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THEMA:   JPM in NY: aus einer Muecke ein Elephant?

 43 Antwort(en).

JPM begann die Diskussion am 17.04.01 (14:33) mit folgendem Beitrag:

Auch wenn "Forschung" nicht auf Anhieb fuer jeden verstaendlich sein muss, so liefert trotzdem der Beitrag des "Brausepaulsympathisanten" einen guten Ansatzpunkt, um mein Vorgehen zu beleuchten. Sprich: sein Beitrag ist - aus meiner seit dem NY-Projekt offensichtlich fuer viele unmassgeblichen Sicht ;-)) - so kompetent, dass er mir Lust gibt, darauf einzugehen. Natuerlich werde ich auch weiter ueber meine Erfahrungen hier und ueber den Fortgang des Projektes berichten...


JPM antwortete am 17.04.01 (14:59):

Lieber Brausepaulsympathisant,
Ihr Vorschlag mit den Lehrern und Schuelern kommt leider zu spaet. Ich verlasse meinen unbezahlten Arbeistplatz in NYC (Times Square) naemlich in etwa einer Stunde und fahre dann zum Guggenheim-Museum und im Anschluss zum Flughafen. Vielleicht ein anderes mal... Ausserdem war mir die Idee sowieso bereits vor einem Monat in Deutschland eingefallen, aber niemand von meinen supporters schien sich dafuer zu interessieren...Haetten Sie sich da schon gemeldet, waere alles anders verlaufen. Und das ist naemlich eine Sinnschicht: das Projekt soll daran gewoehnen, durch Einsatz der neuen Medien Einfluss auf das Handeln anderer auszuueben, und zwar positiv. Jeder kann jederzeit auf den Prozess einflussnehmen. Das tun Sie selbst auch gerade, indem ich hier mit Ihnen reflektiere und erst spaeter meine Touristentour weiterfuehre! Ich habe waehrend des Projektes sehr viele neue Erekenntnisse gewonnen ueber das Verhalten von Communities, naemlich dass einzelne sich oft sehr intensiv engagieren und dann wieder eine zeitlang verschwinden. Mit dieser Erscheinung muss man umgehen koennen und die Energien begruessen, die eingebracht werden. So die Ihrige. Unabhaengig davon, wie Sie zu mir und meinem Projekt stehen, unabhaeging ob Sie sich jemals wieder melden, Sie bringen meinen Reflexions- und vor allem Explikationsprozess weiter. Damit dies aber funktioniert muss man
a) viele Leute mobilisieren damit aus der Summe der einzelnen Beitregen genuegend power entsteht (also ich muss einen Elephanten aufbauen, damit am Ende ein bisschen mehr als eine Muecke entsteht);
a) eine hohe Frustrationstoleranz besitzen (andere schreiben mir z.B. dass sie mein Mist abbestellen wollen) und sicher sein, dass die eigene Arbeit Erkenntnisse zu Tage foerdert,
c) offen sein fuer alle neuen Impulse. So war der Impuls von Kathrin wie Sie unschwer erkennen werden von grosser Bedeutung (ob postmodern oder nicht) fuer meine Arbeit hier.
Aus meiner Sicht als "Forscher" war das Projekt von grossem Wert. Ich werde es immer wieder durchfuehren, bis am Ende ein klares, von jedem Interessierten wiederholbaren Modell entsteht. Das naechsten Mal werde ich wahrscheinlich Studenten mitnehmen (im Rahmen des Bausteins "Schluesselqualifikationen"). Aber die gruendliche Auswertung der Ergebnisse will ich hier nicht vorwegnehmen. Fuers Erste belasse ich meine Ausfuehrungen aus Zeitgruenden so, aber ich werde sehr gerne mit Ihnen wieterdiskutieren und hoffe natuerlich, dass Sie sich einmal melden...

Und nun sichere ich diesen Beitrag und erzaehle im naechsten, was ich vorgestern und gestern getan habe.


JPM antwortete am 17.04.01 (15:33):

Wie ich bereits gestern andeutete, mein Aufenthalt in NY ist sehr stark gepraegt von dem, was meine supporters im Vorfeld an Informationen geliefert haben und von ihren Interventionen hier. Personen, die mich hier sehr stark begleitet haben (ohne es immer zu ahnen) sind im Vorfeld des Projektes Joachim Grzega, irgendwann Sabine, dann kontinuierlich Claudius, Daniela, Marcus, Kathrin und Marion. Also ganz stark sechs bis sieben Leute. Auch die Kritiker haben meine Reflexion hier sehr stark gepraegt, und zwar in dem Sinn, dass ich noch mehr aus New York geholt habe, als ich es ohnehin getan haette! Ja, lieber R. (wenn du das liest), ohne deine herbe Kritik haette ich mir gestern vielleicht nicht noch dies und jenes am Abend angeschaut!

Aber nun zum Ablauf, den ich dir, liebe Marion widme. Ich habe deine goldenen Ratschlaege staendig praesent gehabt, ich kannte deine Texte fast auswendig:
Vogestern, nach der Easternparade, dem central park und dem Metropolitan Museum bin ich zum Times Square (Arbeitsplatz :-) gefahren und im Anschluss nach Greenwich-Village (hat mich ziemlich enttauescht, wegen der Touristenatmosphaere). Am Abend bin ich deinem Ratschlag gefolgt, Marion, und bin nach Brooklyn-Height, unweit meines B&B gegangen. Dass man buchstaeblich durch Uberqueren einer Strasse von der Armut ins aequisitesten Yuppihaften kommen kann ist fuer mich immer wieder verblueffend hier. Das geht nur, wenn ueberall security-Leute stehen! Blooklyn-Height ist wirklich wunderschoen! Gestern am Vormittag sass ich drei Stunden hier am Computer, dann: Ellis Island, zurueck nach NYC, Staten Island (dort stieg ich in irgendeinen Bus, der mich durch die Gegend fuhr: hochinteressant fuer jemanden, der das echte Amerika nur von Filmen kennt, unbedingt zu empfehlen), die Rueckfahrt von Staten Island auf der Faehre bei Nachteinbruch und schoenem Wetter, vorbei an der Freiheitsstatue, an Ellis Island und in Richtung Manhattan war unvergesslich! Dann stieg ich in die Subway, immer an deine Ratschlaege denkend, liebe Marion, und fuhr zum Lincoln Center (Met) und ging im Anschluss zum Dakota-Haus (Yoko Ono, John Lennon usw.). Alles bei Nacht mit den Beleuchtungen der skyscrapers... Herrlich! Danke Marion, ohne dich haette ich diesen Aufenthalt nicht so intensiv gestaltet!!!!

Gut. Jetzt fahre ich zum Guggenheim-Museum. Im Anschluss suche ich nach Mitbringseln und fahre zum Kennedy-Airport. Mein Flug ist um 17.35pm. Es war unbeschreiblich intensiv und schoen. Danke an die Supporters!!!


JPM antwortete am 18.04.01 (09:08):

Nun bin ich wieder zu Hause, gerade vom Münchner Flughafen zurückgekehrt. Natürlich haben mich die harten Kritiken (vor allem die unveröffentlichten) an meinem kleinen NY-Projekt während des Fluges beschäftigt! Schön, daß neben mir wieder eine sehr nette junge Frau saß, die sich heute früh in einem Gespräch als Lehramtsstudentin E/D erwies. Wer mich kennt, weiß, daß ich sofort zugreifen musste: ich erzählte ihr den Anlass meines Trips und nach drei Sätzen verstand sie mein Anliegen sofort! Sie fand, so etwas bringt Bewegung in die Didaktik! Welch tolles Gefühl für mich! Danke Petra, das war, was ich an dieser Stelle brauchte!


XY antwortete am 18.04.01 (11:28):

Wie gedenken Sie Ihre Erfahrungen in die Didaktik zu integrieren?
By the way: Wie sind Sie mit der Zeitumstellung zurechtgekommen?


JPM antwortete am 18.04.01 (13:38):

Die Zeitumstellung hat mir kein allzugrosses Problem bereitet, nicht zuletzt, weil ich von den Supporters so gut darauf eingestimmt wurde (Marcus, Marion usw.)
Zur Integration in die Didaktik:
ganz erwiesen hat sich das Modell, ein Unterstützungspool im Internet zu bilden (aus diversen Leuten, die sich vorher nicht kannten), die bei der Vorbereitung eines Erkundungsprojektes und bei der Durchführung helfen. Für den Erfolg meines persönlichen NY-Aufenthaltes war dieses Pool sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Durchführung extrem wichtig. Ohne dieses Pool wäre mein Aufenthalt dort bei weitem nicht so intensiv und erkenntnisreich und psychisch auch so schön gewesen. Ich fühlte mich sehr sehr wohl wegen der Unterstützung. Einzige Belastung waren die "Attacken", aber die muss ich ja aushalten! Das gehört zu meinem Job. Wie das Pool sich bei der Auswertung verhält, weiß ich noch nicht. Aber von daher hat sich das Ganze mehr als gelohnt. Ich möchte nun Schüler und Studenten daran gewöhnen, wenn sie ein Erkundungsprojekt planen, ähnliche Pools zu bilden. Da ich damnächst mit den Schülern nach Paris fahre, werde ich sehen, was man in diese Richtung machen kann. Was nicht geklappt hat vom didaktischen Standpunkt aus ist, dass Schüler sich zu Hause kontinuierlich damit befasst hätten und auf diese Weise mit mir aber virtuell NY erkundet hätten. Aber das müsste funktionieren, da muss ich mir einfach Gedanken zum design machen.
Das sind meine ersten Überlegungen, aber ich sehe noch viele Möglichkeiten, die ich hier (ich bin noch recht müde) nicht alle darstellen kann.


JPM antwortete am 18.04.01 (13:47):

Noch ein Gedanke: aus meiner Sicht hat der FSU in der Zukunft vor allem dann eine Chance, wenn der Präsenzunterricht (also der Unterricht in der Schule) dafür benutzt wird, Erkundungsprojekte zu planen, vorzubereiten und im Ansschluss auszuwerten. Also kleine und große "Wissenscontainer" von den Schülern erstellen zu lassen. Wie das "NY-Wissenscontainer" aussieht, muss noch genauer untersucht werden (Auswertung durch alle Beteiligten). Man muss praktisch das Wissen, das sich seit dem Anfang des NY-Projektes angesammelt hat, herausfiltern und als Packet schnüren.


Daniela antwortete am 18.04.01 (14:21):

Hi JPM,

sorry that I didn't join the discussion during yor stay in NYC but I haven't been online over Easter. Anyway, I hope you had a real good time and the blsiters have not turned out to be that bad, but don't worry, everybody I know had blisters at least once while they've been to NYC, a good friend of my had about 15 blisters at one foot, because she didn't wear comfortable shoes the first day she's been to NYC, so two blsiters aren't that bad! How was your bed&breakfast? Did you like, I hope so...The view from the top of the Empire State Building is amazing isn't it? I love it!


JPM antwortete am 18.04.01 (15:16):

It was great!! I would like to meet you in Eichstaett. How do you look?


JPM antwortete am 18.04.01 (18:47):

@Daniela, Claudius, Kathrin, Sabine, Marcus, Joachim, Marion and eventualy other friends:
Because I began the project in english I want to form the third (and last) stage - the evaluation-stage - in english too. The evaluation-stage has a very good starting-point: a lot of people criticize me and my action. I have to explain, why I did that project. Of course, everybody can see, that my New-York-trip was a big success for me as a man, who never was in USA and New York before and could get a lot of impressions very fast and intensive. If I just had guides an friends, who inform me, it will never be so intensiv. Also my english is better than at the beginning (today, I don't would say "I became a creditcard") :-)). But the aim of that project was not, that I have a good trip in NYC. The aim was,
- people, who were in NY could use my trip as a motivation to call to mind her experiences in NYC;
- people (for example pupils), who not were in NYC, could use my trip to inform herselfe about that town.
The second objective missed. I'am persuaded, that this objective will be accessible, I just have to improve the setting of the project. If people were accustomed to the internet, they would take the chance to learn by writing in english/german/french and so on an by leading somebody in a other country. But that's just an hypothesis.
The first target, we reach (I think). Please, Joachim, Claudius, Sabine, Daniela, Kathrin, Marion, Marcus and other supporters, could you say, if the project was usefull for you??? I need your help again in that situation! I have to find good arguments in order to persuad the people who critisize me. I think, to critisize is not bad but an offer for us, to explain our position.

@Claudius, Joachim and Daniela: On Friday morning, the editor from "Wirtschaftswoche" comes to me in Eichstätt. Perhaps one (or several) of you can be there to explain his experience with that project.


JPM antwortete am 19.04.01 (11:03):

Since yesterday, of course, I reflect very intensively upon the theoretical basis of my experience, especially upon the gap between linear and not-linear thinking and between "Linearität a priori" and "Linearität a posteriori". This reflections are very abstract and I continue them on the board "Das LdL-Forum als Gehirn: zur Organisation kollektiven Denkens" (in german). For the further practical considerations, I stay on that discussionboard...


JPM antwortete am 19.04.01 (12:02):

The logical continuation from that NY-project would be, that we the track (=Strang) develop, that Kathrin began. Kathrin leads the further project: she puts a new support-group together with the target to construct a "Paul Auster knowledge-container". I fligh to New York again and try to contact him (probably during the summer-holidays). First I have to read everything he wrotes and see his film. Than I have to constuct on an abstract level the connection between PAs work and my work. And than I fligh and look for him. Kathrin and her group coaches me...


JPM antwortete am 19.04.01 (16:26):

@Claudius:
I just looked in your project-homepage! Wow! Very good ideas! Could you come tomorrow morning to my meeting with the Wirtschaftswoche-Editor?


Claudius antwortete am 19.04.01 (16:48):

@JPM

Unfortunately I have to work tomorrow, but if you really need me there, I am "andockbar" via email, phone, this board here or even the LDL-chat. ;-) Finally a use for it...
phone: 089-230-31-626
I worked on the page some more. Now it has got a history and a follow-up section, where I try to gather what has been and what will be.
Bis bald,
C

(Internet-Tipp: http://www.ckonrad.de/jpm.html)


JPM antwortete am 19.04.01 (18:32):

@Everybody:
Can you imagin? Claudius Conrad never was in NYC!!!!!
- What? Never?
- No, never!!
- And he coatches you all the time in NYC???
- Yes, all the time!!!

(Internet-Tipp: http://: www.nyc-guide.de/))


Kathrin antwortete am 19.04.01 (19:59):

Dear support family and JP,
welcome back to Germany.
It is hard to say in what ways the project was useful (as a suffix -ful with only one L ;-)) for me. It bound a lot of emotional and literal energy - I reread some Auster texts, was glad to hear that you liked his writing and for the first time checked the web for sites referring to him - that way found an Auster expert who is also very fond of our project (I will put an email he has sent me below this entry). So, all in all it is an expansion of diverse horizons. And I think this will be the case for most of the supporters. But to be more precise, it would be helpful to have access to some of the criticism and refer directly to them.
As a general answer to the critics I keep the opinion that most of them are "Schreibtischtäter" even if JP denies it.

To create a "Wissenscontainer" about Paul Auster is maybe more that I can do - I'm just a fan of his writings, but maybe if Stuart joined us .... Let's see what develops.
And now the email.


Kathrin antwortete am 19.04.01 (20:00):

Thanks Kathrin - I like the sound of this experiment - it sounds almost
Austerian in itself.

Thanks for taking the time to tell me all about Jean-Pol Martin and the
project - it sounds incredibly interesting.

I'm now going to check out the other link you sent me...

Speak to you soon,

Stuart.

P.S. I was intrigued by the analogy between the brain and the neurones on
the one hand and the people using the net and
each individual on the other hand. I sometimes think we may have created
God - i.e. the net along with webcams et al is like an all-seeing,
all-knowing being...a bit like Hal in 2001 Space Odessey?


JPM antwortete am 19.04.01 (20:29):

OK, Kathrin, thanks for your answer.

"Let's see what develops."
- That's exactly what I mean. I think, it is important to be open for all eventualities by the projects we realize...
"But to be more precise, it would be helpful to have access to some of the criticism and refer directly to them"
- I give a little extract from the mail, I have get from a very close "fellow combatant" (Mitstreiter?):
"Leider hat die Qualität der Beiträge /seitdem du sie per Mail sendest/ sehr gelitten! Aktuelle Beispiele sind die mails zum "Wissenscontainer" - hier verwechselst du wohl Datenmengen mit Wissen - das nur durch Denken zu erreichen ist - oder der ganze Zirkus um JPM alone in NYK. Schön, wenn du nach NYK fleigst, aber doch bitte nicht wie eine Marionette ferngesteuert per Internet! Mich graust es schon bei dem Gedanken. Und dann muss man sich so einen Quatsch auch noch regelmäßig aus der mailbox holen..."


JPM antwortete am 19.04.01 (21:27):

Hier die wichtigsten Auszüge der Mail eines mir sehr nahestehenden Mitstreiters der ersten Stunde. Er hat sein Einverständnis mit der Veröffentlichung erklärt.

"Leider hat die Qualität der Beiträge /seitdem die Kontaktbriefe per eMail verschickt werden/ sehr gelitten! Aktuelle Beispiele sind die mails zum "Wissenscontainer" - hier verwechselst du wohl Datenmengen mit Wissen - das nur durch Denken zu erreichen ist - oder der ganze Zirkus um JPM alone in NYK. Schön, wenn du nach NYK fliegst, aber doch bitte nicht wie eine Marionette ferngesteuert per Internet! Mich graust es schon bei dem Gedanken. Und dann muss man sich so einen Quatsch auch noch regelmäßig aus der mailbox holen... Ich habe darauf reagiert und hole z.Zt. JPM-mails nicht mehr ab (> "auf dem Server belassen"). Da meine Töchter auch ab und zu mails holen und dann die gesammelten JPMs auch mit runterladen, bekomme ich sie dann irgendwan doch. Aber freuen kann ich mich über so viel geballten Unsinn leider nicht!"


Joachim Grzega antwortete am 19.04.01 (23:54):

Liebe Befürworter und Gegner des JPM-Projektes,

ein Projekt, wie es Herr Martin durchgeführt hat, muss sich -- dies zeigt sich ja auch an den zahlreichen Kritiken, die lautgeworden sind -- die Frage gefallen lassen: was hat es im Vergleich zu anderen Möglichkeiten, eine Woche in NYC zu verbringen, gebracht?

1. Hätte man sich nicht mittels der zahlreichen Touristenführer oder der Infos im Internet auf diesen Aufenthalt vorbereiten können? Man könnte sagen, dass das Projekt vielleicht in einem exotischeren Ort sinnvoller gewesen. Doch gerade bei NYC wird man mit Informationen geradezu zugeschüttet. Wie soll man sich da zurechtfinden?

2. Hätte man dann nicht einfach Bekannte um Infos bitten können? Bei NYC mag dies sicher noch möglich sein. Doch das Projekt ist ja allgemeiner zu sehen. Wie sieht es bei anderen Orten aus? Wie komme ich da an Informanten -- gerade wenn ich in einem engmaschigen sozialen Netz lebe?

3. Das Internet ermöglicht:
(a) Zusammentreffen von Leuten, die nicht am gleichen Ort wohnen, nicht im gleichen Beruf stecken, nicht den gleichen sozialen-kulturellen Hintergrund haben, sondern: das gleiche Interesse haben!!!
(b) Im Gegensatz zu Infos in Büchern und im Internet, kann ich in einem Diskussionsforum gezielt Fragen stellen, Antworten erhalten und auf diese Antworten erneut reagieren.
(c) Das Diskussionsforum hat nicht nur zur Vorbereitung gedient, sondern auch zur Begleitung und Programmänderung während des Aufenthalts. Einige Pläne wurden fallengelassen, andere sehr interessante Anregungen haben sich erst während des Aufenthalts ergeben (z.B. der Besuch von Paul Auster -- auch wenn es dann letztendlich dazu nichtkam, aber darum geht es hier nicht).

Eines ist sicher: Während ich am Anfang glaubte, dass nur einige Bekannte von JPM im Forum "mitmischen" würden, haben sich doch so viele Personen eingeklickt und so viele Situationen während der Diskussion ergeben, dass sich genug Punkte für den Aufbau eines theoretischen Modells ergeben haben.

Joachim

(Internet-Tipp: http://www.grzega.de)


Claudius antwortete am 20.04.01 (09:22):

@Alle
JPM hat mich gebeten hier darauf hinzuweisen, daß für mich dieses Projekt besonders wertvoll war, da ich noch nie in NYC war. Ich kenne diese Stadt - wie so viele andere auch - aus Büchern, Fernsehen, Erzählungen und dem Internet. Durch das JPM-in-NYC Projekt habe ich eine kleine "Datenbank" aufbauen können, mit Wissen, Tipps usw. zu NYC. Was mir allerdings viel wichtiger war, war die Tatsache, daß ich an einem PROJEKT mitmachen konnte, was heutzutage in Schulen und Universitäten, nur als Alibi durchgeführt wird, um hinterher zu behaupten, man habe es "auch schon mal gemacht".
Erst seit ich Praktikas absolvieren durfte, konnte ich feststellen, daß die Welt sich ausserhalb dieser Systeme anders dreht. Wer dies nie erfahren hat, ist eigentlich zu bedauern. Ich bin ein Kind des Internets, wie sooo viele Menschen meiner Generation auch und in Diskussionsforen zu diskutieren/chatten ist nichts besonderes mehr. Menschen, die ihre mails erst von anderen "abholen lassen müssen", werden wohl nie richtig auf dem Laufenden sein und sollten deswegen nicht als Referenz dienen. Energieverschwendung.

In diesem Sinne,... ;-)
C

(Internet-Tipp: http://www.ckonrad.de/jpm.html)


Kathrin antwortete am 20.04.01 (10:54):

Ich denke mal die Kritik des "Mitstreiters der ersten Stunde" bezieht sich im Wesentlichen auch darauf, dass zurzeit nicht mehr die Methode LdL im Vordergrund steht - jedenfalls sieht es auf den ersten Blick so aus - sondern die Geschichte mit dem Wissenscontainer und der Gehirn/Neuronen-Analogie. Wem das zu weit vom Konzept der ersten Stunde abweicht, der möge sich doch einfach ausklinken, bzw. die Beiträge die ihn nicht interessieren ignorieren. Ich habe da so einen kleinen Papierkorb auf dem desktop ... Entschuldigung, wenn ich in einen etwas zynischen Tonfall verfalle, aber wenn ich mich über alles aufregen sollte, was man an Müll zu lesen bekommt...
Die Frage, die ganz am Anfang dieser ganzen Entwicklung stand war ja wohl, wenn ich mich recht erinnere, ob es an LdL überhaupt noch was zu erforschen gibt, oder ob es nicht vielmehr um eine Ausweitung der Anwendung gehen muss. Dafür war das NY-Projekt eine Anregung, wenn auch kein voller Erfolg - war auch nicht zu erwarten. Es gibt aber sicherlich genug Auswertbares, was auch im Unterricht thematisiert werden kann, und wenn es nur die Frage ist, ob es sinnvoll oder sinnlos ist, sich als "Marionette" irgendwo hinzubegeben und die Anregungen anderer Menschen mit offenem Geist aufzunehmen.


Mr. X antwortete am 20.04.01 (13:02):

Dieses "Projekt" ist ja wohl der allergrößte Schwachsinn, den ich je gehört habe. Da fliegt einer nach NYC und macht nur Dinge, die ihm von der "comunity" vorgeschlagen wurden. Das alles dann noch dazu in einem sehr sehr fehlerhaftem Englisch. Für die Schüler ist es ein Glück, dass sie nicht "virtuell NYC erkundet haben" (in jedem Englischbuch sind mehr Informationen zu NYC, ganz zu schweigen von einem Reiseführer) dieses Englisch verleitet doch nur dazu selbst mehr Fehler wie "Yesterday I become my credit card" zu produzieren.


JPM antwortete am 20.04.01 (16:08):

Nun ja. Ich muss zugeben, dass ich meine Ziele nicht an allen Stellen klar gemacht habe. Mir ging es darum zu testen, ob eine Internet-Comunity in der Lage ist, jemanden vor einem Projekt (hier New York Reise) mit Informationen so zu versorgen, dass er gut vorbereitet ist und ihn während des Projektes zu unterstützen und mit Impulsen anzuregen. Diese Hypothese ist aus meiner Sicht voll bestätigt worden. Eine weitere Absicht war, Schüler anzuregen, auf bequeme und eher spielerische Weise sich mit New York zu befassen, insbesondere indem sie mir Aufträge erteilen würden. Dieses Ziel wurde absolut nicht erreicht, weil keine Schüler sich daran beteiligt haben. Schließlich hat sich nebenbei ergeben, dass ich prüfen wollte, ob das Projekt mich zu einem ersten Aufbau meines nichtexisteten Englischs verhelfen würde. Es scheint, dass es eher gelungen ist. Dies verlief nach dem Verfahren LdL, indem Schüler und Lehrer mir im Laufe der Zeit immer mehr grammatische Anweisungen gegeben haben.


JPM antwortete am 20.04.01 (16:16):

Und noch eine Bemerkung: natürlich verfährt man in der Wissenschaft so, dass man erst dann Ergebnisse präsentiert, nachdem das entsprechende Experiment durchgeführt wurde. Bei diesem Experiment aber mussten viele Leute vorher angesprochen werden, damit sie sich beteiligen. Sonst wäre gar keine comunity entstanden. Die brauchte ich aber! Ferner wurde das Projekt so angelegt, dass Schüler und Studenten die Organisation übernehmen und auch die Formulierung der Themen. Das war auch im wesentlichen der Fall. Es ist etwas anderes, ob ich selbst das Thema eröffne "JPM alone in NYC" oder diese Formulierung, wie es ja der Fall war, von einem Studenten (Claudius Conrad) stammt.


Jean-Pol Martin antwortete am 21.04.01 (09:52):

Zunächst einmal grundsätzlich:
ich gehe davon aus, dass die Leser dieses Brettes es freiwillig lesen. Im Gegensatz zu einer Sammelmail-Aktion (beispielsweise an die 300 LdL-Teilnehmer) wird durch dieses Brett niemand "belästigt", sondern es werden nur die Leute erreicht, die sich aus welchem Grund auch immer für das NYC-Projekt interessieren.
Von nun an werde ich auf diesem Brett versuchen, in der gebotenen Ausführlichkeit über das Projekt zu reflektieren, es also zu evaluieren. Natürlich erwarte ich schon, dass - zumindest die unmittelbar Beteiligten - mir bei der Evaluation helfen...Danke im Voraus! :-))


Jean-Pol Martin antwortete am 21.04.01 (10:13):

Zunächst einmal zur Aufarbeitung der Kritik: gestern habe ich eine Mail an alle Mitglieder des Kontaktnetzes geschickt mit dem kritischen Text meines "Mitstreiters der ersten Stunde" und mit der Bitte, dazu Stellung zu nehmen. Die meisten Antworten brachten eine Ablehnung des Projektes und überhaupt meines neuen Kurses ("Interneteuphorie") zum Ausdruck.
Ausser der Meinung von Kathrin auf diesem Brett bekam ich zwei positive Rückmeldungen:
- "ich finde ihre Aktion originell. Ich nehme an, dass so eine extrovertierte Aktion auf Widerspruch stösst. Lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen."
Und:
- "(...)Wo liegt das Problem? Man bleibt auf dem Laufenden und das auf bequemste Weise! (...) Kurz gesagt: Ich meine, die LdL-Kommunikation wird im Rahmen der Internet-Praesenz weiterentwickelt und das ist gut so! (...)"
Natürlich sind mir diese beiden Beiträge und die Unterstützung der New-York Supporters Motivation genug, um den eingeschlagenen Kurs, von dem ich selbst überzeugt bin, weiterzuverfolgen. Einige Maßnahmen sind aber notwendig. Die beschreibe ich in meinem nächsten Beitrag.


Jean-Pol Martin antwortete am 21.04.01 (16:55):

Ich denke, dass die negativen Reaktionen auf mein New-York-Projekt (außer der Tatsache, dass Leute eine scheinbar so egozentrische Sache nicht mögen) darauf zurückzuführen ist, dass viele LdL-Kollegen noch zuwenig Erfahrung mit Foren und Chats haben, bzw. Foren und Chats ablehnen. Sie meinen, sie müssen alles lesen und verstehen Mails und Foren nicht als Angebot, das man annehmen oder zurückweisen kann. Von daher werde ich Sammel-Mails vermeiden, sobald mein Angebot ein bisschen außergewöhnlich ist. Bezogen auf das LdL-Kontaktnetz werde ich jede "Belästigung" vermeiden und nur die Hinweise verschicken, die direkt mit LdL zusammenhängen und für jeden sofort umsetzbare, praktische Anregungen enthalten. Experimente und Theorie werde ich in Rahmen der Foren anbieten, denn hier ist wirklich niemand gezwungen, sich damit zu befassen. Im folgenden Beitrag liefere ich eine kurze Analyse des NY-Projektes und stelle ein Modell auf, das als Basis für künftige Projekte dienen kann.


Jean-Pol Martin antwortete am 21.04.01 (17:35):

Das NY-Projekt hatte folgende Struktur:
1. Informationssammlung und Bildung eines Support-Teams (Zusammenstellung einer Community, die mich bei meinem Projekt, New York in 6 Tagen intensiv zu erkunden, unterstützt).
2. Durchführung der Erkundung mit kontinuierlicher Unterstützung durch das Team.
3. Evaluation und Zusammenstellung eines "Wissenscontainers" (Projekthomepage) über New-York.

Zu 1.
Sofort nach meiner Veröffentlichung des Projektziels bot sich Claudius Konrad, Student (F/E) in Eichstätt, Homepagemacher und Martinkenner an, das Projekt zu leiten. Durch gezielte Aktionen seinerseits (Foren und Mailings) entstand auch sehr bald ein Team bestehend im Wesentlichen aus 6 Leuten:
- Claudius Konrad (Student F/E in Eichstätt) und Projektleiter,
- Kathrin, Lehrerin E/D in Mecklemburg-Vorpommern (LdL-Kontaktnetz)
- Daniela, Studentin in Eichstätt, bekannte von Claudius,
- Joachim Grzega, Assistent (Anglistik) in Eichstätt,
- Marion (Autorin eines internet-guides über New-York),
- Marcus Warnke (Erziehungswissenschaftler).
Die einzelnen Personen stiegen je nach Lage ein und aus, was auch der Struktur des Projektes entspricht. Claudius blieb bis auf eine kurze Absenz während des gesamten Prozesses dabei.
2. Während der NY-Erkundung wurde ein intensives Support von den Teammitgliedern gewährt.
3. Gleichzeitig begann Claudius mit der Erstellung einer Projekthomepage.

Bei künftigen Projekten sollte man dieselbe Struktur beibehalten. Große Sorgfalt muss auf die Klarheit der Projektziele im Vorfeld gelegt werden sowie auf die Aktionen zur Rekrutierung von Mitwirkenden am Projekt. So waren die wiederholten Mailings an die LdL-Teilnehmer eher ungeschickt, denn das angegangene Projekt erfordert viel Erfahrung mit dem Internet (Foren und Chats), was in dieser Gruppe eher die Ausnahme darstellt. Sehr günstig für die Zusammenstellung eines Wissenscontainers und für die Arbeit des Homepagemachers ist, dass das Projekt zeitlich überschaubar (6 Tage) und von der Ereignisintensität (Spannung) einiges versprach. Krönung des ganzen Projektes ist die Zusammenfassung in der Projekthomepage (siehe Link). Mein nächtes Projekt wird die Fahrt, die ich mit meiner 9a nach Paris zu Pfingsten gestalte. Das desing soll sich an das des NY-Projektes anlehnen, nämlich Konstitution einer Community, Support während des Paris-Aufenthaltes und Auswertung in einer Homepage nach der Rückkehr.

(Internet-Tipp: http://www.ckonrad.de/jpm.html)


JPM antwortete am 22.04.01 (09:31):

Hier der Auszug aus der Mail eines anderen "Mitstreiters von der ersten Stunde":
"(...) Dann zu deiner Amerika Aktion. Nun das sehe ich nicht so eng. Vielmehr ist es ein netter Gag, den ich vielleicht sogar irgendwann einmal kopieren werde, allerdings mit einer Klasse und mit einer Webcamera, so dass die Zuhause-Gebliebenen auch etwas davon haben. Vielleicht klannst Du den Grill vom Kinderfunk, der ist von Norwegen nach Italien getippelt und hat die anderen daran teilhaben lassen. Aber es muss halt schon etwas Außergewöhnliches sein, damit es zum Mitmachen anregt (...)"


JPM antwortete am 22.04.01 (10:08):

Was hat das NY-Projekt mit LdL zu tun?

1. LdL und die Schlüsselqualifikationen:
Bei LdL sollen Schlüsselqualifikationen im Unterricht aufgebaut werden, und zwar
- Überblick über größere Zusammenhänge und vernetztes Denken,
- Selbstbewusstsein,
- Teamgeist,
- Präsentationstechniken,
- eploratives Verhalten.
Das NY-Projekt entstand, weil ich der Meinung war, dass die Zeit wieder einmal gekommen war, wo ich mich einem Training in soft-skills unterziehen sollte (insbesondere "exploratives Verhalten"). Ich wollte auch zeigen, dass Lernen im Zusammenhang mit Projekten mehr Spaß macht als lernen im Klassenzimmer.

2. LdL und die Wissensgesellschaft:
Bei LdL sollen im Klassenzimmer routinemäßig Informationen (aus dem Buch oder aus dem Internet) zu Handlungswissen durch Bewerten, Abwägen usw. umgeformt werden. Wirklich umgeformt werden Informationen aber erst dann, wenn sie handelnd umgesetzt werden. Das New York Projekt sollte testen, inwiefern die umfangreichen Informationen, die ich von der ad hoc gebildeten Community bekommen hatte, im Rahmen der Erkundung vor Ort zu Handlungswissen transformiert werden konnte. Als Beispiel kann die Übernachtung in Brooklyn genannt werden. Vor der Reise hatte ich viele Warnungen über die Unsicherheit in NY, insbesondere auch in Brooklyn bekommen. Nun hat sich erwiesen, dass seit der Wahl zu Beginn der 90er Jahre von Guiliani zum Bürgermeister ("Zero Tolerance") die Sicherheit in NY sich sehr stark erhöht hat. Und ich fühlte mich in der Tat sicher, mehr sogar als in Paris. Schließlich und nebenbei hat sich gezeigt, dass in Rahmen eines solchen Projektes beachtliche sprachliche Fortschritte erreicht werden können, denn mein englisch hat sich vom Nullniveau relativ rasch aufgebaut.

(Internet-Tipp: http://www.ckonrad.de/jpm.html)


JPM antwortete am 22.04.01 (10:48):

3. LdL und die Kommunikation:
LdL soll zur Intensivierung der Kommunikation in und außerhalb des Klassenzimmer beitragen. Das NY-Projekt hat dazu geführt, dass Menschen, die a priori wenig miteinander zu tun hatten, mehr oder minder intensiv in (einem mehr oder minder korrekten) english miteinander zwei Monate lang kommuniziert haben.

(Internet-Tipp: http://www.ckonrad.de/jpm.html)


JPM antwortete am 22.04.01 (11:44):

Hier Zusatzgedanken meines Mitstreiters aus der ersten Stunde. Dadurch werden seine Einwände deutlicher. Er bezieht sich dabei auf meine Frage, ob die Qualität der "LdL-Kontaktbriefe" seit der Umstellung von Papier auf eMail-Versand abgefallen sei:

"Ich bin wirklich der Meinung, dass ein Qualitätssprung stattgefunden hat: weg vom Unterricht, weg vom Menschen und hin zu einer Pseudo-Kommunikation (die m.E. keine ist) per vollkommen unpersönlichem / entpersonalisiertem Medium Internet, in das jeder jeden Quatsch setzen kann. Man steigt mal in ein Forum ein, steigt dann wieder aus, gerade so wie man Kaugummi kaut und dann wieder ausspuckt - alle Straßen sind voll davon... Dieses Medium - das ich auch benutze, um Informationen zu suchen oder herunterzuladen - entspricht voll der Entwicklung, die unsere gesamte Gesellschaft in den letzten Jahren genommen hat: 'Ja keine Verbindlichkeit! Immer schön cool bleiben...' usw. Und - ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich täusche - das trifft zum Großteil auch auf unsere Foren zu: ich habe schon öfter reingeschaut, fand aber nichts wirklich so, dass es mich vom Hocker reißen würde. Dasselbe gilt mit Einschränkung auch für Streitenbergers Seiten. Zum LdL-Chatten kann ich noch nichts sagen, da ich da noch nicht mitgemacht habe. Aber für Kommunikation halte ich auch das nicht. Man müsste wahrscheinlich ein neues Wort erfinden, das die Internet-Verbindungen bezeichnet."

(Internet-Tipp: http://www.ckonrad.de/jpm.html)


Iris antwortete am 22.04.01 (21:01):

Zum "Zusatzgedanken des Mitstreiters aus der ersten Stunde":

Was hat die Qualität der Kontaktbriefe mit dem Wechsel des Mediums, über das sie verbreitet werden, zu tun? Der Inhalt hängt doch nicht primär von der Form ab, in welcher er zum Empfänger kommt, noch dazu beides schriftliche, von der Art der Textpräsentation her recht ähnliche Medien sind. Und falls der Inhalt wirklich von schlechter Qualität sein sollte, ist doch eine Email viel schneller und umweltfreundlicher (kein Papiermüll) "entsorgt" als ein herkömmlicher Brief. ;-))
Daß Mails, Foren und Chats allerdings nur "Pseudo-Kommunikation" sein sollen, dem würde ich nicht zustimmen. Wenn das Internet rein zur Informationsbeschaffung genutzt wird, z.B. in dem man relevante Seiten findet, so ist das freilich wenig "Kommunikation" im eigentlichen Sinne, da es sich dabei um einen Informationsfluß in nur eine Richtung handelt. Das ist nicht viel anders, als ein Buch zu lesen, nur eben auf dem Bildschirm. Foren und Chats dagegen halte ich für durchaus kommunikative Räume, weil sich dort Leute treffen, die sich um Rat fragen, Kommentare geben, Reflexionen darstellen etc. Der Unterschied zu einer realen Unterhaltung besteht hier hauptsächlich wieder nur in der Form des Mediums (und bei den Foren vielleicht noch in der Zeitversetztheit).
Wer ist nun kommunikativer: jemand, der regelmäßig mit einer bestimmten Anzahl von Leuten in persönlichen Kontakt tritt, oder jemand, der darüberhinaus auch noch Email- / Chat- / Internetkontaktmöglichkeiten nutzt?


Stuart Pilkington antwortete am 23.04.01 (21:27):

Hello JPM...hello Kathrin...hello everyone else.

Kathrin kindly invited me to take a look at this thread...this experiment...and to come on board. I must say I am finding it very fascinating.

Anyway, I just wanted to make an initial contact and say if I can be of any help in anyway then do e-mail me.

Thanks Stuart.

P.S. Apologies for the lack of German.

(Internet-Tipp: http://www.paulauster.co.uk)


Susanne antwortete am 23.04.01 (22:05):

Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die Kommunikation, der das Internet den Weg geebnet hat, durchaus echte Kommunikation ist. Es handelt sich lediglich um eine neue Form der Kommunikation, und ich denke, man sollte dieses Neue erst einmal gründlich testen, bevor man es wegwirft.
Ja, die Foren laufen Gefahr, mit Unpersönlichem zu vermüllen, hier ist aber von jedem Leser eine einfache Fähigkeit gefordert, nämlich die, Unsinniges von Sinnvollem zu trennen. Mehr noch, der Leser hat die Freiheit, selbst zu entscheiden, was und wieviel er selbst für sinnvoll hält. Zudem denke ich, dass jeder, der seinen Beitrag mit seinem Namen hier ins Forum stellt, durchaus zu Verbindlichkeit demgegenüber bereit ist.
Emails zum Beispiel halte ich eindeutig für eine Art der Kommunikation, sie sind zwar von der Form her vielleicht unpersönlich, sie stellen aber eine schnelle und unkomplizierte Form der Mitteilung dar, die die beiden "Gesprächspartner" in irgendeiner Weise verbindet. Und was die Form angeht, hat jeder Verfasser meiner Meinug nach eine gewisse Möglichkeit und Freiheit zur Gestaltung.


JPM antwortete am 24.04.01 (10:28):

Bei der Reflexion über dieses Projekt fällt mir auf, dass es kaum möglich ist, Leuten, die nicht in irgendeiner Form im Prozess involviert waren, oder die nicht bereit sind, zumindest durch Lesen aller Beiträge von Anfang an den Prozess zu rekonstruieren, die Ergebnis in einigen Zeilen so zusammenzufassen, dass auch sie etwas lernen. Kaum wäre meine Zusammenfassung eingegeben, schon wäre sie durch die nächsten Erkenntnisse überholt. Angesichts der gewaltigen Umbrüche (Paradigmenwechsel, Nichtlinearität der Informationen, Linearität a posteriori) wird es immer schwieriger, nur durch die Aufnahme von Ergebnissen etwas zu lernen. Lernen wird in Zukunft in Prozessen stattfinden, kaum noch durch die Aufnahme von Ergebnissen. Von daher kann ich, will ich die Leute aus dem LdL-Kontaktnez bedienen, sie entweder auf laufende Prozesse (Projekte) aufmerksam machen, an denen sie sich beteiligen können, oder bitten, die Protokolle der Projekte ganz zu lesen (wie sie z.B. nun in Claudius Konrads NY-Homepage aufbereitet sind).

(Internet-Tipp: http://www.ckonrad.de/jpm.html)


Marcus Warnke antwortete am 24.04.01 (20:35):

Hi again,
nachdem ich mich durch locker 100 Beiträge gewühlt habe, fühle ich mich nach meiner offline-bedingten Pause und einem Tag zum Abarbeiten des Schreibtisch-Berges wieder bemüssigt ein paar Worte zu dieser Diskussion beizutragen. Zunächst freut mich der positive Ausgang und auch der Spass, den dieses Projekt den Beteiligten gemacht hat. Den Beobachtern offensichtlich weniger und sie bringen damit indirekt zum Ausdruck, dass Spass im Zusammenhang mit Wissenserwerb/Handlungsfähigkeit/Erkenntnisgewinn (ungewünschtes bitte streichen) offensichtlich eine zu vernachlässigende Größe ist. Schade eigentlich. Passt aber leider zur etwas verspannten Haltung in den deutschen Wissenschaften, gerne auch der Pädagogik.
Thema Kommunikation: Die Qualität von Kommunikation ist mMn durch einen Beobachter nur sehr eingeschränkt zu beurteilen. Jedes Urteil sagt mehr über den Beobachter als über die Kommunikation aus (in Analogie zu Heinz von Foersters Bespiel: "Ein Mann steht vor einem Bild und sagt: "Dieses Bild ist obszön." Wir wissen damit nichts über das Bild, aber dafür schon einiges über den Mann."). Die Diskussion, ob im Internet kommuniziert wird oder nicht finde ich etwas müssig. Das Netz bietet sich natürlich als Reflexionsfläche für jede Menge Weltschmerz (Neoliberalismus! Verrohung der Sitten! Verflachung in den Köpfen! Erweichung der Moral! Extremisten und Exkremente an jeder Ecke!) an. Aber dass die Jugend (und damit die Entwicklung der Gesellschaft) heute schlechter ist als früher, ist leider schon seit Sokrates nichts Neues mehr. Dieser Diskussionszweig führt in meinem Augen nicht weiter. YMMV (your mileage may vary) schreiben amerikanische Newsgroup-Autoren in solchen Fällen und drücken damit aus, dass dies Ansichtsache ist, sie andere Sichtweisen wertschätzen, aber wenig Erkenntnisgewinn in einer Fortsetzung der Diskussion liegt.
Interessanter finde ich eher die Frage, die JPM am Ende aufgeworfen hat: Wie kann sich jemand in diesem Projekt zurecht finden, der nicht von Anfang an dabei war? Das Problem ist mMn weniger die Qualität der Kommunikation (oder sollte ich sagen: der Beziehung?) als vielmehr vernünftige Wahrnehmungsfilter zu entwickeln um bei einm schlechter werdenden Signal-Rauschen-Verhältnis trotzdem noch verwertbare Ergebnisse zu bekommen. Das wiederum halte ich für ein wichtiges Lernziel und Teil von Internet-Literacy (zusammen mit ein paar technischen Kenntnissen sowie Wissen um Etikette im Netz).
Hat mir das Experiment als Supporter genutzt, fragte JPM vor vielen Beiträgen mal. Ja, definitiv. Es weckte Erinnerung und Sentiment, es brachte mich dazu wieder einmal über Lernen im Netz nachzudenken und hier mit anderen darüber zu reflektieren. Es vermittelte ein Gefühl der Verbundenheit mit den anderen "Containerinsassen". ;-) Es brachte mich in Kontakt mit dem Konzept LDL, was wiederum Folgen für meine Tätigkeit hat (ich berate Einrichtungen der Beruflichen Rehabilitation in Fragen didaktischer Innovatione, Team- und Organisationsentwicklung). Es hat mich angeregt wieder mal Paul Auster zu lesen, bzw. mir die Filme "Smoke" und "Blue in the face" anzuschauen (noch nicht realisiert). Es dockt an frühere intensive Auseinandersetzungen mit Lern-/Erkenntnistheorien an. Es hat mich dazu angeregt mich wieder mit der Rolle des Lehrers/Ausbilders/Seminarleiters als "Performer", als Identifkationsfigur, als Gegenstand selbstgewählter Experimente nachzudenken. Vielleicht ändert es mein Leben. Vielleicht auch nicht. Der Unterschied liegt nicht in den gewaltigen, sondern oft in den minimalen Veränderungen, wie es der Film "Lola rennt" so wunderschön gezeigt hat.
Ach ja: und es hat wieder Sehnsucht nach New York geweckt.
Wie banal, wie unwissenschaftlich!
Danke dafür.

Herzlichst
Marcus


Marcus Warnke antwortete am 24.04.01 (21:01):

Ok, jetzt mit etwas weniger Sentiment: Was ist der potentielle Gewinn des Experimentes? Auf der Ebene der Informationsgewinnung über New York haben die Supporter eine Informations- und eine Filterfunktion gehabt. Sie haben ausgewählt und JPM ist dieser Informationsauswahl gefolgt, hat Anschlussfähigkeiten gesucht (Vergleich mit Paris, Spracherwerb, Fortsetzung der Paul Auster-Recherche). Eine -nicht ganz unberechtigte- Frage war ja, ob dabei irgendwas besonders Neues rausgekommen ist. Ich denke, dass die Filterfunktion bei einem Thema wie "New York" über das es so unendlich viel zu lesen, sehen, im Internet zu recherchieren gibt, wichtiger ist, als die Informationsbeschaffung. Die Supporters dieneten aus meiner Sicht eher als Möglichkeit Komplexität zu reduzieren, nicht zu erhöhen. Bedingung dafür war Vertrauen, was im Setting des Experiments angelegt war. Vertrauen als erwartbares Handeln verstanden, bedeutete hierbei, dass die gegebenen Informationen nicht in die Irre, in die Gefahr oder die Langeweile führen. Aber die "Community" bietet hier einen zusätzlichen Vorteil: Das Support-Netz als Ausgleichsfuktion. Niemand hätte vermutlich unwidersprochen den Tip geben können, man solle unbedingt mal den Sonnenuntergang über dem East-River von der South Bronx aus geniessen und dann ein paar Stunden durch die dunklen Strassen dort ziehen. Die Validität der Information ergibt sich unter diesen Bedingungen nicht aus der Qualität der einzelnen Aussage, sondern aus der Möglichkeit der Korrektur durch Dritte. Ein ziemlicher Bruch mit klassischer "Wissensvermittlung" bei der es einen Wissenden und einen Lernenden gibt.

Im Großen gibt es sowas übrigens auch. Die Initiative "Open Directory" versucht so etwas wie einen Wissenscontainer "Weltwissen". Eine Art "JPM not alone in the world". Hier ist eine Selbstbeschreibung:
About the Open Directory Project: As the web grows, automated search engines and directories with small editorial staffs will be unable to cope with the volume of sites.
The Open Directory Project's goal is to produce the most comprehensive directory of the web, by relying on a vast army of volunteer editors.

The Internet Brain: The web continues to grow at staggering rates. Automated search engines are increasingly unable to turn up useful results to search queries. The small paid editorial staffs at commercial directory sites can't keep up with submissions, and the quality and comprehensiveness of their directories has suffered. Link rot is setting in and they can't keep pace with the growth of the Internet.

The Republic of the Web: Instead of fighting the explosive growth of the Internet, the Open Directory provides the means for the Internet to organize itself. As the Internet grows, so do the number of net-citizens. These citizens can each organize a small portion of the web and present it back to the rest of the population, culling out the bad and useless and keeping only the best content.

This Isn't a Talk Show: Usenet has its share of experts and good information, but you have to be an expert yourself to tell the good from the bad. The Open Directory is a self-regulating republic where experts can collect their recommendations, without including noise and misinformation.

Kommentar: Der Grundgedanke funktioniert also auch im großen Stil, wenngleich die Identifikation hier weniger mit einer Person, als mit einem Prinzip (vielleicht am ehesten mit "Open source" oder "give it back to the community" oder so zu beschreiben).
Das wiederum wirft die Frage auf, ob die Identifikation mit einer Person wirklich entscheidend für die Entstehung eines "Wissenscontainers" ist?
just my 5c.
Marcus

(Internet-Tipp: http://www.dmoz.org)


Marcus Warnke antwortete am 24.04.01 (21:08):

Ein P.S. jenseits der Diskussion: Ich finde das Forensystem hier technisch und optisch ausgesprochen gelungen, aber das winzige Eingabefeld macht das Editieren etwas längerer Beiträge zu einem ziemlichen, well, let's switch to english here: pain in the ass!
Grüsse
Marcus


JPM antwortete am 25.04.01 (13:49):

Lieber Marcus,
Ihre Beiträge (auch auf dem Brett "Das LdL-Projekt: Traum oder Alptraum") sind so reichhaltig, dass ich ein bisschen Zeit brauche, um sie zu verarbeiten und auf sie einzugehen. Darf ich mir diese Zeit nehmen? Danke... :-))


Marcus Warnke antwortete am 25.04.01 (17:07):

Whaaat? Take your time? C'mon, gimme a break! This the internet!! FAST FAST FAST! ;-)
//set irony = off

Greetings from the compulsive writer
Marcus


JPM antwortete am 27.04.01 (17:19):

Lieber Marcus,
zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre oft poetischen Texte. Sie haben mich, wie ich bereits an anderer Stelle sagte, stark begleitet in New York. Insbesondere die Gegenwart der Trucks auf den Straßen fiel mir durch Ihren Hinweis immer wieder von neuem auf. Sonst hätte ich sie wahrscheinlich gar nicht beachtet... Auch Ihren Text vom 24.04 (20:35) finde ich schön! Wäre ich überspannt, würde ich sagen, dass sich New York allein wegen dieses Textes gelohnt hat! :-))

Nun gehe ich einfach Ihre Sätze der Reihe nach durch:

"(...)es brachte mich dazu wieder einmal über Lernen im Netz nachzudenken und hier mit anderen darüber zu reflektieren(...)"
- Ja, es handelte sich hier wirklich um einen kollektiven Denk- und Lernprozess. Natürlich habe ich am meisten davon profitiert, aber in einem anderen Setting könnte ich die Rolle eines Begleiters übernehmen, so wie Sie. Ein solches Modell bietet ganz unterschiedliche Aufgaben...
"(...)berate Einrichtungen der Beruflichen Rehabilitation in Fragen didaktischer Innovatione, Team- und Organisationsentwicklung"
- An einem solchen Projekt bin ich auch beteiligt...
"Anschlussfähigkeiten gesucht (Vergleich mit Paris, Spracherwerb, Fortsetzung der Paul Auster-Recherche)."
- Danke für diese wichtige Konzeptualisierungshilfe! Ich selbst hatte es noch nicht so gesehen...
"Die Supporters dienten aus meiner Sicht eher als Möglichkeit Komplexität zu reduzieren, nicht zu erhöhen"
- Auch hier danke.
"These citizens can each organize a small portion of the web and present it back to the rest of the population, culling out the bad and useless and keeping only the best content."
- Richtig. Das diskutiere ich auch (im Augenblick ziemlich allein) im Brett "Das LdL-Netz als Gehirn: zur Organisation kollektiven Denkens im Internet"
"ob die Identifikation mit einer Person wirklich entscheidend für die Entstehung eines "Wissenscontainers" ist"
- Sicherlich nicht. Das war einmal so ein Versuch mit ganz speziellen Merkmalen.
"Ich finde das Forensystem hier technisch und optisch ausgesprochen gelungen, aber das winzige Eingabefeld macht das Editieren etwas längerer Beiträge zu einem ziemlichen, well, let's switch to english here: pain in the ass!"
- Alle Helfer im Projekt sind Freiwillige. Ich bin heilfroh, dass Herr Hübler ein so tolles Instrument entwickelt hat!!!

Nun: Sie waren wichtig für dieses Projekt. Ich hoffe, dass die Vielfalt unserer Aktivitäten uns nicht ganz auseinanderbringt...


JPM antwortete am 29.04.01 (07:18):

Die theoretische Aufarbeitung meines NY-Experimentes ist nun (zumindest für mich) abgeschlossen. Das Ergebnis ist in meinem neuen Kontaktbrief (siehe "www.ldl.de" zu lesen. Das Experiment hat mich auf neue Ideen gebracht, die auf dem Brett "LdL und Internet-Communities" entwickeln möchte. Wer zum NY-Thema noch einiges hinzufügen will, kann dies auf dem Brett "Das LdL-Projekt: Traum oder Alptraum" tun. Dieses Brett "JPM in NYC: aus einer Mücke ein Elephant" wandert nun ins Archiv.