| Sekundärliteratur |
| Antike | Griechenland |
[P|S|M] |
HELLAS, von Wilhelm Wägner, 1. Bd., 6. Aufl., Leipzig 1886 (1.Aufl.1859)
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Leben und Kultur während der Zeit des Aufschwungs
von Wilhelm Wägner
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Die öffentlichen Feste. Eleusinien und
Panathenäen.
Leben und Feste in
Sparta.
Die Kleidung.
Häusliches Leben.
Erziehung
Gymnasien
Heerwesen.
Bewaffnung
Die Hopliten
(S. 330) Korinth, durch Handel und Verkehr bereichert, neigte zu
[...] Üppigkeit und Schwelgerei, Theben zu rohem, barbarischem Übermaße. Das
Leben in Argos war nüchtern, einförmig, nicht erhoben durch das Bewußtsein
großer Thaten und politischer Wichtigkeit.
Leben und Feste in
Sparta. Dieses Bewußtsein trat dagegen in Sparta sehr stark herovr; es
machte den Bürgern am Eurotas ihre unausgesetzten Mühseligkeiten und
Waffenübungen leicht und erfüllte sie mit Ehrfurcht und Liebe zu einer
Verfassung, die sie zu Gebietern über hundert Städte und zu hervorragender
Macht in Hellas erhoben hatte. Dabei war das Leben in Sparta doch keineswegs von
Annehmlichkeit und griechischer Anmut entblößt. Schon die Geselligkeit in den
kriegerischen Beschäftigungen, die gemeinschaftlichen Mahlzeiten, der
unbehinderte und doch keusche Verkehr zwischen der Jugend beiderlei Geschlechts
gewährten viel Abwechslung. Noch mehr thaten dies die Feste, welche die
Einförmigkeit des Lebens unterbrachen. Sie waren wie Blumen in die
Gleichmäßigkeit der spartanischen Tagen und Jahre eingeflochten. Wir heben
hier die dem Apollon geweihten Hauptfeste hervor, die Karneen und Hyakinthien.

Letztere waren der Sage nach von Apollon selbst eingeführt worden, als er durch
einen unabsichtlichen Wurf seines Diskos den schönen Hyakinthos getötet hatte.
Vielleicht sollten sie ursprünglich die verheerenden Wirkungen der Sonnenhitze
versinnlichen, da sie im Juli gefeiert wurden. Daher waren die ersten Tage eine
Zeit der Trauer, dann aber folgten Wettspiele, Festzüge von Jünglingen und
Jungfrauen, Mahlzeiten, zu denen man auch die sonst verachteten Sklaven zuließ,
und andre Lustbarkeiten. So feierte man das Sterben und Wiederaufleben des
Hyakinthos, dessen Grab im Tempel Apollons zu Amyklä gezeigt wurde. Die Karneen,
im Monat Karneos (August), waren mutmaßlich zur Erinnerung an das frühere
Lagerleben angeordnet. Da speisten die Bürger unter schattigen Lauben, während
zugleich Opfer und musische Wettkämpfe bei der neuntägigen Feier nicht
fehlten. Ein drittes Fest, die Symnopädien, war ohne hervortretende religiöse
Beziehung nur der Freude am reinen Dasein gewidmet. Chorreigen, Spiele mit
fröhlichen Tänzen, gymnastische Übungen, zuletzt allgemeine Bewirtung nicht
allein der Bürger, sondern auch, was sonst nicht vorkam, der anwesenden und
geladenen Fremden, füllten die festlichen Tage.
Die Kleidung. (S. 331)
Um das Bild des hellenischen Lebens zu vervollständigen, müssen wir auch eine
Vorstellung davon erlangen, wie die Bürger und ihre Frauen sich kleideten, wie
sie wohnten und speisten, und endlich wie die Krieger im Waffenschmuck zu Felde
zogen.
Die Kleidung war einfach, nicht eng anschließend; sie
verstattete der Bewegung des Körpers und der Grazie des Faltenwurfs freien
Spielraum. Zunächst trug man auf dem Körper den Chiton, ein wollendes Gewand,
das einem Hemde glich.

Der ältere dorische Chiton reichte nur bis an die Kniee,
war ohne Ärmel, auf der einen Seite offen, vom Gürtel an abwärts
wahrscheinlich zusammengenäht. In Athen war der lange, faltige Chiton aus
Linnen, den die Ionier in Asien trugen, bis auf die Zeit des Perikles allgemein
im Gebrauch, nachher wurde auch der kürzere dorische üblich. Dieses
Kleidungsstück ward durch einen Gürtel über der Hüfte zusammengehalten,
wodurch ein mannigfaltiger, stets geschmackvoller Faltenwurf entstand. Noch mehr
Grazie suchte man im Umschlagen des Himation zu zeigen. Dies war ein großes,
länglich viereckiges Stück Wollenzeug, das man von dem linken Arme aus über
den Rücken, dann über oder unter dem rechten Arme her wieder nach dem linken
und über denselben schlug, so daß das Ende mehr oder weniger lang herabhing.
(S. 332) Es wurde je nach dem Geschmack des einzelnen bis zu den
Knieen oder noch weiter herunter gelassen. Die Spartiaten hatten statt dessen
den bequemeren Tribon, einen kurzen, groben Mantel. Die Krieger konnten
natürlich das Himation nicht gebrauchen, auch war ihr Chiton kürzer. Mehr zum
Putz trugen die Jünglinge, die zu Pferde dienten, einen von den Schultern
herabwallenden Mantel, Chlamys genannt, der mit einer Spange über der rechten
Schulter befestigt war und mit seinen Zipfeln auf die Schenkel herabfiel. Die
reichere Jugend verzierte ihn mit Gold und Purpur. Diese Chlamys, der
eigentliche Reise- und Kriegsmantel, war in Makedonien und Thessalien allgemein
üblich und wurde es auch mehr und mehr in Athen und in andern Städten. Die
Farbe der Gewänder war gewöhnlich weiß, doch hatte man auch farbige, selbst
karrierte Zeuge, und der Besatz mit Purpur an Rändern und Umschlägen wurde
allmählich immer häufiger.

Die Frauen trugen ebenfalls den dorischen Chiton, der aus zwei
bis an die Brust zusammengenähten Stücken bestand, deren obere Teile über den
Achseln durch zierliche Spangen zusammengehalten wurden. Gleichzeitig blieb der
ionische Chiton üblich, ein langes, weites, genähtes Gewand, das, wie auch der
dorische Chiton der Frauen, in zierliche Falten bis auf die Füße herabreichte,
so daß der ganze Körper verhüllt war. Es hatte Ärmel, die entweder oben
geschlossen weit und faltig herabhingen, oder auf den Achseln aufgeschlitzt und
wieder mit Spangen zusammengehalten wurden, so daß der Arm zum Teil unverhüllt
blieb. Dieser Chiton war gewöhnlich viel länger als der Körper; er wurde
deshalb über die Hüfte heraufgezogen und daselbst gegürtet, so daß ein
Überhang ringsum herunterfiel. Manchmal war er auch oben noch verlängert und
fiel dann als zweiter Überhang über Brust und Rücken nieder, so daß sein
Saum parallel mit dem des ersten, nur weiter oben, um die Hüften lief, was man
Diploïdion nannte. Endlich ist zu bemerken, daß dieser Chiton auf der linken
Seite länger war als auf der rechten, wodurch ein reicherer Faltenwurf
entstand, und daß man oft ein Chitonion, ein sehr feines, fast durchsichtiges
Hemd, darunter trug. Das Himation der Frauen war von dem der Männer wenig
verschieden; dagegen gehörten anschließende Oberkleider, die man in älterer
Zeit trug, allein zur weiblichen Kleidung. Es gab auch noch Gegenden, wo sich
besonders die Landsleute ihre Kleidung von Ziegenleder bereiteten; solche
Gewänder waren nicht schön, aber sehr dauerhaft. Ebenso zweckmäßig war die
Kleidung der Arbeiter und Handwerker, und zwar sowohl Chiton als Himation.
Ersterer hatte nur ein Armloch für den linken Arm, der rechte mit der Schulter
und einem Teile der Brust blieb ganz frei. Diese Teile ließ auch das um die
Hüfte gegürtete Obergewand unbedeckt, so daß die Bewegung völlig ungehindert
war. Man nannte diese Tracht Exomis (S. 333) und stellte auch den Hephästos mit
dieser Abart des Chiton bekleidet dar. Die Farbe der Arbeiterkleidung war
meistenteils ein dunkles Braun, während sonst ehrsame Bürger und würdige
Frauen sich im gewöhnlichen Leben einfach weiß kleideten. Bei besonderen
Gelegenheiten aber, z.B. bei Festen, Gastmählern und andern Veranlassungen,
waren auch noch andre passende Farben üblich, namentlich Blau, Hellgrün und
Purpur.
Was die Kopfbedeckung betrifft, so gingen die Männer bei ihren
Geschäften in der Stadt ohne eine solche; auf der Reise oder bei ländlichen
Arbeiten hatten sie einen Hut von Ziegenfell, später von Filz. Derselbe hatte
verschiedene Formen. Er war in Böotien einem Tannenzapfen ähnlich, in
Thessalien niedrig und schirmförmig, in Arkadien breitkrämpig. Die Frauen
zogen häufig das Himation über den Kopf; sie bedienten sich auch besonderer
Schleier und zierlicher Haarnetze, oder sie wanden ein farbiges, oft mit Gold
und Silber gesticktes Band, die Mitra, um die Stirn, was sie ebenso
geschmackvoll anzuwenden wußten als andre Schmuckgegenstände, wie Ohrgehänge,
Knöchelringe, Hals- und Armbänder. Flechten und Locken waren wenig üblich,
wohl aber schürzte man das Haar über dem Scheitel in einen Bausch oder Knoten,
der bisweilen auch vor über die Stirn herunter gerückt wurde, denn man liebte
einen schmalen Stirnbogen. Die Farbe des Haares war (S. 334) gewöhnlich
schwarz; doch kamen auch blonde Haare vor, die man für eine besondere Zierde
und daher durch künstliche Mittel zu erzeugen suchte. Bei den Männern galt ein
voller, starker Bart für das Zeichen edler Männlichkeit; das Scheren desselben
kam erst zu Alexanders Zeit mehr in Gebrauch.

Die Fußbekleidung war ziemlich mannigfaltig, und es scheint,
daß darin die Mode am meisten wechselte. Man hatte noch die sonst üblichen
Sandalen, die man mit Riemen befestigte, daneben aber auch Schuhe und Stiefel
von verschiedenen Formen und Farben. Der Sokkus, eine Art brauner Schuhe, unserm
Pantoffel entsprechend, ward von den unteren Volksklassen, besonders von
Landleuten getragen und ging daher auf die Schauspieler im Lustspiel über.
Dagegen gab es auch anschließende Schuhe, namentlich solche von geschmeidigem
Leder, bei welchen nur die Zehen entblößt und unbehindert blieben. Die Stiefel
waren alle vorn geschnürt, was manchmal einfach durch Zerschneidung des
Oberleders in Zungen und mittels Durchziehung eines Riemens, manchmal aber auf
viel künstlichere Weise geschah. Der Kothurn, ein hochgehender Stiefel, der auf
der Jagd, beim Reiten u.s.w. getragen wurde, ging weit bis über die Waden
hinauf, war purpurrot oder sonst bunt gefärbt und mit allerlei Verzierungen
versehen. Er wurde auch vorzugsweise im Trauerspiele getragen und hatte alsdann
Sohlen, die durch Einschieben von Korklagen ungewöhnlich hoch waren, wodurch
die handelnden Personen größer und würdevoller erschienen.
Häusliches Leben.
Wir haben bereits angeführt, daß in manchen Gegenden Griechenlands Üppigkeit
und Schwelgerei die alte Tugend der Mäßigkeit zu verdrängen anfingen. Bei dem
sich mehr und mehr verbreitenden Wohlstand und dem heiteren, geselligen
Charakter der Bürger liebte man auch in Athen die Freuden der Tafel; indessen
neigte man sich hier keineswegs zu den Ausschweifungen der Völlerei und noch
weniger zu denen der Unmäßigkeit im Essen. Geschmack und geistige Bildung
durchdrangen wie die Beschäftigungen so auch die Genüsse der Athener. Die
Bürger, reiche wie arme, waren den Tag über zu beschäftigt, um sich mit Essen
und Trinken viel aufzuhalten. Man genoß morgens ein einfaches Frühstück von
Brot und Wein, Honig und Oliven, manchmal um die Mittagszeit noch ein zweites.
Erst am Abend war die eigentliche Mahlzeit, zu welcher, besonders bei festlicher
Gelegenheit, etwa zur Feier eines Sieges, auch Gäste eingeladen wurden.
Hauptgerichte waren: schmackhafter Lauch, verschiedene Fleischspeisen,
Blutwurst, Wildbret, Geflügel, Fische, darunter auch gesalzene vom Schwarzen
Meere, Sardellen, Aale, dann als Nachtisch Kuchen, Käse mit Honig und frische,
eingemachte oder getrocknete Oliven. Man saß aber nicht wie heute, sondern man
lag zu Tische, indem man den linken Arm auf Polster stützte, und bediente sich
der Finger statt der fehlenden Messer und Gabeln, weshalb man vor und nach der
Mahlzeit die Hände wusch. Daruf wurden den Göttern drei Spenden dargebracht,
Tische und Fußboden gereingt und Wein, mit Wasser und Gewürzen gemischt,
aufgetragen. Die Gäste schmückten sich jetzt mit Kränzen von Myrten, Rosen
und Veilchen und erfreuten sich der Gaben des Dionysos. Zur festlichen Feier
traten Flötenspielerinnen und Tänzerinnen ein, auch sang wohl einer der Gäste
ein Lied zur Lyra und reichte dann dem Nachbar das Saitenspiel, der in gleicher
Weise fortfuhr. (S. 335)

Besonders häufig wurde der Harmodios gesungen,
ein Lied zum Andenken an die Befreiung Athens von den Peisistratiden. Wir fügen
ein Vers davon in der Übersetzung bei:
"Tragen will ich in Myrtengrün mein Schlachtschwert,
Gleich Harmodios und Aristogeiton, Als er vor ihnen hinsank, der Tyrann, Als
sich Athen zur Freiheit ermannte."
(S. 336) Bisweilen war es nur ein kurzer Spruch, den man zu den
Klängen der Lyra recitierte, wie folgender:
"Mit mir trink', o Freund, liebe mit mir, kränze dein
Haupt mit mir! Mit dem Rasenden ras'! Bist du dann wieder gescheit, bin ich's
dann auch mit dir."
Geistreiche Gespräche, Scherze, Spiele, Rätsel wechselten mit
Musik und Gesang ab. Folgendes sinnreiche Rätsel, welches den Brief bedeutet,
stammt aus jener Periode:
"Kennst du das Wesen, das in seinem Busen Die eignen
Kinder still bewahrend trägt? Stumm sind sie, aber weithin über Meere In
fernes Land dringt ihrer Stimme Ruf. Es spricht zu wem es will, und in der Ferne
Vernimmt er es, was niemand sonst vernimmt."
Ein andres Rätsel, das dem weisen Kleobulos zugeschrieben
wird, mag hier noch eine Stelle finden:
"Einer ist Vater, der zählt der Kinder zwölfe, von
denen Jegliches dreißig gezeugt, verschiedner Gestaltung sie alle, Etliche
weiß und beglückend, doch scharz die andern, voll Unheils, Alle unsterblich
und doch dem grausen Tode verfallen."
Da der hellenische Bürger den Staat als Heimat und
Behausung betrachtete, so war ihm sein Wohnhaus gleichsam nur eine Herberge zum
zeitweiligen Aufenthalt, oder allenfalls eine Wohnung für Frau und Kinder.
Daher waren auch die Privathäuser von geringem Umfang, wenige zweistöckig, die
meisten nur einstöckig.
In Sparta durften die Decken nur mit der Axt, die Thüren nur
mit der Säge bearbeitet sein; die Häuser waren daher vielleicht eine Art von
Blockhäusern. In Attika verwendeten zwar die reichen Bürger größere Sorgfalt
und Kosten auf Herrichtung bequemer und geschmackvoller Landhäuser; die Stadt
selbst aber erschien dem Fremden, was die Privatwohnungen betraf, als schlecht
gebaut.
Die Wohnungen wohlhabender Bürger waren noch ebenso
eingerichtet, wie wir sie S. 151 beschrieben haben. Es führte nämlich eine
Flügelthür von der Straße in die Vorhalle, welche sich nach der mit Säulen
geschmückten Aula öffnete. Dieser Hauptraum war von Gemächern und Kammern
umgeben, die vornehmlich der Hausherr benutzte, wo er die Symposien oder
Gastmähler veranstaltete, wo auch die Sklaven zu seiner Bedienung ihre
Schlafstätten hatten. Eine zweite Halle führte wieder in eine geräumige Aula,
welche auf drei Seiten von Säulengängen umschlossen war. Zimmer der Hausfrau,
Schlafkammern ihrer Dienerinnen, Vorratskammern u.s.w. waren daran gebaut.
Die vierte Seite der Aula war in der Mitte von einer Halle
durchbrochen, an welche zunächst zwei gemeinschaftliche Schlafgemächer des
Hausherrn und der Hausfrau stießen, und weiterhin Säle für das Spinnen, Weben
und andre Arbeiten der Sklavinnen. In kleineren Häusern fehlten die zweite Aula
und andre Räumlichkeiten. Die Wände waren roh, mit Lehm oder Kalk beworfen,
der Fußboden mit Gips belegt. Erst in späterer Zeit kamen Wandgemälde und
Mosaikböden auf. Die Geräte waren zum Teil kostbar, namentlich Tische, Sessel,
Spiegel von Bronze, zuweilen von edlen Metallen, Becher, Lampen und Kandelaber
aus gebrannter Erde oder aus Bronze in höchst geschmackvollen Formen.
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| | Wägner, W., Leben und Kultur während der Zeit des Aufschwungs, in: ders.,
Hellas, Bd. 1, 6. Auflage. Leipzig und Berlin 1886, S. 325-348 (1. Auflage 1859)
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