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Textgrundlagen:
Eduard
Meyer (in: Geschichte des Altertums. Bd. 3, hrsg. von H. E. Stier. 3. Aufl.
(EA: 1893) Darmstadt 1954, S. 600ff, Ausschnitte), Friedrich
Warncke (Die demokratische Staatsidee in der Verfassung von Athen. Bonn
1951, S. 53), Tuttu
Tarkiainen (Die athenische Demokratie. München 1972) und Eduard
Will (Die ökonomische Entwicklung und die antike Polis. Frankfurt a. M.
1977) über Solon; zit. nach: Udo Margedant, Die attische Demokratie. Frankfurt
a. M. 1984 (Link)
Arbeitsauftrag:
Arbeiten Sie die
unterschiedlichen Bewertungen Solons heraus und kennzeichnen Sie den Standort des
jeweiligen Autoren.
Lösungsvorschläge:
ad Meyer:
Ein hoher
Stellenwert wird der historischen Persönlichkeit "Solon" beigemessen.
Die Wirkung dieses Mannes ist nicht auf seine historische Gegenwart beschränkt,
sondern sie hält durch seine Persönlichkeit noch weiterhin an. Grund: seine
Bedeutung in seiner Zeit ("typische Verkörperung des Griechentums) und
seine Bedeutung für die Geschichte bzw. Gegenwart ("Ideale Gestalt"):
Geschichtsmächtige Individuen: Geschichte wird von großen Persönlichkeiten
gemacht.
Hervorgehoben wird
ausdrücklich, dass Solon kein Demokrat war. Die
"Vermögensherrschaft" war ("da die Privilegien der Geburt
aufgehoben waren") insofern das probate Mittel, um das Volk von der
"Teilnahme am Regiment" abzuhalten. Einfluss von Aristokratie und Adel
bleibt durch Gliederung des Volkes in Phylen gesichert.
Position Meyers erklärt sich
aus der Entstehungszeit des Textes: Monarchie (Kaisertum: Wilhelm II. mit
Selbstverständnis wie von Meyer für Solon formuliert) in Deutschland.
Ähnliche Tendenzen im Wunsch nach politischer Mitbestimmung innerhalb der
breiten Masse bzw. das Interesse der herrschenden Schichten, den "einfachen
Mann" von der Regierung auszuschließen. Auch hier: Politische Rolle an das
Vermögen gekoppelt: Dreiklassenwahlrecht in Preußen, z.T. mit größeren
Ungerechtigkeiten als bei Solon.
ad Warncke:
Kern
("Hauptgedanke") der Reformen liegt in der persönlichen Freiheit des
Individuums. Nur die Notwendigkeit des Kompromisses verhindert, dass
Solons-Verfassungswerk noch demokratischer bzw. völlig demokratisch wird.
("Überall demokratische Grundgedanken). Gleichsetzung von
"Volkswohl" und "individueller Freiheit".
Probleme: a) Möglicher
Widerspruch von kollektiven und individuellen Freiheiten. b) Wie wird Demokratie
verstanden (allein im Sinne von "gerecht"??) c) persönliche Freiheit
wegen Lastenabschüttlung und aktiver Wahlrechte für alle Klassen in
Volksversammlung?
Verortung Warncke: U.a. die
starke Betonung des Grund- bzw. Menschenrechts auf persönliche Freiheit lässt
Vergleich mit den Umständen der Verfassungsgebung in der BRD als denkbar
erscheinen (vergleichbare Aufbruchsstimmung bzw. Lernen aus der Geschichte der
Unfreiheit)
ad Will:
Kompromisscharakter der
Reformen wird abermals betont: jedoch dahingehend, dass Rückführung der
Ländereien in die Hand des Bauern nicht nachdrücklich genug ausgeführt wurde.
Die "alte attische Bodenverteilung" wird - trotz ihrer
Ungerechtigkeiten - wiederhergestellt. Die Chance zur wirklichen Korrektur der
Ungerechtigkeiten im Sinne eines "tabula rasa" wird vertan. Die
Großgrundbesitzer werden nicht enteignet und das Land neu verteilt (im Sinne
der "Isomoiria"). Folge (nach Will): Es entsteht eine Klasse
entwurzelter Menschen, die zwar frei sind, jedoch ohne ausreichenden Grundbesitz
(Beweis: Solons Maßnahmen zur Förderung des Handels).
Verortung: Evident ist die
starke sozialistische Position. Unerwähnt bleibt, dass Solon - hätte er ein
solches, von manchen Zeitgenossen ja tatsächlich gefordertes Programm -
wirklich umgesetzt, seine Vollmachten wesentlich stärker hätte ausweiten /
ausnutzen müssen => wäre quasi zum Tyrann geworden und hätte sicherlich
Gewalt (gegen Großgrundbesitzer) einsetzen müssen (vgl. Meyer, C., Athen.
Frankfurt a. M., S. 79f)
ad Tarkiainen:
Ausgehend von der
einleitenden Feststellung, dass viele Aspekte zu Solon - die bislang
"vorbehaltlos" hingenommen wurden - längst hätten korrigiert werden
müssen, stellt der finnische Historiker fest, dass Solons-Reformen schon von
der antiken Geschichtsschreibung unterschiedlich bewertet wurden: So betont die
Oligarchie (411 v. Chr.) den "antidemokratischen Charakter" und die um
403 wiederhergestellte Demokratie den "demokratischen Charakter".
Hinweis auf Aristoteles: Solon habe die Staatsform aus verschiedenen Mischungen
hergestellt: Areopag = Oligarchie, Wählbare Beamte = aristokratisch, Gerichte =
demokratischer Charakter.
Tarkiainen macht deutlich,
dass schon die Antike (je nach Blickrichtung) Solon quasi instrumentalisiert
("Verfassung der Vorväter"). Dabei sollte bedacht werden (vielleicht
denkt Tarkiainen an die modernen Demokratien, die in Solon ebenfalls den
Ahnherrn sehen) dass insbesondere das demokratische Element dort noch nicht /
kaum verifiziert ist.
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