Siebdruck
von Reinhard von Tümpling

 

 

Siebdruck ist eigentlich kein Druckverfahren im klassischen Sinne wie Hochdruck, Tiefdruck und Flachdruck, sondern ein Schablonenfarbauftragsverfahren, bei dem mit einer Rakel Druckfarbe durch ein besonders feinmaschiges Sieb gepresst wird. Seine Vorteile liegen im regelmäßigen Farbauftrag und im flächigen Farbauftrag mit leuchtenden Farben.

Das Thema kann noch durchgenommen werden in Lernziel Ku 7.6, HS Bayern. Ich habe es inhaltlich so gestaltet, dass es wegen des Ornamentalen zum Thema Stoffdruck in HS By 5.6.3 WTG passt. Es ist ferner anwendbar in der R6 TG 5.2, im MuG 1990 unter 8.5 und idealerweise in G 12 unter 1.4, allerdings im kunstgeschichtlichen Zusammenhang zur Gegenwartskunst. Im neuen Lehrplanentwurf 2002 lässt er sich unter By G Ku 7.4.1 anwenden.

Der Siebdruck setzt einen stark abstrahierenden Gebrauch von Farbe voraus und verlangt ein sehr vereinfachendes Formverständnis.

Der unterrichtliche Arbeitsschwerpunkt im Siebdruck liegt in der Herstellung der Schablone. Der materielle Aufwand kann je nach Qualität des Druckgutes, der Farbe und des Gewebes erheblich sein.

Es empfiehlt sich der Gebrauch des Gewebes aus dem Als-Verlag (www.als-verlag.de). 1,5 Quadratmeter sind wirtschaftlich aufteilbar in Rahmengrößen von z.B. 100 x 75, 50 x 75, und ggf. in 36 x 50 cm, dessen Preis dann bei 1 Euro liegen würde. Wer es noch billiger gestalten möchte, könnte auch das sehr grobe Gewebe des Fliegengitters aus dem Baumarkt nehmen.

Als Farbe verwendete ich im Unterricht versuchsweise weiße und farbige Abtön- und Dispersionsfarbe und die schwarze Stoff- und Textildruckfarbe Dekaprint 2000 von Deka, Unterhaching. Der Als-Verlag empfiehlt für den Siebdruck EFA-Color.

Als Rakelgummi verwendete ich vorgefertigte Gummistreifen, die es als Landwirtschaftsbedarf in verschiedenen Längen zum Wischen von Stall-Betonfußböden gibt.

Durchgesehene Netzeinträge:

http://www.malen-drucken.de/siebdruck/
http://www.vcp-recke.de/archiv/bemalung.htm
http://www.tif.de/Siebdruck2.html
http://www.gks-siebdruck.de/seiten/siebdruck.html
http://www.schaber.at/paed/inhalt.htm
http://www.schaber.at/paed/klebefilmschablonendruck.html

http://www.schaber.at/paed/siebdruck.html:
der Kollege kommt unterrichtlich bis zur Schneide- und Klebefolienschablone und sagt ferner, dass die Fotoschablone nicht in Betracht kommt wegen der schulischen Bedingungen.

http://www.peters.de/saved/Ti/ti1511_d.htm
ist der fachwissenschaftlich beste Beitrag.
http://www-user.uni-bremen.de/~kunst/studierende/druckwerkstatt/ilsetext.htm
http://www.ulano.com/
ist der Hinweis auf den Schneidefilmhersteller, allerdings englisch-sprachig

http://www.siebdruckshop.de/kiwo.htm
ist der Hinweis auf den Fotoschablonenhersteller "Kissel + Wolf", der aber nur über Zwischenhändler verkauft.

 

   

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Das Beispiel zeigt eine unwirtschaftliche Formatwahl des Siebes: die Rahmenhölzer liegen flach und die nutzbare Siebfläche ist kleiner.

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Das Beispiel zeigt eine wirtschaftliches Format des Siebes: die Rahmenhölzer liegen senkrecht. Bei gleicher Stabilität ist die nutzbare Siebfläche größer. Wird das Gewebe trommelhart aufgespannt, ziehen sich die Rahmenleisten etwas nach innen. Am Ende der Unterrichtsstunde werden meist feuchte Rahmen aufgeräumt. Selbst mit stumpfer Verleimung, offener Dübelung und 2-facher Lackierung mit Nitrolack bleibt eine Restfeuchte, welche den Leim auflösen kann. Die Ecken sind deshalb noch mit Metallbeschlägen gesichert.

 

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Zeigt das Bohren für die Eck-Verdübelung der Rahmen. Die Rahmenecken sind nur zum Bohren stumpf verleimt, ein noch dazu aufgeschraubter Eisenblechwinkel ergibt zusätzliche Sicherheit.

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Zeigt das Spannen des Gewebes nach dem Kniehebelprinzip: zwei Rahmen werden am Rand mit Gewebe geheftet und mit einem beigelegten Holz zum Einstellen der Spannung dann langsam senkrecht gedrückt. Die Spannung des Gewebes gelingt sehr gut, wenn es trommelhart gespannt ist und die Heftklammern am Rand das Gewebe noch nicht einreißen.

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Dies Blatt zeigt den nicht nutzbaren Rand des Gewebes und die nutzbare Gewebeöffnung, wenn man davon ausgeht, dass sich das Gewebe beim Rakeln etwas verziehen könnte. Die Rakel soll allgemein etwas größer sein als die nutzbare Siebfläche, weil sich die Druckfarbe seitlich heraus quetscht und Probleme mit der Farbschichtendicke auftreten.

 

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zeigt die Anpassung an das Transportvolumen eines Bananenkartons. Wenn man berücksichtigt, dass der technische nicht nutzbare Rand des Gewebes etwas geringer als 5 cm sein kann, ergibt sich eine nutzbare Sieböffnung von DIN A4. Die äußere Rahmengröße passt noch in ein großes Waschbecken. Die Farbe muss nach dem Druck mit Pinsel und Schwamm komplett sauber ausgespült und ausgewaschen werden.

 

 

 

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zeigt einen Versuch mit der Schneideschablone, eine weiche OH-Projektorfolie wird mit dem Messer über dem Bild geschnitten und mit handelsüblicher Dispersionsfarbe auf Papier ausgedruckt: im Ergebnis verschmiert die Kante des Bildes unter die Ränder, weil in der Farbe die feinflüssigen Bestandteile zuerst mit ausgedruckt werden, die homogener gemischte Farbe müsste erheblich pastoser sein.
Zweiter Fehler: der Rand außerhalb der Schablone war nicht abgedeckt. Eine Weiterentwicklung der Schneideschablone ist der Gebrauch der selbst klebenden Bucheinbandfolie

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Zeigt vom Verfahren der Fotoschablone den Belichtungsvorgang. Das Bildmotiv muss absolut schwarz und Licht undurchlässig auf der Vorderseite eines hitzefesten Polyesterfilms sein. Man kann mit anlösender Tusche und dem Pinsel das Motiv auf Folie aufmalen, mit der Stahlfeder oder einem Röhrchenschreiber das Motiv aufzeichnen, mit schwarzer fettiger Lithokreide auf die Folie malen oder sogar mehrere Polyesterfolien hartkopiert aus dem Kopierer übereinander gelegt verwenden. Die möglichst punktförmige Lichtquelle erzeugt ein Licht mit der Eigenschaft, die Gelatine auszuhärten oder auswaschbar zu lassen. Das belichtete Sieb muss am Ende des Belichtungsvorganges ausgespült und getrocknet werden.

Nach dem Druck kann mit auflösenden Chemikalien und einem Hochdruckreiniger die Schablone ausgewaschen werden.

Dies Verfahren ist mit Schülern nur in Kleinstgruppen möglich. Es muss in einer Dunkelkammer beschichtet, getrocknet, belichtet und ausgewaschen werden.

Eine andere direkte Schablone ist das wasserlösliche "Manufix"-Verfahren, das es unter diesem Namen aber nicht mehr gibt. Die wasserlöslichen Farben lösen im Laufe der Auflage die Schablone auf. Diese Schablone wird "aufgemalt".

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Zuerst soll über dem Druckgut der geringe Absprung eingestellt werden, z.B. durch untergeklebte Pappestückchen, damit das Sieb sich immer frei über dem Druckgut befindet.

Es zeigt den Druckvorgang: die leicht schräg gehaltene Rakel mit der verteilten Farbe wird senkrecht pressend über das Gewebe gezogen. Dabei verformt sich die eigentliche Druckkante leicht, schiebt die Farbe als "Walze" vor sich her und quetscht die Farbe durch das Sieb auf das Druckgut.

Ist die Farbe feiner flüssig, reicht einfaches Rakeln. Ist das Gewebe dünn und der Druckuntergrund stark saugend, könnte bei hart gespanntem Gewebe zweimals gerakelt werden. Gewebe und Druckgut dürfen sich hierbei aber nicht verziehen.

Das Zurückschieben der Rakel soll ohne Druck geschehen.

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Zeigt die üblichen Fehler: eine schlecht gerührte Farbe mit zu viel Wasseranteil und den scharfen Spachtel: bei einem groben Sieb soll die Farbe fast pastos sein (Thixotropie), und das Zurückschieben der Farbe soll mit einem weichen Schaber geschehen.

 

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Erläutert das mehrfache Falten einer Papierschneideschablone:
je nach Schnitt an der Faltung ergibt sich die offene Schablone.

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Mehr als 8 Lagen sind nicht mehr möglich zu schneiden.

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Eine einfache Lösung in 8 Lagen, aber schräg und diagonal gefaltet

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Zeigt eine aufgefaltete Schneideschablone aus Papier für den Stoffdruck mit runden Schnittformen und unregelmäßiger Faltung

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Zeigt eine aufgefaltete Schneideschablone mit fast eckigen Schnittformen

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Zeigt eine aufgefaltete Schneideschablone mit nur runden Schnittformen. Dies ist erheblich schwieriger, weil der Schüler mehrere Lagen Papier auch noch bogenförmig schneiden muss

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Zeigt eine Schablone mit unregelmäßiger Faltung und den Papierabdeckrahmen für das Sieb

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Zeigt den Ausdruck der Schablone mit weißer Dispersionsfarbe auf Wellpappe. Mit nur einem Rakelgang der halbpastosen Farbe unterläuft und verschmiert nichts. Die Farbe steht dick auf dem Druckgut. Dispersionsfarbe trocknet schnell auf dem Druckgut auf und im Sieb: es soll sich nicht zuviel Farbe auf dem Sieb befinden.

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Zeigt das Auswaschen des Siebes. Notwendige Werkzeuge sind ein weicher Pinsel und ein alter Schwamm, die Mülltonne sollte gleich daneben stehen. Zum Abtrocknen sind Einmal-Papierhandtücher sinnvoll.

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Zeigt den 4 mm großen "Absprung" eines besseren 60er Gewebes (z.B. aus dem Als-Verlag). Man kann sehen, wie sich beim Rakeln das Gewebe bogenförmig verzieht. Dies Verfahren sogt beim Papierdruck für das Lösen des Druckgutes vom Sieb: jeweils nur die druckende Stelle ist in Berührung und das bereits gedruckte Schablonenteil hat sich wieder gelöst vom Papier. Nachteil wird das Verschmieren des Druckbildes sein, ein großer Absprung eignet sich nur für die gemalte Schablonentechnik mit z.B. "Ulano"-Siebfüller, der mit heißem Wasser wieder aus dem Gewebe ausgewaschen werden kann.

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Zeigt ein einstellbares und selbst gebautes Scharnier, wie es für den Mehrfarbdruck auf Papier nötig ist. Sinnvoll ist noch das Anbringen eines Gegengewichtes.

Es gibt sicher einfachere Lösungen, wie z.B. das Festklemmen von Anschlag-Randleisten auf dem Tisch, um den Rahmen immer wieder in die gleiche Lage über dem Druckgut zu bringen.
Das Druckgut soll in seiner Lage mit 3 Passer-Markierungen auf dem Tisch genau fixiert sein. Nur so ist gewährleistet, dass sich alle Drucke der Kleinauflage immer wieder am selben Ort befinden.

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Stellt als Zusammenschau eine methodische Entwicklung der Möglichkeiten durch Schneiden und Lochen und unterschiedliche Faltungen an Papierschablonen dar.

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Unterrichtsergebnis: eine kleine 3-er Auflage im Stoffdruck.

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Die Ergebnisse müssen zur Benotung mit Stecknadeln und kleinen Namenszetteln gekennzeichnet sein.

 

 

Reinhard von Tümpling, 2002

 

 

 

 

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