Archivübersicht
THEMA: 5.Klasse Hauptschule Englisch - Schüler wiederholen den Stoff der Grundschule durch LdL
7 Antwort(en).
|
Claudia Müller
begann die Diskussion am 14.04.05 (14:36) mit folgendem Beitrag:
Hallo, ich bin Referendarin an einer GS und THS in Regensburg und stand am Anfang des Schuljahres vor dem Problem, dass der Hauptschulunterricht zwar nach dem neuen Lehrplan das Wissen der Grundschule miteinbezieht, aber das Lehrwerk noch nicht umgestellt ist. So wiederhole ich jetzt Inhalte der Grundschule in Englisch durch LdL. Etwa 15 Minuten stehen den Schülern zur Verfügung, in denen sie ein Thema abhandeln: The time, the year, body parts, animals in the zoo, animals in the wood, ... Ich gebe den Schülern (immer zu zweit) Material je nach Thema. So hat die Gruppe mit den body parts das O!Kay! - Heft zu diesem Thema erhalten und sich selber die Wörter ausgesucht. Ich berate die Gruppe, wie sie didaktisch die Wörter umsetzen können (Spiele, Übungen,etc), überlasse jedoch die Ausführung/ Auswahl ihnen. Die Wirkung ist erstaunlich. Die neuen Lehrer engagieren sich sehr, sie treffen sich mit mir nach der Schule zur Besprechung. Die Mitschüler verhalten sich während der 15 Minuten ruhig und machen gerne mit. Hinterher wird kritisch reflektiert, welche Phasen gelungen sind und welche anders gemacht werden sollten. LdL bedeutet für mich eine Mehrarbeit, da ich in der Freizeit mich mit den Schülern besprechen muss und weil ich die Materialien suchen muss. Allerdings ist der Lernerfolg bei den Schülern so immens groß, dass ich jeden nur ermutigen kann, es auszuprobieren. Endlich kommen auch meine schlechten Schüler zum Zug, die schriftlich wenig aufs Papier bringen, mündlich aber deutlich besser sind! Claudia Müller
PS: Es handelt sich bei dem Stoff zwar um Wiederholungen aus der Grundschule, allerdings hat mindestens die Hälfte meiner Schüler diese Inhalte wieder vergessen.
|
jpm
antwortete am 14.04.05 (14:45):
Hervorragend! Nur eine Frage: wieso treffen Sie sich außerhalb des Unterrichts mit den Schülern? Sie können doch, wie ich es selbst tue, den Stoff während einer Stunde arbeitsteilige vorbereiten lassen, und dann Stunden für Stunde abrufen, bis der Vorrat an Vorbereitungen verbraucht ist.
|
Claudia Müller
antwortete am 14.04.05 (21:46):
Lieber Herr Martin, zuerst einmal vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich finde es großartig, dass Sie sich persönlich um mich "kümmern". Diese Hindernisse stehen mir noch im Weg: - Ich bin Anfängerin im 1. Ausbildungsjahr. Ich unterrichte also zum ersten Mal die 5. Klasse in Englisch. Da mir der Überblick fehlt, habe ich Angst, mein Buch und damit den Lehrplan nicht durchzubekommen. Ich halte mich demnach sehr an meine Parallelklasslehrerin, was Tempo, Inhalt und Proben angeht. Meine vier Stunden pro Woche, die ich nur in der Klasse bin, reichen nicht aus. Deshalb treffen wir uns nach der Schule. - Ich biete LdL an, d.h. die Schüler dürfen sich freiwillig dafür melden. Es gibt in meiner Klasse Schüler, die von ihren sozialen und kognitiven Fähigkeiten her, sich sehr schwer tun würden. Um diese Schüler müsste ich mich sehr bemühen und mit viel Energie sie motivieren. Mir fehlt diese Energie und die Zeit (momentan, dank der UVs).
Allerdings reizt mich ihre Methode so sehr, dass ich mir Folgendes überlegt habe: Die Unit 7 im Highlight Buch ist optional. Da wir dieses Schuljahr so wunderbar viel Zeit nach hinten haben, würde ich gerne anhand der Unit 7 ihre Methode so ausprobieren, wie sie sie auch gedacht haben. Sollten meine Schüler scheitern, wäre es vom Lehrplan her nicht schlimm. Als Änfängerin habe ich einfach die Ruhe und Gelassenheit noch nicht, ein Risiko einzugehen. Aber ich arbeite daran :-).
|
jpm
antwortete am 15.04.05 (05:00):
Ich verstehe! Viele Erfolg bei Ihren Bemühungen. Wenn Sie Probleme haben, fragen Sie mich ruhig...
|
jpm
antwortete am 06.07.05 (16:15):
Sehr geehrter Herr Martin, ich wollte mich mal wieder bei Ihnen melden, um Ihnen von meinen Erfahrungen mit LdL zu berichten. Sie erinnern sich bestimmt an mich, ich bin Referendarin in Regensburg und wir hatten uns zu Ihrem Vortrag in Neumarkt getroffen. Meine Fünftklässler führen gerade die Unit 7 mit LdL ein und haben auch schon Unit 6 so behandelt. Die abschließende Probe über Unit 6 fiel völlig normal aus, ein Schnitt von 3,45. Hier meine Erfahrungen (ungeordnet): -Meine Hauptschüler brauchen viel Anleitung. Nicht alle, aber doch die Mehrzahl. Wenn ich ihnen helfe und mich dann immer mehr zurück ziehe, schaffen sie den Rest. Für diese Hilfe reicht der normale Unterricht nicht aus. Ich halte seit Schuljahresbeginn so genannte Schülersprechstunden ab (Mo und Mi die 7. Stunde) und in denen unterstütze ich viele. -Die Unit 6 war langweilig, weil die Schüler sich nicht richtig und ausreichend vorbereitet hatten. Das haben sie selber erkannt und entschieden sich dafür, die Unit 7 wieder über LdL einzuführen. Die Motivation ist groß, dementsprechend ist meine Schülersprechstunde voll. -Es fällt mir schwer, mich zurück zu halten. Ich muss unbedingt lernen, auch falsche Erklärungen (große Fehler) erstmal auszuhalten. Der Einwand aus der Klasse kommt schon. Aber bis er kommt, heißt es für mich, ruhig zu bleiben. -Meine Schüler bemerken Fehler nur, wenn es gravierende Fehler sind. Falsche Aussprache, ein vergessenes s bei he/she/it usw. werden überhört. Wenn dann doch jemand einen bemerkt, wird nicht richtig interveniert. Ich denke, es ist ein Merkmal der Hauptschule, dass sich ihre Schüler nicht viel zutrauen. Dieses fehlende Selbstvertrauen wird in solchen Situationen spürbar. Es wird mich noch sehr viel Arbeit kosten, die Schüler zur Korrektur zu ermutigen. -Für meine Unterrichtsvorführungen brauche ich spezielle Übungen und eingeschulte Vorgehensweisen. Ich führe diese ein und sie werden gerne von meinen Schülern für ihren eigenen Unterricht übernommen. Allerdings muss ich bei der Erstellung des Unterrichtes noch sehr auf Abwechslung drängen und oft Vorschläge zur didaktischen/methodischen Umsetzung geben. Diese werden allerdings dankend angenommen, es wird also nicht als ein Überstülpen empfunden. Für mich ist das interessant, denn ich erkläre den Schülern den „perfekten“ Ablauf einer Dialogstunde (als Beispiel) und lerne/wiederhole dabei selber J -Einige Schüler habe ich mit LdL zum Leben erweckt. Auch wenn sich deren Note nnicht verbessert haben, diese Schüler leben auf. Endlich steht das Sprechen, das sich Respekt verschaffen, das Führen, das Vorbereiten und dafür Lob und Anerkennung ernten im Vordergrund, nebenbei wird Englisch intensiv gelernt. Es macht richtig Spaß, diesen Schülern zu zusehen. -Ich habe den Schülern erlaubt, sich selber einzuteilen, wie sie es mir empfohlen haben – das war der richtige Weg. -Disziplin und der Umgangston den Lehrern gegenüber hat sich nach der Reflexion über die Unit 6 nun verbessert (seitdem Unit 7 eingeführt wird). -Ich hatte vor einer Woche eine Unterrichtsvorführung, in der ich Teile von Schülern übernehmen ließ. Das kam sehr gut an und mir wurde Anerkennung ausgesprochen. Als Gag durften zwei Schüler über ihren Lerninhalt eine Kurzprobe schreiben (Die Schüler entwarfen die Kurzprobe, von beiden brauchte ich keine Note mehr und hielten sie auch ab). Das kam so gut an und war mit einem Schnitt von 3,2 auch nicht zu leicht, dass ich eine weitere Kurzprobe von Schülern schreiben lasse. Ich werde auch jeden Schüler bitten, für die Probe eine Aufgabe zu entwerfen und wähle dann aus den Vorschlägen aus. Ich bin gespannt, ob das funktioniert, die Schüler sind hellauf begeistert. Ich kann diese Probe (die ja nach dem Notenschluss erst geschrieben wird) für nächste Jahr zählen lassen. Aber wie gesagt, erstmal sehen, wie das wird. Schöne Grüße aus Regensburg Claudia Müller
|
Wolfgang Fischer
antwortete am 07.07.05 (18:44):
@Claudia Müller Ich kann nur ihre Erfahrungen bestätigen und möchte sie ermuntern weiter zu machen. Inzwischen arbeite ich in einer ersten Klasse mit Ldl und sie werden es vielleicht nicht glauben, aber es funktioniert. Mittlerweile kommen so viele Angebote von Schülern, die selber allein, meist aber zu zweit eine Unterrichtseinheit übernehmen wollen. Inzwischen, erst seit 10 Monaten in der Schule, bereiten sie ihre Stunden allein mit Arbeitsblatt und auch Lernzielkontrollen vor, bei denen sie darauf bestehen sie selbst zu kontrollieren. Aber natürlich darf man nicht vergessen. Hier sitzen auch noch die potentiellen Gymnasiasten mit im Klassenzimmer. Aber trotzdem haben wir an der Schule eine große Akzeptenz für LdL.
|
jpm
antwortete am 07.07.05 (19:01):
@W.Fischer Danke!
|
jpm
antwortete am 17.11.06 (08:56):
Dieses Forum wird ins Archiv verlegt und es wird ein neues Forum zu diesem Thema im neuen ZUM-LdL-Forum eröffnet.
|
|