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THEMA:   Konfliktherd Nord-Korea

 2 Antwort(en).

Oxygen begann die Diskussion am 27.04.03 (22:57) mit folgendem Beitrag:

Nordkoreas Spiel mit dem atomaren Feuer
Kaum ist Saddam Hussein gestürzt, steht die Regierung in Washington schon vor der nächsten, nicht minder gefährlichen Kraftprobe

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Kaum ist Saddam Hussein gestürzt, steht die Regierung in Washington schon vor der nächsten, nicht minder gefährlichen Kraftprobe. Neben dem Irak und dem Iran hat George W. Bush in seiner Rede zur Lage der Nation im Januar 2002 Nordkorea zur „Achse des Bösen“ gezählt. Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA, vorgelegt im September 2002, zielt ausdrücklich auch auf das Regime in Pjöngjang. Und diese Strategie sieht vor, dass gegen „Schurkenstaaten“, die im Besitz von chemischen, biologischen oder atomaren Waffen sind und die Verbindungen zum internationalen Terrorismus haben, notfalls auch präemptiv vorgegangen werden soll.

Einmal davon abgesehen, dass die US-Truppen im Irak bis heute vergeblich nach Massenvernichtungswaffen suchen und die Legitimation des Krieges dadurch noch fraglicher wird: In Nordkorea haben es die Amerikaner mit einem Gegner von ganz anderem militärischen Kaliber zu tun. Die mageren Ressourcen, über die das Hungerland verfügt, steckt es in sein Militär. Mit über einer Million Soldaten ist die Armee Nordkoreas eine der größten der Welt. Niemand zweifelt daran, dass Diktator Kim Jong Il über Arsenale von B- und C-Waffen gebietet. Es gibt kaum ein finsteres Regime, an das Kim nicht schon Raketen geliefert hat – für den Bankrotteur in Pjöngjang sind sie der wichtigste Devisenbringer überhaupt.

Von den Raketen Kims fühlen sich sogar die Vereinigten Staaten bedroht. Mit einer noch in der Entwicklung befindlichen Interkontinentalrakete soll Nordkorea die Westküste Amerikas erreichen können.

Kein Wunder, dass die Falken in Washington längst über „chirurgische Schläge“ gegen die Atomanlagen im nordkoreanischen Yongbyon nachdenken. Der Preis, den vor allem der Süden Korea für einen solchen Angriff bezahlen würde, wäre freilich nicht zu verantworten. Denn Seoul, die Hauptstadt des Südens, liegt nur wenige Kilometer von der Demilitarisierten Zone entfernt, die die beiden koreanischen Staaten trennt, in Reichweite der nordkoreanischen Artillerie. Ein Atomschlag gegen Nordkorea würde unweigerlich einen vernichtenden Angriff auf Seoul auslösen: Eine Million Menschen könnten dabei ums Leben kommen.

Andererseits: Ein atomar bewaffnetes Nordkorea könnte eine hochgefährliche Aufrüstungsspirale in Ostasien in Gang setzen. Wie lange würden sich Japan und Südkorea wehrlos nordkoreanischen Erpressungsversuchen aussetzen wollten, geschützt allein durch den Atomschirm der Amerikaner? Würde nicht in beiden Staaten der Druck wachsen, ebenfalls nuklear aufzurüsten? Technologisch wäre dies für beide Länder kein Problem.

Doch militärisch wird die gegenwärtige Krise nicht beizulegen sein. Es gibt für die Amerikaner zu weiteren Abrüstungsgesprächen keine Alternative. Zwar lässt Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Washington bereits Memoranden zirkulieren, in denen über die Möglichkeit eines „Regimewechsels“ auch in Pjöngjang spekuliert wird. Aber wie der inszeniert werden sollte, ohne die ganze Region in Brand zu stecken, bleibt ein Geheimnis.

Anders als von den Amerikanern erwartet, hat Nordkorea aus dem schnellen Sieg im Irak nicht den Schluss einer schleunigen Abrüstung gezogen. Im Gegenteil: Über seine staatliche Nachrichtenagentur hat der Norden am Donnerstag noch einmal erklärt, der Irak-Krieg lehre „alle souveränen Staaten“, dass „nur eine starke Abschreckung“ sie schützen könne.

Aufrüstung aus purer Angst. Das lässt nichts Gutes ahnen. Wirtschaftlich ist Nordkorea bankrott, es kann seine Menschen nur mit Hilfe des Auslandes ernähren. Hunderttausende fristen in Arbeitslagern ein elendes Dasein. Man wünscht das Regime zum Teufel und muss doch mit ihm zusammenarbeiten. Die Südkoreaner, drängen den amerikanischen Verbündeten, das Gespräch mit dem Norden fortzusetzen. Sie müssten die Folgen eines Regimewechsels mit militärischer Gewalt am meisten fürchten. ...

(c) DIE ZEIT 18/2003

Hier wäre es interessant zu erfahren, welche Maßnahmen angebracht wären um gegen das Verhalten Nord-Koreas vor zu gehen. Es bahnen sich beängstigende Szenarien an. Amerika hat bisher keine Entscheidung über ein Vorgehen getroffen. Es geht aber nicht nur um Amerika. Wie soll sich die Welt Nord-Korea gegenüber verhalten ? Weg schauen wäre mit Sicherheit falsch. Ein Drohpotential besteht.

(Internet-Tipp: http://www.zeit.de/politik/nordkorea)


sea antwortete am 30.04.03 (11:00):

das wäre doch eine gute möglichkeit für die UN sich schon vor den amerikanern als kontrollierende instanz, weltweit effektiv agierend zu zeigen.
bis dato habe ich noch keine ernstgemeinte regung seitens der UN festgestellt, so dass sich mir mal wieder der eindruck aufdrängt, die UN kann ganz gut damit leben, wenn sich mal wieder eine einzelne nation legitimiert sieht "internationale aufgaben" zu erledigen.

wir werden hier im forum bestenfalls danach fragen können, die möglichkeiten den konflikt zu lösen kann eigentlich nur eine überregionale institution überschauen.

sea


Oxygen antwortete am 30.04.03 (17:21):

Ich sehe jedenfalls, soweit die UN nichts unternimmt, die Weltgemeinschaft also tatenlos zusieht, wieder die Amerikaner am Zuge. Käme es so weit, so hätten wir einen erneuten Tatendrang der USA meiner Meinung nach indirekt mit legitimiert.