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Numbers

Den Tod im Blick

Rachel Ward, Chicken House (2010), 350 Seiten

Numbers - Cover
Die 15-jährige Jem ist elternlos und lebt in der Obhut der Pflegemutter Karen in London. Der Vater hatte die Mutter schon in der Schwangerschaft verlassen, mit 7 Jahren starb die drogenabhängige Mutter an einer Überdosis. Seitdem hat Jem ein unstetes Leben und Schwierigkeiten, sich in immer neue Schulumgebungen einzufügen. Dafür gibt es aber noch einen anderen Grund: Sie kann in den Augen ihres Gegenübers dessen Todestag lesen, in ihrem Kopf erscheinen dann die "Numbers". Der Tod der Mutter und einige andere Erfahrungen mit dem Tod haben ihr dieses Geheimnis offenbart.
Das ist nun die interessante Ausgangssituation des Debut-Romans von Rachel Ward.
1. Was macht das Mädchen mit dieser Gabe?
2. Was macht diese Gabe mit ihr?
Sie weiß selbst, dass es nicht richtig ist, irgendjemandem sein Todesdatum zu nennen, weil sie damit in dessen Leben eingreift und es nachaltig - und zwar zum Schlechten - verändern würde.
Und sie weiß, dass diese Gabe für sie ein Fluch ist, denn wie kann man mit einem Wissen leben, das (fast) alle Menschen wissen wollen aber nicht wissen sollten.
So prägt dieses Dilemma ihre Verhaltensweisen: Sie vermeidet Blickkontakt, sie meidet überhaupt Menschen und sucht einsame Plätze auf.
Das ist sozusagen die Exposition des Romans.
Eines Tages im Herbst tritt nun ein Klassenkamerad in diese Welt ein, er ist 15, wird "Spinne" genannt, weil er so lang und schlaksig und hippelig ist, er ist ein Problemfall in der Schule und lebt bei seiner Ketten-rauchenden Großmutter Val. Auch er ist ein Außenseiter, ein schulischer Problemfall, von schwarzer Hautfarbe - also ein so genannter Farbiger - und: Er wird, so steht es in seinen Augen, in wenigen Wochen sterben: 15122010.
Die Handlung beginnt.
Jem versucht ihn zu meiden, er sucht ihre Nähe, sie werden Zeuge eines terroristischen Anschlages auf das Londoner Riesenrad (London Eye), und da sie beim Davonlaufen gesehen werden, ist die Polizei und der Sicherheitsapparat hinter ihnen her. Aber nicht nur die, sondern auch die Drogen-Mafia, denn Spinne hat das Geld, das er nach einem Kurierdienst hätte abliefern sollen, behalten. Mit diesem Geld und einem gestohlenen Auto - ausgerechnet das ihres verhassten Lehrers - machen sie sich auf die Flucht. Die ist natürlich spannend und chaotisch und dabei verlieben sie sich auch endlich und es kommt zu einer glücklichen Nacht im Stroh.
Danach aber kommen die Krise und die Katastrophe. Der Verfolger sind zu viel, Spinne fällt der Polizei in die Hände, Jem rettet sich in eine Art "Kirchenasyl" in einer alten römischen Bäderstadt im Südosten Englands ...

Das Buch ist spannend, eröffnet sehr lohnenswerte Gedanken über soziale Außenseiter und auch über Vorsehung, Freiheit und die Grenzen unseres Wissen-Wollens. Mit 350 Seiten ist es noch überschaubar. Dennoch hatte ich als Leser zwischendurch das Gefühl, dass es sich etwas in die Länge zieht und die Tiefe der Thematik irgendwie verschenkt wird.
Die Geschichte wird aus der ICH-Perspektive von Jem erzählt, folglich auch in deren Sprache, die ist schlicht und eintönig. Der Leser muss sich daran gewöhnen, dass anfänglich auf jeder Seite entweder "Scheiße" oder "verpissen" oder "Arsch" oder so etwas ähnliches vorkommt, ein Sprachproblem, mit dem meiner Ansicht nach auch die Übersetzung nicht ganz zurecht kam.

Fazit: Der Roman hat wohl schon eine zahlreiche Leserschaft gefunden und eine Fortsetzung ist in diesem Jahr erschienen, sozusagen Nummer 2.
Ich würde dem interessierten Leser (dem Schüler und der Schülerin, z.B. für Referate) einen Vergleich mit Wolfgang Herrndorfs Roman "Tschick" (2010) vorschlagen. Auch hier sind zwei Jugendliche mit einem geklauten Auto unterwegs, auch hier spricht ein schnoddriger Ich-Erzähler in seinem Jargon, auch hier sind die Familienverhältnisse sprichwörtlich zum Davonlaufen - aber es geht ohne Esoterik und außerdem kann Herrndorf schreiben!

verfasst von Klaus Dautel am 23.10.2011 | 4890-mal gelesen

Fachrichtungen: Ethik Englisch Deutsch


Kommentare zu dieser Rezension

Karl Kirst schrieb am 05.11.2011:

Siehe auch die Rezension zu "Tschick": http://www.zum.de/buch/index.php?controller=front&action=view&id=339


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