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AUS DER GESCHICHTE DES LABYRINTHS

Seit Jahrtausenden ist die Menschheit fasziniert von der Vorstellung eines Bauwerks, in dessen kompliziert und verwirrend angelegtem Gangsystem man sich rettungslos verirren kann, Kunst und Dichtung, Kult und Tanz sind nicht müde geworden. diese sowohl bedrückende wie beeindruckende Vorstellung immer wieder neu zu gestalten, zu verarbeiten und in weitere Sinnzusammenhänge zu stellen."

Labyrinthe gibt es seit ca. 5000 Jahren. Von diesem Alter wie von der Interkulturellität der Labyrinthe zeugen bronzezeitliche Felsritzungen, knossische Münzen, römische Mosaiken, mittelalterliche Handschriften, Kirchen - ja Kathedral-Labyrinthe, nicht nur in unserem, sondern auch in überseeischen Kulturkreisen. Das Labyrinth findet sich sowohl im kretischen Tanz und in skandinavischen Troja-Burgen, als auch in der Magie Indiens und Sumatras sowie bei den Hopi-Indianern im Südwesten der USA.

Eines der erstaunlichsten Ergebnisse der Labyrinth-Forschung ist die Erkenntnis, daß das mythische Labyrinth von Kreta überhaupt nie als konkretes Gebäude existiert hat und auch nicht mit dem Palast von Knossos identifiziert werden darf.
Ebenso verblüffend ist der Nachweis, daß das echte Labyrinth nicht in die Irre führt, sondern im Gegenteil als ganzheitsstiftendes Sinnbild der Selbstfindung dient.

So läßt sich das Labyrinth abgrenzen gegenüber dem Irrgarten, wo man sich verlaufen und somit restlos verirren kann.

"IM LABYRINTH VERLIERT MAN S1CH NICHT
IM LABYRINTH FINDET MAN SICH
IM LABYRINTH BEGEGNET MAN NICHT DEM MINOTAURUS
IM LABYRINTH BEGEGNET MAN SICH SELBST"

(Quelle: Hermann Kern, Labyrinthe, Prestel-Verlag, München, 3. Aufl. 1995)
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