DAS RÖMERHAUS VON KAISERAUGST -
BRIEF DES RUFUS AN GAIUS ÜBER SEINEN UMZUG


Das Roemerhaus von Kaiseraugst von aussen

Lieber Gaius,


ich will Dir jetzt von meiner neuen Heimat Augusta Raurica erzählen. Das Schöne hier ist, daß nicht nur wir Römer uns an die griechisch-römische Kultur halten, sondern auch die hier lebenden Kelten.

Doch jetzt erzähle ich Dir erst einmal von meinem neuen Haus. Es besteht hauptsächlich aus Stein und Mörtel. Der Boden, der teilweise mit Mosaiken verziert ist, besteht aus Ziegelschrot und Kalk. Aus letzterem sind übrigens auch die Tragsäulen. Die Türschwellen, die aus rotem Sandstein sind, passen sehr gut zu meinem aus mehreren Holzarten hergestellten Dachgebälk. Das Dach ist mit Leistenziegeln gedeckt.

Grundriss des Roemerhauses

Mein Speisezimmer ist durch die wunderbaren Wandmalereien so richtig hübsch geworden. Das schönste Wandbild ist eine schwebende Frau, die auf gelbem Untergrund entstanden ist. Die neue Eßliege paßt hier gut dazu. Auch ein Tischchen, auf das die Haussklaven die vielen Speisen stellen, habe ich neu gekauft. Dass ich im Winter nicht frieren werde, habe ich mir neulich eine Feuerschale angeschafft. Auch Stühle und einige Vasen habe ich aufstellen lassen.

Vom Speisezimmer aus habe ich einen schönen Ausblick auf meinen Nutzgarten. Ich pflanzte viele Pflanzen in ihn. Unter anderem sind Brombeersträucher, Dill, Fenchel, Feigenbäume, Heilplanzen wie Baldrian und Küchenkräuter wie Lorbeer und Salbei vorhanden.

Es gibt in Augusta Raurica nicht nur Nutzgärten, viele Leute haben lieber Ziergärten. Einen will ich Dir jetzt beschreiben. Er ist wundervoll angelegt. In ihm blühen z. B. Zypressen, Schwertlilien und Osterglocken. Wenn ich an dem Tischchen auf dem gepflasterten Weg sitze, den Brunnen plätschern höre und die von Buchs umringten Figuren sehe, denke ich immer an das Paradies.

Jetzt aber genug mit Schwärmereien. Denn ich will Dir jetzt von meiner Küche erzählen. Sie besteht aus einem Herd mit geschmiedetem Eisenrost, einer ebenerdigen Kochstelle und aus einem Backofen. Natürlich habe ich auch Kochgeschirr, das aus Ton, Bronze, Glas oder aus Eisen hergestellt ist. Eben eine ganz normale römische Küche.

WILLST DU WISSEN, WAS ICH SO TREIBE?

Heute haben mir meine Haussklaven ein gutes Essen zubereitet. Als ersten Gang gab es Eierspeisen und rohes oder gekochtes Gemüse wie Spargel, Gurken und Kürbisse. Der Hauptgang bestand aus Fleisch. Dazu gab es Wein mit Wasser vermischt. Der letzte Gang enthielt Süßigkeiten und Obst.

Heute nachmittag habe ich dann in meinem Bad gebadet. Zuerst war ich im tepidarium, dem Warmbad, und gleich darauf saß ich in meinem Lieblingsbad, dem caldarium (Heißbad), wo ich mich richtig schön entspannen konnte. Ich finde es gut, daß ich so richtig schwitzen kann. Dazu trägt die Bodenheizungsanlage bei. Sie wird, wie Du weißt, durch Heißluft unter dem Fußboden und in Wandröhren betrieben.

Danach kühlte ich mich im frigidarium, dem Kaltbad, ab, was mir auch richtig gut tat. Das frigidarium ist besonders interessant, denn an der Gewölbedecke und an den Wänden habe ich Wandmalereien anbringen lassen. Über einer roten Sockelzone wölbt sich eine tiefblaue Meereslandschaft mit vielen Delphinen, Muscheln, Schwert- und anderen Fischen in lockerer Anordnung.

Wenn ich das Bad verlasse, fällt mein Blick gleich auf das Lararium, den Hausaltar. Er steht natürlich auch hier im privaten Bereich an erster Stelle. Neulich habe ich bei einem Händler Bronzestatuen von Lar, dem Hausgott, Juppiter und Mars erstanden.

Viele Leute verehren hier auch Merkur, den Handelsgott, was in einer Handelsstadt wie Augusta Raurica sicher von großer Bedeutung ist. Aber die Verehrung Merkurs ist wahrscheinlich auf die vielen romanisierten Kelten zurückzuführen, die hier leben, denn Merkur ist auch dem keltischen Hauptgott gleichgesetzt worden und damit auch ein keltischer Gott.

Beim Lararium bringen wir jeden Tag Opfer für diese Götter dar und auch für die Penaten, die Geister der Ahnen, damit sie meine Familie und mich beschützen.

ICH HABE GESCHÄFTE VERMIETET!

Wie Du weißt, bin ich Händler, und deshalb gibt es in meinem Haus einen Laden, den man von der Straße betreten kann. Ich besitze auch eine Schnellwaage mit drei Aufhängepunkten, mit der ich Lasten von 1-76 römischen Pfund wiegen kann.

Außerdem habe ich zur Straße hin eine kleine Taverne vermietet. Das ist eine Goldgrube. Die Leute futtern ja so gerne. Es gibt einen Schanktisch mit Tonbehältern, in denen Speisen wie z. B. Fischsuppe warmgehalten und verkauft werden, außerdem Krüge mit Wein, die an den Deckenbalken hängen.

UND SONST?

Gestern habe ich meinen neuen Nachbarn besucht. Er hat ein wunderschönes Mosaik im Speisezimmer. In der Mitte ist ein Springbrunnen, um den einige Fische herumschwimmen. Ein anderes wird von einem Flechtband eingefaßt. Mein Nachbar erklärte mir, daß es einen Gladiatorenkampf darstellt. Er kann es sich leisten!

Da er auch ein glücklicher Hausbesitzer ist, konnte er mir seine vermieteten Werkstätten zeigen, z.B. eine Fleischsiederei, welche aus einem Herd und aus einer Räucherkammer besteht. Der Herd ist von einer halbrunden Ziegelmauer eingefaßt, und das Feuer brennt auf dem Ziegelplattenboden. Die Räucherkammer hat einen Rauchabzug. Es werden Würste, Schinken und Speck durch Rauch konserviert und bis nach Rom und Gallien exportiert. Mein Nachbar macht eben gute Geschäfte!

Auch eine Käserei konnte ich besichtigen, und gleich darauf bekam ich einen Schmied zu Gesicht. Er stellte gerade Bleiröhren für die Trinkwasserversorgung her. Dann kamen wir zu der letzten Werkstatt, einer Schuhmacherei.Hier konnte ich jedoch nur den Kasten des Schuhmachers sehen.

Lieber Gaius, ich hoffe das ich Dich mit diesem Brief ein wenig neugierig gemacht habe, so daß Du mich bald besuchen kommst.


Bis bald, und alles Gute


Dein Rufus