| Primaerliteratur |
| 20. Jahrh. | Deutschland | Erster Weltkrieg | [P|S|M] |
Der Kampf um die Dardanellen. (Feldpostkarte)
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Osmanen und Deutschen verteidigen gemeinsam die Dardanellen und in treuer Waffenbrüderschaft haben sie bis jetzt die besten Erfolge davongetragen. Seit dem 19. Februar unterhielten die englischen und französischen Geschwader eine regelmäßige, nur durch Witterungsverhältnisse unterbrochene Beschießung der Forts, ohne nennenswerte Vorteile zu erzielen. Am 18. März holte die feindliche Flotte zu einem gewaltigen Schlage aus, der jedoch mit einer vollständigen Niederlage der Verbündeten endete und den Worten des Freiherrn v. d. Goltz, des neuernannten Führers der türkischen 1. Armee, rechtgab, die er vorahnend am Tage vor der Schlacht aussprach:
"Einen etwaigen erneuten Angriff werden die Türken mit noch größeren Vorbereitungen abzuweisen wissen. Ich bin sicher, daß kommende Historiker die Dardanellenverteidigung als große kriegerische Leistung der Türken verherrlichen werden."
Über diese denkwürdige Schlacht erzählt ein deutscher Kampfteilnehmer in einem Feldpostbriefe, den die "Kölnische Zeitung" veröffentlichte:
"Ganz unvermutet erschienen im Lauf des Vormittags 10 englische und 4 französische Linienschiffe, von einer Unzahl Torpedobootzerstörern begleitet. Sie dampften mit geringer Geschwindigkeit durch die Einfahrt und legten sich in Bombardementstellung quer über die ganze Fahrstraße. Die dem Feinde am nächsten liegenden Batterien eröffneten das Feuer, welches die Schiffe zwang, mehr Fahrt zu machen, wodurch ihr eigenes Feuer ungenauer wurde. Endlich geht's auch durch unsere Batterie: "An die Geschütze, Panzergranaten auf das Schiff am weitesten links!" (Ein Franzose: der "Bouvet"!) Wir sehen genau, wie unsere Granaten auf ihm einschlagen. Ein Brand bricht in seinem Riesenleib aus - nun noch einen Treffer in die Seite - und er sinkt! Jetzt auf die nächsten Engländer, "Irresistible" zuerst! Um 5 Uhr neigt sich der edle Lord auf die Seite. - Nun auf den "Ocean"! Es dauert nicht lange, und auch sein letztes Stündlein schlägt. Nur noch kurze Zeit und beide Schiffe erreichen den "Bouvet" auf dem Meeresgrund.
Außer diesen drei großen Linienschiffen sind noch ein Zerstörer und ein Minensuchboot gesunken und fast alle Schiffe mehr oder weniger beschädigt. Der Überdreadnought "Queen Elizabeth" hat allein 5 Haubitzentreffer." ("Gaulois", abgeschleppt, sank noch außerhalb der Meerenge.)
Am 25. April landeten die Feinde unter dem Schutze ihrer Kriegsschiffe an 4 Punkten der Halbinsel Gallipoli eine starke Armee, die von den Türken teils durch Bajonettangriff ins Meer gedrängt, teils zum eiligsten Rückzug auf ihre Botte gezwungen wurde, von denen die Türken eine Reihe zum Sinken brachten. Nur der linke Flügel behauptet sich noch hartnäckig, geschützt vom Feuer der Kriegsschiffe. Gegen stets von neuem heranrückende feindliche Kräfte kämpften die Türken zwei Tage und eine Nacht hindurch mit unvergleichlichem Elan undverrichteten Wunder der Tapferkeit.
Eine gleichzeitig von der See aus gegen die Dardanellen gerichtete Unternehmung schlug ebenfalls gänzlich fehl. (Vier feindliche Panzerschiffe wurden dabei stark beschädigt.)
Ganz Deutschland und Österreich-Ungarn teilen die unbeschreibliche Freude, die in Konstantinopel dieser neue große Sieg auslöste, der erneut die beruhigende Gewißheit verleiht, daß die Dardanellenverteidiger nach wie vor fest und entschlossen auf ihrem Posten stehen!


| | Quelle: Privatarchiv Gudrun Decker |
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