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THEMA:   LdL, Höflichkeit und Netzsensibilität

 44 Antwort(en).

Jean-Pol Martin begann die Diskussion am 10.05.00 (19:02) mit folgendem Beitrag:

Damit der LdL-Unterricht erfolgreich wird, müssen die Schüler daran gewöhnt werden, höflich und einfühlsam miteinander umzugehen. Wie meine jüngsten Faux-Pas gezeigt haben, muss auch im Netz Taktgefühl entwickelt und geschult werden. Seit dem Anfang der Diskussionen habe ich sicherlich ein paar Fehler gemacht, also es an Taktgefühl fehlen lassen, beispielsweise wenn ich Mitdiskutanten gebeten habe, auf einem anderen Brett weiterzudiskutieren, oder sie gar ungefragt auf ein anderes Brett plaziert habe. Das neue Medium verlangt also andere Umgangsformen, eine andere Sensibilität, wenn Kommunikation gelingen soll. Um die damit verbundenen Probleme zu reflektieren und anzugehen, kamen wir auf die Ideen, einen Arbeitskreis in der Uni zu bilden. Ich stelle mir vor, dass dieses Diskussionsbrett auch durch die Teilnehmer des Arbeitskreises belebt wird.

(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)


Jean-Pol Martin antwortete am 13.05.00 (07:39):

Wissenschaftler und Theoretiker neigen dazu, aus Mücken Elephanten zu machen. Man könnte sogar sagen, das ist ihre Aufgabe. Daher wird unsere Reflexion über Netzsensibilität nicht nur darüber laufen, wie sorgfältig man mit dem anderen umgehen muss, sondern auch, was man ihm zumuten kann! Diskussionen im Netz leben auch von der Geschwindigkeit des Austausches, da macht man leicht einen Patzer! Mit Patzern werden wir wohl leben müssen!

(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)


Jean-Pol Martin antwortete am 14.05.00 (07:34):

WAS GEBE ICH VON MIR PREIS IM NETZ? WIE GEHE ICH MIT PERSÖNLICHEN INFORMATIONEN UM?

In Zukunft wird wahrscheinlich niemand, der sich im Arbeitsprozess befindet, auf eine persönliche Homepage verzichten können. Hier stellt sich also akut das Problem, welche beruflichen und privaten Informationen man ins Netz eingibt. Unser "Arbeitskreis Internet" an der Uni verfolgt ua. das Ziel, über diese Fragen nachzudenken. Eng damit verbunden ist die Frage, wie man mit beruflichen und privaten Informationen, die man aus der Homepage eines Einzelnen herausholt, umgehen soll. Zwar ist die Homepage eines Einzelnen öffentlich, auch wenn sie familiäre Informationen enthält, dennoch muss ich mit diesen Informationen als "Konsument" besonders sensibel umgehen.
Ist es überhaupt sinnvoll, private Informationen in seine Homepage einzugeben?
Meine bisherigen Erfahrungen aus dem Experiment "Überforderung..." zeigen folgendes: Der intensive Austausch, der auf diesem Brett stattfindet, ist sehr fruchtbar, denn bereits jetzt liegen Ergebnisse vor, auch wenn das eigentliche Experiment noch gar nicht begonnen hat (also kein Schüler hat bisher LdL an seiner Schule mit Hilfe des Beratungsteams eingeführt). Ein Defizit liegt bei aller Intensität des Gedankenaustausches in der Abstraktion: ich persönlich kenne gut Arthur, Nicola, Judith, Rüdiger und viele andere, die sich in die Diskussion eingebracht haben. Aber wie ist es für jemanden, der keinen Diskutanten jemals gesehen und gehört hat? Hier lässt sich die menschlich-persönliche Dimension, die zur Motivation bei einem Projekt unabdingbar ist, durch einen Blick in die persönliche Homepage hereinholen. Ich merke es an mir selbst: bei den Diskussionen, die wir führen, bleiben die Teilnehmer RELATIV abstrakt, solange ich nicht über ihre Homepage gesehen habe, wie sie aussehen. Und da stellt sich eben die Frage, welche Aspekte seiner Privatheit man im Netz veröffentlichen soll und welche nicht.

(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)


Peter Ringeisen antwortete am 14.05.00 (23:14):

Persönliche Information auf WWW-Seiten:

Einerseits stimme ich Ihnen zu - ich denke, man kann unbefangener und einfacher kommunizieren, wenn man ein paar grundlegende Daten kennt. Umso schöner, wenn man diese Daten (Tätigkeit, Umfeld, evtl. Aussehen) diskret einer Homepage entnehmen kann.
Andererseits sind solche zusätzlichen Informationen nicht unbedingt erforderlich - und ein Zuviel an privat(est)er Information kann u. U. auch eher seltsam wirken.
Einiges ist freilich Geschmackssache: Was manche über ihre private Homepage der Weltöffentlichkeit darbieten, würden andere niemals preisgeben. Wenn man entscheiden soll, was die WWW-Seiten enthalten sollen und was nicht, ist es wohl eine ganz gute Hilfe, sich in einem Gedankenspiel vorzustellen, dass man die betreffenden Informationen einem Vorgesetzten zeigt, einem Nachbarn und einem völlig Unbekannten, der aber den gleichen Beruf hat - wenn man bei diesen drei imaginären Nutzern der Webseite kein komisches Gefühl bekommt (außer vielleicht: "Das interessiert den nicht"), dann ist die Veröffentlichung zumindest nicht peinlich. Ein ergänzender Gedanke sollte dann folgen: Wen könnte denn das, was ich ins Internet stellen will, tatsächlich interessieren? Der Wahlspruch der Webdesigner "content sells" bewahrheitet sich: Jemand mag noch so schön animierte oder bunte Grafiken auf seiner Seite haben - wenn er inhaltlich nichts bietet, wird der erste Besuch dort auch der letzte gewesen sein.

Schöne Grüße
Peter Ringeisen

P.S.: Jean-Pol Martin, Ihr Bild habe ich natürlich auf der LdL-Homepage gesehen - und Arthur habe ich inzwischen dort auch entdeckt ;-)
Die anderen Diskussionsteilnehmer sind mir leider optisch noch unklar, wenn man das so ausdrücken kann.

(Internet-Tipp: http://www.ringeisen.de)


Jean-Pol Martin antwortete am 17.05.00 (13:59):

Lieber Herr Ringeisen,
Ihre Hinweise finde ich sehr zutreffend. Sie haben auch unserer Diskussion in dem Uni-Arbeitskreis entscheidende Impulse gegeben. Ein Gedanke ist uns dazu noch gekommen. Möglicherweise ärgern sich Besucher, die so schnell wie möglich eine beruflich-fachliche Information aus einer Homepage holen wollen, wenn sie sich durch den privaten Bereich durchklicken müssen. Das kann man vermeiden, wenn in der Eingangsseite beide Bereiche ganz deutlich getrennt sind.

(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)


Jean-Pol Martin antwortete am 21.05.00 (10:32):

HOMEPAGE-BERATUNG
Auf diesem Brett könnten Teilnehmer, die eine Beratung wünschen, ihre Homepage zur konstruktiven Kritik anbieten.

BEISPIELE:
"Meine Zielgruppe besteht aus Freunden, Mitstudenten und Dozenten, die mich als wissenschaftliche Hilfskraft engagieren könnten. Wie beurteilt Ihr die Eingangsseite meiner HP (URL)?"
Oder:
"Als Schüler einer 12.Klasse möchte ich über meine Homepage Leute ansprechen, die mir bei der Stoffsammlung für meine Facharbeit helfen. Eine entsprechende Seite habe ich bereits eingerichtet (URL). Was meint Ihr dazu?"

(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)


Jean-Pol Martin antwortete am 01.06.00 (06:42):

Die Tatsache, dass viele Menschen sich im Netz relativ offen präsentieren, zwingt zu einer Reflexion über den Umgang mit diesen Informationen von Seiten der Konsumenten. Rezipienten, wenn sie nicht selbstdiszipliniert sind, werden immer wieder zu einem zynischen Verhalten verlockt (man kann sich ungestraft über andere lustig machen). Es müsste also über die "Netiketten" hinaus gründlich über die Frage nachgedacht werden, wie Anfragen behandelt und beantwortet werden und wie ernst man sich mit diesen befasst. Besonders wichtig erscheint mir, dass Diskussionen, wenn sie von jemandem begonnen von diesem auch betreut und verantwortet werden. Es stellt eine Missachtung der Mitmenschen dar, wenn man beispielsweise Fragen einwirft, und sich für die Antworten nicht interessiert.

(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)


Ulf antwortete am 04.06.00 (18:46):

Mir geht's jedenfalls so, dass ich im Netz offen sprechen möchte, auch z.B. über Privates und nicht ständig dabei überlegen kann, ob ich grade eine persönliche oder öffentliche Identität einnehme und ob ich anhand von meiner E-ddresse (wie bei deja) zurückverfolgt werden kann.
Deshalb verrate ich vorsichtshalber meinen Nachnamen und Ort nicht, auch kaum in Privatmails (wegen eventuellen zukünftigen Hacker-Schülern) und habe sensible Mails aus Mailing Listen möglichst streichen lassen. Tschüß!


Peter Ringeisen antwortete am 04.06.00 (21:39):

Hallo Ulf,
dieses Ausmaß an Vorsicht scheint mir doch übertrieben. Wenn man in einer Klasse einmal Schüler hat, die sich mit Computer-Dingen sehr gut auskennen, dann wird es ihnen ein Leichtes sein, alle nötigen Daten herauszufinden, auch wenn du versuchst, alles geheim zu halten - vielleicht gerade dann! Geheimnistuerei fordert doch zum Detektivspielen geradezu heraus! - Ich scheue mich jedenfalls nicht, jedem Schüler meine Adresse mitzuteilen und freue mich über die Mails, die ich bekomme - ob es nun verspätete Hausaufgaben sind oder Grüße von ehemaligen Schülern. - Nicht alle Mitmenschen sind böse ;-)
CU

(Internet-Tipp: http://www.peter-ringeisen.de)


Jean-Pol Martin antwortete am 07.06.00 (17:50):

SCHEIBKONVENTIONEN
In unserem gestrigen Seminar über "Höflichkeit und Netzsensibilität", kam der Gedanke auf (Gerhard P.), dass mit der rapiden Zunahme der Internet-Benutzer die anfangs von "freaks" aufgestellten Netiketten und Schreibkonventionen in Vergessenheit geraten und durch andere ersetzt würden. Auf einem anderen Brett berichtete mir unser ZUM-Administrator dass GROSSBUCHSTABEN als unhöflich gelten, weil sie mit "Schreien" verknüpft werden. Es ist aber denkbar, dass "freaks" im Netz gelegentlich schreien wollten und deshalb entsprechende Zeichen brauchten. Es ist auch denkbar, dass die nun anwachsende Benutzermasse nicht auf die Idee käme, zu schreien und daher kein Symbol dafür braucht. Dann ist eben die Markierung GROSSBUCHSTABEN frei für andere Funktione, z.B. als Überschrift...

(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)


Jean-Pol Martin antwortete am 08.06.00 (16:24):

ANSTIEG DER EMPATHIE DURCH INTENSIVE EMAIL-KOMMUNIKATION
Im Seminar stellte J.Grzega fest, man würde sich in der eMail-Kommunikation auf seine Partner einstellen. Bekommt man eine Mail von einem Unbekannten, dann passt man sich stilistisch an ihn an. Wer also einen großen Mail-Umsatz hat, wird automatisch lernen, sich unzählige Male an einem Tag stilistisch-zwischenmenschlich an den Partner anzupassen. Das könnte zu einer Humanisierung der Kommunikation führen und das Leben insgesamt könnte angenehmer werden.

(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)


Kathrin antwortete am 14.06.00 (19:34):

Hallo, jetzt möchte ich mich doch auch einmal zu Wort melden. Ich denke, man sollte die "alten Konventionen" wie SCHREIEN oder nett sein : ) ruhig ernst nehmen und auch weiterhin so nutzen. Ich z.B. freue mich, wenn mich jemand per e-mail so angrinst oder mir zublinzelt. Für Überschriften lässt sich ja vielleicht was anderes finden.
Zur Empathie durch e-mail: Passt man sich stilistisch wirklich an? Und ist es nicht doch noch ein Riesenunterschied, ob ich im Netz bin, oder im "wirklichen Leben"? Kann ich durch häufiges e-mailen lernen, mich in Gesprächssituationen flexibler zu verhalten? Ich zweifle daran.
Aber schaden kann es ja wohl nicht ...: )


Gerhard Piezinger antwortete am 15.06.00 (19:53):

Hallo Kathrin, herzlichen Dank für deinen Beitrag, du sprichst mir aus der Seele. Auch ich glaube nicht, dass ein hohes E-Mail-Aufkommen zu einer "Humanisierung der Kommunikation" führt und "das Leben dadurch angenehmer wird" - Hat denn die Erfindung des Telefons dazu beigetragen? Auch dabei müssen sich Leute sich oft "unzählige Male am Tag" stilistisch an den Gesprächspartner anpassen. Unser Leben ist durch das Telefon zweifellos schneller geworden - freundlicher wohl nicht. (Weiß hier jemand der Mitleser noch, wie das Leben vor dem Telefon war?)
Ob sich "Großbuchstaben=Schreien" als mediengebundene Konvention durchsetzt, werden wir sehen - ich glaube nicht auf Dauer - die Emoticons :^) wohl auf alle Fälle: Ironie ;-) , Abschwächung einer Anzüglichkeit/Flapsigkeit/Beleidigung, Erstaunen 8-o , Enttäuschung :-( sind ansonsten wohl kaum und nicht in der Kürze auszudrücken. Mir jedenfalls gelingt dies nicht.

(Internet-Tipp: http://www.piezinger.de/)


Jean-Pol Martin antwortete am 20.06.00 (08:38):

Immer mehr bin ich versucht, Auszüge aus Mails, die ich bekomme, in das Forum einzugeben: Fragen, die alle interessieren könnten, Anregungen, hervorragende Unterrichtsbeobachtungen. Wenn ich aber die Absender bitte, Ihre guten Ideen in das ZUM-Forum einzubringen, tun sie es nie! Warum diese Scheu? Da entgehen doch einer ganzen Menge Leser wichtige Anregungen!
Trotzdem: ich werde mich weiter an die Regeln halten und diese Informationen nicht veröffentlichen.

(Internet-Tipp: http://www.ldl.de)


Jean-Pol.Martin antwortete am 21.06.00 (08:56):

Lieber Gerhard Piezinger,
nach unserer gestrigen Veranstaltung sind mir noch ein paar Gedanken gekommen zum Aspekt der "Vernetzungskompetenz". Dies könnte auch Sie interessieren, vor allem wenn Sie eine Mailingliste in Ihrer Homepage anbieten wollen:

*Intensive Aktivität des Moderators notwendig*
Der Moderator hat aus meiner Sicht mindestens zwei wesentlichen Aufgaben:
- Er muss die gesamte(n) Diskussion(en) im Blick behalten, damit er Teilnehmer auf andere Beiträge aktiv aufmerksam machen kann. So habe ich beispielsweise Arthur und Judith, die sich schon länger nicht gemeldet haben, per eMail darauf hingewiesen, dass Nicola auf dem Brett "Schülerin (Nicola) berät Lehrer" ihre Unterstützung braucht.
- Er muss mit Hilfe von Links ein Netz knüpfen, das ausgeklügelt ist und den Leser auf wirklich relevante Seiten hinführt (Sie können sehen, dass ich unten diesmal die Adresse "www.Schluesselqualifikationen.de" angegeben habe und nicht wie sonst "www.ldl.de".
- Wenn er es kann, sollte er natürlich auch inhaltlich Impulse geben.

*Zentralisierung vs. Dezentralisierung*
Ursprünglich dachte ich, dass im Netz per se eine Enthierarchisierung und Dezentralisierung stattfindet. Wahrscheinlich wird es sich auf lange Sicht auch so entwickeln. Im Augenblick stelle ich aber in unserem Forum eine extreme Personalisierung fest, die mich an die Pionierzeit in der Renaissance erinnert. Wenn die Innovationen sich durchgesetzt haben, wird wahrscheinlich eine Demokratisierung stattfinden.

(Internet-Tipp: http://www.schluesselqualifikationen.de)


Ulf antwortete am 21.06.00 (20:41):

An Peter:

Hi, hmm, ja, also ne "offiziellere" völlig getrennte E-dresse für Schüler usw. hab ich dann natürlich auch, so dass "Geheimnistuerei" nicht sichtbar wäre. Aber Tagebücher und Liebesbriefe legt man auch nicht auf den Präsentierteller und manche Mails und Listen sind für mich genau das (oder mehr). Übertreiben braucht man das natürlich nicht, schon klar..

Empathie:

Ich glaube die (in-form-elle!) Form von Mails erlauben einem, genauer auf den Punkt und auch an die Gefühle von anderen und einem selbst zu kommen. Das hat bei mir tatsächlich dazu geführt, dass Mailen ein intensives, reiches, befriedigendes mitmenschliches Erlebnis ist, und mir auch in der "realen" Welt geholfen hat anders auf Menschen zu zu gehen (was ich absolut nicht trennen mag - waren Liebesbriefe oder Brieffreundschaften nicht real??). Tschau!


Ulf antwortete am 21.06.00 (20:47):

Nachtrag zu Empathie:

Ach ja: Im Gegensatz zum Telefon (wir hatten als ich Kind war als einige der wenigen in der Nachbarschaft kein Telefon...!, was allerdings für mich nicht damit zusammenhängt)

Großbuchstaben:

sind für mich übrigens sehr schnell als äußerste Betonung oder gar Aggressivität internalisiert worden...


Jean-Pol Martin antwortete am 22.06.00 (05:36):

Zu Ulf: also Sie meinen im Gegensatz zu Gerhard Piezinger, dass die eMail-Kommunikation doch zu einer Humanisierung zwischenmenschlicher Beziehungen führen könnte?


Kathrin antwortete am 22.06.00 (15:14):

Hallo Ulf,
also ich finde mailen auch Klasse und freue mich tatsächlich über alle Mails die ich bekomme und auch über die ganzen Diskussionen hier. Auf der anderen Seite erschreckt mich die Schnelligkeit des Mediums manchmal. Einen Liebesbrief habe ich oft nicht wegzuschicken gewagt, ich kann mich an ein Mal erinnern, wo ich vor dem Briefkasten gestanden habe und mich letztendlich mit großem Herzklopfen dazu überwunden habe, ihn einzustecken ... Jetzt ein Knopfdruck und unabänderbar - vielleicht mit zu wenig Überlegung - sind die Worte "gesprochen". Gut, hier geht's ja nicht um Liebe ... ;-)
Die zwischenmenschlichen Kontakte ändern sich, sind vereinfacht, aber tiefgründiger sind sie dadurch m. E. nicht geworden.


Jean-Pol Martin antwortete am 22.06.00 (19:55):

Vielleicht tiefgründiger nicht, aber Untersuchungen zeigen, dass im Netz und in eMails eine größere Vertraulichkeit herrscht. Ich denke, das liegt daran, dass die Identifikation nicht wie in Alltagsbegegnungen über Kleidung, Status, Beruf abläuft, sondern über Inhalte. Wer sich also für dieselben Inhalte wie ich interessiert, gehört schon zu meinen "Intimen". Wer beispielsweise mit mir über "Europäische Identität" diskutieren möchte, zeigt tiefere Ähnlichkeiten mit mir als die meisten Menschen, denen ich täglich begegne, auch wenn ich ihn nie gesehen habe. Glaube ich jedenfalls...


Jean-Pol Martin antwortete am 25.06.00 (07:23):

*Aufmerksamkeitsressourcen, Vernetzungskompetenz, Mobilisierung von Handlungsbereitschaften*
Natürlich wird in Zukunft die Fähigkeit, sich oder selbsterstellte Produkte im Netz zu präsentieren, an Bedeutung gewinnen. Noch wichtiger erscheint mir das Vermögen, Aufmerksamkeitsressourcen zu bündeln und weiteranzubieten. Damit meine ich konkret: wenn jemand sich in meine Homepage einwählt, dann muss er sowohl die Möglichkeit bekommen, sich über LdL und alle damit verbundenen Inhalte zu informieren, als auch die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit größerer Interessentengruppen auf seine eigenen Inhalte zu lenken. An anderer Stelle habe ich in Anlehnung an Davis/Meyer 1998 bereits beschrieben, dass in Zukunft nicht mehr Geld als Belohnung angeboten wird, sondern ein anderes, noch knapperes Gut, nämlich Aufmerksamkeit. In der ZUM bin ich gerade dabei, Aufmerksamkeitsressourcen zu sammeln und zu bündeln. Übrigens: wer zufällig meine Beiträge auf dem Brett "Europäische Identität..." verfolgt, kann sehen, dass ich dort "Ruhm" als "Verfügen über umfangreiche Aufmerksamkeitsressourcen" definiert habe. Zur Vernetzungskompetenz zählt natürlich auch die Fähigkeit, Handlungsbereitschaft bei den Mitgliedern eines Netzes aufzubauen. Die Aufmerksamkeit einer Gruppe ist nur dann als Gut zu betrachten, wenn diese Gruppe handlungsbereit und -fähig ist. Diese Handlungsbereitschaft herzustellen ist wiederum Aufgabe desjenigen, der fremde Handlungen als Ressourcen braucht.

(Internet-Tipp: http://www.schluesselqualifikationen.de)


Ulf antwortete am 04.07.00 (20:42):

Sorry, immer mit einer gewissen Verzögerung (22.06.), aber vielleicht besser später als nie...

*Zu Jean-Pol*: Ja, in meiner Erfahrung hat E-Mail bei mir und verschiedenen andern, mit denen ich in Kontakt gewesen bin, zu einer Humanisierung zwischenmenschlicher Beziehungen geführt. Und zwar ein besseres Verständnis seiner selbst und von andern, vielfältigere, tolerantere, unvoreingenommenere, internationalere Begegnungen.

*Zu Kathrin*: Vielleicht täusche ich mich mit der Tiefgründigkeit, weil ich die meinige nur stärker zeigen kann. Glaub ich aber nicht, denn ich bleibe nicht stehen, sondern mache einen schnelleren Lernprozess durch als ohne, und so scheint es meinen Gesprächspartnern auch zu gehen.
Zur Schnelligkeit: Auch ich hab solche Dinge erfahren, Dinge geschrieben, die ich bereut habe, aber konnte mich im Laufe des ca. 1. Jahres problemlos daran gewöhnen. Das hat mich dann auch in meiner gesamten Kommunikation selbstsicherer gemacht, mir gezeigt, dass ich mich doch auf mich selbst verlassen kann, was ich vorher sehr oft bezweifelt habe. Teils liegt's am häufigeren, müheloseren Ausprobierenkönnen, denk ich.
Das letzte, was ich befürchtet hab zu bereuen, war meine Schimpfe, als eins meiner "Themen" unfreiwillig auf ein anderes Diskussionbrett verlegt wurde, und auch das ist beiderseits gut ausgegangen. :-)
Übrigens gibt es Anwendungen, die die Herausgabe des Mails noch für einen selbst angegebenen Zeitraum verzögern, las ich vor kurzem (könnt ich nochmal nachkucken)!

Tschau! Ulf


Jean-Pol Martin antwortete am 06.07.00 (05:17):

Danke für den sehr aufschlussreichen Beitrag. Ich halte fest:
- eMail-Kontakte können zu einer Humanisierung zwischenmenschlicher Beziehungen führen; sie machen toleranter und flexibler;
- sie können das Selbstbewußtsein der Teilnehmer erhöhen und die Identität festigen.
Das freut mich, meine Vermutung hier bestätigt zu sehen.


Jean-Pol Martin antwortete am 13.07.00 (11:17):

*Öffentliche Kritik an einzelnen Personen im Internet*
Aus dem Internet erwachsen natürlich nicht nur Vorteile für die Gesellschaft. Ein Problem ist beispielsweise, dass es die Möglichkeit eröffnet, vor einer großen Öffentlichkeit an einzelnen Personen Kritik zu üben. Daher ist es besonders dringlich, dass schon sehr früh in der Schule über die Wirkung solcher Kritik nachgedacht wird. Was bewirkt es, wenn ein Schüler Kritik an einem bestimmten Lehrer im Internet übt?

*Notwendigkeit eines stabilen Ichs*
Wahrscheinlich müssen wir uns daran gewöhnen, in der Öffentlichkeit kritisiert zu werden. Wir müssen also lernen, mit berechtigten, aber auch mit überzogenen und ungerechten Angriffen umzugehen. Andererseits sichert eine größere Öffentlichkeit auch, dass negative Urteile durch andere, positivere ausgeglichen werden. Mein Gott! Einiges steht und wirklich bevor!


Jean-Pol Martin antwortete am 12.08.00 (08:49):

Gerade sitze ich in Perros-Guirec (Bretagne) mit Blick aufs Meer. Die LdL-Anfragen bemühe ich mich wie immer, so schnell wie möglich, also in der Regel am selben Tag, zu beantworten. Seit Monatsbeginn waren es etwa 20. Nur ganz selten bekomme ich ein Feedback. Mir geht es natürlich nicht darum, dass man sich bedankt! Ich will nur wissen, ob meine Antwort angekommen ist und weitergeholfen hat! Komisch, dass nicht einmal diese sehr evidente Netikette nicht beachtet wird!


Dominik Fuß-Hanak antwortete am 12.08.00 (16:08):

Lieber Herr Martin,

immerhin einer bedankt sich... Die Infos, die Sie mir diese Woche gegeben haben (ein Basisartikel zu LdL sowie die Erfahrungsberichte von Frau Beck) und die ich mir direkt aus der LdL-Homepage herunterladen konnte, waren sehr brauchbar. Ich konnte die Beiträge in der Schulpädagogik-Klausur, die wenige Tage später stattfand und bei der ich das Thema "Offener Unterricht" bearbeitete, gut verwerten. Dass Sie so schnell antworten und das noch in den großen Ferien, ist nicht selbstverständlich. Ich kenne niemand sonst, der diesen außergewöhnlichen Service anbietet (stimmt nicht ganz: der Eichstätter Französischlektor, Herr Chesser, hat mir - wahrscheinlich durch Sie beeinflusst - erst vor ein paar Tagen angeboten, Arbeiten zur Korrektur als E-Mail nach Frankreich zu schicken). Auf jeden Fall find ich das Ganze super!
Dass sich so wenige Leute bedanken, hängt vielleicht damit zusammen, dass wir erst noch eine entsprechende Höflichkeitskultur entwickeln müssen. Ich habe mich zunächst nicht bedankt, weil ich dachte, dass eine Dankesmail überflüssig wäre. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich - wie sicherlich die meisten meiner Zeitgenossen - Schule und Universität noch zu sehr als Behörden und zu wenig als Dienstleistungsinstitutionen ansehe. Doch die neuen Medien werden über kurz oder lang zu einer Veränderung der bisherigen Strukturen führen. Ich kann nachfühlen, wie Ihnen zumute ist, Herr Martin. Das Gästebuch meiner Homepage weist auch erst drei Einträge (letzter Eintrag: 29.02.2000) auf, obwohl sich wahrscheinlich schon hunderte Personen die Studienarbeiten, die ich auf meiner Homepage bereit halte, heruntergeladen haben.
Ich denke, wir müssen noch etwas Geduld haben...
Ihr Dominik Fuß-Hanak

(Internet-Tipp: http://www.altmuehlnet.de/~fuss)


Jean-Pol Martin antwortete am 12.08.00 (19:28):

Lieber Dominik,
da ich relativ viele Anfragen bekomme, merke ich mir im Prinzip nicht, wem ich eine Information weitergebe und von wem ich eine Rückmeldung bekomme. Ich antworte so schnell es geht und damit hat es sich. Nur diesmal kamen relativ viele Anfragen, und ich hätte gerne gewusst, ob meine Hinweise nützlich waren. Es freut mich sehr, dass Sie meine Materialien für Ihre Prüfung verwerten konnten! Ihr Hinweis, dass meine "Dienstleistungen" wie die einer Behörde aufgenommen werden, finde ich sehr interessant und nachvollziehbar. Auf jeden Fall bedanke ich mich für Ihre ausführliche und aufschlussreiche Antwort!


Cirsten antwortete am 17.08.00 (18:31):

* Stilistisch-zwischenmenschliche Anpassung an den eMail-Partner*
Gerade habe ich - auch aufgrund der hier geposteten Statements- meine im lezten Monat verschickten bzw. erhaltenen Mails gesichtet. Und siehe da: Es ist wirklich so, dass mein Schreibstil sich je nach Adressat änderte. Man sollte doch meinen, dass sich ein gewisser persönlicher Schreibstil über Jahre entwickelt und eingeschliffen hat. Um so überraschender war es für mich zu sehen, welcher Facettenreichtum sich doch (unbewusst) auftat.
Ein seltsames Erlebnis hatte ich auch: Ich traf eine Mail-Partnerin, die ich schon aus "netzlosen" Zeiten kannte, persönlich und hatte gewisse Hemmungen den Umgangston, den wir per mail sonst pflegten, auch im persönlichen Gespräch fortzusetzen. Das zeigt mir doch wieder mal, dass das persönliche Gespräch mit all seinen unterschwelligen Botschaften doch immer noch etwas ganz besonderes bleibt.


Jean-Pol Martin antwortete am 22.08.00 (09:44):

Im ZUM-Forum "Schülerforum" im Brett "Hilfe für eine Bewerbung" ist ein interessantes (weil generalisierbares) Beispiel für "Unhöflichkeit" im Internetverkehr nachzusehen, wobei die betreffende Person als Individuum gar nicht gemeint ist. Es handelt sich sicherlich um ein furchtbar nettes Mädchen. Aber der "Fall" ist interessant und nach meiner Erfahrung ganz typisch!


Jean-Pol Martin antwortete am 22.08.00 (15:19):

Ein gutes Beispiel für nicht ganz adäquates Verhalten im Netz ist im "Schülerforum" unter "Hilfe für einen Bewerbungsbrief" zu finden. Natürlich ist die junge Dame, die ich dort "tadele" garantiert ganz nett und nicht als Einzelperson "anzuprangern". Aber dieses Verhalten ist ganz typisch für das, was ich ganz oft erlebe. Von daher müßte man die Regel aufstellen, dass eine Anfrage in einem Forum auch eine gewisse Verpflichtung mit sich bringt, nämlich nachzuschauen, ob jemand auf diese Anfrage reagiert hat.


Ulf antwortete am 23.08.00 (11:04):

Hallo, Jean Pol -
jetzt, nach dem 15:19 Beitrag, hab ich glaub ich besser verstanden, was Sie meinten.
In diesem Fall möchte ich insbesondere zu Bedenken geben, dass Sie auf Marie erst eine Woche später geantwortet haben, eine recht lange Zeit in diesem Medium.
Was bei ihr zwischenzeitlich passiert ist, kann man nicht wissen. Sie kann 6 Tage lang mehrmals täglich reingeschaut und dann enttäuscht aufgegeben haben, Sie kann vergessen haben, wo (oder gar dass) Sie Ihren Beiträge eigentlich geschrieben hatte und nicht verstanden, dass Sie sich die Antworten zuschicken lassen kann. Das kann aus Unerfahrenheit, Stress, Zerstreutheit, PC-Absturz oder sonst was passiert sein.
Wenn einem selbst so etwas auch nur einmal passiert ist, versteht man besser, wie das jemand anderem passieren kann.
Auf Foren wie Mailing Listen gewöhnt man sich mit der Zeit dran, dass man immer wieder mal Beiträge "umsonst" schreibt, bzw. muss man sich anpassen und erst testen ob sich ein bestimmter Einsatz lohnt.
In diesem Fall wäre es zum Schutze Ihrer eigenen Zeit vielleicht besser gewesen, Sie hätten erstmal getestet, ob Marie noch interessiert ist.
Dann kann man seine Energien besser an den neuralgischen Punkten einsetzen, wo es sich mittelfristiger zu lohnen scheint.
Und wenn man so viel Energie verspritzt wie Sie in diesen Foren, gehen halt manche Dinge am gewünschten Ziel vorbei... Aber vielleicht hat der Beitrag ja für jemand anderen auch einen Sinn gehabt. Auf jeden Fall haben Sie vielen anderen gezeigt, dass Sie ein offenes Ohr haben, und bereit sind zu helfen, wenn man Hilfe braucht.
Vielleicht ist es dann besser, wieder in die Zukunft zu schauen und nächstes Mal ein bisschen vorsichtiger zu sein... Tschüß! Ulf


Ulf antwortete am 23.08.00 (11:12):

Ich hab grad nochmal Maries Brief angeschaut. Sie hat sehr wenig selbst in ihren Beitrag investiert, das ist für mich ein Zeichen geworden, vorsichtig zu sein!
Aber eigentlich sind Gleichgültigkeit, Unhöflichkeit, Leichtsinn ja viel mehr in der Anonymität des Internets zu erwarten als schon in unserer unvermittelten Gesellschaft. Erinnert mich auch an den Unterschied zwischen sozialem Leben auf dem Land, in der Stadt und in Metropolen. Internet ist ja wohl wie letzteres. Da muss man entweder street-wise werden oder immer wieder auf die Schnauze fallen. Die Forderung nach Höflichkeit nützt nur bei wenigen. Eigentlich nur in geschützten Räumen wie Mailing Listen, wo man denjenigen, die sich dem Stil der Liste nicht anpassen können, rauswerfen kann (und Netikette auch gut funtioniert - allerdings auch da wieder ist die Größe ein Problem, weil man den Überblick verliert, auch wenn man höflich bleiben will). CU!


Jean-Pol Martin antwortete am 23.08.00 (17:49):

Lieber Ulf,
meine Forderung in Richtung "Höflichkeit" ist - das sehen Sie sicherlich auch - nicht formal gemeint. Ich möchte lediglich auf den Aspekt der Verantwortung im Netz hinweisen. Ich selbst bin keineswegs getroffen oder emotional involviert, sondern ich stelle eine bestimmte Inadäquatheit fest und thematisiere sie. So betreibe ich "Wissenschaft". Dies gilt auch für die Energie, die ich investiere. Ich möchte in allen Diskussionsforen präsent sein, die mich interessieren, und meine Meinung einbringen. Interessant scheint mir vor allem, Verbindungen zwischen den verschiedenen Diskussionsbrettern herzustellen, also die Diskussionen und die Diskutanten zu vernetzen. Von daher betrachte ich meine Präsenz in der ZUM.de als Teil meiner empirischen, wissenschaftlichen Arbeit. Marie hat mich also nicht "enttäuscht" sondern sie hat mir Stoff zum Nachdenken und Diskutieren geliefert. In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei Ihnen, lieber Ulf, als regelmäßigen Mitdenker, für Ihre zahlreichen Beiträge bedanken!


Morpheus antwortete am 24.08.00 (20:39):

also ich finde es gut das es menschen wie Jean... gibt, die sich für andere einsetzen (auch wenn wir nicht immer die selben meinungen haben). wenn mein deutsch auch so wäre, hätte ich genauso reagiert, egal ob ich ein dankeschön bekommen hätte oder nicht! natürlich wäre es (wie schon oben von Jean... erwähnt) eine gäßte der höfflichkeit sich zu bedanken, und man weiß die arbeit war nicht umsonst. es muss mehr menschen wie Jean... hier geben! und ich bedanke mich in maries namen. (ich will nicht, dass sie aufhören weiter solche nettigkeiten zutun) ;)


Jean-Pol Martin antwortete am 25.08.00 (08:03):

Lieber Morpheus,
herzlichen Dank für Ihre sehr netten Worte! Sie dürfen mich aber nicht idealisieren! Ich tue dies alles aus "wissenschaftlichem" Interesse, nicht unbedingt aus Altruismus. Aber das nimmt dem helfenden Charakte meiner Handlungen nichts weg! Jetzt fahre ich nach Paris und werde in den nächsten Tagen keine Einträge mehr verschicken können (kein Computer!).


Morpheus antwortete am 25.08.00 (13:11):

na ich wünsche ihnen eine angenehme zeit. ich muss wieder nächsten donnerstag zur schule. bis dem nächst


Jean-Pol Martin antwortete am 31.10.00 (07:37):

Diesen Beitrag habe ich bereits in das Brett "Das neue Diskussionsforum Lernen durch Lehren" eingegeben. Dennoch passt er auch in dieses Brett hinein!

Das LdL-Forum besteht seit knapp 9 Monaten. Bei meiner Betreuung dieses Forums habe ich folgende Erkenntnisse gewonnen:
1. Moderation:
Diskussionsbretter müssen moderiert werden. Das bedeutet, dass wenn jemand ein Diskussionsbrett eröffnet, er sich verantwortlich für die Diskussion fühlt. Er muss Anfragen beantworten, auf andere Beiträge hinweisen, Impulse für weitere Reflexionen liefern.
2. Geschwindigkeit:
Eine Anfrage muss vom Moderator sofort beantwortet werden. Zumindest soll er deutlich machen, dass er die Anfrage registriert hat und sich um eine Antwort bemüht.
3. Ablaufmuster einer "Kommunikationssequenz":
Die Kommunikation auf den Brettern muss nicht ununterbrochen erfolgen. Bretter können längere Zeit ruhen und irgendwann wieder aufflammen. Es scheint aber, dass eine gelungene "Kommunikationseinheit" folgende Elemente enthalten soll:
- Anfrage eines Fragestellers
- rasche Antwort des Moderators
- rasches Feed-Back des Fragestellers
Im Augenblick treten folgende Fehler immer wieder auf:
Von Seiten des Moderators: Eine Anfrage wird nicht sofort beantwortet, so dass der Fragensteller nach zwei "Besuchen" nicht mehr ins Brett hineinschaut.
Von Seiten des Fragenstellers: a) Er stellt eine Frage, kümmert sich aber nicht um die Antwort, b) er bekommt eine Antwort, gibt aber kein Feed-back. Beide Verhaltensweisen, vor allem das Nicht-Feed-Back-Geben, sind ärgerlich!


Stephan Thirmeyer antwortete am 01.11.00 (18:20):

Hallo Herr Martin,

Ihren obigen ausführungen möchte ich noch einen Punkt hinzufügen:
4. Schreibstil.
man muss höllisch aufpassen, dass man sich im Ton nicht vergreift, denn oft läuft man Gefahr ein wenig zu bissig zu schreiben und dann die anderen Diskussionsteilnehmer abzuschrecken. Wenn man Kritik übt, dann sollte sie möglichst nicht besserwisserisch sondern eher helfend formuliert werden, denn man will ja dass die Leute wiederkommen.


Jean-Pol Martin antwortete am 02.11.00 (05:48):

Richtig! Dadurch wird allerdings der Stil sehr verflacht, denn man kann keine Scherze machen (Ironie), sonst wird er nicht als solcher erkannt, man kann keine Ellipsen, Allusionen usw. verwenden... Natürlich gibt es die Emotikons (:-), aber die Ironie lebt gerade davon, dass Doppeldeutigkeiten offen bleiben! Nun gut... Auf jeden Fall müssen Schüler und Studenten sobald wie möglich mit allen Tücken und Vorteilen des Mediums vertraut gemacht werden! Das nenne ich dann Internetkompetenz!


Stephan Thirmeyer antwortete am 02.11.00 (11:21):

Genau! Das Problem ist aber, dass die meisten Menschen viel zu empfindlich sind, und wegen sich eines Missverständnisses nicht mehr in einem Forum blicken lassen. Da wird noch einiges zu tun sein, damit diese Menschen lernen, wie sie sich verhalten sollten


Jean-Pol Martin antwortete am 08.12.00 (06:48):

Das Medium Internet verführt natürlich zu überstürtzten Handlungen:
- Wenn jemand zum Beispiel ganz stark in einem Projekt involviert ist, besteht die Gefahr, dass er seine Begeisterung auf andere projiziert und meint, alle anderen seien genauso wie er an den für ihn in der momentanen Situation besonders wichtigen Informationen interessiert. Dann bombardiert er seine Umwelt mit seinen Botschaften und "belästigt" sie, was natürlich kontraproduktiv ist. Allerdings ist es schöner, mit positiven Messages bombardiert zu werden, als mit Horrormeldungen, die man ja auch bekommt! Der Empfänger kann sich an der Begeisterung des Senders erfreuen, auch wenn er selbst diese Begeisterung nicht in voller Intensität mitempfinden kann. Irgendwann ist das Bombardement ja vorbei!
- Weniger erfreulich ist es, wenn beispielsweise im "Lernen durch Lehren"-Forum ein Schnellbesucher auf seine Arbeit aufmerksam machen will und ein Brett aufmacht, ohne sich überhaupt mit den Inhalten des LdL-Forums befasst zu haben. Meist gehe ich auf den Schnelleröffner ein und bitte ihn um mehr Informationen, aber eine Antwort bekomme ich nie, denn der Schnellschreiber interessiert sich ja nicht für uns. Aber warum soll ich mich für die Inhalte eines Schnellwerbers interessieren, wenn er nicht einmal versucht, eine Beziehung zwischen seinem Anliegen und unserem herzustellen? Natürlich ist ein solcher Schnelleintrag ungünstig für den Autor, denn er verrät mit ein paar Zeilen Eigenschaften, die man im normalen Leben lieber verbirgt, nämlich Oberflächlickeit und Rücksichtslosigkeit!

Mit diesen beiden Beobachtungen möchte ich auf keinen Fall "belehren", denn ich selbst bin am wenigsten gegenüber solchen Verhaltensweisen gefeit. Ich möchte aber beschreiben, was mir auffällt!


Jean-Pol Martin antwortete am 25.12.00 (18:30):

Irgendwie lustig ist folgender Eintrag aus dem Brett "Forum Latinum":
"Prof.Elisabeth Heinecken () schrieb am 25.12.00 (13:14):
Ist dieses Forum eigentlich ein Privatraum zum Chatten für Schüler geworden? Anfangs war ich davon ziemlich begeistert, aber jetzt wird nicht einmal mehr Latein gesprochen! Außerdem werden dauernd nur private Themen besprochen! Ich bitte um Antwort und Stellungnahme des verantwortlichen Lehrers und der Schüler!"
An diesem Eintrag wird sichtbar, wie ein hierarchischer Duktus im Rahmen des Internets deplaziert wirkt! Mit welchem Recht verlangt die Dame, die auf dem Diskussionsbrett zum ersten Mal auftaucht, "Antwort und Stellungnahme des verantwortlichen Lehrers und der Schüler".
In Diskussionsforen kann man - wenn überhaupt - erst dann Forderungen aufstellen, wenn man sich die eigene Position erarbeitet hat! Da reicht ein Professorentitel nicht (falls ich das Ganze hier richtig interpretiere...)


Ulf antwortete am 28.12.00 (15:45):

Könnte man's folgendermaßen zuspitzen?!: Erst *geben, und (höchstens) *dann nehmen ist im Netz (noch mehr als sonst auch) angesagt! (Sei denn Hilfe wird bereits angeboten, was ja auch oft genug geschieht.)


Jean-Pol Martin antwortete am 28.12.00 (16:56):

Ja, genau! Geben macht schließlich auch Spaß, oder?


Jean-Pol Martin antwortete am 20.12.01 (07:13):

Übrigens: genau dieses Thema bleibt hochaktuell! Siehe meinen jüngsten Eintrag (20.12.01) im Brett "Internet- und Projektkompetenz":

(Internet-Tipp: http://www.zum.de/Foren/ldl/threads/thread135.html#last)