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THEMA: Afghanistan-Krieg und Menschenrechte: Kants Völkerstaat
9 Antwort(en).
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Miriam
begann die Diskussion am 26.10.01 (15:08) mit folgendem Beitrag:
Hallo!
Die Verbrechen in New York und Washington werden, so wenig wie andere Massenmorde, durch irgendetwas „gesühnt“ werden können. Die Täter vom 11.September entzogen sich der Bestrafung durch ihren Selbstmord, und die Anstifter zum Mord haben viele Gesichter. Nach rechtsstaatlichen Grundsätzen sind nur überführte Anstifter und Helfer strafbar – Sympathiebekunder nicht. Entweder man ist überführt schuldig oder gilt bis zum Beweis des Gegenteils als unschuldig. Das gehört zur erklärten „Unantastbarkeit“ der Würde aller Menschen in zivilisierten rechtsstaatlichen Ländern.
Solche Rechte setzt aber ein Krieg immer außer Kraft, und auch deshalb sollte er als „Rechtsmittel“ abgeschafft werden. Verbrechen mit Verbrechen zu beantworten heißt Unschuldige in großer Zahl töten. Das ist unmenschlich – denn Menschlichkeit darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Hass mit Hass und Mord mit Mord zu beantworten macht den, der den Hasser hasst, selber zum Hasser, und den, der die Angehörigen der Mörder mordet, auch zum Mörder.
Die geschehenen Verbrechen sollte man als eine Wendemarke in der Geschichte der Menschheit ansehen, als ein Fanal, das uns aufrüttelt, ein Fundament zu schaffen, auf dem die Menschen in einer globalen Schutzgemeinschaft in Frieden leben können. Immanuel Kants Forderung nach einem globalen Völkerstaat ist aktueller denn je. Wir sollten uns zu der Menschenrechtserklärung der Uno bekennen und sie über religiöse und nationale Gebote stellen. Jede in nationaler Verfügungsgewalt angewandte militärische Macht stand bisher im Widerspruch zu solchen ethischen Grundforderungen einer übernationalen Menschlichkeit. Pauschale Gewaltanwendung nach nationalstaatlichem Gutdünken muss durch eine Uno-Polizei ersetzt werden. Diese Forderung gehört auf die Tagesordnung.
„Der Krieg ist darin schlimm, dass er mehr böse Leute macht, als er deren wegnimmt.“ (Immanuel Kant)
Viele Grüße Mriam
(Internet-Tipp: http://www.akdh.ch)
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Wigbert Benz
antwortete am 31.10.01 (09:12):
Hallo,
hier keine direkte Antwort auf Ihren Beitrag Miriam, aber die Meinung der weltberühmten indischen Schriftstellerin Arundhati Roy, die sehr gut dazu passt!!!
Beste Grüße Wigbert Benz __________________________________________________________
Krieg ist Frieden
von Arundhati Roy
Als Präsident Bush die Luftangriffe ankündigte, sagte er: „Wir sind eine friedliche Nation.“ Amerikas Lieblingsbotschafter Tony Blair (gleichzeitig Premier von Großbritannien) betete nach: Wir sind ein friedliches Volk.“
Jetzt wissen wir Bescheid. Schweine sind Pferde. Mädchen sind Jungen. Krieg ist Frieden.
Ein paar Tage später sagte Präsident Bush in einer Rede vor dem FBI: „Dies ist unsere Berufung. Die Berufung der Vereinigten Staaten von Amerika. Der freiesten Nation der Welt. Einer Nation, die sich auf fundamentale Werte gründet, gegen Hass, gegen Gewalt, gegen Mörder und gegen das Böse. Wir werden nicht weichen.“
Hier folgt eine Liste von Ländern, mit denen Amerika seit dem Zweiten Weltkrieg Krieg geführt hat, die es bombardiert hat oder in denen es zumindest in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt war: Korea (1950 bis 1953), Guatemala (1954, 1967 bis 1969), Kuba (1959 bis 1961), Belgisch-Kongo (1965), Laos (1964 bis 1973), Vietnam (1961 bis 1973), Kambodscha (1969 bis 1970), Grenada (1983), Libyen (1986), El Salvador (achtziger Jahre), Nicaragua (achtziger Jahre), Panama (1989), Irak (seit 1991), Bosnien (1995), Sudan (1998), Jugoslawien (1999). Und jetzt Afghanistan.
Bestimmt wird sie nicht weichen – diese freieste Nation der Welt. Doch welche Freiheit hält sie denn aufrecht? Innerhalb der eigenen Grenzen Redefreiheit, Religionsfreiheit, Gedankenfreiheit; die des künstlerischen Ausdrucks, der Essgewohnheiten, der sexuellen Vorlieben (na ja, bis zu einem gewissen Grad) und vieles andere, alles ganz musterhaft und wunderbar. Außerhalb der eigenen Grenzen die Freiheit zu dominieren, zu erniedrigen und zu unterwerfen – gewöhnlich unter die wahre Religion Amerikas, den „freien Markt“. Wenn also die US-Regierung einen Krieg Operation „Grenzenlose Gerechtigkeit“ tauft oder Operation „Dauerhafte Freiheit“, dann spüren wir in der Dritten Welt mehr als leichte Furcht. Weil wir wissen, dass Grenzenlose Gerechtigkeit für die einen Grenzenlose Ungerechtigkeit für die anderen bedeutet. Und dauerhafte Freiheit für die einen Dauerhafte Unterjochung für die anderen.
Die Internationale Koalition gegen den Terror ist vor allem eine Intrige der reichsten und mächtigsten Länder der Welt. Sie produzieren und verkaufen fast alle Waffen der Welt, sie besitzen den größten Bestand an chemischen, biologischen und nuklearen Massenvernichtungswaffen. Sie haben die meisten Kriege geführt, sind die Hauptverantwortlichen der modernen Geschichte für Völkermorde, Unterwerfungen, ethnische Säuberungen und Menschenrechtsverletzungen, haben unzählige Diktatoren und Despoten gefördert, bewaffnet und finanziert. (...) Und vergessen Sie nicht, dass Präsident George Bush junior und Vize-Präsident Dick Cheney beide ihr Vermögen der Ölindustrie verdanken. Allein Turkmenistan, das an den Nordwesten Afghanistans grenzt, verfügt über gewaltige Gasvorkommen und geschätzte drei Milliarden Barrel Ölreserven. Amerika hat Öl immer als Sicherheitsfrage betrachtet und mit allen Mitteln geschützt, die es für nötig erachtete. Wenige von uns bezweifeln, dass seine militärische Präsenz im Golf weniger mit seinen Sorgen um die Menschenrechte als mit seinem strategischen Interesse am Öl zusammenhängt.
Öl und Gas aus der Kaspischen Region fließen gegenwärtig nordwärts auf die europäischen Märkte zu. Geografisch bilden Iran und Russland große Hindernisse für die amerikanischen Interessen. 1998 sagte Dick Cheney – damals Chef von Halliburton, einem wichtigen Player in der Ölindustrie: „Ich kann mich an keinen Zeitpunkt erinnern, wo für uns eine Region so plötzlich strategisch so wichtig wurde wie die kaspische. Fast scheint es, als wären die Gelegenheiten über Nacht entstanden.“ Wie wahr. (...)
Quelle: DER SPIEGEL 44/2001, S.182-188. – Auszug aus dem Essay der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy, die mit ihrem 1996 veröffentlichten Roman „Der Gott der kleinen Dinge“ weltberühmt wurde und als politisch engagierte Interessensvertreterin der Dritten Welt gilt
Weitere Zitate aus dem SPIEGEL-Essay von Arundhati Roy:
„REGIERUNGEN VERWENDEN FLAGGEN ERST, UM DIE HIRNE DER LEUTE LUFTDICHT EINZUWICKELN – UND DANN, UM SIE ALS FEIERLICHE LEICHENTÜCHER ÜBER DIE TOTEN ZU BREITEN.“
„FÜR JEDEN TERRORISTEN STERBEN HUNDERTE UNSCHULDIGER ZIVILISTEN. UND AN DEREN STELLE TRETEN EIN PAAR KÜNFTIGE TERRORISTEN. WIE SOLL DAS ENDEN?“
„NACH DREI JAHREN ANHALTENDER DÜRRE EIN AIRLINE-MAHL VOM HIMMEL HOCH IN DSCHALALABAD! DAS NIVEAU DER KULTURELLEN DUMMHEIT, DAS FEHLENDE VERSTÄNDNIS DAFÜR, WAS MONATELANGER, ERBARMUNGSLOSER HUNGER UND BITTERE ARMUT WIRKLICH BEDEUTEN, DER VERSUCH DER US-REGIERUNG, NOCH DURCH DAS ÄUSSERSTE ELEND DAS EIGENE SELBSTVERSTÄNDNIS AUFZUBESSERN, LÄSST SICH NICHT IN WORTE FASSEN.“
(Internet-Tipp: http://www.historiker.de/Wigbert.Benz)
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James
antwortete am 02.11.01 (21:38):
Es gibt viele Meinungen und Deutungen... Die Kernfrage lautet: Wie wollt Ihr Beiden das heutige Problem Terrorismus konkret für die Zukunft LÖSEN? Was habt ihr für Aktionspläne für eine Problemlösung? Allgemeinplätze oder Nebenschauplätze mit dem Beigeschmack von Täterschutz reichen nicht...
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James
antwortete am 02.11.01 (21:43):
FBI Websites Document Evidence Against Bin Laden http://usinfo.state.gov/topical/pol/terror/99129502.htm
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Wigbert Benz
antwortete am 03.11.01 (09:11):
Hallo James,
du fragst, was konkret zu tun wäre, um das Problem Terrorismus zu lösen und wirfst Miriam und mir dann vor: "Allgemeinplätze oder Nebenschauplätze mit dem Beigeschmack von Täterschutz reichen nicht." Donnerwetter: Die Unterstellung mit dem "Täterschutz(!)" hast du aber clever untergejubelt. Weder im Eingangsbeitrag von Miriam mit dem Bezug zu Kants Völkerstaat ist dvon die Rede, noch in dem von mir zitierten Beitrag der unabhängigen indischen Autorin Arhundati Roy, einer sowohl von Bush als auch von Bin Laden unabhängigen Stimme der viel zu wenig beachteten "Dritten Welt". Ich verstehe Arundhati Roy so, dass sie uns zwei Erkenntnisse nahe bringen will: 1.) Die unglaubliche Kriegspropaganda stellt die Tatsachen derart auf den Kopf, dass zum Schluss der Krieg als friedenspolitische Maßnahme erscheinen soll – daher der Titel: „Krieg ist(!) Frieden“. 2.) Tatsächlich handelt es sich selbstverständlich um Krieg, und zwar um einen bei dem handfeste materielle Interessen eine Rolle spielen. Ein solcher Krieg aber kann nur geführt werden, wenn er der Bevölkerung als Menschenrechtsaktion verkauft wird. Dieser Hinweis ist bitterernst zu nehmen. Ich erinnere an folgende erfolgreiche geschichtspolitische Propagandamaßnahme:
In der VERGANGENHEIT waren Militärminister KRIEGSMINISTER (oder Wehrminister).
In der GEGENWART heißen Militärminister VERTEIDIGUNGSMINISTER.
In der ZUKUNFT haben wir sie vielleicht als FRIEDENSMINISTER zu titulieren.
Was können wir tun? Es nicht so weit kommen lassen! Wie? Indem wir nichts, aber auch gar nichts an Rechtfertigungen für diesen und andere Kriege gelten lassen, und unsere Meinung auch überall kundtun, ohne taktische Zugeständnisse, ohne falsche Solidarisierungen mit irgendeiner Seite. Dazu sind wir zu ohnmächtig? Nein, jedenfalls nicht von vornherein. Wenn die Kriegsparteien sich nicht um die öffentliche Meinung zur „gerechten“ Sache Ihres Krieges „sorgen“ würden, dann wären wir ohnmächtig. Aber das ist nicht so. OHNE UNSERE AKZEPTANZ (bzw. der eines ausreichenden Teils der Bevölkerung) KANN DER KRIEG NICHT GEFÜHRT WERDEN. Vor einer unzureichenden Massenakzeptanz hatte die Nato schon im Jugoslawienkrieg größte Befürchtungen. Also: Mund aufmachen, nicht stillhalten!
Gute Wünsche und viele Grüße Wigbert Benz
(Internet-Tipp: http://www.politische-bildung.de)
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stefan
antwortete am 03.11.01 (11:27):
Ja, machen wir den Mund auf!
Aber wo waren die, die sich heute so laut um den Frieden mühen als das Talibanregime Weltkulturerbe der UNO zerstört hat??? Nicht wir haben diesen Krieg angefangen. Die Zerstörung von Weltkulturerbe in Afghanistan, die Zerstörung des WTC, der Völkermord im Sudan, brennde christliche Kirchen in vielen islamischen Ländern das geschieht durch religiöse Fanatiker, welche uns vernichten wollen. Klar kann man das alles auf die Kolonialpolitik und die Ausbeutung der dritten Welt schieben. Aber so einfach ist das nicht. Das Vermögen Osama bin Ladens hätte locker ausgereicht um Afghanistan aufzubauen und alle Menschen dort ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Die sowjetischen Truppen haben schon vor mehr als zehn Jahren ddas Land verlasen. Aber er verwendet sein Geld nicht um Gutes zu tun, sondern bildet Terroristen aus, welche ein abscheuliches Verbrechen begehen und ruft anschließend ALLE(!) Muslime dieser Welt zum Dschihad gegen die Christen und Juden auf. Warum? Ich kann es mir nicht so recht erklären. Wenn ich der Meinung wäre, mir, meinem Volk, meinen Glaubensbrüdern geht es schlecht, dann versuche ich nicht einen Krieg anzufangen, sondern versuche, mein Land und meine Glaubensbrüder so gut es geht zu unterstützen, außer mein Ziel ist die Bekehrung der ganzen Welt zu meinem eigenen Glauben mit Feuer und Schwert.
Uns allen geht es auf dieser Welt am Besten, wenn überall Frieden herrscht!!!
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James
antwortete am 03.11.01 (17:57):
Hi, ich bin auch gegen Krieg...und auch gegen Terrorismus. Also was tun? Warten bis die Terroristen wieder einen Anschlag verüben? Warten, warten, warten? Das kennen wir von Jugoslavien... Diese Abwarte-Strategie ist bekanntlich nicht aufgegangen. Vorbeugung als Aktion ist gut...nur was ist aktuell zu tun? Können wir ein Zielkonsens formulieren? Ist die Zielsetzung "Terrorismus beenden" angemessen... Grüsse James
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Miriam
antwortete am 03.11.01 (18:30):
Hi James,
zu Jugoslawien...wenn man dort die Organisation für Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hätte in Ruhe arbeiten lassen statt Nato-Bomben über Jugoslawien abzuwerfen, stünde der Balkan, einschließlich Mazedoniens, heute besser da...Und neben Milosevic gehören auch die Führer der UCK vor das Kriegsverbrechertribunal...
Hi Stefan,
deine Kritik an dem verbrecherischen Taliban-Regime ist vollkommen richtig. Aber dein Vorwurf, dass wir dagegen nicht protestiert hätten, ist daneben. Überall auf der Welt wurde das Taliban-Regime zu Recht an den Pranger gestellt, gerade wir von der Frauenbewegung machten unseren Mund gegen die Unterdrückung der Frauen in Afghanistan und anderes Unrecht auf. Die Proteste führten zur weltweiten Ächtung des Regimes. Ist das alles an dir vorbeigegangen?
Viele Grüße an euch beide Miriam
(Internet-Tipp: http://www.h-ref.de)
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stefan
antwortete am 05.11.01 (20:46):
Nein ist es nicht! Ich habe Dich auch nicht persönlich gemeint. Ich habae nur das Gefühl, dass sich jetzt viele Leute aufregen über diesen Krieg, ohne dabei sehen zu wollen, dass der Konflikt bereits vor dem 11. September bestand. Das Talibanregime tritt Menschenrechte mit Füssen (insbesondere die der Frauen) und lässt jede Toleranz gegenüber anderen Religionen vermissen.
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wolfgang
antwortete am 10.11.01 (00:13):
1.)Im 5.Buch Mose 24, Vers 14-19 sind Lebensregeln Israels aufgeführt: Eine davon lautet: Wenn einer ein Verbrechen begangen hat, auf das die Todesstrafe steht, darf nur er selbst dafür bestraft werden, nicht seine ganze Familie. Eltern sollen nicht für ihre Kinder und Kinder nicht für ihre Eltern mitbestraft werden.
Und nun Ihr Christen? Und nun Ihr Israelis?
2.)Afghanistan ist seit über 15 Jahren Testgelände für Minen, Raketen und Granaten. Die sinds gewöhnt. Der amerikanischen Wirtschaft gehts schlecht. Lasst doch Bush seine (Militär-) Industrie ankurbeln. Bushs Popularität steigt Tag für Tag. Und als Politiker muss es ihm vor allem darum gehen:die Wiederwahl.
3.)Unter den 500.000 Flüchtlingen finden sich sicher wieder einige, die als Terroristen eine Rechtfertigung für das Ganze liefern werden.
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