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Religionsunterricht und Internet - zwar kein Lotse im digitalen Daten-Dschungel aber ....

die Zeiten, in denen Informationen ausschließlich auf Papier verbreitet wurden, sind vorbei.

"Jetzt auch noch der Religionsunterricht - was soll das!?" - So kann man einige stöhnen hören, "das muß doch wahrlich nicht sein...!"... Solche oder ähnliche Reaktionen sind von Religionslehrern zu hören, wenn die Begriffe "Internet" oder "WWW (World Wide Web)" im Zusammenhang mit Schule und Unterricht fallen.

Aber einige Kollegen reagieren auch mit Interesse, vor allem solche, die schon via PC und Modem einen Zugang zum Internet haben und vor allem die "elektronische Post" (E-Mail) nutzen, die es ermöglicht, innerhalb von Sekunden einen Brief auf die andere Seite des Globus zu schicken, oder sich (wenn des Englischen mächtig) kurz mit einem Herrn Shimoda aus Tokio auszutauschen (das heißt "chatten"), oder.... der Möglichkeiten gibt es dank des neuen Mediums noch viele.

Kurz: Seit etwa zwei Jahren ist das Internet verstärkt im Gespräch - leider auch wegen "Kinderpornographie" und rechtsradikalem Gedankengut - es aber darauf zu reduzieren und nur von dieser Seite zu sehen, wäre eine einseitige Verkennung. Alles, was in der Gesellschaft vorkommt, das gibt es (inzwischen) auch im Internet. Aber das Internet dafür verantwortlich zu machen, wäre genauso verkehrt, wie die deutsche Sprache dafür verantwortlich zu machen, daß Verbrecher sie für Nazi-Parolen mißbraucht haben.

Wirtschaftlich betrachtet ist das Internet ein boomender Markt. Die großen Firmen ("Provider"), die auch Privatpersonen einen Zugang zum Internet ermöglichen, verzeichnen steigende Kundenzahlen, in den USA mehr als in Europa, in Finnland mehr als in Deutschland. Inzwischen ist der Markt für elektronische Medien so riesig, daß es schwer fällt, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Inzwischen ist das Internet eine feste, wenn auch sich noch ständig weiterentwickelnde Größe im wirtschaftlen und privaten Leben geworden, und das weltweit! Aber wie bei jeder technischen oder gesellschaftlichen Innovation: am lautesten gebärden sich die euphorischen Befürworter und die ängstlichen Warner. "Informationsparadies" schwärmen die einen, "Informationswüste" schimpfen die anderen, und: "eine persönliche Begegnung mit dem Nachbarn bzw. der Nachbarin ist allemal besser und wertvoller als ein paar geschriebene Zeilen, die ich - nächtens einsam am PC sitzend - mit Herrn Shimoda aus Tokio austausche..."

Viele mag auch das "neue Kauderwelsch" abschrecken, Begriffe wie "E-Mail", "URL", "Homepage", "WWW", "Link", "Modem", "ISDN", "HTML", usw. sind natürlich neu, aber wer sich ernsthaft auf die Sache einlassen will, hat sie ebenso schnell "drauf", wie er seinerzeit Begriffe wie "Video" und "CD" verstanden und den Umgang mit den Geräten gelernt hat. Natürlich kann man sich hineinvertiefen und zum Experten avancieren, aber notwendig ist es hier ebensowenig wie beim Fernseher: man muß kein Fernsehtechniker sein, um mit dem Medium Fernsehgerät umgehen zu können.

Was also ist von der "Wunderwelt des weltweiten Netzes", vom Internet (= viele Millionen, in kleinen und größeren Netzen miteinander verbundener Computer) und dem WWW (die Gesamtheit der auf diesen Computern gespeicherten "Dokumenten" mit Texten, Bildern und in steigendem Maße auch audiovisuellen Informationen) zu halten? Hier gilt, was auch schon für das Taschenmesser richtig ist: Der Mensch entscheidet, was er damit macht, ob er nur unnötige Telefonkosten hat, oder einen echten Nutzen. Es ist schon eine feine Sache, das gemeinsame Hirtenwort der evangelischen und katholischen Bischöfe zur sozialen Lage in Deutschland "aus dem Netz" auf den eigenen PC laden und Textpassagen daraus im Unterricht einsetzen zu können. Man findet im Netz alles Mögliche und Unmögliche, Claudia Schiffer ebenso, wie Bilder aus der Sixtinischen Kapelle, kurz gefaßte Informationen über die Hilfswerke der deutschen Katholiken, wie eine Anleitung zum Bomben basteln. Letzteres wurde kürzlich unter Strafe gestellt. Einerseits sagen alle Beobachter des Internet, daß es keine umfassende Kontrolle des Internet geben kann, andererseits beginnt langsam auf internationaler Ebene eine Verständigung über weltweit zu akzeptierende, ethische und juristische Grenzziehungen, mit welchem Erfolg - ist ungewiß.

Am Ende wird es sein wie im "richtigen Leben", trotz vieler Gesetze kann es niemals eine totale Absicherung geben. Selbstverantwortung und Selbstkontrolle werden auch hier durch nichts zu ersetzen sein. Was bedeutet das alles für die Schule und speziell für den Religionsunterricht?

Daß das Kultusministerium in Baden-Württemberg (und natürlich in den anderen Bundesländern auch) sich einiges von diesen neuen Möglichkeiten verspricht, zeigt die Initiative "Schulen ans Netz", die mit einigen DM-Millionen vom Land gefördert wird. Schulen, die an diesem Projekt teilnehmen, loten quasi die Möglichkeiten des Internet für's "Lernen" und "Lehren" aus. Inzwischen gibt es auch bei LEU eine eigene Arbeitsgruppe, die Schulen und Lehrer unterstützt, die "online" gehen wollen. Neben diesen offiziellen Unternehmungen gibt es auch eine Reihe privater Initiativen, die sich der Sache Schule und Internet verschrieben haben. Eine davon soll im weiteren näher vorgestellt werden, und zwar die "Zentralstelle für Unterrichtsmedien im Internet" (ZUM-Internet). Gegründet wurde diese Initiative von Frau Margit Fischbach vom Theodor-Heuß-Gymnasium in Freiburg. Wesen und Ziele dieser Initiative beschreibt sie selbst so:

"Die Idee ... ist es zu helfen, die Möglichkeiten des WWW sowohl für den fachspezifischen als auch für den fächer-, schultyp- und standortübergreifenden Unterricht an Schulen zu erschließen und die Beiträge von interessierten Kollegen, Schülern und Eltern vor allem im deutschsprachigen Raum zu bündeln und sinnvoll gegliedert zugänglich zu machen. Sie als Leser werden zur aktiven Mitarbeit aufgefordert. Sie können einmal Listen von Internetquellen selbst erweitern, durch Stichwortsuche im Internet solche Quellen selber aufspüren, in einem offenen Leserbrief Ihre eigenen Gedanken zur Nutzung des WWW im schulischen Bereich veröffentlichen und schließlich Ihre eigenen Materialien einbringen."

Ein ehrgeiziges, aber vielversprechendes Unternehmen, das - obgleich noch im Entwicklungsstadium - bereits große Beachtung im Internet gefunden hat. Um diese Arbeit bewältigen zu können, hat Frau Fischbach sogenannte Koordinatoren für die einzelnen Fächer und das jeweilige Bundesland geworben. Inzwischen arbeiten bundesweit mehr als 60 Lehrerrinnen und Lehrer als Koordinatoren, und viele andere als "Autoren" mit. Da Frau Fischbach auch für das LEU tätig ist, wird diese Arbeit auch von dieser Seite gefördert, zwar nicht finanziell (alles, was bisher geleistet wurde, geschah auf Kosten und Rechnung der Mitarbeiter), aber ideell.

Sie können sich immer noch nicht vorstellen, was das alles soll? - Hier ein Beispiel. Wenn man die Startseite von ZUM-Internet auf den PC geladen hat, gelangt man mittels "Mausklick" zu einer Übersichtstabelle, in der alle Unterrichtsfächer (darunter natürlich auch Religion) aufgelistet sind. Ein weitere Auswahl zeigt eine Liste, die eine Sammlung von für das jeweilige Fach interessanter Dokumente enthält, die man auf vielfache Weise für den Unterricht nutzen kann. Eine andere Auswahl-möglichkeit führt zum Lehrplan eines bestimmten Faches. Neben dem Lehrplantext findet sich die Hauptsache: konkrete Unterrichtsmaterialien, die man unkompliziert auf den heimischen (oder schulischen) PC "herunterladen" und speichern kann. Die Materialien stammen - und das ist das Reizvolle - von Kollegen, die sie (zum Teil selbst oder auf dem Weg über die Koordinatoren) zur freien Verwendung "ins Netz" eingespeist haben. Das Motto ist: Geben und nehmen! Lehrer helfen anderen Lehrern (und nicht zuletzt sich selbst - durch den Mut, etwas von sich selbst preiszugeben und zu veröffentlichen).

"Läuft das letztendlich nicht darauf hinaus, Bücher, Unterrichtshilfen, wie sie beispielsweise vom IRP geliefert werden, überflüssig zu machen?" So könnte manch einer besorgt fragen (abgesehen von manchen Sorgen bei kirchlichen Behörden bezüglich der "rechten Lehre" und deren "Überwachung"). Soll vielleicht der gegenseitige Austausch von Kollegen, wie er in den regionalen Arbeitskreisen gepflegt wird, ersetzt werden? Diese Sorgen halten alle, die bereits bei ZUM mitarbeiten - für unbegründet. Das Internet wird nichts davon überflüssig machen! Es wird eine zusätzliche Möglichkeit sein, den Unterricht zu gestalten und neue Impulse zu setzen - für Lehrer wie für Schüler! Die großen Vorteile liegen in der Aktualität, im leichten Zugang, im schnellen und unkomplizierten Ersetzen von überholten oder sonst überflüssig gewordenen Materialien. Im Melanchthon-Jahr zum Beispiel ist es eine leichte und gewinnbringende Sache (gerade für katholische Kollegen), sich Informations-Unterlagen, Bilder, ganze Unterichtsentwürfe von evangelischen Kollegen "aus dem Netz" zu holen. Ich glaube nicht, daß ein katholischer Kollege viel mehr (brauchbares) Material zu Melanchthon in seinem Arbeitszimmer hat, als er hier findet! Der Austausch zwischen den Konfessionen, angefangen von der gegenseitigen Zurkenntnisnahme bis hin zum Austausch von Ideen und Materialien ist hier problemlos praktizierbar! Aber auch Informationen über das eigene Fach aus anderen Bundesländern, ja sogar grenzüberschreitend aus Österreich und der Schweiz bieten viele interessante Anstöße. Und aus elektronischen Kontakten können leicht persönliche werden! Wäre es nicht ein Beitrag zum Zusammenwachsen in Deutschland selbst, wenn z.B. eine Religiosklasse aus Freiburg Kontakt aufnimmt zu einer Religions-Klasse in Dresden?

Das sind nur einige Möglichkeiten, die das Internet bietet. Wir sind überzeugt, daß das Internet als ernstzunehmende Informationsquelle und als Kommunikationsmittel weiter an Bedeutung gewinnen wird. Aus diesem Grunde wäre es begrüßenswert, wenn mehr Kolleginnen und Kollegen des Faches Religion sich anschließen und beteiligen würden.


Helmut Greschner
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