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THEMA:   Stell Dir vor es ist Krieg ...

 3 Antwort(en).

Aristoteles begann die Diskussion am 23.06.03 (10:08) mit folgendem Beitrag:

Wer kann mir mit dem vollständigen Zitat (Brecht) und idealerweise auch mit der Fundstelle weiterhelfen? Herzlichen Dank!


alias234 antwortete am 23.06.03 (18:49):

"Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin - dann kommt der Krieg zu Euch! Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat."

Bertolt Brecht (1898 - 1956), eigentlich Eugen Berthold Friedrich Brecht, deutscher Dramatiker, Lyriker, Erzähler und Regisseur

http://www.zitat.net/
Suchbegriff: "vor, es ist krieg"

Aber auch dieses Zitat stammt - laut einem Artikel in der Zeit - gar nicht von Brecht, sondern wurde sinnentstellend vor ein Brechtgedicht montiert:
-----------------------zitat------------------------------
"Sometime they'll give a war and nobody will come - diesen von den Friedensfreunden aufgegriffenen Satz schrieb der Dichter Carl Sandburg 1936 in seinem Gedichtband The People, Yes. Um die Aussage in ihr Gegenteil zu verkehren, dichtete ein anonymer Autor die Zeile "... dann kommt der Krieg zu euch" dazu und montierte das Ganze vor eine Passage aus Brechts Koloman Wallisch Kantate. In der geht es aber überhaupt nicht um einen Krieg - sie ist dem österreichischen Revolutionär Koloman Wallisch gewidmet, der 1934 bei den Arbeiteraufständen ums Leben kam. Erst ab der Zeile "Wer zu Hause bleibt ..." handelt es sich also um ein Brecht-Zitat."

(Internet-Tipp: http://www.zeit.de/2002/06/Wissen/200206_stimmts_brecht.html)


alias234 antwortete am 23.06.03 (18:57):

und nochmals ausführlich:
---------------zitat--------------------------
"Die erste Zeile des erfundenen Zitats "Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin" ist eine Abwandlung einer Zeile aus dem 1936 veröffentlichten Roman "The People, Yes" des
amerikanischen Schriftstellers und Poeten Carl Sandburg (1878-1967). Ein kleines Mädchen äußert darin beim Vorbeiziehen einer Truppenparade die hypothetische Überlegung: "Sometime they'll give a war and nobody will come"1 (deutsch: "Einmal werden sie einen Krieg geben, und keiner wird kommen"). "Groucho" (Julius Henry) Marx (1895-1977) von den legendären "Marx Brothers" behauptete allerdings in seiner Autobiografie "Groucho and Me", dass Carl Sandburg zahlreiche Anekdoten und Zitate gesammelt habe und diesen Ausspruch wiederum von seinem amerikanischen Schriftsteller-Kollegen Thornton Wilder (1897-1975) übernommen haben soll. ? Die zweite Zeile "dann kommt der Krieg zu Euch" ist auf jeden Fall eine freie Erfindung unbekannter Herkunft. "....

übrigens:

Infos durch GOOGLE gefunden mit
"stell dir vor, es ist krieg" brecht

Ist das Internet nicht eine wundervolle Einrichtung?
Ich lerne immer wieder Neues dazu.

(Internet-Tipp: http://f24.parsimony.net/forum58160/messages/1978.htm)


alias234 antwortete am 04.07.03 (22:42):

Interessant, dass Brecht in dem Teil, der WIRKLICH von ihm stammt NICHT von Krieg, sondern von KAMPF redet.

Er meint hier den Arbeitskampf oder den Kampf für eine gerechte Sache, der nicht von physischer Gewalt begleitet sein muss.

Der Teil des Gedichtes, der von Brecht stammt lautet:

"Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat"

Hier kann jeder Streik der Metallarbeiter für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen gemeint sein.

Man sieht:
Besonders tote Dichter werden gerne zu Rechtfertigung der eigenen Ziele und Meinungen eingesetzt und nissbraucht. Jedes Zitat muss zuück in den Zusammenhang gestellt und daraufhin untersucht werden, inwiefern es manipulativ entstellt und benutzt wird.