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THEMA:   Bürokratie verhindert Innovationen, das frustriert

 1 Antwort(en).

Rudolf Brinkmann begann die Diskussion am 16.04.00 (13:59) mit folgendem Beitrag:

Wie hinreichend bekannt ist, erhält nicht jeder Lehrer nach dem zweiten Staatsexamen
ein Einstellungsangebot für den Schuldienst. Da sind Haushaltslage, Bedarfssituation
und der Notendurchschnitt entscheidend.

So erging es mir vor einigen Jahren nach Abschluß des zweiten Staatsexamens
für das Lehramt an Gymnasien mit den Fächern Mathematik und Physik.
(heute heißt das Lehramt für Sek1 und Sek2)

Für mich war der damalige Einstellungsstopp für Lehrer nicht weiter tragisch,
denn Dank einer Zweitqualifikation als Elektroingenieur fand ich in der Industrie
eine lukrative Anstellung als Systemanalytiker und Softwaredesigner. Den Schuldienst
verlor ich zunächst aus den Augen.

In der Rezession Anfang der Neunziger löste sich meine Firma auf, ich wurde arbeitslos.
Umgehend bewarb ich mich für den Schuldienst. In Anbetracht der in der Industrie
gewonnenen Erfahrungen entschied ich mich als Alternative zum Gymnasium
auch für das Berufskolleg. Gespräche mit dem zuständigen Dezernenten signalisierten
mir, das Lehrer mit meiner Fächerkombination und zusätzlicher Berufserfahrung selten
und daher besonders gefragt seien.
Als dann von der Bezirksregierung alle Einstellungsangebote verschickt worden waren,
rief mich der oben genannte Dezernent an und fragte, warum ich mich nicht beworben
hätte, er wolle mich einer Schule in seinem Bezirk zuteilen, fände mich aber nicht in der
Liste. Ein Anruf im Einstellungsbüro klärte die Situation. Wegen eines Formfehlers habe
ich am Einstellungsverfahren nicht teilnehmen können. Der Gleichstellungsantrag sei zu
spät eingegangen. (Einen solchen benötigt man, wenn man in Hessen seine Ausbildung macht
und in Nordrhein-Westfalen in den Schuldienst möchte). Es bestünde in diesem Jahr zwar noch
Bedarf in den Fächern Mathematik und Physik, das Verfahren sei aber nun abgeschlossen ich
solle es im nächsten Jahr erneut versuchen.

Daraufhin war ich dann ein Jahr lang arbeitslos und hielt mich mit gelegentlichen Jobs
über Wasser. Im gleichen Schuljahr fiel für etliche Schüler der Mathematikunterricht aus,
da in Duisburg zwanzig Mathematiklehrer fehlten, wie die regionale Presse damals berichtete.
Im Jahr darauf erhielt ich ein Einstellungsangebot für eine Realschule.
Mürbe durch das verlorene Jahr nahm ich sofort an.

Da ich aufgrund meiner Qualifikationen an einem Berufskolleg, bzw. an einem Gymnasium für mich ein effektiveres Wirken sehe, stelle ich seit einigen Jahren regelmäßig
Versetzungsanträge. Mit mehreren Gymnasien und Berufskollegs nahm ich Kontakt auf und
vergewisserte mich, dass meine Qualifikationen dringend erforderlich seien,
da an diesen Schulen Physik momentan nicht im ausreichenden Maß erteilt werden könne.
Leider werde ich weder vom Schulleiter, noch von meinem Dezernenten freigegeben.
Die Begründung lautet Eigenbedarf.

Der von einem prominenten Politiker ausgesprochene Satz "Kinder statt Inder"
mag mittlerweile zum Reizwort geworden sein, dennoch sehe ich darin die Notwendigkeit
jungen Menschen die bestmögliche Ausbildung zu geben auch im multimedialen Bereich.
An der Realschule habe ich lediglich die Möglichkeit in meiner Freizeit eine
Internet AG anzubieten, mehr ist aufgrund der Stundenverteilung nicht möglich.
Dabei würde ich gerne entsprechend meiner Qualifikation mein Potential voll
entwickeln. Das aber scheitert leider an den gegenwärtigen bürokratischen Strukturen.
Mittlerweile ziehe ich in Erwägung, mich erneut in der Industrie zu bewerben.
Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Brinkmann
Kirchweg 1
47178 Duisburg
rc.brinkmann@kati.du.shuttle.de

(Internet-Tipp: http://www.kle.nw.schule.de/rsvoerde)


Morpheus antwortete am 24.08.00 (20:14):

man sie reden mir aus der selee (der anfang des letzte absatzes)!