| Sekundärliteratur |
| Antike | Griechenland |
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HELLAS, von Wilhelm Wägner, 1. Bd., 6. Aufl., Leipzig 1886 (1.Aufl.1859)
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Gegen Korinth und Epidauros.
Die langen Mauern von Athen.
Rückkehr des Kimon.
Sieg über Ägina.
Die Athener in Ägypten.
Kimonischer Friede.
Schlacht bei Koroneia.
Aufstand von Euböa.
Athens Hilfsmittel.
Athens Blütezeit.
Der Samische Krieg.
Gegen Korinth und Epidauros.
(S. 315) Argos, die alte Nebenbuhlerin Spartas, hatte sich von ihrer
früheren Niederlage wieder erholt. Eine zahlreiche kriegerische Jugend war
herangewachsen und bekämpfte mit siegreichem Erfolge die unabhängigen
argivischen Städte, während Lakedämon vor Ithome mit den Messeniern stritt.
Tiryns, endlich auch Mykenä, einst der Herrschersitz der Atriden, fielen in
ihre Gewalt, und wer von den besiegten Einwohnern nicht zeitig die Flucht
ergriff, ward in die Sklaverei verkauft. Um dieselbe Zeit trat Athen mit Argos
in ein enges Bündnis, dem sich im Norden die Thessaler und, wie schon bemerkt,
auch Megara anschlossen. Diese Verbindung erregte aber die Eifersucht und Furcht
der Korinthier, Epidaurier und Ägineten; denn nun beherrschten die Athener den
Isthmos zu Lande und ihre Flotten den saronischen und krissäischen Golf, zumal
da alsbald zum Schutze der neuen Erwerbung zwei gewaltige Mauern aufgerichtet
wurden, welche Megara mit seinem Hafen Nisäa verbanden. Zwar war ein
athenischer Heerhaufen unter Myronides bei einer Landung im Süden der
argivischen Halbinsel von den vereinigten Korinthiern und Epidauriern
geschlagen; aber eine athenische Flotte siegte in zwei Treffen, zerstörte die
gesamte Seemacht von Ägina und belagerte die Hauptstadt der Insel. Gleichzeitig
wurde der Krieg mit aller Kraft gegen Persien fortgeführt. Zweihundert Segel
streiften an den Küsten von Phönikien und fuhren endlich nach Ägypten, wo
unter Anführung des eigebornen Inaros ein Teil des Volkes gegen den großen
König in Waffen stand. Sie segelten den Nil hinauf und gewannen einen Teil der
wichtigen Stadt Memphis.
(S. 316) Die vielfachen kriegerischen Verwickelungen Athens, zum Teil in
entlegenen Gegenden, schienen endlich den Korinthiern eine passende Gelegenheit
darzubieten, das Glück der Waffen von neuem zu versuchen. Sie rückten gegen
Megara vor. Allein des Perikles Idee von der Größe des Vaterlandes hatte die
ganze athenische Bürgerschaft durchdrungen [...].
Myronides, der Führer des tapferen Heeres, hielt und dem Zujauchzen der
Volksmenge seinen Einzug in die Vaterstadt, welche jetzt mit stolzer Zuversicht
ihrem Glück und ihren Göttern vertraute.
Die langen Mauern von Athen.
Perikles sah weiter; sein Blick umfaßte die Gegenwart und die Zukunft, und
er gedachte der Möglichkeit, daß einstmals eine überlegene Macht zu Lande die
attische Halbinsel überziehen könne. Daher entwarf er den Plan, die Stadt
Athen mit ihren Häfen Phaleron, Munychia und dem wichtigen Peiräeus durch zwei
Mauern zu verbinden, von denen jede fast eine deutsche Meile lang werden mußte.
Durch dieses Werk wurden die an Umfang und Bevölkerung beinahe gleich Städte
Athen und Peiräeus in eine Festung umgewandelt, die nicht nur dem gesamten
Landvolke Schutz gewähren konnte, sondern auch jedem Angriffe zu Lande
gewachsen war.

Es war ein riesenhafter Plan, dessen Ausführung [...] die Grenzen der
Möglichkeit zu überschreiten schien. Allein über alle Hindernisse, auch über
den Widerstand der Partei Kimons, über Kleinmut, Besorgnis der Landeigentümer
etc. siegte die patriotische Gesinnung; der Riesenbau ward in Angriff genommen.
Dieses Werk regte endlich die Spartaner aus ihrer Unthätigkeit auf. Obgleich
sie noch immer vor dem unbezwungenen Ithome im Felde lagen, unternahmen sie doch
mit 1500 Hopliten und 10000 Bundesgenossen einen Zug über den Isthmos,
angeblich um dem kleinen Doris, ihrem Mutterlande, gegen die es bedrängenden
Phoker Beistand zu leisten. Schon die Annäherung dieser Macht reichte hin, die
Phoker zurückzuschrecken. Dann breiteten sich die Spartiaten in Böotien aus,
stellten in den kleineren Städten die oligarchische Verfassung und zugleich
Thebens Vorherrschaft wieder her und rückten endlich am Flusse Asopos herunter,
wo sie von athenischen Vertriebenen und Männern der oligarchischen Partei,
vielleicht von Kimon selbst, Verstärkung erhofften. In Athen aber wachte
Perikles und durchschaute die feindlichen Entwürfe. Myronides, der Besieger der
Korinthier, rückte mit seinem durch Argiver und Thessaler verstärkten Heere an
die Landesgrenze, und bald darauf stand er bei Tanagra in der Ebene am Asopos,
östlich vom Schlachtfelde von Platää, der feindlichen Macht gegenüber. Es
war jetzt das erste Mal, daß sich athenische Waffen in offenem Felde mit
spartanischen messen sollten.
Am Vorabande der Schlacht erschien Kimon in voller Rüstung vor den
versammelten Führern im athenischen Lager und erbot sich, als gemeiner Krieger
in den Reihen seines Stammes am Kampfe teilzunehmen. Aber auf seinem Haupte
ruhte noch der Spruch des Ostrakismos, und sein Anerbieten wurde verworfen. (S.
317) Da beschwor er seine Freunde und Stammesgenossen, an seiner Statt den
Pflichten gegen das Vaterland zu genügen, und übergab ihnen seine Rüstung, um
sie in ihren Reihen als Wahrzeichen seiner Treue mit sich zu führen.

Die Schlacht, welche am folgenden Tage entbrannte, war blutig und lange
unentschieden. Die Freunde und Genossen Kimons, hundert an der Zahl, fielen
Seite an Seite; Perikles selbst kämpfte in den Vorderreihen mit äußerster
Tapferkeit; aber aller Heldenmut, alle Aufopferung scheiterte an der
Waffenübung [...], der furchtbaren Ruhe und Festigkeit der Spartaner.
[Abb.]
Die Thessaler flohen zuerst, dann mußten auch die Argiver und Athener mit
gebrochenen Reihen das Schlachtfeld verlassen. Bedeutende Folgen hatte das
Treffen nicht; die Sieger errichteten eine Trophäe und wußten hierauf nichts
Besseres zu thun, als den Rückzug anzutreten, welchen ihnen der geschlagene
Feind im Geraneia-Gebirge nicht mehr streitig machen konnte. Nichtsdestoweniger
herrschte in Athen große Bestürzung über die erlittene Niederlage, und neben
den Klagen um die zahlreichen Gefallenen wurden ernste Befürchtungen für die
Zukunft laut.
Rückkehr des Kimon. Inmitten der
allgemeinen Aufregung stand mit unerschütterlichem Gleichmute Perikles in der
Volksversammlung und sprach von dem Ruhm und dem Glanze der Republik und von dem
Manne, der ihre Bürger so oft zum Siege geführt [...] (S. 318) habe, von Kimon,
und wie man sein Exil aufheben müsse, damit er an der Spitze des Heeres das
Glück zurückführe.
Allgemeiner Beifall begleitete die Worte des Redners; der Beschluß ward
gefaßt, die Verbannung des edlen Kimon aufzuheben, und mit diesem Entschlusse
kehrten Vertrauen und Zuversicht in die Herzen der Bürger zurück; denn nun
sollten die zwei größten Männer der Republik in herzlicher Eintracht an ihrer
Spitze stehen, von denen der eine berufen war, mit sicherer Hand das Steuer des
Staates, der andre seine Waffen zu lenken.
Das glücklich hergestellte Einvernehmen zwischen den Parteien brachte die
glänzendsten Erfolge. Schon zwei Monate nach der Niederlage bei Tanagra rückte
ein athenisches Heer in Böotien ein, erfocht den Sieg bei Önophytä und
richtete in allen böotischen Städten, selbst in Theben, die demokratische
Verfassung auf, während die Oligarchen das Los der Verbannung traf. Sodann
wurden auf gleiche Weise Phokis und Lokris, letzteres nach vergeblichem
Widerstande, in die athenische Bundesgenossenschaft aufgenommen.
Sieg über Ägina. Ein großes
Doppelfest ward im Jahre 455 gefeiert: Ägina, so lange die Beherrscherin des
Meeres, hatte sich ergeben, und die langen Mauern, welche Athen mit Peiräeus
verbanden, waren vollendet. Die Eroberung des Felseneilandes Ägina war ein
Sieg, über den die ganze Bürgerschaft von Athen mit Recht jubelte. Lange Jahre
hatten die Insulaner ihre Übermacht zur See die ionischen Nachbarn fühlen
lassen. Sie hatten oft die attischen Küsten verwüstet, die athenischen Flotten
mit Erfolg bekämpft. Ihre Schiffe waren die besten Segler, ihre Schiffsherren
die unternehmendsten Handelsleute, welche die Gestade von Asien und Ägypten
besuchten und mit reichen Schätzen von dort heimkehrten.
In der Stadt Ägina wohnten 5000 streitbare Bürger, welche ihre ländlichen
Besitzungen von mehr als 450000 Sklaven bewirtschaften ließen. Der Reichtum der
Einwohner zeigte sich nicht nur in der heiteren Lust des Lebens, sondern auch in
der Pflege der Kunst, wovon die äginetischen Statuen griechischer und
trojanischer Kämpfer noch heute Zeugnis ablegen. Nicht weniger beweisen die
noch vorhandenen Trümmer von prächtigen Tempeln den Kunstsinn jener Insulaner.
Am Hafen, welcher durch zwei mächtige Dämme geschützt war, erhob sich der
Tempel von Äakos, östlich von der Stadt der Athenetempel, und auf der Höhe im
Südosten das Panhellenion, weitschauend über Land und Meer, das Haus des
panhellenischen Zeus, zu welchem am hohen Feste die Menge hinaufzog, um dem
Göttervater für seinen Schutz Dankopfer zu bringen. Jetzt, nachdem die Insel
sich ergeben hatte, wurden von den Athenern die Hafenhallen geöffnet, die
Schiffe weggeführt, die Ringmauern geschleift, die Einwohner zur
Unterthänigkeit gezwungen. Groß war die Freude der Sieger über diesen Erfolg;
eine athenische Flotte umsegelte sofort den Peloponnesos, um rings an der
feindlichen Küste die Siegesbotschaft zu verkünden. Sie drang in den
krissäischen Meerbusen ein, eroberte Naupaktos und andre Orte, bewog mehrere
achäische Städte, selbst die westlichen Inseln Zakynthos und Kephallenia, dem
athenischen Bunde beizutreten, und ging endlich in dem megarischen Hafen von
Pagä vor Anker.
(S. 319) Um diese Zeit mußten sich die auf Ithome eingeschlossenen Messenier
endlich ergeben, erhielten jedoch freien Abzug. Tolmides, der Führer der
athenischen Flotte im krissäischen Busen, räumte ihnen Wohnsitze in dem
neugewonnenen Naupaktos ein und erwarb dadurch seiner Vaterstadt treue
Bundesgenossen.
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| | Wägner, W., Kriegerische Unternehmungen Athens, in: ders.,
Hellas, Bd. 1, 6. Auflage. Leipzig und Berlin 1886, S. 315-324 (1. Auflage 1859)
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GM (digitale Edition) für psm-data 
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