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THEMA: Briefzensur im Nationalsozialismus
2 Antwort(en).
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Kuddel
begann die Diskussion am 02.06.05 (13:25) mit folgendem Beitrag:
Hallo,
ich möchte gern wissen ob jemand weiß, inwiefern Briefe- Privatbriefe in um 1937, die von Deutschland nach England oder in die USA verschickt wurden zensiert worden sind.
vielen Dank!
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Joan
antwortete am 02.06.05 (16:00):
Hallo Kuddel,
speziell zu Amerika oder England kann ich nichts sagen, aber zur Briefzensur im Allgemeinen, allerdings vermutlich auch erst später, nämlich 1939.
In ihrem Buch "Schlage die Trommel und fürchte dich nicht" schreibt Maria Gräfin von Maltzan auf der S. 128 (der Taschenbuchausgabe):
"Noch bevor Hitler am 1. September 1939 den Angriff auf Polen eröffnen ließ, wurde die Briefzensur eingeführt. Auf Grund meiner Sprachkenntnisse wurde ich, wie viele andere Frauen und Mädchen auch, dazu eingezogen. Acht und mehr Stunden saß ich nun pro Tag im Kaisersaal am Zoo und las peinlich berührt anderer Leute Post. Ein jeder von uns war für ganz bestimmte Buchstabenreihen und innerhalb derer wiederum für eine ganze Reihe kartei- und listenmäßig erfasster Namen zuständig. Die ein- und ausgehende Korrespondenz eines davon Betroffenen gelangte damit zur Gänze immer zwangsläufig in die Hände seines "Prüfers". Was gemäß der Richtlinien, die wir hatten, von uns als unverfänglich eingestuft wurde, durfte weiter seinen postalischen Weg gehen. Alles andere mussten wir melden."
Joan
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buerste
antwortete am 03.06.05 (12:49):
Hallo Kuddel,
habe folgendes Beispiel für Postzensur aus dem Jahr 1936 entdeckt:
"Bei den Olympischen Spiele war eben die Welt zu Gast in Berlin. Um sich vor unangenehmen Überraschungen zu schützen, hatte das Reichssicherheitshauptamt (RSH) eine allgemeine Postzensur für die Olympiateilnehmer eingeführt.
Auf dem Postamt Charlottenburg wurden die eingehenden Briefe gesichtet und, falls sie auf politische Zustände in Deutschland hinwiesen, aus dem Verkehr gezogen. Die Bildberichterstatter sollten nur fotografieren, was in das Muster der NS-Propaganda passte. Hier schritt Goebbels zur Vorzensur. Nur deutsche Pressefotografen waren offiziell zugelassen. Ausländische Fotografen durften sich aus einem Pool vorsortierter Bilder bedienen."
(http://www.mahnung-gegen-rechts.de/pages/staedte/Albstadt/pages/neuenHerrn.htm)
... und hier noch etwas über Bischof Faulhaber, wo im Zusammenhang mit der Gleichschaltung der Länder im Jahr 1934 bereits von "Briefzensur" die Rede ist (den URL findest du unten):
"Als Hitler schließlich 1933 an die Macht kam, ließ auch Faulhaber sich zunächst von der Rechtmäßigkeit dieses Vorgangs und den betont kirchenfreundlichen Äußerungen Hitlers in seiner programmatischen Rede vom 23. März täuschen. Dennoch begriff auch er schnell die Notwendigkeit des Konkordats mit den neuen Machthabern, da diese sich gerade in Bayern besonders willkürlich auch gegen die katholische Kirche gebärdeten.
Die vier Predigten über die Lebenswerte des Alten Testaments im Advent 1933 erzielten als - wenn auch indirekter - Protest gegen die nationalsozialistische Weltanschauung und ihre Herabsetzung des Alten Testaments eine große Öffentlichkeitswirkung.
Als bei der Gleichschaltung der Länder 1934 die Münchener Nuntiatur einfach abgeschafft wurde, übernahm er auch deren Aufgabe der Berichterstattung nach Rom, wobei er durch einen privaten Kurierdienst geschickt die Briefzensur umging. Dadurch wurde er zu einem der wichtigsten Ansprechpartner Pacellis in Deutschland, oft unter Umgehung des Berliner Nuntius.
Auch die Denkschrift des deutschen Episkopats vom August 1935 (s.u.) formte er entscheidend mit.
Erst am 4.11.1936 kam es zu dem daraufhin zugesagten Gespräch mit Hitler auf dem Obersalzberg, in dem es Hitler gelang, sich als gottesfürchtigen Staatsmann zu präsentieren und Faulhaber über seine wahren kirchenpolitischen Ziele im Unklaren zu lassen. Kardinal Faulhaber starb schließlich, immer noch im Amt, nach den Wirren der Kriegs- und frühen Nachkriegszeit am 12.6.1952 in München."
Gruß
Bürste
(Internet-Tipp: http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/thi/3293.html)
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