegung einer gesamten Bewegung hin zu Einzelbildern wurde von fast allen Schülern erreicht. Gelegentlich aber hatten einzelne Schüler Probleme, in der Seitenansicht das Zusammenfallen der Gelenkpunkte von Schulterblatt-Oberarm und Beckenknochen-Oberschenkel zu begreifen.


Nachgedanken:

Sicher wirkte die dauernde Verwendung dieser Schablone langweilig. Sie muss eingebunden werden in eine Anwendungsaufgabe; sie kann und soll auch abgewandelt werden, weil sich Gestalt und Bild des Menschen im Laufe des Lebens verändert. Nirgendwo sonst aber bekommen die Schüler das Bild eines Menschen vermittelt, das zur Eigentätigkeit und Weiterentwicklung auffordert, es fehlte stets ein praktikables Werkzeug zur Umsetzung von komplexeren Aufgaben.

Die Schüler benutzen meist ein inneres Bild eines Menschen, das dem intuitiven und gewachsenen Selbstverständnis der Bewegung nahekommt: eher einem Verwischen von Bewegung nahekommt, und damit einer Nicht-Erkennbarkeit.

Sie benutzen aber nicht ein statisches und ruhendes Menschenbild, das einer Auffassung vom Menschen in der ägyptischen und hellenistischen Hochkultur oder der Romanik oder Renaissance nahekommt. Auch sind kaum Spuren eines Menschenbildes wie z.B. im Klassizismus oder im Realismus vorhanden.

Dem intuitiv benutzten Menschenbild von Achtklässlern nachzuspüren, wäre ein anderes Thema.

Reinhard von Tümpling, 2003

 

 

 

 

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