© R.Wagner
BIBLISCHE VORSTELLUNGEN VON GOTT
 

1. Grundproblem:
Wer sich von seinen Mitmenschen ein "Bild" macht, gerät in Gefahr, sein Gegenüber in Schubladen oder Klischees einzuordnen. Dasselbe gilt für Vorstellungen von Gott!

Ex 20,4 : "Du sollst Dir kein Bild machen ..."
Gen 1,27 :" Gott erschuf den Menschen nach seinem Ebenbild" will aussagen, daß zwischen Gott und Mensch eine tiefe Wesens-Beziehung besteht.

2. Monotheismus:
Der Glaube an einen einzigen, einzigartigen Gott stellt in der jüdischen Religion eine längere Entwicklung dar, die in dem Bund Gottes mit Abraham und Moses als einem Bekenntnis zu einem Gott gipfelt, der eine Heilsgeschichte mit dem Menschen als Partner will.

3. Der Gottesname:

Auf die Frage von Moses, wie die Menschen Gott ansprechen sollen, gibt ER ihm diese Antwort: Ex 3,13-15: "Ich werde da sein als einer, der für Euch da ist." Der hebräische Gottesname Jahwe ist eine Verbform, die ein dynamisches Dasein ausdrücken will. Gott ist Dialog- und Ansprech-partner, nicht ein abstraktes Ding.
Ex 20,7 : "Du wirst den Namen des Herrn nicht mißbrauchen ..."
In der jüdischen Religion wird der Gottesname Jahwe nicht ausgesprochen, aus Ehrfurcht und Respekt. Steht im Text dieser Gottesname, so wird er beim Vorlesen durch adonai ersetzt.
Aus Solidarität und aus eben solchem Respekt sollten die Christen sich dieser Tradition anschließen.

4. Alleinzigkeit:
Ex 20,3 : "Du wirst keine anderen Götter neben mir haben ..."
Der Gläubige bindet sich an den e i n e n Offenbarungsgott. Das jüdische Glaubensbekenntnis fokussiert diesen Glauben (Dtn 6,4 " sch ema israel adonai ...)

5. Gott ist welttranszendent:
Im Gegensatz zu den Nachbarv&oiml;lkern Israels glauben die Juden und Christen, sowie die Moslems an einen Gott, der alle weltlichen Vorstellungen übersteigt. Die Nachbarvölker Israels hingegen verehrten Naturgottheiten, die Fruchtbarkeit, Ernte, Gestirne, Tiere, Macht ... symbolisierten.

6. Gott ist übergeschlechtlich:
Die üblichen Vorstellungen von Gott sind männlich dominiert: "Gott als Vater, Richter, König, Hirte, Rächer, Befreier ..."Die Propheten des ersten Bundes haben Gott zwar mit männlichen Attributen versehen, aber häufig das weibliche Pendant dazu im Blick gehabt.
Jesaja spricht ausdrücklich davon, daß Gott wie eine Mutter ist. Jesus spricht Gott mit dem aramäischen Dialektwort abba an, was soviel wie "Vati, Papa" bedeutet.
Viele Schriftzeugnisse verwenden für Gott den hebräischen Ausdruck elohim, was zwar einfach mit Gott übersetzt wird, aber eigentlich eine Pluralform (Frau und Mann?) darstellt.

7. Der Gott der Freiheit:
Gott verheißt in der Urgeschichte der Menschheit seinen Bundespartnern Abraham, Isaak und Iakob Land, Nachkommen und Segen, was im Hebräischen immer soviel wie das höchste Lebensglück bedeutet. Von der Paradies-Erzählung über die Arche Noah zu den Patriarchen und Moses, der sein Volk aus der Sklaverei Ägyptens herausführt, will Gott, daß der Mensch in Freiheit und Erfüllung, in Glück und Zufriedenheit lebt.
Die Befreiung aus Ägypten: EXODUS ist d a s zentrale Erlebnis der Heilsgeschichte Israels und wird im wichtigsten Fest des Judentums an Pessach würdig in Erinnerung gehalten.


8. Gott ist heilig:
Die biblischen Autoren sprechen immer wieder von der Heiligkeit Gottes. Mit dem hebräischen Ausdruck kadosch ist gemeint, daß Gott der g a nz A n d e r e ist. Heiligkeit meint Andershaftigkeit in Abgrenzung zur Schöpfung.

9. Der gütige Gott:
Gott ist nicht der grausame Rächergott, sondern der Gott des Verzeihens und Erbarmens, dies zieht sich als Leitmotiv durch beide Teile der Bibel. Von daher kann Jesus auch mit Recht seinen Gott als Abba-Papa ansprechen. Das Motiv der göttlichen Schuldverzeihung nach vorange-gangener Einsicht und Reue ist Fundament des Predigens und Wirkens Jesu.

10. Gott ist Liebe:
1 Joh 4,7: "Gott ist die absolute Liebe und bleibt in denen, die lieben ..."
Der von griechischer Philosophie inspirierte Verfasser des Johannes-Briefes versucht diesen Bogen der göttlichen Heilsgeschichte von Adam und Eva bis zur Auferstehung Jesu unter den Blickwinkel der Liebe Gottes zu den Menschen und seiner Schöpfung zu stellen.

11. Gott ist dreifaltig:
Dieser christliche Glaubenssatz trennt die Wege des Judentums und des Christentums. Für den gläubigen Juden ist es eine völlig unmögliche Vorstellung, die Einzigartigkeit und Einheit Gottes in drei Teilwesen aufzutrennen. Natürlich spricht das Erste Testament immer von dem ruach, dem Geist Gottes, der von Anfang an, sogar vor aller Schöpfung schon bei Gott war. Dieser ruach ist das Prinzip allen Lebens, Atem und Lebenskraft. Ruach ist ein weibliches Wort, muß also mit "Geistin" korrekt wiedergegeben werden (Vgl. Punkt 6!).
In mehreren Konzilien (Versammlungen von Bischöfen und Theologen) hat das Christentum versucht, das Prinzip der Dreieinigkeit schlüssig und präzise zu formulieren. Am verständlichsten wird allerdings das Zusammenwirken von Vater, Sohn und Geist mit dem Bild eines "Dreiklanges" umschrieben.


12. Gott ist Schöpfergott:
Vergleiche hierzu die ergänzenden Arbeitstexte!
Text: Rainer Wagner