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Pseudo-Xenophon kritisiert die attische Demokratie
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Textgrundlage:
Pseudo-Xenophon, Constitution
of the Athenians (Vom Staate der Athener), von Perseus-Projekt
Aufgaben:
1) Wie kennzeichnet Pseudo-Xenophon die beiden gesellschaftlichen Klassen Athens?
2) Beurteilen Sie die durch Pseudo-Xenophon vorgenommene Bewertung der oberen gesellschaftlichen Klasse!
Lösungsvorschlag:
ad 1) Gleich zu Beginn des im letzten Drittel des 5. Jahrhundert v. Chr. entstandenen Textes stellt der anonyme Verfasser fest, dass die unteren Klassen es wegen der Art der Staatsform in Athen offenbar besser haben als die oberen Klassen (vgl. I). Im anschließenden Absatz [2] weist er auf die Situation der Seemacht Athen hin: die Schiffe werden vom gewöhnlichen Volk gerudert und gebaut; insofern sei es richtig - wie ehrlich er dies meint, sei zunächst dahingestellt -, dass diese Leute, die der Stadt Athen viel eher als die adligen Fußkämpfer (Hoplit) zur Macht verholfen haben, auch entsprechende politische Rechte (passives Wahlrecht) und Redefreiheit bekommen (vgl. [2]).
Die eigentlich günstige, aber sicher wohl ironische Sichtweise der unteren Klassen relativiert sich in der Tat im dritten Absatz: Mit Blick auf die Praxis der Ämtervergabe bemerkt der Verfasser ein sehr eigennütziges und auf den persönlichen Vorteil bedachtes Verhalten des Volkes; nur die Ämter werden durch das Volk verwaltet, die "Sold und Nutzen ins Haus" und keine Gefahr für die Gesamtheit bringen, wenn sie in schlechten Händen sind [3]. Wichtige Ämter - "they do not think they should have an allotted share in the generalships or cavalry commands" [3] - bleiben in der Praxis bei den Vermögendsten.
Im vierten Absatz werden obere und untere Klassen jeweils mit positiven bzw. negativen Eigenschaften charakterisiert: Über die Vermögenden heißt es, sie seien das bessere Element mit gewissenhaftem Eifer für das Gute und Edle (vgl. [5]), demgegenüber im Volk ein "maximum of ignorance, disorder, and wickednesst" ([5]) - schon durch die fehlenden finanziellen Möglichkeiten gibt es eine durch Armut bedingte Tendenz zur Schlechtigkeit. Quasi naturgemäß "everywhere on earth the best element is opposed to democracy" [5].
Durch die attische Verfassung - so bemerkt der Verfassung - würde dieser Zustand einer Missordnung quasi konserviert. Als weiteren Beweis für ein solche >dysnomia< führt der Verfasser das Verhalten der Sklaven an [10]: Zuchtlosigkeit und freie Rede. Wichtig sei den Athenern allein, dass die Sklaven gutes Geld nach Hause bringen. [13]. "At least the people think themselves worthy of taking money for singing, running, dancing, and sailing in ships, so that they become wealthy and the wealthy poorer." [13]
ad 2) Die beiden gesellschaftlichen Gruppen werden in dem Text stark polarisiert dargestellt. Mit dem sprachlichen Mittel der Ironie verbrämt der Verfasser zunächst etwas seine eigentliche Meinung. Sehr schnell wird jedoch evident, dass für die oberen Klassen nahezu vorausgesetzt wird, sie würden altruistisch handeln, weil sie allein das Gesamtwohl oder Staatswohl im Auge habe, während die unteren Klassen demgegenüber egoistisch handeln würden. Dem widerspricht schon das agonale Denken als wichtigstes Lebensprinzip des Adels. Viele der angeführten Argumente - Choregie (Finanzierung eine Chores) usw. - sind eben nicht als gemeinnützige Tat zu verstehen, sondern werden von dem Wunsch getragen, immer der Beste zu sein (Prinzip: Wettkampf)
Vor allem aber tragen gerade die Adligen die Schuld an den sozioökonomischen Krisen um 600 und 500 v.Chr.; die hier bemängelte Volksherrschaft war letztlich ein von Adligen entworfener und unumgänglicher Lösungsversuch a) zur Überwindung der durch adlige Misswirtschaft verursachten Krise (Verhinderung eines Bürgerkrieges) und b) zur Vermeidung weiterer Tyrannen, die ja bezeichnenderweise aus der Oberschicht kamen und mit der Sympathie des Volkes gegen ihre adligen Mitbewerber regierten. Fazit: Die vom Verfasser getroffenen Aussagen zugunsten der oberen Klasse sind einseitig und nicht haltbar.
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