Unterrichtseinheit Gefährdete Lebensräume
 
Das Leben der Nomaden im Sahel

EK

Das Alarmsignal „Die Wüste wächst!“ müsste eigentlich viele umweltbewusste Menschen aufschrecken, denn:

Die Sahara ist im Sahel, der Übergangszone zwischen Savanne und Wüste,

und ist gewachsen.


Ist ein solches Anwachsen auf falsche menschliche Nutzung zurückzuführen, so spricht man von einer DESERTIFIKATION (engl. desert = Wüste).


Den Vorgang der Desertifikation finden wir im Bereich der Tropen, hauptsächlich in den Dornsavannen. Hier wird Landwirtschaft betrieben, obwohl
es nur zwei bis vier Monate im Jahr feucht ist und die Niederschläge nur sehr unregelmäßig fallen.




Der Nomadismus ist im Grunde genommen die beste Form der Anpassung an die natürlichen Bedingungen eines Trockenraumes. Die Nomaden wandern als Vieh-züchter mit ihren Herden, bestehend aus Kamelen, Rindern, Schafen oder Ziegen viele Kilometer von Weideplatz zu Weideplatz. Da die guten Weidegebiete und na-türlichen Wasserflächen oft weit voneinander entfernt sind, ist es wichtig, die Tiere immer wieder mit Wasser versorgen zu können. Kamele können zwar lange ohne Wasser auskommen, auch Ziegen können Durst aushalten, aber Rinder und Schafe müssen täglich mit Wasser versorgt werden. Wenn die Herden nicht zu groß sind und der Weideplatz ständig gewechselt wird, kann sich die hier spärliche Vegetation wieder erholen.

Warum kam es aber im Sahel in den letzten 20 Jahren zweimal zu einer Dürrekatastrophe, bei der jedes Mal viele Tausende Menschen und Tiere starben?

Ein auslösender Faktor war, dass die Nomaden nach mehreren Jahren, in denen es besonders viel geregnet hatte, ihre Herden stark vergrößerten. Sie konnten Vieh günstig verkaufen, weil in den Küstenstädten Westafrikas, der Nahrungsbedarf einer wachsenden Bevölkerung stieg. Die Entwicklungshilfe finanzierte außerdem den Bau vieler Tiefbrunnen, die von allen genutzt werden konnten. Die Nomaden glaubten sicher sein zu können, dass immer genügend Wasser zur Verfügung stehen würde, und viele Nomaden vergrößerten deshalb ihre Herden. Als dann aber einige Jahre hintereinander die Regenzeit nicht genügend Niederschläge brachte, kam es zur Katastrophe. Die sowieso schon spärliche Vegetation der Weideplätze wurde zum einem bis in den Bereich der Pflanzenwurzeln abgefressen und zum anderen von den Tieren zertrampelt. Die Pflanzen konnten sich davon nicht mehr erholen. Jetzt konnten Wind und Wasser den Boden zerstören, es kam zu großflächigen Bodenerosionen.

Aus der Savanne wurde Wüste, als eine Folge der Überweidung


Ein weiterer Grund für die Desertifikation einer Savanne ist der Ackerbau. Als Bei-spiel dafür gilt das Gebiet von Saouga in Burkina Faso. In diesem Lebensraum eignen sich die meisten Flächen nur für die Viehzucht, nur einige wenige sind für den Anbau von Hirse geeignet. Trotzdem hat man in den letzten Jahrzehnten die Flächen für den Ackerbau erweitert, auch dann, wenn sie dazu nicht geeignet waren. Zwei Gründe zeichneten dafür verantwortlich, die Bevölkerung war gewachsen und in diesem Gebiet lebende Nomaden versuchten sesshaft zu werden und Hirse anzubauen. Als nachteilig stellte sich heraus, dass das Getreide nicht ausreichendgedüngt werden konnte, deshalb nur schlecht wuchs und der Boden ohne Düngung schnell erschöpft war. Man zog immer neue Flächen zum Anbau von Hirse heran, das andere Land blieb brach liegen. Doch ehe sich eine neue schützende Grasnarbe bilden konnte, griff der Wind das frei gelegte Land an und der Dünensand begann zu wandern.

In anderen Teilen der Sahel hatte sich folgendes ereignet. Das Grundnahrungsmittel der sesshaften Savannenbewohner ist die Hirse. Seit einigen Jahren werden die Böden der fruchtbarsten Gebiete der Savanne immer mehr für den Anbau sog. „cash crops“ benutzt. Diese Produkte, dazu gehören z. B. Erdnüsse und Baumwolle, können von den dortigen Bauern auf dem Weltmarkt gut verkauft werden. Beide Pflanzenarten stellen allerdings hohe Anforderungen an den Boden, die Baumwolle zusätzlich noch an das Klima. Hirse wird nur noch als Zwischenfrucht angebaut. Da mit dem Anbau und Verkauf von Hirse weniger Geld verdient wird, wird der Anbau dieser Getreideart immer weiter in den Norden, in den Lebensraum der Nomaden verschoben. Dadurch verlieren die nomadisch lebenden Stämme ihre Rückzugsgebiete bei Dürre, ihre Lebensbedingungen haben sich somit verschlechtert.

 

Warum ist eine lang andauernde Dürreperiode gerade in diesen extremen Klimazonen so gefährlich?

Normalerweise treten Dürrezeiten in den ariden Klimazonen der Erde immer wieder auf. Durch Ausbleiben oder einer Verzögerung der Regenzeit werden solche Gebiete in einen wüstenähnlichen Zustand verwandelt. Tritt die Regenzeit ein, erholt sich die Vegetation wieder.

In der Sahelzone konnte sich die Savanne nach den großen Dürreperioden 1973 und 1983 allerdings nicht wieder erholen. Warum? Was waren die Ursachen?

Die wichtigste Ursache war der MENSCH. Er hatte durch sein Eingreifen in diesen Naturhaushalt diesen Lebensraum durch falsche Nutzung gestört, teilweise sogar zerstört.


  1. Vergrößerung der Herden.

Nomaden hatten ihre Herden vergrößert, weil es viele Jahre lang feucht gewesen ist. Als dann mit beginnender Dürre das Futter knapp wurde, wurde die Vegetation so stark abgefressen, dass die Pflanzen sich nicht wieder vermehren konnten. Der nun nackte Boden wurde durch Winderosion an vielen Stellen bis auf steinigen Untergrund abgetragen.

  1. Wanderfeldbau

Hierbei wird die Vegetation für den Anbau von Hirse abgebrannt, der Boden 2-5 Jahre ohne Düngung ausgenutzt und dann sich selbst überlassen. Da die schützende Vegetation fehlt, kann der Wind den Boden angreifen und es beginnt die Erosion.

  1. Brennholzeinschlag

Holz ist für die Bewohner der Savanne ein sehr wichtiger Rohstoff, es wird zum Kochen, für den Hausbau und zur Errichtung von Gehegen für die Tiere benötigt. Ist ein Gebiet abgeholzt, so ist kein Schatten mehr vorhanden, der das Austrocknen des Bodens verhindert, somit ist er in höchstem Maße anfällig für Erosionen. In den beiden Dürreperioden wurden zudem die noch grünen Äste abgeschlagen und als Viehfutter verwendet, d. h. die Vernichtung von Holz noch beschleunigt.


Hilfsmaßnahmen:












 © Erika Schuchardt u. Bernhard Heim - 2014