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Volksdroge Alkohol  

Daten und Fakten:
2,5 Millionen Menschen in der BRD sind behandlungsbedürftig alkoholkrank (2/3 Männer, 1/3 Frauen, 250000 Jugendliche). 7-10 Millionen Angehörige sind durch Alkoholsucht eines Familienmitglieds betroffen. 5-10% aller Deutschen sind abstinent, trinken also keinen Alkohol. In Deutschland sterben jährlich 10 000 Menschen bei Verkehrsunfällen, bei jedem zweiten Unfall war der/die FahrerIn alkoholisiert. Ca. 30% aller Betriebsunfälle sind alkoholbedingt. Die volkswirtschaftlichen Kosten werden auf 50 bis 80 Milliarden DM geschätzt.
Die deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren hat das Alkoholproblem als das größte Drogenproblem unserer Gesellschaft bezeichnet. Mit einem pro Kopf Verbrauch von 12,5 Litern Alkohol pro Jahr ist Alkohol die Droge Nr. 1 in Deutschland und wir sind damit trauriger Rekord-Weltmeister!

Alkoholiker-Typen:
Alpha-Alkolismus: getrunken wird in Konfliktsituationen, in konfliktfreien Phasen ist Abstinenz möglich.
Beta-Alkoholismus: Menschen, die regelmäßig trinken, denen der Alkoholkonsum zur Gewohnheit geworden ist, noch keine körperliche Abhängigkeit.
Gamma-Alkoholismus: starke physische und psychische Abhängigkeit. Nur zeitweise Abstinenz möglich. Trinken verursacht Probleme im beruflichen, sozialen, familiären Bereich.
Delta-Alkoholismus: Eine bestimmte Menge wird auch über den Tag hinweg getrunken, um keine Entzugserscheinungen zu bekommen.
Epsilon-Alkoholismus: "Quartalssäufer": über mehrere Tage wird exzessiv getrunken, es kommt zu Kontrollverlust und heftigen Räuschen.

Gründe und Motive für Alkoholkrankheit:
Süchtiges Verhalten ergibt sich aus dem Zusammenspiel verschiedenster Faktoren persönlicher, familiärer und gesellschaftlicher Art. Ursache kann die Unzufriedenheit mit einer bestimmten Situation oder Unfähigkeit sein, damit angemessen umzugehen, natürlich auch Einsamkeit und Ängste, Scheidung/Trennung, Verlust von Angehörigen, Freunde etc. Es werden im Lauf der Zeit bestimmte Verhaltensmuster erlernt, mit denen auf konflikthafte oder belastende Situationen ausweichender reagiert wird. Eine instabile Persönlichkeit sucht häufig durch Alkohol seelischen Ausgleich und "Wärme". Nicht zu unterschätzen sind auch die negativen Vorbildwirkungen in Familie und Gesellschaft, ebenso die aggressiv heile Welt vortäuschende Werbung für Alkoholika.
Gerade Jugendliche leiden häufig unter dem Gefühl, das Leben bringe ihnen nichts, es sei alles so leer und langweilig, außerdem haben sie oft das Gefühl, daß ihre Leistungen zuwenig anerkannt werden, dazu kommt noch die angespannte Lehrstellensituation; zudem ist für viele der Gruppenzwang ein Auslöser, Alkohol exzessiv zu konsumieren
Die Suchtprävention (Vorbeugung) widmet sich deshalb der Frage, wie Menschen ihr Leben gestalten können und wie sie sich in Krisensituationen verhalten. Bei Untersuchungen wurde erkannt, daß Menschen besonders suchtgefährdet sind, wenn: ihre Leistungen in Beruf/Schule nicht genügend gewürdigt werden, wenn sie im persönlichen Bereich nicht ausreichend geschätzt werden, wenn sie unter massivem Druck stehen oder überfordert sind.
Immer wenn Zuwendung, Anerkennung fehlen, die Alltagshektik oder berufliche Anspannung überhandnehmen, wenn Gesprächspartner oder "Kummerbriefkästen" fehlen, sind Menschen in der Gefahr, dies durch Alkoholkonsum oder andere Formen von ausweichendem Verhalten zu kompensieren (auszugleichen): z.B.: Nikotin, Fernsehen, Computerspiele, Eß- und Kaufsucht, Arbeitssucht, Sportsucht, Sexsucht u.ä.

Mögliche Lösungen und Ansätze:
Es muß auf allen möglichen Ebenen angesetzt werden. Zuerst müßte eine allgemeine gesellschaftliche Diskussion über unseren Alkoholkonsum beginnen. Solange es heißt, Bier ist Brot, Wein ist Medizin, fehlt das Bewußtsein für die gesundheitliche Schädlichkeit des Alkohols. Es geht nicht darum den Alkohol zu verteufeln, immerhin ist Wein z.B. Ausdruck der Kulturfähigkeit des Menschen. Aber die gefährlichen Seiten müßten ganz anders, als dies heute der Fall ist, diskutiert werden. Es ist erstaunlich wieviel in Fernseh-Serien/Filmen getrunken wird. Solche Vorbilder wirken negativ. Und Alkoholwerbung muß schlicht verboten werden. Eine weitere Möglichkeit: Alkohol muß teurer werden. Wenn die Gesellschaft den Alkoholkonsum reduzieren will, muß sie an der Preisschraube drehen. Es kann nicht sein, daß ein Glas Bier in Gaststätten billiger als Mineralwasser oder Soft Drinks ist! Schließlich kann die Zugänglichkeit zu Alkoholika erschwert werden: wir könnten in Supermärkten Sonderabteilungen für Alkoholika einrichten, die streng kontrolliert werden (Vergleiche auch die liquor shops in den USA).

Praktische Ansätze:
Alkohol-Pausen einlegen (z.B.4 Tage in der Woche), Alkohol immer selbst einschenken und mit Wasser/Saft verdünnen, nie tagsüber Alkohol trinken - und schon gar nicht als Durstlöscher! Nie regelmäßig in gleichen Situationen trinken, Gewohnheitstrinken ist bereits eine Form von Abhängigkeit. Keine Mixgetränke/Cocktails! Nie Alkohol und Medikamente mischen: Lebensgefahr! Die Kombination Nikotin und Alkohol erhöht drastisch die Krebsgefahr!Als gesundheitlich unbedenklich gelten 10 Gramm Alkohol pro Tag (1Glas Bier, 1/8 Wein). Schließlich: es gibt unzählige alkoholfreie Mixgetränke (Rezepte bei allen Krankenkassen), die jede Party zum Knaller machen können. Nicht vergessen: "never drive drunk "!!!

Schwerpunkte einer Prävention:
Positive Erlebnisfähigkeit, Sinnerfahrung, Lebensfreude aufbauen.
Ich-Stärke, soziale und emotionale Kompetenz, positiven Selbstwert, Problemlösungsfähigkeiten, Krisenbewältigungsstrategien bewußt machen und stärken. Kritisches Konsumbewußtsein, Genußfähigkeit, Wachheit, Gesundheitsbewußtsein wecken.

Prävention ist ein Konzept zur konstruktiven Lebensgestaltung in unserer Gesellschaft, sie ist prozeßhaft und konkret angelegt.
Fast alle Inhalte dieses Infoblattes zum Thema Alkohol beziehen sich selbstverständlich auch auf sämtliche Formen von Suchtverhalten!