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Die ozeanischen Religionen - Übersicht
Dieser Beitrag beschreibt die (natur)religiöse Situation in folgenden Gebieten des Pazifischen Ozeans:
B - Australien - B
C - Melanesien - C
D - Mikronesien - D
E - Polynesien - E
F - Osterinsel - F
G - Tasmanien - G
Australien
Bei den heute noch etwa 60 000 Menschen zählenden Ureinwohner Australiens, den Aborigines, sind die totemistischen Vorstellungen, die davon ausgehen, daß jedes Individuum, jede Familie und jeder Stamm von einem Tier oder einer Pflanze abstammen und mit diesem bzw dieser auf magisch-mystische Weise ver- bunden sind, das hervorstechende Merkmal der Religion. Dadurch sind die Menschen eng mit der Natur verbunden, der Gegensatz von Diesseits und Jenseits sowie die Trennung der Gegenwart von der Vergangen- heit und der Zukunft wird vermindert und außerdem fungieren sie als soziales Ordnungsprinzip. Das Totem und der mit ihm verbundene Mensch sind Nachfahren eines Totemvorfahrens, der seit Urzeiten unter der Erdoberfläche schlief ehe sie durch Quellen oder Sümpfe zur Oberfläche kamen. Die Orte ihres Erscheinens sind heilig und an ihnen werden die Totemvorfahren von ihren Nachkommen rituell verehrt.
Die als Schöpfer der Welt und der Menschen angesehenen Hochgötter werden dagegen kaum oder gar nicht verehert. Dieser Glaube ist im Südosten Australiens am stärksten verbreitet. In dieser Region nennt man den Hochgott Baiami. Dies ist eine Wortzusammensetzung aus baia, was übersetzt " Mann, Mensch " bedeutet, und aus der Silbe mai, was ebenfalls " Mann " bedeutet. Diese Verdopplung des Wortes ist typisch australisch und soll die Größe der gemeinten Person verdeutlichen. Ein anderer Hochgott ist Daramulun, der in manchen Gegenden als Sohn von Baiami gilt. Dieser wacht über die Taten der Menschen und wird mit dem Gewitter verbunden, da er in der Regenzeit auf Donnerwolken reitet, durch den Donner mit den Menschen spricht und Blitze wie Steinäxte nach Bäumen und Menschen wirft.Sein Name setzt sich aus Wörtern von " Mann " und " Adlerfalke " zusammen. Im Nordwesten heißt das Höchste Wesen Walanganda was übersetzt " Zum Himmel gehörig " bedeutet. Dieser Name kommt davon, daß dieses Wesen nach Ende der Urzeit, in der an der Spitze der damaligen Geisteswesen herrschte, zum Himmel aufstieg und sich dort in die Milchstraße verwandelte. Der Kult ist tief mit den totemistischen Vorstellungen verbunden. Die Riten und die dazugehörigen Lieder sind nach der Vorstellung der Ureinwohner von den Totemvorfahren selbst erschaffen worden und die Ausübung dieser Riten führt aufgrund der totemistischen Bindung zu einer Wesensgleichheit mit diesen Vorfahren.
Das wichtigsten Riten sind die der Initiation, wobei die Aufnahme der Jünglinge in die Gemeinschaft der Männer gemeint ist. Diese sind mit großer Härte verbunden und werden als Opferhandlungen angesehen. Die Vor- stellung, daß die Initiationsriten überall in Australien mit einer Beschneidung verbunden sind, ist jedoch im Gegensatz zur früher üblichen Skarifikation, der Narbenschneidung, nicht richtig. Um die Geister auf die Riten aufmerksam zu machen werden Schwirrhölzer, sogenannte tjurunga, verwendet. Das Wort tjurunga, das im Englischen mit bullroarer bezeichnet wird, bedeutet wahrscheinlich "mit einem Geiste in Verbindung stehend ". Nach dem Ende des Rituals ist der junge Mann zum mirano, einem " Wissenden " geworden und darf ab diesem Zeitpunkt an den, für Frauen verbotenen esotherischen Kulten teilnehmen.
Die Australier teilen ihre Seelenvorstellung in drei Abschnitte auf, die mit den Existenzstadien übereinstimmen. Im vorgeburtlichem Leben wird die Seele als ngaridj-wagali, dem " Geist-Kind " oder als mara-la, als " Geist- zugehörig " bezeichnet. Die Lebensseele ist nicht an den Menschen gebunden, da sie den Körper im Schlaf verlassen kann. Die Bezeichnung für diese Seele variiert in den verschiedenen Landesteilen. Die Seele des Verstorbenen wird meist durch das Wortfeld " Schatten ", aber auch als bilgur, als "hellfarbig, transparent " bezeichnet.
In der Jenseitsvorstellung sind sich die Aborigines nicht einig. Manche glauben an eine Art Seelenwanderung mit Reinkarnationsvorstellung, andere vertreten die Vorstellung einer Insel der Toten, die im Stillen Ozean liegen soll. Es gibt allerdings auch Zweifel am Jenseitsglauben.
Melanesien
Die melanesische Verehrung der Ahnen
Durch die starke sprachliche Aufspaltung Melanesiens kommt es dort zu einer Vielzahl religiöser Vorstellungen, wobei auch hier der Totemismus weit verbreitet ist. Die einzelnen Totemclans pflegen ihr religiösen Sondergüter wie z.B. esoterische Traditionen durch Geheimgruppen, die in Männerhäusern unter Ausschluß der Frauen die Riten zelebrieren. Bei diesen kultischen Handlungen spielen Masken, die aus Holz oder Rinde bestehen, eine bedeutende Rolle, da sich die Teilnehmer so mit ihren Ahnen identifizieren können und der Ahne durch den Mund der Maske sprechen kann. In der melanesischen Religion sind die Ahnen von größerer Bedeutung als die Götter. Mit diesen Gestalten des Mythos sind die urzeitlichen, menschlichen oder tierischen Vorfahren gemeint, dessen Wirksamkeit und Leben nach der Urzeit, nachdem sie die Welt und ihre Ordnung geschaffen hatten, beendet war. Bei einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, den Marind-anim, heißen die mytischen Vorfahren Dema. Dieser Begriff hat Adolf Ellegad Jensen als Terminus für diese spezielle Art göttlicher Wesen eingeführt.
Der englische Missionar Codrington wies 1877 auf eine gemeinsamen Machtglauben aller Melanesier hin, den er mana, was auf Melanesisch eine Bezeichnung für das " außerordentlich Wirkungsvolle " ist, nannte. Er definierte diesen Begriff folgendermaßen: Mana ist eine Macht oder eine Einwirkung, nicht physisch und im gewissen Sinne übernatürlich, durch die die Menschen körperliche Kraft oder andere Arten von Kraft und Fähigkeit gewinnen können. Die ganze melanesische Religion ist darauf ausgelegt, diese mana zu erwerben oder zu machen, um sie zu seinem eigenen Nutzen anzuwenden. Diese Kraft ist, wenn auch unpersönlich, immer an eine Person geheftet.
Durch die Auseinandersetzung der Bewohner der Inselwelt mit den Europäern und deren zivilisatorischen Gütern kommt es zu einer Reihe von religiöser Neustiftungen, die man als Cargo-Kulte bezeichnet, wobei das Wort cargo auf das enge Verhältnis religiöser Bewegungen und der Erwartung des Eintreffens der nächsten Schiffsladung hinweist. Bei diesen Kulten handelt es sich um religiöse Verkündigungen, die die Hoffnung fördern sollten. Sie liefen immer nach dem gleichen Konzept ab: Es wurde verkündet, daß die Waren der Weißen von ihren Ahnen für sie hergestellt worden sind, nun aber von den Kolonisten zurückgehalten wurden. In nächster Zeit sollte jedoch dieser Mißstand behoben werden, indem die Waren per Schiff zu ihnen gelangen sollten. Diese Prophetzeiungen waren oft mit der Aufforderung verbunden, die bestehenden Vorräte aufzubrauchen. Meist wurden diese Bewegungen aufgrund des fehlenden Erfolges eingestellt.
Die Mambu-Bewegung
Ein Musterbeispiel dafür ist die Mambu-Bewegung, die 1937/38 unter australischer
Mandatsverwaltung im nordöstlichen Teil von Neuguinea eine bedeutende politische
Rolle spielte. Die Bewegung trägt den Name des Stifters, der, nachdem er
als Kontraktarbeiter in einem anderen Land tätig war, in seine Heimat zurückkehrte
und dort als katholischer Missionshelfer arbeitete. Er verließ 1937 heimlich
seine Missionsstation um an der Nordküste und im Mittelland seine Lehre
zu predigen, wo er schnell eine wachsende Anhängerschaft gewann, die ihn
" Schwarzen König " bezeichneten. Als Mitglied dieser Bewegung mußte man
eine Art Taufe über sich ergehen lassen und fortan europäische Kleidung
tragen.
Mambu wollte mit seiner Lehre zwei Dinge erreichen:
Beide Ideen wurden auf den Ahnenglaube Neuguineas übertragen. Die Ahnen wohnen in einem Vulkan auf der Insel Manam und in den Ländern der Weißen und sie stellen an beiden Orten Güter und Lebensmittel her, die für ihre Nachkommen bestimmt sind. Diese schicken sie dann mit Schiffen nach Neuguinea. Dort werden die Güter und die Lebensmittel jedoch von den Weißen geklaut. Mambu behauptete, daß diese Mißstände bald behoben werden und dann eine Ära des Überflusses folgt. Als Bedingung zum Anbruch dieser Ära verlangte er die Niederlegung der Arbeit und den Verbrauch aller Vorräte. Bedenklich für die Regierung wurde es, als Mambu die Einstellung der Steuerzahlung und stattdessen die Überweisung des Geldes an ihn selber forderte. Deshalb griff die Mandatsverwaltung im März 1938 mit der Verhaftung und der Ausweisung Mambus ein. Dieser soll bei seinem Abtransport den baldigen Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vorrausgesagt haben. Seit dieser Zeit ist durch den mehrmaligen Besitzwechsel der Insel das weitere Schicksal Mambus ungewiss. Seine Bewegung sieht von Außenstehenden als gescheitert aus, doch man munkelt, daß sich unter den Eingebohrenen eine Art Mambu-Mythos gebildet hat.
Die
Tuka-Bewegung
Ein anderes Beispiel für den Cargo-Kult ist die Tuka-Bewegung auf den Fidschi-Inseln,
die zunächst von 1873 bis 1920 bestand und dann nach dem Zweiten Weltkrieg
in Form einer Nachfolgebewegung wieder aktiv wurde und gegen die die Behörden
1947 aktiv wurden. Das Wort tuka bedeutet
" Unsterblichkeit ". Diese Religion geht zurück auf die prophetischen Verkündungen
eines Mitglieds der alten Priesterschaft der Fidschi-Insulaner namens Ndungumoi.
Dieser identifizieret sich mit ndengei, dem alten Hochgott der Inselbevölkerung,
und er nannte sich Navosavakandua, der Mann, "der nur einmal spricht". Dieser
Name war die Bezeichnung des obersten Richters, der, genau wie es sich der
Ndungumoi es sich wünschte, nur einmal das Urteil, das einmalig und endgültig
war, verkündete.
Navosavakanduas Lehre war auf Visionen mit Begegnungen mit alten Göttern gegründet. Er kündigte eine baldige totale Welterneuerung an, in der für die Insulaner eine Ära der Freiheit und des Glücks anbrechen würde und in der die Weißen vertrieben werden und deren Güter unter den Einheimischen aufgeteilt werden. Er verband den Beginn dieser Ära mit der Rückkehr der göttlichen Zwillinge. Dies ist eine mythologische Geschichte der Inseln, die sich auf die zwei Neffen des Hochgotts Ndengei bezog. Navosavakandua benutzte diese Geschichte, um durch eine unangebrachte, aus der Luft aufgegriffen Deutung, indem er den Zwillingen die Namen Jesus und Jehova gab. Die Bewegung war straff organisiert und verfügte über eine eigenartige Aufnahmeform, da jedes neue Mitglied eine Wasserflasche von einem der Sendboten des Propheten kaufte. Dieses Wasser soll aus der Quelle des Lebens stammen und dem Besitzer tuka, also Unsterblichkeit verleihen.
Nachdem die halbmilitärisch organisierte Bewegung zunehmende europäerfeindliche Tendenzen zeigte, schritt die Regierung, allerdings ohne dem Aufwärtstrend der Bewegung einen Abbruch zu tun, ein. Navosavakandua wurde erst zu Zwangsarbeit verurteilt und dann ins Exil geschickt, wo er schließlich starb. Seine Anhänger glaubten jedoch nicht an seinen Tod und seine Nachfolgeführer der Bewegung behaupteten, in mysischer verbindung mit ihm zu stehen. Durch diesen Glauben hat die Bewegung anscheinend bis heute Bestand.
Mikronesien
Die mikronesische Verehrung der Ahnen
Diese, nördlich von Melanesien liegende Inselwelt besaß als übergreifendes Charakteristikum die vorrangige, sippengebundene und selten totemistische Verehrung der Ahnen, hinter der diejenige von Göttern zurücktrat. Besonders wurden die sogenannten " Siedlerahnen ", die die Führer der einstigen Einwandergruppen waren, verehrt. Der Familienälteste, der eine Priesterfunktion inne hatte, brachte den Ahnen Opfer, damit sich diese um die Nahrung für die Lebenden kümmerten.
Die Bootsbestattung
Diese Form der Bestattung hing mit der Ahnenverehrung zusammen, da die Toten mit Booten entweder aufs Meer gefahren wurden, um dort versenkt zu werden oder sie wurden im Meer auf einem Boot den Fluten überlassen. Mit beiden Formen wollte man erreichen, daß sich die Toten auf eine Reise ins Land der Ahnen begaben.
Die Götter
Es ist unklar, ob die Götter schon in früheren Zeiten eine deutlich niedrigere Stellung als die Ahnen inne hatten, da die Überlieferungen erst aus einer Zeit nach der Dezimierung der Mikronesier durch die Kämpfe mit den spanischen Eroberern und durch die verheerenden Taifune gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Durch diese Ereignisse sind die Überlieferungen der alten Traditionen und Vorstellungen stark getrübt . In den Geschichten der Mikronesier sind die frühzeitlichen Heroen, die hauptsächlich mit der Seefahrt zu tun hatten, wichtiger als die Mythen. Die wichtigsten Heroen der Insulaner sind Pälülop und sein Sohn Aluluei, die ihnen die Navigations- lehre vermittelten und zu ihren Schutzherren wurden.
Polynesien
Die Polynesier unterscheiden sich stark von den Mikronesiern, da sie trotz einer ungleich großflächigeren Inselwelt sowohl im sprachlichen als auch im kulturellen Bereich eine weitaus stärkere Geschlossenheit zeigen und außerdem einen erstaunlich gut ausgebildeten Sinn für ihre alten Traditionen sowie eine, abgesehen von einigen lokalen Sonderformen, einheitliche Religion haben.
Dieser Glaube mit monotheistischen, also nur an einen Gott glaubenden Zügen war als esotherisches Wissen unter den Priestern der Inseln weit verbreitet. Bekannt geworden ist diese Geheimlehre hauptsächlich durch die Maori-Priester Neuseelands. Diese Priester nannten diesen obersten Gott Io, was soviel bedeutet wie " Kern, innerstes Wesen ". Sein Name durfte nur flüsternd gesprochen werden, um dadurch seine Heiligkeit hervorzuheben und seinen Bekanntheitsgrad auf einen kleinen Kreis zu beschränken. Nach einem Priester der Maori stammen alle Dinge, alle Welten und alles, was darin ist, alle Götter von ihm. Es gibt nichts außer und über ihm und er besitzt die Macht über Leben, Tod und die Göttlichkeit.
Unter Io gab es eine Gruppe von großen Göttern, die Atua. Dazu gehörten:
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Tangaroa, auf Samoa Tangaloa genannt, der als Schöpfergott, als Ahnherr der Häuptlingsgeschlechter und oftmals als Gottheit des Ozeans galt. |
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Tane, der " Mensch ", war Gott des Lichtes und des Waldes sowie Schutzherr der Handwerker. |
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Tu, der " Stehende ", war der Kriegsgott und auf Tahiti auch das Numen (ein gestaltloses göttliches Wesen mit Wirkkraft) der Künstler. |
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Rongo, auf Hawaii Lono genannt, galt als Schützer der Nahrungspflanzen und des Feldbaues und als Herr des Friedens und aller friedlichen Kunstfertigkeiten. |
Die rangniedrigeren Götter wurden mit dem Wort Aitu bezeichnet. Darunter befand sich die Göttin des mondes namens Hina, die eine geachtete Stellung einnahm. Oft haben diese göttlichen Wesen menschlichen Ursprung, so wie der Häuptling Tangiia und sein Sohn Motoro, beides Seefahrer des 13. Jahrhunderts, denen von den seefahrenden Polynesier eine beträchtliche Bedeutung zugemessen wurde.
Die ersten weißen Seefahrer wurden oft mit diesen Göttern verwechselt, so wie Käptain James Cook, der auf der Insel Mangaia vom dortigen Häuptling als der große Gott Motoro bezeichnet wurde. Als er in Hawaii an Land ging wurde er mit göttlichen Ehren empfangen, da die Eingebohrenen ihn für den Gott Lono hielten.
Typisch für die polynesische Religion war die starke Stellung des Priestertums, bei dem man nur durch das absolvieren schwerer Prüfungen Mitglied werden durfte. Die Ausbildung, die in einem Priesterhaus, dem, nach den Maori, " Roten Haus " ( whare-kura ) stattfand, dauerte drei bis fünf Jahre. Die Priester, die nach der Ausbildung über Geheimwissen verfügten, Heilkunst und Wahrsagerei ausübten und Hüter des polynesischen Wissens waren, wurden " Meister " ( tohunga ) oder " Meister der Verehrung " ( tohunga pure ) genannt.
Im Kult spielten das Gebet und das Opfer eine Rolle, die Herbeirufung der Götter und die Ankunft ihrer Statuen waren aber die wichtigste Funktion. Die Kultstätten, an dene diese Dinge gefeiert wurden, hießen marae. Diese waren meist ein rechteckiger und ummauerter Bezirk mit einem mit Statuen und Monolithen gekröntem Pyramidenstumpf.
Die Einhaltung der ethisch hochstehenden Normen wurde von den Häuptlingen und nicht von den Priestern vorgenommen. Diese hingegen überwachten das religiöse Verhalten der Menschen, das von strikter Befolgung kultischer Vorschriften sowie der peinlichen Beobachtung von Tabus, die charakteristisch für die polynesischen Religionen sind, geprägt war. Das Wort Tabu stammt aus der polyesischen Sprache und bedeutet " sehr, viel, unbedingt gemerkt. Dies bezieht sich auf Götterbilder, Sakralherrscher, im Kult handelnde Priester, kultstätten und Symbole und verlangt die Meidung der religiösen Sphäre. Es kann verhängt und wieder aufgehoben werden.
Die Moral im irdischen Leben hatte im Gegensatz zu dem irdischen Rang, der das jenseitige Leben bestimmt, keinen Einfluss auf die Existenz nach dem Tod. Die gewöhlich Sterblichen gelangen in eine freudloses Totenreich, die Adligen hingegen sollen ihr Leben nach dem Tod in einer paradisischen Welt, nach Vorstellung der Menschen von Samao und Tonga eine herrliche Insel, genießen.
In den Jahren 1864 bis 1871 kam in Neuseeland eine neue Religion namens Pai-marire auf, die in der damaligen Freiheitsbewegung eine wichtige Stellung einnahm. Die beiden Wörter des Namens bedeuten " gut " und " friedfertig ", wobei " Religion " oder " Glaube " zu ergänzen ist. Diese Bezeichnung klingt wie bitterer Hohn, da sich diese Bewegung in höchst grausamer Weise entwickelte. Der zweite Name lautete Hau-Hau und wurde von den Anhängern als heiliger Ausruf kurz und fast bellend vorgetragen um, ihrer Vorstellung nach, gegenüber den Engländer gefeit zu sein und in den Kämpfen mit ihnen alle Gefahren von den eigenen Leuten abzuwenden. Das Wort " hau " bedeutet " Wind " und sollte die Engel mit dem Wind herbeirufen. Der Gründer dieser Religion war ein Mann, der wahrscheinlich als Priester der alten Maori-Religion ausgebildet wurde namens Te Ua. In seiner Religion verband er alte Maori-Vorstellungen, die sich vor allem mit der Über- nahme und der Umformung des christlichen Guts befasste. Er behauptete, daß die Maori das auserwählte Volk und er dessen Mesias sei. Außerdem sollte ihnen im Kampf mit den Engländern der Erzengel Gabriel beistehen. Die grausamen Züge der neuen Religion äußerten sich, als die Pai-marire-Leute eine englische Abteilung überfielen und den Hauptmann Lloyd töteten. Sie tranken das Blut des gefallenen Offiziers und präparierten seinen Kopf nach einer Anweisung Gabriels auf heidnische Weise, damit der göttliche Wille ihnen durch den Kopf mitgeteil werde. Dann vollzogen sie eine Art Taufritus mit Wasser, in das Lloyds Kopf zuvor getaucht wurde. Durch eine Offenbarung, die anscheinend aus dem Kopf kam, wurde Te Ua zum Oberpriester dieser Religion ernannt. Er verkündete, daß sie alle unter dem Schutz der Jungfrau Maria standen, die, genau wie Gabriel und eine Schare Engel selbst erscheinen wird. Diese würden die Weißen vertreiben und ihnen alle Kenntnisse der Engländer vermitteln. Die politische und kriegerische Seite der Religion wurde immer dominanter und erreichte unter Te Uas Nachfolger Te Kooti so grausame Höhen, daß viele Maori von sich aus der Bewegung den Rücken kehrten. Dadurch und durch kämpferische Erfolge der Engländer wurde die Religion schließlich ausgerottet.
Im Jahre 1863 trat in Samao ein Prophet namens Sio Vivo auf, der eine neue Religion verkündete und unter dessen Führung die alten kultischen Tänze wiederaufgenommen wurden. Außerdem kam es durch ihn auf der seit 1830 missionierten Insel wieder zu polygamen Eheverhältnissen. Sio Vivo verkündete das nahe Weltende und das Erscheinen eines auf einer Welle reitenden, den Anhänger der Religion alle irdischen Güter gebenden enzeitlichen Messias namens Sisu Alaisa. Die Folge dieser Verkündigung war, daß viele Anhänger tagelang an den Stränden auf das Eintreffen des Messias warteten, alle Arbeiten einstellten und üppige Gastmähler feierten, da die bisherigen Güter mit der Vorstellung, daß Sisu Alaisa alles neu und besser bringen werde, überflüssig wurden. Als dieser nicht erschien verebbte die Bewegung nach und nach.
Diese neue Religion wurde 1825 von einer Prophetin namens Hapu verkündet. Auch sie sagte den nahen Weltuntergang und die Errettung ihrer Anhänger vorraus. Es war eine Mischung aus heidnischen Ritualgeboten und christlichen Vorstellungen. Jahwe und Jesus waren die Hochgötter dieser Religion. Nach ihrem Tod wurde die Gründerin vergöttert, aber als ihre Prophezeiungen nicht eintraten, wurde ihr Tempel niedergebrannt und die Bewegung erlosch.
Diese im Jahre1868 durch einen Aufstand erschienene Bewegung war in den Grundzügen gleich wie die Hapu-Religion. Auch hier wurde ein unmittelbar bevorstehendes Weltende verkündet. Diesmal führte dieser Glaube allerdings zu einem blutigen Aufstand gegen die staatliche Macht, der schnell unterdrückt wurde.
Osterinsel
Die monumentalen Statuen
Diese geheimnisumwobene Insel, die diesen Namen aufgrund der Entdeckung an diesem kirchlichen Feiertag im Jahre 1722 trägt und am östlichen Ende der polynesischen Inselwelt liegt, stellt innerhalb dieser einen Sonderfall dar, da diese Insel durch monumentale Statuen gezeichnet ist. Diese stellen vielleicht Häuptlinge und Priester da, die als Schutzgottheiten der Insel dienen sollten.
Der Götterglaube
Der Glaube an die niedrigen Gottheiten der heidnischen Zeit, die nun auf die Ebene von Geistern hinabgestiegen sind, hat sich auf dieser zum Christentum bekehrten Insel bis heute gehalten. Die Eingebohrenen denken, daß diese Geister, die man akuaku und tatane, was soviel wie " Satan " bedeutet, nannte, auf der Insel ihr Unwesen trieben und sie beim Schlafen störten.
Der große Gott der alten Zeit war Makemake. Dieser offenbarte sich einer Priesterin in Form eines Toten- schädels und wurde außerdem als ein Mann mit einem Vogelkopf beschrieben. Dies kommt daher, daß er als Schutzherr der Seevögel galt und aufgrund dieser Funktion beim größten Fest der Insel, dem Kult des Vogel- mannes, gefeiert wurde.
Der Schauplatz dieses Festes war, zum Beginn der Nistzeit, die an der Südküste liegende Stadt Orongo, vor der die kleine Insel Motu-nui lag. Bei dem Fest kam es zu einem alljährigen Wettstreit, bei dem ein Würdenträger einen Diener stellte, der das erste Ei der neuen Brutperiode schwimmend an Land bringen mußte. Der durch seinen Diener erfolgreiche Würdenträger wurde für ein Jahr zum Vogelmann erklärt und mußte diese Zeit in völliger Abgeschiedenheit verbringen, wurde dafür allerdings als geheiligte Person, wahrscheinlich sogar als irdischer Stellvertreter von Makemake angesehen.
Die Ivi-atua-Bewegung
Die einheimischen Priester hießen Ivi-atua, Geschlecht der Götter. Genauso hieß eine kurzlebige, religiöse Bewegung im Sommer 1914, die dem Priestertum der Osterinseln noch einmal Bedeutung gab. Eine Prophetin namens Angata erklärte den Insulanern, daß ihr im Traum Gott erschienen ist und verkündete, daß die Osterinsel wieder den Eingeborenen gehören sollte und diese sich den Besitz der Fremden aneignen düften, ohne daß ihnen etwas passieren würden, da Gott sie kugelfest gemacht hatte. Dadurch kam es zu einem Aufstand, bei dem die Eingebohrenen das alte Territorium wieder in Besitz nahmen und das Vieh einer großen chilenischen Ranch schlachteten. Daraufhin entsendete die chilenische Regierung ein Kriegsschiff, daß jedoch erst auf der Insel eintraf, als die Bewegung durch den Tod der Prophetin verebbt war und somit die völlige Ruhe durch milde Maßnahmen wiederhergestellt werden konnte.
Tasmanien
Der tasmanische Glaube
Die Religion der seit über 90 Jahre ausgestorbenen Tasmanier kann nur noch teilweise durch Aufzeichnungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfasst werden. Höchstwahrscheinlich glaubten die Inselbewohner an ein Höchstes Wesen namens Tigamara Buna, was soviel wie " Zwielichtmann, Geist " bedeutet, das vielleicht sehr eng mit der Sonne, dem " Auge des Geistes " ( buga nubrana ) in Beziehung stand. Tänzerische Riten wurden für den Mondgott Weiba abgehalten. Der Glaube an die, durch Namen wie " Feuer-Wesen ", " Lichtwesen der Nacht " und " Stimme der Schatten " bezeichneten Geister war sehr weit verbreitet. Außerdem soll ein Heronenpaar ihnen das Feuer gebracht haben.
Die tasmanische Initiation
Diese Riten waren allgemein üblich und wurden mit Tänzen und Gesang verbunden. Den Betroffenen wurden Schnitte an der Schulter, an der Brust und an den Hüften zugefügt.
Der Unsterblichkeitsglaube
Die Tasmanier glaubten an die Unsterblichkeit der Toten. Die äußerte sich dadurch, daß die Toten ihrem Glauben nach auf die Toteninsel Tini Drini, die " Insel der Knochen " gelangten und dort als weiße Menschen weiterlebten. Durch diese Vorstellung dachten sie bei der ersten Begegnung mit den Engländern, daß ihre toten Ahnen zurückgekehrt waren und hielten England als deren Toteninsel.