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THEMA: Überforderung der Lehrer - Unterforderung der Schüler (II)
40 Antwort(en).
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Jean-Pol Martin
begann die Diskussion am 28.06.00 (05:21) mit folgendem Beitrag:
Das erste Brett "Überforderung der Lehrer - Unterforderung der Schüler" enthält 101 Beiträge. Dadurch ist die Ladezeit sehr hoch geworden. Daher eröffne ich dieses neue Brett.
(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)
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Klaus Zirkelbach
antwortete am 30.06.00 (17:53):
Hallo, Kathrin! Ich heiße Klaus und bin ein noch einigermaßen junger Lehrer an einem bayerischen Gymnasium. Ich habe deinen Austausch mit Arthur mit Interesse verfolgt und möchte dir meine Erfahrungen zu den von dir angesprochenen Problemen kurz schildern, wobei ich gleichzeitig auf Arthurs Stellungnahme gespannt bin. Auch in Bayern gibt es viele Kollegen, die freieren Unterrichtsformen (LdL, Lernzirkel, etc.) gegenüber recht abweisend sind, insbesondere dann, wenn eine neuer und dann noch junger Kollege mit solchen Sachen ankommt. Diese Probleme können sich im Einzelfall auch vom Kollegium auf die Schüler übertragen. So musste ich anfangs die Erfahrung machen, dass Schüler in einer Klasse meine LdL-Stunden nicht für voll genommen haben (mich selber wahrscheinlich auch nicht so ganz). Der Grund war - wie sich später heraus stellte - ein Kollegenkind, dessen Mutter eine sehr negative Einstellung zu LdL hatte (und immer noch hat?) und den Buben mit entsprechenden Kommentaren versorgte, die dieser wiederum in seiner Klassengemeinschaft verbreitete. So etwas kann, muss aber nicht passieren. Dennoch ist irgendwo der Lehrer, der Autorität abgibt bzw. mit seinen Schülern teilt (Arthur würde so jemanden wohl als "demokratischen Lehrer" bezeichnen), in einer Situation, die ihm Zuneigung und Respekt, aber auch Disziplinprobleme einbringen kann. Ich hatte in der Anfangsphase beide Erfahrungen gemacht und glaube, dass ich inzwischen ein Gefühl dafür habe, wann ich mit welcher Klasse was machen kann. Freilich war es am Anfang für mich frustrierend, wenn ich als "demokratischer" Lehrer in einzelnen Fällen ausgenutzt wurde und man denkt in so einer Situation schon ans Aufhören. Inzwischen sorge ich am Anfang des Schuljahres erst auf "traditionelle Weise" für Ordnung in einer Klasse und dann steige ich schrittweise in Sachen wie LdL ein. Übrigens - um eine deiner Fragen an Arthur aus meiner Sicht zu beantworten - haben einzelne Schüler recht deutlich den Wunsch nach einer "starken" Lehrerhand geäußert.
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Jean-Pol Martin
antwortete am 05.07.00 (09:47):
Gerade mit LdL können Disziplinprobleme von Beginn an beseitigt werden: Die Schüler haben bei LdL zahlreiche Möglichkeiten, sich positiv einzubringen und im Kleinen und im Großen zu brillieren. Bei interessanten Präsentationen, aber auch bei guten Beiträgen werden sie sowohl vom Lehrer als auch von der Klasse intensiv gelobt. Das schafft eine arbeitsorientierte, konzentrierte, fröhliche Stimmung. Auf diesem Hintergrund haben Störer schlechte Karten, denn sie stören nicht nur den Lehrer sondern auch ihre agierenden Mitschüler. Daher hat der Lehrer, sofern er geschickt vorgeht, die Klasse hinter sich. Wenn der Lehrer erkennt, dass der Störer im Grunde nichts anderes ist als ein noch nicht ganz motivierter Schüler, dann kann er dessen destruktives Verhalten scharf zurückzuweisen aber ihm auch sofort die Möglichkeit geben, sich positiv einzubringen. Diese Möglichkeit besteht in einem lehrerzentrierten Unterricht weniger. Gerade komme ich aus "meiner" 8.Klasse heraus. Ich führe diese Klasse seit nun anderthalb Wochen. Die Schülerpräsentationen - auch komplizierter grammatikalischer Sachverhalte - sind hocherfreulich. Auch hier habe ich - recht massiv - aufkommende störende Verhaltensweisen zurückgedrängt und die konstruktiven verstärkt. Das bedeutet allerdings, dass ich die Haushefte einsammele und korrigiere, fast in jeder Stunde einen Test schreiben lasse und die Ergebnisse kommentiere, damit die Schüler merken, dass ich mich über ihren Arbeitseinsatz informiere.
(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)
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Jean-Pol Martin
antwortete am 05.07.00 (09:48):
Übrigens: bei mir im Unterricht saß eine Referendarin als Besucherin. Sie war sehr beeindruckt von der Grammatikpräsentation!
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Jean-Pol Martin
antwortete am 06.07.00 (22:27):
Hier das Statement des Schülers Richard Spreng aus "meiner" jetzigen 8.Klasse. Diese Äußerung hat Richard in das Brett "LdL im Französichunterricht" eingegeben. Sie ist aber auch für dieses Brett geeignet:
Ich bin Schüler der 8. Klasse, die seit eineinhalb Wochen Herrn Martin als Vertretung in Französisch hat. Die Meinung von Herrn Martin vom 28.06. kann ich nur bestätigen. Den Schülern macht der Unterricht sehr viel Spaß und sie finden es gut, dass man versucht (bzw. versuchen muss) mit seinen sprachlichen Möglichkeiten den Lehrstoff den übrigen Schülern zu vermitteln. Die Disziplin innerhalb der Klasse ist ungewöhnlich hoch, weil durch die fast täglichen Tests keine Faulheit aufkommt, die sonst bei weniger hartem durchgreifen aufkommen könnte.
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Jean-Pol Martin
antwortete am 19.07.00 (18:13):
Da ich mir viele Gedanken mache über Techniken, die per se Disziplin und Leistung herbeiführen, habe ich heute die Schüler der 8c gefragt, ob sie den Eindruck hätten, dass ich Leistung verlange. Spontan meinte ein Schüler, es sei nicht der Fall, denn ich würde niemanden ermahnen oder zur mehr Disziplin aufrufen. Andere stellten fest, das sei ja gar nicht notwendig, denn die Schüler würden sich ja mit dem Stoff beschäftigen und keiner würde stören. Da ich mit der - von mir relativ rabiat hergestellten - Arbeitshaltung der Klasse insgesamt zufrieden bin, wäre jede Ermahnung unangebracht. Die Stimmung ist entspannt und stoffbezogen. Wahrscheinlich ist es wichtig, die Schüler darauf hinzuweisen, dass bei aller Entspannung eigentlich ständig stoffbezogen und konzentriert gearbeitet, also gelernt wird.
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Jean-Pol Martin
antwortete am 22.07.00 (08:06):
(Dieser Beitrag steht auch auf dem Brett "LdL in Problemklassen")
Gestern hatte ich meine letzte Französischstunde in der 8.Klasse. Auch hier hat sich gezeigt: um eine Gruppe von 30 Jugendlichen im Griff zu behalten, verlangt es, dass man diese Gruppe fordert. Fordern bedeutet bei LdL, dass man verlangt und darauf drängt, dass sie ihre Hausaufgaben machen, dass sie gute Präsentationen bieten, dass sie konzentriert mitarbeiten im Unterricht, dass jede Störung vermieden wird, usw. Man muss einen genauen Überblick über alle Aktivitäten behalten, wie auch beispielsweise ein fähiger Unternehmer dies in seiner Firma tut. Dann macht der Unterricht allerdings sehr viel Spaß! In dieser 8.Klasse habe ich fast in jeder Stunde ein Test geschrieben und korrigiert zurückgegeben, die Haussaufgaben (30 Hefte) habe ich eingesammelt und korrigiert. Welcher Lehrer außer mir kann sich zeitlich so etwas leisten? Dafür haben die Schüler in kurzer Zeit Fähigkeiten in sich entdeckt, die sie nicht vermutet hätten. Die Darbietungen und Präsentationen wurden immer besser, immer engagierter. Ein Schülerin sagte mir am Ende der letzten Stunde, dass in der kurzen Zeit das Selbstbewußtsein der Schüler so gewachsen sei, dass sie sich nun sogar in anderen Fächern mehr zutrauten! Sie sagte mir auch, dass Schüler, die sich aus dem Französischunterricht bisher nichts gemacht hatten, nun bestrebt waren, gute Präsentationen zu bieten und zu ihr (der "guten" Schülerin) mit Fragen zur Aussprache kämen... Ist das nicht traumhaft? Was müßte also geschehen, damit die Fähigkeiten der Schüler in der Schule wirklich ausgeschöpft werden? Ein Lehrer mit 24 Wochenstunden und 30 Schülern pro Klasse ist hier restlos überfordert, das wäre ich auch, obwohl ich als Nativespeaker im Fach Französisch einen enormen Vorteil habe. Man müßte das Schema "1 Lehrer unterrichtet 45 Minuten 30 Schüler" verändern. Größere, für die Schüler anspruchsvolle Projekte mit einem Lehrerteam, das wäre schon ein Einstieg. Vielleicht könnte man dadurch das Problem der Disziplin abmildern. Meine Erfahrung ist, dass wenn Schüler wirklich gefordert sind, sie weniger Lust haben, Unsinn zu machen!
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Jean-Pol Martin
antwortete am 17.09.00 (07:37):
Ich kann der Versuchung nicht widerstehen, den Beitrag meiner ehemaligen LK-Schülerin Maria auch hier einzuspeisen!
"Hallo an alle LdL-Interessierten und noch nicht ganz davon überzeugten. Zuerst möchte ich mich vorstellen. Ich eine ehemalige Schülerin von M. Martin, bin neunzehn Jahre alt, habe im Mai mein Abitur gemacht und war zwei Jahre im (LdL-)Leistungskurs Französisch bei M. Martin. Vor kurzem habe ich in einem großen Unternehmen eine Ausbildung begonnen, das sehr viel Wert auf Präsentationen, selbstständigem Erlernen von Wissen und Sachverhalten, Teamarbeit und auch das Fördern des Individuums und seiner individuellen Fähigkeiten legt. In den ersten 6 Tagen wurden alle Berufseinsteiger in einem Bildungszentrum über verschiedene Präsentationstechniken und die Wichtigkeit von eigenständigem Aneignen von neuen Informationen im Team aufgeklärt. Was für die anderen völliges Neuland war, war für mich selbstverständlich, teilweise sogar überholt. Es wurden zwar von Ausbildern, die extra für diese Aufgabe lange "geschult" wurden, ähnliche Techniken wie in M. Martins Unterricht angewandt, doch leider wurde dies auch noch relativ frontal vermittelt. So scheue ich mich nicht, zu behaupten, dass ich z.B. bei Rollenspielen, Präsentationen "brillierte", über ALLE anderen, die ein weitaus besseres Abitur als ich absolvierten, und dass sich das Team, in dem ich mitarbeitete, unter meiner Anleitung, am abwechslungsreichsten und interessantesten präsentierte, und zwar so, dass die Ausbilder und anderen Anwesenden von dem zu vermittelnden Stoff viel mehr behielten als von dem der anderen Teams. Natürlich ist das den Ausbildern auch aufgefallen, worauf man mich auch angesprochen hat und natürlich habe ich schon eine ganze Menge Pluspunkte gesammelt und bewiesen, dass ich das kann, worauf die Firma und auch deren Kunden Wert legen. Ich will mich auf keinen Fall rühmen, ich möchte nur sagen (was ich bis vor kurzem selbst nicht glaubte) dass LdL nicht nur im Unterricht hilft, den Schülern den Stoff beizubringen, sondern dass die erlernten Techniken im Berufsleben gefragt sind, allerdings ist in der Wirtschaft erst die Phase erreicht in der man erkannt hat, dass solche Techniken notwendig sind und man versucht nun, dies den Leuten beizubringen, allerdings immer noch zu frontal. Ich habe durch LdL gelernt, Präsentationen abwechslungsreich und zugleich äußerst lehrreich zu gestalten. Ich kann mich in ein Team einfügen, erkennen welche Fähigkeiten (Ressourcen) jeder besitzt, und unbemerkbar für die anderen, die Leitung über das Team übernehmen, ohne den Chef zu spielen und diese Ressourcen aus ihnen herauslocken. Und damit konnte ich bereits in den ersten Tagen meiner Ausbildung gewaltig beeindrucken. Und erst jetzt erkenne ich, was ich in den zwei Jahren bei M. Martin gelernt habe und was ich kann. VIELEN DANK M. Martin. Ich weiß zwar nicht ob mich das im späteren Berufsleben auch noch weiterbringt, aber die Ausbildung werde ich sicherlich, bezogen auf die Lerntechniken, Fähigkeit zur Teamarbeit etc. sehr gut meistern. Was die anderen in zahlreichen Lehrgängen und Seminaren erst noch erlernen müssen ist für mich altbekannt. Als letztes möchte ich noch sagen, dass die Ausbildung in dieser Firma zu einer der besten und fortschrittlichsten Deutschlands gezählt wird, was die Prüfungsergebnisse bestätigen, aber ein echter ehemaliger LdL-Schüler empfindet die ganze Methodik als nichts besonderes und weiß, dass er das nach 3 Monaten LdL problemlos gemeistert hätte."
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Jean-Pol Martin
antwortete am 19.09.00 (12:55):
Auf diesem Brett möchte ich meine praktische Arbeit in der 9.Klasse beschreiben und theoretisch beleuchten. Die Tatsache, dass fast alle Schüler dieser Klasse über einen Internetanschluss zu Hause verfügen, hat die Lage gegenüber früheren Klassen radikal verändert. Noch stärker als bisher kann das Klassenzimmer betrachtet werden als Ort der Vor- und Nachbereitung von Projekten, die ausserhalb der Schule durchgeführt werden. Bereits jetzt (also nach vier Unterrichtsstunden) haben mehrere Schüler Kontakt zu Schülern aus anderen Ländern (La Réunion, U.S.A.) aufgenommen. Ich strebe nun an, dass jeder Schüler sich systematisch und schrittweise ein kleines Netz persönlicher Beziehungen mit Schülern in aller Welt aufbaut und dieses Netz pflegt. Als Verkehrssprache muss natürlich Französisch gewählt werden, denn ich bin schließlich Französischlehrer, oder?
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Jean-Pol Martin
antwortete am 20.09.00 (15:24):
*Netzsensibilität" als Lernziel: Der Aufbau eines persönlichen Kontaktnetzes mobilisiert und fördert die Eigenschaften, die auf dem Brett "LdL, Höflichkeit und Netzsensibilität" diskutiert werden. Mit meiner neuen Klasse eröffnet sich die Chance, frühzeitig "Netzsensibilität" aufzubauen. Darunter ist beispielsweise zu verstehen, dass eine Kontaktaufnahme mit Verantwortung verbunden ist. Menschen sind keine Gegenstände, die man sammelt und wieder wegwirft. Jede Kontaktaufnahme weckt Hoffnungen, mobilisiert Energien. Daher empfiehlt es sich z.B., so schnell wie möglich auf Mails zu reagieren, oder, wenn keine weiteren Kontakte gewünscht sind, dies dem Gesprächspartner klar mitzuteilen. Ein entsprechendes Verhalten zu automatisieren, dies wird eines der Ziele sein, die ich in meiner Klasse verfolge.
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Ulf
antwortete am 23.09.00 (15:14):
Hallo, Jean-Pol! Ich weiß nicht, ob das nicht übertrieben ist, einem Gesprächspartner klar mitzuteilen, wenn kein weiterer Kontakt erwünscht ist. Weder ist mir das je passiert, noch hab ich's je selbst gemacht. Im meiner Erfahrung ist ein besseres Signal das langsame Auslaufen, indem man die Abstände zwischen Mails vergrößert bzw. die Antworten immer kürzer hält. Oder die Nachricht: "Ich komm leider im Moment nicht dazu" kann auch gut sein, ist wohl zwiespältig gemeint und kommt als Signal auch so an. Ist halt nie so leicht abzusehen, wie sich was entwickelt. Und ist auch meist nicht aus bösem Willen, Desinteresse, Faulheit, usw. Eine Zeit, in der sich alles mehr öffnet, bedingt auch eine Öffnung in dem Sinne, dass man weder das Ende noch die Fortsetzung erzwingen möchte. Die individuelle Verbindlichkeit wird dadurch geschwächt, aber mir scheint zum Nutzen aller eine globalere Verbindlichkeit zu entstehen, welche sich aus Einzelbeiträgen zum großen Ganzen entwickelt, so dass mir z.B. ein Gegenzug aus einer ganz anderen Ecke entgegenkommen kann als aus der, wo ich jemandem geholfen/geantwortet usw. hab, weil sich genauso schnell ein Neuanfang bildet wie ein Auslaufen woanders. Trotzdem find ich die Reflektion darüber wichtig, denn bei veränderten Kommunikationsmöglichkeiten brauchen wir eine verstärkte Ethik der Kommunikation, welche auch weitergegeben werden sollte - danke für die Anregungen (vielleicht für meinen Reli-Unterricht als Referendar demnächst? - Mal sehen)! (Aber sind wir jetzt auf dem richtigen Brett?! :-)
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Jean-Pol Martin
antwortete am 23.09.00 (15:28):
Ja, lieber Ulf, wir sind auf dem richtigen Brett. Es ist nämlich so, dass einige meiner Schüler die Diskussion auf diesem Brett verfolgen. Da die Vermittlung von Internet-Kompetenz zu meinen Zielen im Unterricht zählt, freue ich mich, wenn Sie Ihre Gedanken über "eMail-Ethik" hier einbringen! Das regt nämlich die Reflexion der Schüler wieder an...
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Jean-Pol Martin
antwortete am 27.09.00 (15:27):
Mit schnellem Schritt steuern wir auf die Wissensgesellschaft zu. Es ist eine äußerst interessante Aufgabe, junge Menschen auf diese neue Welt vorzubereiten, ja im Unterricht die Aktivitäten auszuüben, die typisch für die Wissensgesellschaft sind. Hier einige Zitate aus: Deckstein,D./Felixberger.P.: "Arbeit neu denken", Frankfurt: Campus Verlag, 2000: S.42: "Die symbol-analytische Wissensarbeit der Zukunft beginnt aber erst mit dem Produkt. Es ist eine Arbeit, bei der die Kommunikation, nicht die Produktion im Vordergrund steht." Und weiter: "Der Stoff, der Organisationen heute zusammenhält, ist nicht Befehl und Gehorsam, sondern Kommunikation und noch einmal Kommunikation. Kommunikation durch Symbole." S.44: "Da aber die Wissenswirtschaft gerade dabei ist, ein neues Menschenbild zu kreieren, wird auch das Bildungssystem sein liebgewordenes Menschenbild um 180 Grad umkehren, vom Kopf auf die Füße stellen müssen. Bildung wird künftig als erstes danach fragen, welches Potenzial an Fähigkeiten und Stärken der Einzelne mitbringt und wie sich dieses Potenzial nutzbringend entwickeln und dann vermarkten lassen wird." Mit all diesen Zitaten bin ich völlig einverstanden. Allerdings mißfällt mir hochgradig der Begriff "vermarkten" im letzten Satz!
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Peter Ringeisen
antwortete am 03.10.00 (23:04):
Wie wäre es mit "umsetzen"? Ob man die Umsetzung dann vermarktet oder nicht, ist wieder eine andere Sache ... :-)
(Internet-Tipp: http://www.peter-ringeisen.de)
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Jean-Pol Martin
antwortete am 04.10.00 (19:46):
Ja, das gefällt mir viel besser. Grundsätzlich habe ich eine große Allergie gegen die Vorstellung, dass Menschen sich "verkaufen" oder "vermarkten" sollen, auch wenn es nur eine Metapher ist. Metapher aber sind Zeichen für bestimmte Wertesysteme!
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Jean-Pol Martin
antwortete am 04.11.00 (13:48):
Im Gegensatz zu den Lehrern, die in einer linear strukturierten Welt aufgewachsen sind und zumindest als Kinder wenig Umgang mit Komplexität hatten, sind heutige Kinder und Jugendliche mit Komplexität und Unüberschaubarkeit aufgewachsen (Internet). Die Gefahr besteht vermehrt, dass Lehrer die Fähigkeit der Kinder, mit komplexen Gebilden umzugehen, völlig unterschätzen! Sie werden weiter Linearität und Einfachheit anbieten und nicht merken, dass sie damit ihr Publikum entsetzlich langweilen!
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Jean-Pol Martin
antwortete am 06.12.00 (06:25):
Nach drei Monaten Französisch sind meine Schüler nun in der Lage, für sie unbekannte Dialoge aus dem Lehrbuch in kleineren Gruppen - beispielsweise 5 Schüler bei Texten, die fünf Personen enthalten - selbständig zu erarbeiten und als "Stück" vor der Klasse aufzuführen. Da diese Vorführungen noch viele Aussprachefehler enthalten, werden sie auf Anhieb nicht verstanden. Es erfolgt dann ein Klärungsprozess (ganz hermeneutisch) bei dem allmählich der gesamte, noch unverstandene Sinn kollektiv erschlossen wird. Linearität a posteriori also!
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Jean-Pol Martin
antwortete am 11.12.00 (15:22):
Heute konnten zwei Schülerinnen nach etwa zwanzig Minuten Vorbereitung im Unterricht gleich im Anschluss sämtliche Possessivpronomina so vorstellen, dass ihre Mitschüler den Stoff verstanden und als Hausaufgabe zum Lernen bekommen haben. Die spontan entwickelte Tafelanschrift war hervorragend. Bei dieser Präsentation bedienten sie sich ausschließlich der französischen Sprache!
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Jean-Pol Martin
antwortete am 19.05.01 (06:34):
Offensichtlich wollen die Schüler, wenn der Prozess einmal eingeleitet wurde, nicht weniger, sondern mehr LdL. Mein ehemaliger Schüler Arthur Müller sagte, er und einige seiner Mitschüler hätten sich im LK-Französich mehr Methoden der Stoffpräsentation von mir gewünscht. Sie beherrschten ziemlich bald das von mir angebotene Repertoire an Präsentationstechniken und hätten gerne eine größere Palette zur Verfügung gehabt. Nun richtete sich meine Aufmerksamkeit zu diesem Zeitpuntk mehr auf den Stoff, so dass ich dieses Bedürfnis nicht erkannte. Im Prinzip ist ein Lehrer, wenn er einmal die in den Schülern schlummernden Kräfte geweckt hat, tendenziell überfordert, denn damals hätte ich einen Fachmann für Präsentationstechniken einladen sollen. Ich selbst arbeitete soviel um die Klasse zufrienden zu stellen und zu fordern, dass ich nicht noch Präsentationstechniken hätte systematisch erarbeiten und anbieten können. In meiner jetzigen 9.Klasse reicht mein Repertoire an Präsentationstechniken noch, zumal wir kontinuierlich neue entwickeln. Aber sehr bald werde ich das Repertoire systematisch erweitern müssen, die Inhalte vertiefen, die Projekte ausdehnen und spannender machen usw... Tendenzielle Überforderung des Lehrers, eben!
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Jean-Pol Martin
antwortete am 10.06.01 (10:54):
Wieder einmal fiel mir bei der Paris-Reise auf, wie sehr wir unsere Schüler unterschätzen. Im Unterricht ahne ich natürlich aufgrund der Präsentationen und des Unterrichtsdiskurses, dass die Einzelnen viel mehr Fähigkeiten haben, als im normalen Unterricht sichtbar werden kann, aber den Ausmaß ihrer Energie und Kreatitivät kann ich nur sehen, wenn ich mit ihnen längere Projekte von mehreren Tagen durchführe. Dann wird man angesichts der Schülerkompetenzen als Lehrer bescheiden. Und die Schüler sind ja erst 15 Jahre alt. Da bin ich froh, dass ich durch meine lange Erfahrung, mein Wissen und meine Beherrschung der französischen Sprache zumindest hier noch etwas beisteuern kann! Am letzten Tag der Parisreise haben die Schüler ein paar Szenen ganz schnell erfunden und dargestellt, die mich wegen ihres Witzes und ihrer gekonnten Inszenierung nachdenklich gemacht haben. Da werde ich mich anstrengen müssen, um sie in den nächsten Jahren wirklich fordern zu können!
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Andreas Gehrmann
antwortete am 11.06.01 (21:06):
Lieber Jean-Pol Martin- Sie beschreiben in den letzten beiden Beiträgen einen Resonanzbogen: FORDERUNGEN der Schülerinnen erleben wir als LehrerInnen als ÜBERFORDERUNGEN; es bedarf der Zeit, insbesondere auch besonderer Unterrichtsformen wie Projektunterricht und Studienfahrten , um Schülertätigkeiten als HERAUSFORDERUNGEN zu begreifen und aus FORDERN FÖRDERN zu gestalten. Ich möchte einen Beitrag zur Förderung der Präsentationskompetenz auf dem Brett "LDL als Prinzip der LehrerInnenausbildung" gleich anschließen.
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Monika Osterheld
antwortete am 29.06.01 (11:41):
Wie versteht sich der Lehrer? Was steht im Vordergrund? Der Stoff (Lehrplan), der einzelne Schüler, die Klasse, die Schule? Besinnung auf den persönlichen Schwerpunkt und der Schreck darüber kann heilsam sein. Einzigartig ist nicht der Stoff, sondern die Einzigartigkeit eines jeden Schülers in dieser Klasse. Natürlich "vertritt" der Lehrer ein Fach, aber er tut es gegenüber von Jugendlichen, denen dieses Fach erst etwas bedeuten soll. Respekt und Neugier sind nicht primär Forderungen an die Schüler, sondern müssen auch von jedem Lehrer den Schülern entgegengebracht werden. Zur Überforderung der Lehrer fällt der Spruch von G.Fichte ein: "Groß und glücklich wäre der Meister, der alle seine Schüler größer machen könnte, als er selbst war." (steht in der Eingangshalle von Schulpforta).
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Jean-Pol Martin
antwortete am 02.02.02 (06:06):
Im Augenblick führe ich im zweiten Lernjahr eine 10.Klasse mit 5 Wochenstunden in Französisch. Es handelt sich um den neusprachlichen Zweig, so dass die Klasse Latein als weiteres Fach lernt. Das Lehrbuch ist hervorragend, so dass alles zusammen genommen die Lernbedingungen in dieser Klasse optimal sind. Und siehe da: wieder einmal zeigt sich, dass wenn die Schüler unter optimalen Bedingungen lernen, sie umwerfende Ergebnisse erreichen können. Nach anderthalb Jahren mit LdL sind sie absolute Profis im methodischen Bereich, ihre Präsentationen sind meist sprühend vor Kreativität. Den Stoff verteilen sie selbst. Sprachlich sind sie so fitt, dass sie jedes noch so kleine Grammatikphänomen und jede Aussprachebesonderheit beherrschen und erklären können. Und diese Virtuosität macht ihnen natürlich sehr viel Spaß. Jeder andere Unterricht würde diese Klasse untefordern! Ein "normaler" Lehrer - der also seine 24 Stunden zu liefern hätte und nicht - so wie ich - Franzose wäre, hätte, wenn man ihn jetzt diese Klasse unterrichten ließe, große Probleme fachlich zu bestehen. "Überforderung der Lehrer, Unterforderung der Schüler" eben... Das Fazit: nicht auf die Schüler, auf die Lernbedingungen kommt es an. Und: wenn man mehr in die Bedingungen investieren würde (weniger Schüler, Lehrer mehr Zeit für die Klassen), würde es "unter dem Strich" ökonomischer sein, weil die Schüler weniger Zeit bräuchten, um die Lernziele zu erreichen.
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Jean-Pol Martin
antwortete am 29.03.02 (11:37):
Ein bisschen Nostalgie: vor zwei Jahren habe ich die Foren entdeckt und seitdem sind sie zu meinem bevorzugten wissenschaftlichen Instrument geworden. Die Frage, die mich damals beschäftigte, ist nach wie vor aktuell: der Frontalunterricht unterfordert die Schüler schrecklich! Hier mein allererster Eintrag auf einem Forum vor zwei Jahren:
"Obwohl Hochschullehrer und Franzose brauche ich meine ganze Kraft, um meinen Französisch-LK wirklich zu fordern und zu fördern. Das liegt daran, dass die heutige Generation unglaublich fitt ist. Wie sollen es die Kollegen schaffen, die nicht nur 5 Stunden pro Woche unterrichten, sondern 24? Um unsere Schüler so zu fördern, wie sie es verdienen, müsste man den Unterrichtsablauf völlig verändern. Man müsste mit einer Klasse und einem Lehrerteam längere, intensive fächerübergreifende Projekte durchführen. Damit die Schule für Schüler und Lehrer wieder interessant wird. Oder? Gestern war ich mit zwei Schülerinnen in Erlangen auf der Tagung der Französischlehrervereinigung. Meine Schülerinnen berichteten auf Französisch von unserer Arbeit im LK. Sie sprachen selbstverständlich vom Verlust der Identität im XX. Jahrhundert, von Proust, von Claudel, von der Dialektik der Aufklärung usw. Die Schüler verstehen das alles, man braucht nur, ihnen das zu sagen. Es schien, dass die Kollegen deprimiert waren, denn sie merkten, was man Schülern alles beibringen kann, wenn man nur - wie ich als Franzose und Hoschullehrer - viel Zeit in diese Arbeit investieren kann. Ich vermittele den Schülern meine neuesten Erkenntnisse und sie verstehen es sofort. Dann entwickeln sie meine Gedanken weiter und ich muss zusehen, wie ich sie dann weiter fordern kann."
Und vor einigen Wochen, also zwei Jahre später:
"...16 Jährige wirklich fordern bedeutet, dass man mit ihnen sehr anspruchsvolle Projekte durchführt, am liebsten im Ausland, oder dass man sie immer wieder vor Publikum auftreten lässt - wie neulich 7 Schüler von mir, die vor 100 Französischlehrern nach anderthalb Jahren Französisch auf Französisch 90 Minuten vorgeführt haben, wie man Wortschatz, Grammatik und Texte einführt. Wie kann man, nach einer solchen Leistung, die Schüler mit noch höheren Anforderungen konfrontieren? Das war immer schon mein Problem. Das Ergebnis: ich unterrichte in meiner 10a ungefähr die Inhalte, die ich an der Uni anbringe... Und die Schüler sind NICHT überfordert!"
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Schüler XXY
antwortete am 31.03.02 (22:53):
ja ja ihr lehrer habt schon alle recht , besonders dieser Jean-Pol Martin (ein überaus lustiger name).
Aber mit den Schulen in der Schweiz kann es kaum ein anderes Land aufnehmen. hier lernt man wenigstens wie man richtig löcher in den käse bohrt.
(Internet-Tipp: http://sek-grenchen.ch)
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Jean-Pol Martın
antwortete am 01.04.02 (10:14):
Dass meýn Name dir gefaellt, freut mich ganz besonders! Auch die Seiten über Romeo und Julia sind nicht übel. Bei dieser Gelegenheit: der designer heisst Mehmet: kennt er sich in Istanbul aus? Ich sitze naemlich hier mit einer Gruppe von Studenten und wir lassen uns auch per Internet fernsteuern (so fern dýe Auftraege nicht zu gefaehrlich sind). Vgl. Lýnk:
(Internet-Tipp: http://www.zum.de/foren/ldl/threads/thread160.html)
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Kirsten
antwortete am 24.05.02 (17:56):
Hallo erstmal, ich find es schade, dass dieses Brett etwas eingeschlafen ist... Ich bin auch der Meinung, dass Unterricht geöffnet werden mußß, rein rezeptives lernen unterfordert die Schüler nicht nur, es kann auch die Stimmung in einer Klasse sehr negativ beeinflussen. Ich selber ha in meinen Praktika fast vollständig auf FU verzichtet und bekam von den Schülern ein sehr positives Feed-Back. Es gibt ja neben LdL noch tausend andere Methoden, einen steten Wechsel halte ich für das angenehmste. Sieht eigentlich noch jmd LdL und andere offene Lern -und Lehrformen als Schutz vor dem Burn-Out-Syndrom? Bin gespannt! Liebe Grüße, Kirsten
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Jean-Pol Martin aus einer Provence-Reise mit Schülern
antwortete am 24.05.02 (18:50):
Sicherlich gibt es tausend andere Methoden, außer LdL. Wenn Sie sich aber mit LdL befassen, werden Sie sehen, dass LdL 1ooo und noch mehr Methoden integriert. Das, zumindest, sagen alle, die sich genauer mit LdL intensiv beschäftigen. Toll, oder?
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Kirsten
antwortete am 24.05.02 (19:09):
Hmm, ich gebe zu das meine Vorbildung bezüglich ldl nur auf das Wissen aus zwei Seminaren zurückgreifen kann. Aber ich werde mir nochmals die Zeit nehmen und diese Seite plus Zusatzinformationen gründlich studieren. Würde mich freuen, bald wieder etwas von Ihnen zu hören! Liebe Grüße! PS: Ich hoffe, das Wetter ist schön...:o)
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JPM
antwortete am 25.05.02 (17:10):
Ja, das Wetter ist schön. Aber mein linkes Bein ist kaputt (Meniskus) und ich hinke schrecklich. Das wirkt in den Straßen von Aix-en-Provence nicht gut...
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JPM
antwortete am 25.05.02 (18:31):
Und noch einmal zum Thema Selbständigkeit: die fünft Studenten, die mit mir auf der Frankreichreise sind, ziehen als Fazit, dass man den Schülern im normalen Unterricht viel zu wenig zumutet. Schüler können undendlich viel mehr als man als Lehrer meint...
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jpm
antwortete am 11.10.03 (08:00):
Immer wieder erlebe ich bei Unterrichtsdemonstrationen mit fremden Klassen, dass man mich ein bisschen warnt: "Diese Klasse ist sehr brav, aber kaum zum Sprechen zu motivieren und nicht sehr leistungsstark". Nachdem ich Schüler nach vorne geholt habe und sie ermutigt habe, den Unterricht anzuleiten, nachdem ich eine Halbe Stunde mit der Klasse gearbeitet habe und sie am Ende recht flott und mutig geworden sind, wundern sich die Kollegen: "Also ich hätte nie gedacht... Gerade, der, der sonst so still ist,..." Die Schüler wollen arbeiten und mitreden, sie finden aber oft den Zugang nicht. Uns fehlt die Technik, die Ressourcenpotenziale der Schüler auszuschöpfen. Vor allem aber fehlt uns, wenn uns gelungen ist, die Schüler auf Wissen gierig zu machen, ein Lernfeld, das sie wirklich sättigt! Gegenwärtig führe ich einen Leistungskurs mit 20 Leuten. Ich muss meine ganze Kraft und Energie einsetzen, um diese Klasse in ihrem Handlungs- und Wissensdrang zu befriedigen!
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Ruth
antwortete am 20.03.06 (14:33):
ich habe mal eine frage, wie äußert sich Unterforderung????
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jpm
antwortete am 20.03.06 (15:30):
@Ruth Unterforderung äußert sich in der Regel durch Passivität und regressives Verhalten, also Verhaltensweisen, die nicht dem Alter der Schüler entsprechen (herumalbern, spielen, stören usw.)
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Franz Josef Neffe
antwortete am 24.04.06 (07:03):
Wenn ich ein wenig "hinter die Kulissen schaue", äußert sich Unterforderung = Überforderung dadurch, dass die betroffenen Menschen ihre Potentiale (gerade im Problembereich) nicht erkennen, sie nicht erspüren, infolgedessen sie eher weiter isolieren und blockieren und damit ihre Entwicklung und ihr Wachstum verhindern. Dafür wird dann auch noch - völlig verfehlt - eingeübt, dass man es nicht kann usw. und da das alles dynamische Prozesse sind, wächst das Problem statt der betreffenden Potentiale und damit des Persönlichkeitswachstums. Opfer ist zugleich Täter und Täter zugleich Opfer. Was sowieso wächst, wird noch mehr gefördert, und was Förderung fürs Wachstum bräuchte, erhält sie noch weniger. Diesen Lösungen nachzuspüren ist das Grundanliegen der "neuen Ich-kann-Schule". Mit herzlichen Grüßen Franz Josef Neffe
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Gianna Piras
antwortete am 27.05.06 (21:59):
Ich unterrichte in Italien und es ist irgendwie tröstlich zu erfahren, dass diese sinnlose Gleichung nicht nur für das italienische Schulsystem typisch ist ... herzlichen Gruß Gianna Piras - Italien
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jpm
antwortete am 28.05.06 (05:21):
@Gianna Allerdings ändert sich im Augenblick viel in Deutschland. Und in Italien?
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Kein Kommentar
antwortete am 24.10.06 (09:03):
Die Lehrer haben eh nie recht und spielen sich nur auf immer werden die schüler unschuldig bestraft das regt mich auf
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Franz Josef Neffe
antwortete am 24.10.06 (10:23):
Durch AufREGung hilft einem das Leben REGe zu werden. Nur aufgeREGt zu bleiben macht wenig Sinn. Sich überlegt und gezielt zu REGen, kann durchaus die Lösung bringen. Die Ungerechten sind immer die OHNmächtigen, die durch Aufplustern scheinbare Macht demonstrieren, weil sie das Wesen wahrer Macht nicht verstanden haben; die funktioniert nämlich durch Geist. Ich lehre betroffene Kinder, sich ihres Geistes zu bedienen, dann gewinnen sie schnell Einfluss. In "LegastheNIE" ist z.B. die Geschichte eines 7-jährigen Mädchens, das täglich von der Lehrerin blamiert wurde. Es erkannte, dass seine Lehrerin nicht geben kann, was sie selber nicht hat: Güte, und geben muss, wovon sie zuviel hat. Dann lernte das Mädchen "Zaubern" und schickte seiner Lehrerin einen Luftballon mit 100mal mehr Güte als bei ihm zu Hause Platz hat. Was blieb der Lehrerin übrig, als sie wieder auszuteilen? Seither lehre ich alle das Zaubern und es klappt immer. Probier´s doch auch einmal! Ich grüße herzlich. Franz Josef Neffe
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jpm
antwortete am 09.11.06 (05:40):
Alle LdL-Foren werden verlegt in:
(Internet-Tipp: http://www.zum.de/Foren/ldl/cgi_neu/forum.cgi)
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jpm
antwortete am 09.11.06 (05:46):
Verlegt:
(Internet-Tipp: http://www.zum.de/Foren/ldl/cgi_neu/forum.cgi)
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