Totemismus

Der Name Totem stammt aus dem Algonkin im südlichen Kanada und bezeichnet die Verwandtschaft von Menschen mit einer Tiergruppe, in manchen seltenen Fällen mit einer Pflanzengattung oder irgendwelchen Gegenständen. Man unterscheidet einen Individuen-, einen Gruppen- und einen Geschlechtstotemismus. Letzterer, nur aus Australien bekannt, bedeutet, dass Männer und Frauen eines Stammes je ihr eigenes Totem haben. Wesentlich ist bei jeder Form des Totemismus, dass man seine Abstammung von dem Totemtier ableitet und sich mit aller zu dieser Art gehörigen Tieren und den Menschen, welche dieselbe Abstammungseinheit aufweisen, verwandt fühlt. Diese Verwandtschaft wird so real empfunden, dass man sich mit dem Totemtier identifiziert Daraus folgt, dass es nicht gegessen werden darf. Eine Tötung findet selten statt und ist dann mit Sühneriten verbunden. Das Verwandtschaftsgefühl wirkt sich meistens auch darin aus, dass innerhalb der Totemgemeinschaft nicht geheiratet werden darf. Nachwirkungen aus totemistischen Vorstellungen zeigen sich in der Meidung (Tabu = [polynesisch] unverletzlich, unantastbar) verschiedener Speisen und in manchen Namen.

Der Totemismus ist keine isolierte Erscheinung. sondern Teil einer religiösen Vorstellungswelt, die man als Umweltverbundenheit bezeichnet kann. Beispiele: das Hervorkommen der mythischen Ahnen aus dem Baum omumborombonga bei den Herero in Namibia, die Wertschätzung der Bananenstaude bei ostafrikanischen Völkern oder allgemein die Rolle des Lebensbaumes. Am stärksten wirkt sich die Verbundenheit mit der Umwelt in Tiervorstellungen aus. Es gibt Tierkulte, die vielleicht aus Seelenvorstellungen entstanden sind. Nicht selten wird angenommen, dass die ,,Seele" von Häuptlingen in Löwen oder andere Fehden eingeht, die anderer Menschen u.a. in Schlangen. Wenn Menschen sich in reißende Tiere verwandeln und andere Menschen töten und symbolisch oder faktisch auffressen, sprechen wir von Werwölfen, d.h. Mannwölfen <lat. vir>. Der sog Herr der Tiere ist ein geisterhaftes oder ein wirkliches Tier, das über die Tierherde gebietet und sie schützt. Mit ihm muß sich der Jäger auseinandersetzen, da es von ihm abhängt, ob er ein Tier seiner Herde zum Erlegen freigibt. Häufig ist das Schicksal eines Menschen mit dem eines Tieres so eng verbunden, dass beide demselben Ergehen unterwerfen sind. Stirbt dieses Tier, wird auch den Menschen der Tod treffen. Es ist der sog. alter-ego-Glaube.