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THEMA:   Kant für Kinder

 1 Antwort(en).

Michael Sach begann die Diskussion am 08.03.00 (20:20) mit folgendem Beitrag:


Im Rahmen meines Ethik/Philosophieunterrichts Jgst.12 am Burggymnasium Friedberg haben wir die deontologische Ethik
Kants besprochen.
Das Depositium-Beispiel aus Kants Text: "Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für
die Praxis" von 1793 wurde im Unterricht erarbeitet und von meinem Schüler Thilo Bottor in einer kreativen Transferarbeit
aktualisiert.
Der Kurs möchte seinen Text zur allgemeinen Diskussion veröffentlichen und freut sich z.B. über Rückmeldungen von
anderen Ethikkursen . . .

Mit freundlichen Grüßen
M.Sach




Thilo Bottor: Kant für Kinder - Das Depositum-Beispiel

Stell Dir vor, Du armes, hungerndes Kind aus der Dritten Welt:
Du findest einen großen Koffer mit Lebensmitteln, von dem Du weißt, daß es diesen fetten, weißen Kindern in diesem
wunderschönen Haus gehört.
Immer wenn Du an ihrem Palast vorbeiläufst, lachen sie über deinen Blähbauch und bewerfen Dich mit
ungenießbaren Essensresten, die Du dann verschlingst.
Nun mein Kind, Du weißt zwar, dieser Koffer würde deine Familie für Wochen sättigen, doch überlege gut, was
würdest Du tun?
Du weißt, der Koffer gehört nicht Dir!
Fühlst Du dich nicht im Unrecht und schäbig, wenn Du ihn zurückgibst?

Klar, sie werden den Inhalt des Koffers nicht so nötig haben wie Du, aber wenn Du den Koffer erst zurückgegeben
hast, dein Bauch sich weiterbläht und deine Brüder und Schwestern sterben wie die Fliegen, während die
wohlgenährten Weißen immer fetter werden, wird ein reines Gefühl deinen gequälten Geist erfüllen.

Du hast moralisch gehandelt, so jetzt weißt Du was Moral ist.
Vielleicht hast Du die fetten Herzen der reichen Weißen erwärmt!
Dann hast Du dazu beigetragen, daß diese Welt ein bißchen besser geworden ist.

Wahrscheinlich aber ist, daß die reichen Weißen den Koffer postwendend in den Müll schmeißen, weil ein dreckiges,
krankes Negerkind den Inhalt schon versucht haben könnte.


Assad Peter Splieth antwortete am 03.05.00 (15:48):

Je nachdem welche subjektive Perspektive man einnimmt wird man die Tat moralisch unterschiedlich bewerten. Jede Tat kann außerdem Konsquenzen haben, die der ursprünglichen moralischen Bewertung entgegen laufen und diese relativieren (z.B. die - zurückgegebenen Lebensm. im Koffer waren vergiftet und werden versehentlich von der fetten, reichen Mutter gegessen. Diese stirbt infolgedessen. Diese Handlungsfolge verändert die Bewertung).
Also muß man das Motiv stärker bewerten als die Tat.
"Deodorantische" Ethik und "Deppositium"-Beispiele sind mir fremd. Aber schließlich werden auch ausschließlich Ethik-Kurse um Antwort gebeten. Vorselektion der Antwort als Beispiel für Kant´schen Konstuktivismus?