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11/1: Die Anfänge (II): Von der Bewegung um Jesus zu den Gemeinden des Christus:

Leben über den Tod hinaus? (I)

In dem Unterrichtsblock "Leben über den Tod hinaus? - Begegnungen, die lebendig machen" geht es auch um die Frage wie man sich die Auferstehung vorstellen solle.

Dazu liest man im Katechismus der Katholischen Kirche (Kompendium, Pattloch, München 2005, S. 82)

"Ich glaube ...die Auferstehung der Toten (des Fleisches)"

202. Was bedeutet „Auferstehung des Fleisches“?

Es bedeutet, dass der endgültige Zustand des Menschen nicht nur die vom Leib getrennte Geistseele betrifft, sondern dass auch unsere sterblichen Leiber einst wieder lebendig werden.

Diese Aussage steht in direktem Zusammenhang mit der folgenden Erklärung (aaO, S. 82f):

205. Was geschieht im Tod mit unserer Seele und unserem Leib?

Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt. Der Leib fällt der Verwesung anheim. Die Seele, die unsterblich ist, geht dem Gericht Gottes entgegen und wartet darauf, wieder mit dem Leib vereint zu werden, der bei der Wiederkunft des Herrn verwandelt auferstehen wird. Das Wie dieser Auferstehung übersteigt unsere Vorstellung und unser Verstehen.

Mit dieser Vorstellung haben offensichtlich einige Theologen ihre Probleme. Man glaubt dieses Problem lösen zu können, indem man eine Unterscheidung zwischen „Leib“ und „Körper“ vornimmt.

So zum Beispiel Nocke/Sorger in „Was meint leibhaftige Auferstehung?“ (Materialheft für 11/1, 4/M11, S. 104) oder Medard Kehl in „Unterscheidung zwischen „Körper“ und „Leib““ (Materialheft für 11/1, 4/M12, S. 105). Auch Hans Kessler glaubt in dem Interview, das im Didaktischen Kommentar (S. 133 f) abgedruckt ist, dass „man auf der falschen Fährte“ sei, wenn man „“Auferweckung des Leibes““ sage und dabei „“Auferstehung des Körpers““ denke.

Als Erklärung gibt Kessler an, „dass die „deutsche Sprache [...] zwischen Leib und Körper [unterscheide]“. (Materialheft S. 133)

Die von ihm (ebenso Kehl und Nocke/Sorger) vorgenommene Unterscheidung hält aber einer Überprüfung nicht stand.

Dazu genügt es, das Wort „Leib“ in einem Wörterbuch aufzuschlagen.

In dtv Wörterbuch der deutschen Sprache (herausgegeben von C. Wahrig, München 1980, 3. Aufl.) heißt es:

Leib (...) 1 (i.w.S.) (menschl. oder tier.) Körper; er zitterte am ganzen Leibe; (...) 2 (i.e.S.) Bauch, Magen Unterleib ;

In dem Internetlexikon Wikipedia heißt es:

Als Leib bezeichnet man den Körper von lebenden Menschen und Tieren. Synonym verwendet werden auch die folgenden Begriffe: der Körper, das Korpus, das Soma.

Die von den genannten Theologen vorgenommene Unterscheidung ist also völlig künstlich und entspricht nicht dem üblichen Sprachgebrauch. Jetzt ist es allerdings nichts Neues, dass Theologen eine Sondersprache pflegen – und deswegen vom Homo sapiens communis nicht verstanden werden.

Ist diese (künstliche) Differenzierung denn wenigstens hilfreich?

Hans Kessler erklärt uns: „Leibhaftige Auferstehung heißt, dass der Mensch selbst [...] lebendig gemacht und gerettet ist und zwar mitsamt seinen Beziehungen.“ (Materialheft 11/1, S. 133)

Dass diese Vorstellung nicht wirklich weiter hilft, zeigt schon ein Blick in die Bibel:

Mk 12,18-27: Die Frage nach der Auferstehung der Toten:

18 Von den Sadduzäern, die behaupten, es gebe keine Auferstehung, kamen einige zu Jesus und fragten ihn: 19 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, aber kein Kind, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. 20 Es lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, und als er starb, hinterließ er keine Nachkommen. 21 Da nahm sie der zweite; auch er starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen, und ebenso der dritte. 22 Keiner der sieben hatte Nachkommen. Als letzte von allen starb die Frau. 23 Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. 24 Jesus sagte zu ihnen: Ihr irrt euch, ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. 25 Wenn nämlich die Menschen von den Toten auferstehen, werden sie nicht mehr heiraten, sondern sie werden sein wie die Engel im Himmel. 26 Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? 27 Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt euch sehr.

Was soll das denn nun heißen „Auferweckung des Leibes bedeutet, dass der ganze Mensch mit seiner ganzen Lebensgeschichte, mit all seinen Beziehungen zu anderen eine Zukunft hat“ (Nocke/Sorger, Materialheft s. 104)? Wenn man schon Probleme hat, sich eine Auferstehung des Fleisches vorzustellen, um wieviel schwieriger ist es dann, sich auch noch eine Revitalisierung aller Beziehungen vorzustellen – und was ist dann mit den gescheiterten Beziehungen? - Scheidungen und verlassene Kinder sollen ja auch bei Katholiken vorkommen.

das könnte manchen herren so
passen wenn sie in ewigkeit herren blieben
(Kurt Marti)

Eine unverstandene Redeweise wird durch eine andere unverstandene Redeweise ersetzt. Gewonnen ist damit nichts.

Für den Unterricht, der auf Verständnis der Glaubenssprache zielt, ist dieser Ansatz also wenig hilfreich.
Muss man sich also darauf beschränken, den Katechismus zu zitieren Das Wie dieser Auferstehung übersteigt unsere Vorstellung und unser Verstehen.“ und weitere Erklärungsversuche zu unterlassen?

Auferstehung in historisch-genetischer Betrachtung

letzte Aktualisierung:16.08.2008

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