| Sekundärliteratur |
| Antike | Griechenland |
[P|S|M] |
HELLAS, von Wilhelm Wägner, 1. Bd., 6. Aufl., Leipzig 1886 (1.Aufl.1859)
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Hellenische Kunst
von Wilhelm Wägner
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Hellenische Kunst
Die Baukunst
Bau der Akropolis
Das Monument des
Lysikrates.
Prytaneion
Das Erechtheion.
Das Parthenon.
Theater
Bildhauerkunst und Malerei
Hellenische Kunst
Die Baukunst (S. 349) Manchmal wandelte
wohl Perikles, der große athenische Staatsmann, wenn ihn ein Geschäft zur
Akropolis rief, den unebenen, steinigen Weg an der allein zugänglichen
Westseite hinauf und wendete sich auf einem Seitenpfade rechts nach einer
Vorhöhe, wo die Rümmer eines von den Persern zerstörten Tempels der Nike
(Siegesgöttin) zerstreut umher lagen, und seine Blicke schweiften über den
südlichen Stadtteil, zu dem von Schiffen wimmelnden Hafen Peiräeus und weiter
über das glänzende Meer nach Salamis, Ägina und den dunklen Linien der
peloponnesischen Hochgebirge.Dann wieder wandte er sich rechts, wo die
ägaleischen Höhen den Horizont begrenzten und dicht an der Stadt der Kephisos
aus Olivenhainen hervorblickte, und rückwärts, wo das uralte Heiligtum des
athenischen Heros Erechtheus kümmerlich wieder aufgebaut war, und seine
Gedanken erhoben sich dann zu dem göttlichen Wesen, das sein geliebtes Volk im
Sturme des Krieges erhalten und mit unvergänglichem Ruhme gekrönt hatte. Mag
es sein, daß er aus den Lehren des Anaxagoras und andrer Philosophen freiere
religiöse Ansichten gewonnen hatte; er, der Urheber so vieler Heiligtümer,
glaubte aber doch an das Göttliche, das über den Menschen waltet, und hielt
sich nicht für berufen, den Glauben des Volkes zu verändern, da er ihm nichts
Besseres zu eigen geben konnte. Er meinte, unter welcher Form auch der
Sterbliche die Gottheit verehre, stets werde er durch seinen Kultus mehr oder
weniger zur besseren Erkenntnis und zur Veredelung seiner Bestrebungen erhoben.
Er beschloß daher, auf der Akropolis einen Tempel der Pallas Athene zu erbauen,
der dem Reichtum und dem Ruhme des Volkes und seiner Dankbarkeit gegen die
Schirmherrin der Stadt angemessen sei.
Bau der Akropolis (S. 350) Diese Ideen
besprach er darauf mit seinen Freunden, dem weisen Anaxagoras, dem schon damals
berühmten Bildhauer Pheidias und der für alles Schöne begeisterten Aspasia.
In ihrer Unterhaltung gewannen seine Gedanken Form und Ausdruck. Pheidias berief
die Baumeister Iktinos, Kallikrates, Mnesikles zur Beratung; da erweiterte sich
der ursprüngliche Entwurf mehr und mehr, da wurden eine Auffahrt und ein
fünffaches Thor als Eingang zur Burg, ein Erechtheion und andre Tempel, eine
Statue der Athene in ihrem Tempel und eine andre reisenhafte von Erz für den
höchsten Punkt der Akropolis besprochen und beschlossen. Die Meister aber
teilten sich in die Ausführung. Mnesikles übernahm die Aufgabe, die Propyläen
(Eingangsthor) aufzuführen, Iktinos und Kallikrates und andre Meister widmeten
ihre Thätigkeit dem Parthenon (Tempel der jungfräulichen Athene); Pheidias mit
zahlreichen Gehilfen namentlich dem Alkamenes und Agorakritos, erhielt den
Auftrag, alle Statuen und Bildhauerwerke anzufertigen.
Zu so großartigen, weit aussehenden Unternehmungen wie diese, welche sich
Perikles mit seinen Freunden vorgesetzt hatte, bedurfte man natürlich der
Einwilligung des Volkes. Er veranlaßte daher eine Versammlung der
Bürgerschaft, nicht auf dem Markte der Stadt, der Agora, sondern auf dem Hügel
Pnyx, wo man westlich die Akropolis, südlich den Peiräeus erblickte. Hier
sprach er von dem Reichtum und von der Herrschaft der Stadt über Meere und
Küsten, von dem Dank und der Verehrung, die man den Göttern für solche Gaben
schuldig sei, und wie man sich solcher Pflichten durch die vorgeschlagenen Werke
auf der Akropolis zum unvergänglichen Ruhme Athens entledigen werde. Als man
ihm die großen Kosten entgegenhielt, die dem Staate dadurch erwachsen würden,
erklärte Perikles, er werden, wenn die Republik sich weigere, die Ausgaben aus
seinen eignen Mitteln bestreiten, dann aber auch seinen Namen als den des
Begründers auf die Werke setzen lassen. Diese Worte weckten [...] den Stolz auf
die ruhmvolle Vaterstadt in aller Herzen, und die Vorschläge des großen
Redners wurden angenommen. Darauf stand Pheidias auf, um die Entwürfe weiter
auszulegen. Als er von der projektierten Statue der Athene für den Tempel der
Göttin sprach, meinte er, hier könne man eine namhafte Summe sparen, wenn man
dieselbe, statt von Elfenbein und Gold, aus wohlfeilerem Marmor bilde. Es
entstand aber sofort ein lautes Murren in der Versammlung, und die Ersparnis
ward mit großer Mehrheit verworfen.
So bekam denn Perikles für seine und der befreundeten Künstler Thätigkeit
freien Spielraum, und der Reichtum, die Einnahmen des Staates und zugleich die
Redlichkeit seines obersten Führers waren groß, daß in den folgenden
Friedensjahren noch 8000 Talente, das ist über 40 Millionen Mark, oder nach
unserm heutigen [1886] Geldwerte über 240 Millionen, trotz der für die
Kunstwerke erforderlichen Summen erspart und in den Staatsschatz niedergelegt
werden konnten. Man kann sich aber von den damals in Athen für Kunstzwecke
gemachten Ausgaben einigermaßen einen Begriff bilden, wenn man bedenkt, daß
allein auf den Bau der Propyläen gegen 20 Millionen Mark, auf die Statue der
Göttin aber 40 Talente an Gold verwendet wurden.
(S. 351) Zunächst nahm man den Parthenon in Angriff; dann, als dieser Bau
sowie die Statue der Göttin vollendet war, die Propyläen, die kolossale
Bildsäule der Athene von Erz und andre Werke, deren Beendigung Pheidias nicht
mehr erlebte. Wir aber wollen sie uns in ihrer Vollendung denken und zur Burg
emporsteigen, sei es während die Menge auswärts beschäftigt ist, oder am
letzten Tage der Panathenäen mit dem festlichen Zuge, der dem flatternden Segel
des Rollschiffes sich anschließt und dem Götterbilde im Erechtheion das neue
Gewand darbringt.
Der Zugang ist an der westlichen Seite, denn dort steigt der Berg
terrassenförmig empor, während er nach allen andern Seiten steil abfällt und
nicht leicht zu erklimmen ist. Ein turmartiger Bau mit einem starken, dreifachen
Thore schützt den Eingang gegen etwaige Gewaltthat. Von dort führt eine breite
Stra0e, in der Mitte für Wagen, auf beiden Seiten mit Marmorstufen für
Fußgänger, nach der Höhe empor (man vgl. unsre Abbild. S. 348).
Wir stehen endlich vor den Propyläen, deren heutigen Zustand unsre
Anfangsvignette darstellt; es ist der Eingang in die Akropolis. Die volle Breite
des Berges beträgt hier 53 m und ist durch ein im edelsten Stil aufgeführtes
Gebäude ausgefüllt. Rechts vor demselben, auf dem Vorsprunge, wo sich die oben
beschriebene Aussicht darbietet, erhebt sich der zierliche Tempel der Nike
Apteros (ungeflügelte Siegesgöttin). Vier ionische Säulen tragen die Vorhalle
mit dem Giebel. Auf dem Friese sind Hellenen und Perser im Kampfe dargestellt.
In der Dämmerung des inneren Heiligtums steht die Bildsäule der Athene, in der
Linken den Helm, in der Rechten die Frucht des Granatbaumes als Symbol des
Segens, den der siegreich erkämpfte Friede bringt. Eine marmorne Balustrade,
mit geflügelten Genien geschmückt, welche Stiere zum Opfer führen,
umschließt die Statue.
Wir wenden uns wieder dem Propyläen zu. Die Fassade wird von dem
Mittelgebäude in einer Ausdehnung von 18 m und von den vortretenden Flügeln
gebildet. Vor den letzteren erheben sich rechts und links kolossale
Heldengestalten, welche Rosse bändigen, auf hohen Postamenten aufgerichtet.
Drei breite Marmorstufen führen in die von sechs dorischen Säulen getragene
Halle des Eingangs. Drei leichte ionische Säulen zur Rechten und ebenso viele
zur Linken teilen das Innere der Halle in drei Gänge, auf welchen die (S. 352)
Marmordecke ruht. Fünf weitere Stufen führen zu den fünf ehernen Thoren und,
wenn diese sich öffnen, durch eine höher gelegene Halle auf die Akropolis.
Man kann aber auch aus den vorderen Säulengängen in die offenen
Seitengebäude übergehen, wo besonders links die Pinakothek, ein Marmorsaal,
Gemälde der berühmtesten athenischen Maler umschließt. Da sind Orestes und
Pylades, Odysseus und Naiskaa, Athene, wie sie den Ahnherrn von Athen, den
Erechtheus, in seiner Kindheit pflegt, und viele andre Götter- und
Heldengestalten künstlerisch dargestellt. - Wir treten jetzt durch die hintere
Halle in den freien Raum. Da erblickt man in unendlicher Fülle Statuen von Erz
und Marmor, Wegen und Gespanne, Dreifüße und andres Gerät in getriebener
Metallarbeit, Altäre und Tempel von glänzend poliertem Marmor.
[Abb.]
Dennoch ist Maß und Ordnung überall erkennbar. Aber aus der Masse von
Erzeugnissen des Genies und des Fleißes heben sich besonders drei Werke hervor,
die durch ihren erhabenen Standpunkt, wie durch Größe und künstlerische
Vollendung die Betrachtung fesseln.
Ist man aus den Propyläen herausgetreten, so fällt sogleich der Blick auf
diese drei größten Werke der Kunst, nämlich auf das Standbild der Athene
Promachos (Vorkämpferin), auf den Tempel des Erechtheus, auch der Athene Polias
(Stadtherrin) geweiht, und auf den Parthenon. Die erstgenannte Statue ist von
der Basis bis zur Spitze wohl 22 m hoch; der Helmbusch und die Lanzenspitze der
Göttin, beide von Gold, leuchten im Glanze der Sonne dem heransegelnden
Schiffer schon auf sechs Stunden Weges entgegen und verkünden ihm, daß er der
meerbeherrschenden Stadt sich nähert, bis allmählich Burg und Pnyx, Museion
und andre Hügel mit ihren kunstgeschmückten Häuptern vor ihm aufsteigen.
(S. 353) Wir wollen uns den Anblick vergegenwärtigen und auf Stadt und
Umgebung eine Rundschau halten. Unmittelbar westlich von der Burg erhebt sich
der Hügel des Ares, Areiopagos, so nahe, daß die Perser von ihm aus die damals
hölzernen Gebäude der Akropolis mit brennenden Pfeilen in Brand stecken
konnten.
[Abb.]
Auf dem Hügel, dem Versammlungsplatze des ehrwürdigen Gerichtshofes, stand
ein Heiligtum der Eumeniden mit dem Grabe des Ödipus, an seinem nordöstlichen
Fuße der Tempel des Ares, östlich davon, dem Metroon gegenüber, die ehernen
Bildsäulen des Harmodios und Aristogeiton, mit gezückten Schwertern (S. 354)
vorwärtsstürmend. Südwestlich setzt sich der Höhenzug fort und bildet den
Hügel Pnyx, wo die Volksversammlungen gehalten wurden, und wo man noch jetzt
die in den Felsen gehauene Rednerbühne sowie Spuren von den im Halbkreise
eingemeißelten Sitzen für das Volk erblickt. Südlich von diesen Höhen liegt
die Agora in der Niederung, die sich weiterhin an den Hügel Museion anlehnt.
Hier war der Markt der Stadt und vor Kleisthenes der Versammlungsplatz der
Gemeinde, weshalb auch zahlreiche Statuen und Heiligtümer den vielbesuchten Ort
umgaben. Westlich führt eine mit Hermen geschmückte Straße nach der Pnyx. Am
nördlichen Rade der Agora lag ferner die Gemäldehalle, Stoa poikile, mit
Bildern von der Meisterhand Polygnots. Südlich umgaben den Markt mehrere
Säulenhallen, namentlich die, wo der Archon Basileus Gericht hielt, östlich
davon die Halle des Zeus Eleutherios, das Metroon, der Tempel Apollons und der
heilige Bezirk der Göttermutter, das Rathaus, endlich ein Rundbau, wo die
Prytanen speisten. Weiter östlich, im Süden der Burg, erblickte man das große
Theater des Dionysos, das Lenäon, wo dem Gotte das Fest der Lenäen, das
Kelterfest, unter Spiel und Schmaus im Februar gefeiert wurde, und das für
musikalische Aufführungen bestimmte Odeion mit zahlreichen Säulen und einem
schirmförmigen Dach, welches Perikles hatte erbauen lassen.
Das Monument des Lysikrates. Östlich
von der Burg, an der Tripoden- d.h. Dreifußstraße, denken wir uns das Monument
des Lysikrates. Es wurde erst gegen hundert Jahre später errichtet, und zwar
von dem genannten Lysikrates, der die Chöre mit Geschmack und großem Aufwand
geordnet und dafür im musischen Wettkampf den Preis erhalten hatte. Zum
Andenken daran stiftete er das Monument, welches sechs korinthische Säulen von
höchst vollendeter Form bilden. Es ist mit einer mächtigen Marmorplatte
gedeckt, die ehemals mit einem kunstvoll gearbeiteten Dreifuß, dem Zeichen des
choragischen Sieges, geziert war. Da es noch gegenwärtig unter dem
volkstümlichen Namen "Laterne des Diogenes" besteht und als eins der
geschmackvollsten Denkmäler korinthischer Baukunst betrachtet wird, so verdient
es unsere Aufmerksamkeit. Wir bringen die "Laterne des Diogenes"
später zur Anschauung. [...]
Prytaneion Von andern öffentlichen Gebäuden
bemerken wir noch das Prytaneion, wo hochverdiente Männer und fremde Gesandte
auf Staatskosten gespeist wurden, und südlich einen achteckigen Turm mit einer
Wasseruhr in seinem Innern, errichtet von Andronikos Kyrrhestes, ein
korinthisches Monument aus weit späterer Zeit.
Dieses Denkmal ist ebenfalls noch vorhanden und wird wegen des auf dem Dache
befindlichen Tritons, der als Windfahne auf die im Fries angebrachten Gestalten
der Hauptwinde hinweist, im Munde des Volkes "Turm der Winde" genannt,
ferner das Olympieion (Tempel des Zeus), die größte Tempelanlage, welche erst
nach Jahrhunderten vollendet wurde.
(S. 355) [Abb.]
(S. 356) In entgegengesetzter Richtung, nordwestlich von der Burg, liegt das
Theseion, der Tempel des Theseus.
Alle diese Prachtbauten stiegen aus einem Gewühl von engen, winkeligen
Gassen und Gäßchen, aus einer Masse von kleinen, unansehnlichen Häusern und
Hütten empor. Ein Fremder, der sich plötzlich hierher versetzt sähe, würde,
wie ein alter Schriftsteller sagt, das meerbeherrschende Athen nicht erkennen.
Nähert er sich aber der Stadt zu Wasser oder zu Lande, so erblickt er überall
die Burg mit ihren Kunstwerken und dort die Höhen und Bauten vom Peiräeus,
Munychia, Phaleron, hier nördlich die Akademie, ein Gymnasium, das von
Heiligtümern und Olivenanlagen umgeben ist, weiter den Kolonos Hippios mit dem
Olivenhaine der Eumeniden, wo der unglückliche Ödipus endlich Ruhe fand.
[Abb.]
Nach Osten zu sieht man das Gymnasium Kynosarges, wo später der Philosoph
Antisthenes lehrte, südlicher, inmitten von Gärten und Parkanlagen, das
Lykeion mit seinen Säulenhallen, die sich an einen schönen Apollontempel
anlehnen. Nach dieser Übersicht kehren wir wieder zu unserm Standpunkt auf die
Akropolis zurück.
Das Erechtheion. Von der Statue
der Vorkämpferin Athene führt der Weg nach dem Heiligtum des Erechtheus. Hier
hat die hellenische Kunst mit seltenem Geschick die Schwierigkeiten überwunden,
welche die Örtlichkeit und die verschiedenartigen Zwecke des Gebäudes
darboten. Denn an dieser Stätte war das Grab des Erechtheus, das, solange es
unangetastet blieb, ein schützender Talisman für die Stadt war. Da grünte
ferner der Ölbaum, den einst Athene im Wettkampf mit dem Gotte des Meeres
hervorgerufen und der nach dem Abzuge der Perser frisches Grün getrieben hatte.
Da sprudelte noch die Quelle, die auf Poseidons Wink dem nackten Felsen
entquollen war.
Man steigt auf mehreren Stufen zu der Vorhalle des mittleren Tempels empor,
die von sechs schlanken ionischen Säulen getragen wird. An diese schließt sich
nördlich ein Raum, der mit seinen Säulen auf einem viel niedrigeren Boden
ruht. Hier strömt Poseidons Quelle, hier ist sein von (S. 357) Weihgeschenken
umgebener Altar. An die südliche Seite des Tempels stößt die Halle der
Karyatiden (Trägerinnen). Das zierliche Gebälk, dem der Fries fehlt, ruht hier
auf sechs weiblichen Statuen, Athenerinnen im panathenäischen Festschmuck, die
es leicht wie einen Blumenkranz zu tragen scheinen. [Abb.] Der Raum ist oben
offen, denn ihn ihm breitet der heilige Ölbaum seine Zweige aus und schlingt
sie da und dort in die fein gemeißelten Locken der Karyatiden. Hinter dem
ersten Portikus ist die eigentliche Zelle, das Heiligtum, und darin das uralte
Bild der Athene Polias von Olivenholz, das am Feste der Panathenäen mit einem
neuen, safranfarbenen Gewande bekleidet wird, ferner das Grab des Erechtheus,
ein eherner Palmbaum und andre Gegenstände der Verehrung. Durch eine zweite
Abteilung, die gleichfalls der Athene und der Nymphe (S. 358) Pandrosos, der
Wärterin des Kindes Erechtheus, geweiht ist, gelangt man in die östliche
Vorhalle, die den ganzen Raum abschließt.
Das Parthenon. Wir folgen jetzt der Straße,
die nach Süden führt, und kommen an dem Parthenon, das vollendetste Werk aus
der Zeit des Perikles, ein Werk, von dem man sagte, es sei durch eine
Offenbarung der Göttin selbst entstanden. Denn nicht durch seine Größe setzt
es den Beschauer in Erstaunen, sondern durch die Poesie in dem zu Grunde
liegenden Entwurfe, durch die Klarheit und Einfachheit in seinen Formen, durch
die hohe Kunst in der Ausführung. Ein einfacher Portikus von dorischen Säulen
umgibt den Bau, dessen Giebel sich nur 20 1/3 m über den Boden erheben. 17
Säulen dieser Kolonnade schmücken sowohl die nördliche als die südliche
Langseite, je 8 die beiden Giebelseiten östlich und westlich, wobei jedoch die
Ecksäulen doppelt gezählt sind. An den Giebelseiten ist hinter diesem Portikus
eine zweite Säulenstellung von je 6 Säulen angebracht, um die Eingänge
würdig zu zieren. Das Innere des Tempels ist in zwei Abteilungen gesondert; die
kleinere westliche, die nur durch Lampen erleuchtet wird, ist Aufbewahrungsort
für den Staatsschatz; die größere östliche ist die Wohnung der Göttin, und
8 Säulen auf beiden Seiten tragen hier eine Galerie, über welche sich wieder
acht schlankere Säulen erheben, um das in der Mitte weit offene Dach zu
stützen.
So ist das ganze Haus mit seinem architektonischen Schmuck, alles vom
schönsten pentelischen Marmor, einfach, edel und großartig hergerichtet. Mit
der Architektur aber ist hier durch das Genie eines Pheidias die Bildhauerkunst
(S. 359) verbunden, und diese hat mit wenigen Zügen die tiefsinnigste Bedeutung
des edlen Werkes offenbart. Wir treten hinzu, um ihre Gebilde zu betrachten und
zu deuten. Da stehen vor uns die mächtigen Säulen am östlichen Haupteingang,
und unser Blick erhebt sich am Schaft empor zum Architrav, der unteren Lage des
Gebälkes. Er ist auf den Frontseiten mit goldenen Schilden, Weihgeschenken
dankbarer Menschen, verziert.
[Abb.]
Nun kommt der Fries mit Dreischlitzen und Metopen, welche letztere mit
reichem Bildwerk verziert sind, endlich das vom Dach begrenzte Giebelfeld. Hier
sind die Gestalten, welche der Meißel geschaffen hat, nicht mehr Reliefs,
sondern sie treten vollständig hervor. Es ist Zeus auf seinem Throne, vor ihm
die jungfräuliche Göttin, die andern Götter rechts und links verteilt, doch
alle nach der Mitte blickend, wo die Göttin der Weisheit zum erstenmal unter
sie getreten ist. Auf der einen Seite steigt am äußersten Ende der Sonnengott
mit seinen Rossen aus dem Meere, auf der andern kehrt er dahin zurück. (S. 360)
Es ist der erste Tag im Leben der Athene. - Im westlichen Giebelfelde erscheint
in der Mitte die Göttin im siegreichen Wettstreite mit Poseidon; der Ölbaum
wächst neben ihr auf; sie lehrt ihren Erechtheus das von dem Gotte des Meeres
geschaffene Roß bändigen. Attische Götter und Heroen, Repräsentanten des
Volkes, sind auf beiden Seiten Zeugen des ersten Sieges ihrer Schutzherrin.
Wir betrachten weiter die 26 cm hervortretenden Reliefs des Frieses. Da
erscheint östlich die Göttin im Kampfe mit den Giganten, nördlich die
Amazonenschlacht. Die Besiegung der kriegerischen Frauen in und bei Athen war
ein feststehender Volksglaube; daher war ihre Darstellung ein
Lieblingsgegenstand der Skulptur und hier wie an andern Tempeln angebracht.
Unsre Abbildung ist nach Reliefs vom Tempel des Apollon Epikurios gezeichnet.
Westlich und südlich erblickt man Theseus, Erechtheus und viele hellenische
Krieger, welche die Amazonen, Kentauren und überhaupt Barbaren mit Glück
bekämpfen, wie denn die Weisheit stets über die rohe Kraft den Sieg
davonträgt.
Wir wenden uns jetzt dem Tempel selbst zu; dort unter der umgebenden Halle
breitet sich ein Fries um das innere Haus, gleichsam ein Stirnband auserlesener
Bildwerke, die zwar weniger hervortretend gearbeitet, aber dafür durch Malerei
hervorgehoben sind. Es ist die Darstellung des panathenäischen Festzuges, in
seiner ganzen Mannigfaltigkeit um das Haus geschlungen. Da sind fröhliche
Jünglinge, die ihre Pferde tummeln, Gewänder anlegen, also der Anfang des
Reiterzuges vor den Thoren; dort Kriegswagen, wo die stattlichen Sieger in den
Spielen auf- und abspringen, dann ältere Männer und Frauen, der Opferzug,
Lyra- und Flötenspieler, fernerhin Jungfrauen mit den heiligen Geräten, Knaben
und Mädchen mit Weihgeschenken, und in der Mitte die Gottheiten, besonders
Athene, welche die Opfer der Menschen freundlich aufnehmen.
Nachdem wir dies alles betrachtet haben, finden wir im Tempel selbst die
Göttin, der er geweiht ist. Durch die Dachöffnung hell erleuchtet steht sie im
Hintergrunde, dem östlichen Eingang gegenüber, glänzend, von Elfenbein und
Gold gearbeitet, gegen 12 1/2 m hoch. Ein Helm von lauterem Golde deckt ihr
Haupt; darunter blickt das Angesicht, im edlen griechischen Profil geformt,
ernst und doch mild hervor. Die eine Hand hält eine beflügelte Nike; die andre
umschließt die Lanze, während sich tiefer eine Schlange krümmt. Die Brust
deckt der Ägispanzer mit dem Gorgonenhaupt; der Schild mit Darstellungen ihrer
Siege lehnt zu ihren Füßen.
So dachte sich, so bildete Pheidias die Gottheit, der das für ihre
Wohlthaten dankbare Athen das Heiligtum und vorzugsweise seine Verehrung weihte.
Er veranschaulichte aber nicht allein ihre Gestalt, sondern alles, was ihre
ganze Erscheinung und ihr göttliches Wissen betraf. Seine plastischen
Darstellungen und das Haus selbst waren eine wunderbare, in Marmor gegrabene
Dichtung von der Schutzherrin der Stadt; sie erzählten ihre Geburt, ihren
großen Sieg zur segensvollen Herrschaft über das Land, den Beistand, welchen
sie mutigen Helden verlieh, und dir ihr dargebrachte Verehrung, und führten zu
ihr selbst in das Heiligtum.
Nach ausführlicher Schilderung dieser Meisterwerke der Architektur und
plastischen Kunst enthalten wir uns, von den übrigen Tempeln und Heiligtümern
zu reden, die auf dem engen Raume der Akropolis zusammengedrängt waren.
(S. 361) [Abb.]
(S. 362) Doch befanden sich auch in andern Teilen der Stadt merkwürdige
Bebäude und Kunsterzeugnisse dieser Art, namentlich das Theseion, dem
Nationalheros Theseus geweiht, nach den Verhältnissen des Parthenon, aber in
kleinerem Maßstabe erbaut, dann der Tempel des olympischen Zeus, der den
Parthenon an Größe weit übertraf, jedoch erst viel später vollendet wurde.
Ferner waren hier der Portikus Poikile, wo der Amazonenkampf, der Fall Ilions
und der Sieg bei Marathon durch Gemälde dargestellt waren, die Propyläen zu
einer neu angelegten Agora, und ähnliche künstlerische oder der Kunst geweihte
Bauwerke mehr. Wir haben davon bereits eine Übersicht gegeben.
Iktinos und andre athenische Künstler wurden auch außerhalb Athens dazu
berufen, den Göttern würdige Wohnungen zu erbauen, und es bildeten sich nach
ihnen Meister in verschiedenen Städten, wo der Kunstsinn gepflegt und die Kunst
geehrt war. So bauten Iktinos, Metagenes und Xenokles den großen Weihetempel
der Demeter zu Eleusis auf den Trümmern des von den Persern zerstörten. Es war
ein längliches Viereck, 68 m lang und 53 breit, dessen innerer, fast
quadratischer Raum (Naos) durch vier Säulenreihen in fünf Schiffe geteilt war,
während der schmale Pronaos in der Front 12 Säulen hatte. Man hat
unterirdische Räumlichkeiten in den wenigen Überresten entdeckt, die, wie oben
angedeutet, wahrscheinlich bei der Feier der Mysterien benutzt wurden. Ferner
ward Iktinos nach Phigalia in Arkadien berufen, um daselbst zu Bassä dem
Apollon Epikurios, dem heilenden Gotte, einen Tempel zu erbauen. Es war in der
ersten Zeit des peloponnesischen Krieges, als eine furchtbare Pest Athen und
viele Länder der Hellenen heimsuchte; da fühlten sich die arkadischen
Bergbewohner, die von dem Übel verschont geblieben waren, zur Dankbarkeit gegen
den rettenden Gott gedrungen und beschlossen den Tempelbau inmitten eines
hochliegenden, einsamen Thales. Die Abgeschlossenheit der Gegend hat dieses
Heiligtum bis zur gegenwärtigen Zeit in seinen Hauptteilen erhalten. Wenn der
Wanderer die arkadischen Eichenwälder und quellenreichen Thäler durchschritten
hat, dann, immer höher steigend, an vereinzelten Platanen und Fichten vorüber
auf einer Felsenhöhe angekommen ist, so erblickt er vor sich am Abhange des
hohen Mänalos den merkwürdigen Tempelbau. Man verwendete dazu Werkstücke von
feinem gelblich-weißem Kalkstein, der hier gebrochen wird; die Bildwerke des
Frieses aber wurden aus glänzendem Marmor gemeißelt. Achtunddreißig dorische
Säulen, sechs auf jeder Frontseite, umgeben das eigentliche Heiligtum, dessen
Langseiten an beiden Enden, als Mauerpfeiler geformt, mit je zwei dazwischen
liegenden dorischen Säulen den Eingang in die beiden inneren Räume, den
Pronaos und Naos, bilden. Das Dach wird von je fünf Halbsäulen mit dorischem
Kapitäl und ionischer Basis getragen, die mit den Seitenwänden und Wandpfeiler
verbunden sind. Es entstehen dadurch auf beiden Seiten halbgeschlossene Räume
statt offener Hallen. Zwischen den zwei letzten Säulen stand dem Eingang in die
Cella gegenüber das Götterbild. Die Statue ist längst nicht mehr vorhanden,
die Bildwerke des Frieses und mehrere Säulen sind zerfallen, tiefes Schweigen
ruht über der öden Gegend; aber einst zogen hierher dankbare Menschen und
brachten der Gottheit, die sie vor Gefahren beschützt, Opfer und Verehrung.
(S. 363) Auch das Haus des olympischen Zeus am Ufer des Alpheios, wo sich so
oft ganz Hellas zur Feier des großen Nationalfestes versammelte, genügte um
diese Zeit dem Schönheitsgefühle der griechischen Völker nicht mehr. Es war
im alten dorischen Stil erbaut, während der neue Tempel, welchen man den
attischen nennen sollte, zwar die dorischen Säulen und Verhältnisse im
allgemeinen beibehielt, aber alles Schwerfällige des dorischen Stils glücklich
vermied. Unter Leitung eines einheimischen Meisters Libon ward dieses neue
Heiligtum aufgeführt, und zwar zu derselben Zeit wie der Parthenon, und auch
annähernd in denselben Verhältnissen. Der Tempel hatte eine Höhe von ca. 21
m, war 28 1/2 m breit und 70 m lang. Die Mitte war unbedeckt, nur die
prachtvolle Bildsäule des Zeus durch ein vorspringendes Dach geschützt. Die
Seitengänge waren mit Platten von pentelischem Marmor ind Dachziegelform
gedeckt. An jeder Seite des Hauptgiebels strahlte eine goldene Vase, auf der
Spitze aber eine Siegesgöttin von gleichem Metall und zu ihren Füßen ein
Schild mit dem Medusenhaupt in erhabener Arbeit. Der Wagenkampf des Pelops und
des Önomaos, dem die Götter zuschauen, zierte die vordere Giebelseite, den
Architrav schmückten 21 goldene Schilde. - Auf dem hinteren Giebel war der
Kampf der Lapithen und Kentauren abgebildet, in dem Fries der Vorderseite
dagegen die Arbeiten des Herakles. Auch im Innern war der Tempel durch Szenen
aus der Götterwelt in Bildhauerarbeit prächtig geschmückt. Trotzdem vermißt
man in diesen Bildwerken den tiefsinnigen Zusammenhang, wie er bei denjenigen
des Parthenon vorhanden war. Wie werden davon sowie von den neuesten Funden
später reden.
Pheidias hatte die Bildsäule des Zeus in den letzten acht Jahren seines
Lebens aus Elfenbein und Gold geschaffen, wobei aber zu bemerken ist, daß der
Kern dieses und ähnlicher Werke aus Holz und Metallstäben, und nur der dünne,
künstliche Überzug aus jenen kostbaren Stoffen bestand. Das Haupt des Gottes
war mit einem Olivenzweig umschlungen, die Rechte hielt die Siegesgöttin
(Nike), die Linke das Zepter mit dem Adler; Gewand und Sandalen von Gold waren
mit Rosen und Lilien geschmückt. Vier tanzende Siegesgöttinnen erhoben sich
über jedem Pfeiler des Thrones, auf dessen Säulen- und Querbalken, Basis und
Fußschemel die mannigfaltigsten Szenen aus den Göttersagen dargestellt waren,
während ganz oben die Grazien und Horen, Töchter des Zeus, leicht und anmutig
emporstrebten.
(S. 364) Wie man aber auch das schmückende Bildwerk bewunderte, immer kehrte
das Auge zu dem Vater der Götter und Menschen selbst zurück, dessen Anblick
nach der Sage allen Erdenschmerz vergessen ließ. Wenn der Meister in seiner
Athene die göttliche Weisheit darstellte, wie sie den Sieg im Kampfe erringt
und die Segnungen des Friedens ausbreitet, so hatte er in seinem olympischen
Zeus das Ideal der göttlichen Allmacht gestaltet, das in seiner Seele lebte. Er
dachte sich dieselbe durch Weisheit gelenkt und verklärt, durch Barmherzigkeit
gemildert und erwärmt. Dieses Ideal hatte er, so weit es dem Menschen vergönnt
ist, in Form und Stoff zur Anschauung gebracht. Doch sagte der bescheidene
Künstler, nicht von ihm selbst sei dies alles erfunden, sondern Homer habe ihm
die Idee dazu eingegeben durch die Stelle der Ilias I, 528:
"Also sprach und winkte mit dunkelen Brauen Kronion,
Und die ambrosischen Locken des Königs wallten ihm vorwärts. Von dem
unsterblichen Haupt; es erbebten die Höh'n des Olympos."
Für das schönste Werk der Architektur im Peloponnesos hielt
man den Tempel der Athene Alea zu Tegea in Arkadien, der freilich später, erst
nach dem Jahre 400, von dem Athener Skopas erbaut wurde. Er war von einem
ionischen Säulengang umgeben; im Innern ruhte auf dorischen Säulen eine
Galerie, über welcher korinthische Säulen die Decke trugen. Die letztere
Säulengattung soll, wie schon der Name andeutet, in Korinth erfunden worden
sein. Man erzählt, Kallimachos, ein Baumeister daselbst, habe einst einen
Blumenkorb wahrgenommen, aus welchem Blätter und Triebe der Wucherpflanze
Akanthus (Bärenklau) hervorragten, die ein darüber liegender Stein anmutig
nach allen Seiten niederbog; nach diesem Vorbild habe der Künstler das
prächtige korinthische Kapitäl aus acht äußeren und ebenso viel inneren
Akanthusblättern und Blumenstengeln unter der darauf ruhenden abgerundeten
Platte geformt. Diese Säulengattung wurde anfangs nur spärlich, später aber
zu ganzen Kolonnaden verwendet. Allein in dem Bestreben, frühere Leistungen zu
übertreffen, gestaltete man den Blätterschmuck des Kapitäls und überhaupt
die Ornamentik immer mannigfaltiger und üppiger, was zuletzt, besonders unter
den Römern, zu geschmackloser Überladung führte. Ein feind gegliedertes
Pilasterkapitäl von korinthischer Ordnung hat man unter den Ruinen des
Demetertempels von Eleusis aufgefunden.
Ein schönes Denkmal in korinthischem Stil ist ferner das oben
angeführte choragische Monument des Lysikrates in Athen, das, wie schon
bemerkt, noch (S. 365) wohlerhalten ist. Lysikrates hatte für seine Leistungen
bei Aufführungen dionysischer Festspiele als Preis einen Dreifuß erhalten (334
v. Chr.). Zum Andenken an diesen Sieg wurde das schöne Monument aufgeführt,
ein Rundbau auf quadratischer Basis mit sechs aus der kreisförmigen Wand
hervortretenden korinthischen Halbsäulen. Auf dem Fries des darüber gelagerten
zierlichen Gebälks erblickt man Darstellungen aus dem Leben des Dionysos. Ein
Marmordach in Form einer Kuppel aus einem Stück wölbt sich darüber und trägt
in der Mitte eine aus Akanthusblättern gebildete Steinblume, die einem
korinthischen Kapitäl gleicht und einst dem Dreifuß zur Unterlage diente.
Es wird uns auch von einem Prachtbau aus Sparta berichtet, der
aus der Kriegsbeute von Salamis und Platää errichtet ward. Dies war die Halle
Persike, deren Bedachung nicht SÄulen, sondern Karyatiden oder Atlanten
(Träger), Statuen in schleppenden persischen Gewändern, trugen. Ferner erhoben
sich reich geschmückte Tempel in Korinth, Sikyon und andern Städten. Berühmt
war namentlich in dem prachtvollen Korinth der Tempel der Athene Chalinitis (Zaumanlegerin
oder Rossebändigerin). Es sind davon noch jetzt sieben Säulen von gedrungenen
dorischen Verhältnissen vorhanden. Ähnliche Formen hatte, wie es scheint, der
Tempel Poseidons auf dem Isthmos, wo die isthmischen Spiele gefeiert wurden. Von
den spärlichen Trümmern desselben abwärts erstreckt sich noch gegenwärtig
die Thalschlucht, in welcher wahrscheinlich einst der heilige Fichtenhain
Poseidons grünte.
Ein prächtiger Tempel der Aphrodite soll auch Akrokorinth
geschmückt haben, von dessen Terrasse man die ganze Landenge, die beiden Meere,
die Felsenhöhlen Äginas und die Berge der attischen Küste überblickte. So
suchten die alten Meister ihren Werken nicht nur die möglichst vollendete Form,
sondern auch den geeignetsten Standpunkt zu geben, wodurch diese Form zur vollen
Anschauung und Geltung gebracht wurde.
Es vereinigten sich auf diese Weise die erhabensten Werke der
Skulptur und Baukunst mit den malerischen Formen des hellenischen Landes und
leuchteten den nahenden Schiffen entgegen als herrliche Verkörperungen des
Geistes, welcher das ganze Volk der Hellenen durchdrang.
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| | Wägner, W., Hellenische Kunst, in: ders., Hellas, Bd. 1, 6. Auflage. Leipzig und Berlin 1886, S. 349 - 373 (1. Auflage 1859)
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