Blaise Pascal



a) Biographie
Pascal wurde am 19.6.1623 in Clermont geboren. Bereits ab 1640 wird er durch mathematische und physikalische Entdeckungen (z. B. der Wahrscheinlichkeitsrechnung) bekannt. 1654 erlebt er seine christliche Bekehrung zum biblischen »Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs«. Diesen biblischen Gott hält er fortan dem »Gott der Philosophen« entgegen. Mit seinen »Lettres provinciales« bekämpft Pascal auf seiten der Jansenisten von Port Royal (einer romfeindlichen katholischen Richtung, benannt nach dem niederländischen Theologen Cornelius Jansen) die Jesuiten. In seinen letzten Lebensjahren an schwerer Krankheit leidend, verfaßt er mehrere Schriften zur Verteidigung des Christentums gegen Freigeisterei und Atheismus. Er stirbt am 19.8.1662 in Paris.


b) Hauptwerke
Lettres provinciales, 1656
L'art de penser, 1662
Pensees sur la religion, 1669


c) Lehre
Die Mathematik mit ihrer streng geometrischen bzw. logischen Methode ermöglicht streng logische Begriffe und somit rationales Denken. Als solche steht die Mathematik gegen den Skeptizismus. Doch obwohl innerhalb der Wissenschaft solch vernünftiges Denken, Rationalität möglich und notwendig ist, so bedeutet die Grenze des Wissenschaftsbereichs zugleich auch die Grenze dieser logischen Rationalität. Denn die nichtwissenschaftlichen Angelegen- heiten des Menschen, seine Lebensfragen, kann die mathematische Vernunft, der geometrische Geist (esprit de geometrie) nicht mehr beantworten. In den bewegenden Fragen des menschlichen Lebens und der menschlichen Seele ist vielmehr die gefühlsmäßige Intuition, der feinsinnige Geist (esprit de finesse) gefordert: Nur die Gründe des Herzens und nicht die Vernunft vermögen den im Weltuniversum irrenden und zweifelnden Menschen zu Wissen und Erkenntnis zu führen. Das Herz hat dabei Gründe, die die Vernunft nicht kennt. Das Herz hat somit eine eigene Logik, eine Logik des Herzens (logique du coeur). Diese intuitive- Herzenslogik führt den Menschen schließlich zum wahren, zum christlichen Glauben, d. h. zum Glauben an die Unsterblichkeit der Seele, an Gottes Existenz und undurchschaubare Gna- denwahl. Denn auch in diesen wichtigsten religiösen Fragen führt die Vernunft nicht weiter, denn sie weiß weder Gottes Existenz noch Gottes Nichtexistenz zu beweisen. Das Herz indessen spürt und liebt Gott und führt den Menschen zur Suche, zur Liebe und Hingabe an Gott und seinen Sohn. So wichtig die Vernunft (la raison) also einerseits (im Bereich der Wissenschaft) ist, so wichtig ist andererseits (im Bereich der Seele und des außerwissenschaftlichen Lebens) ihre Beschränkung.


Skizze zu seiner Philosophie


Quelle: dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S. 128