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Sekundaerliteratur
Frühe Neuzeit | Lebensverhältnisse

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Verschiedene Stundenzählungen
In babylonischer Zeit, im klassischen Altertum, bis zum Aufkommen der Schlaguhren in Europa im 14. Jahrhundert teilte man den Lichttag und die Nacht in je zwölf Stunden ein, deren Zählung vom Auf- bis zum Untergang der Sonne, beziehungsweise von ihrem Unter- bis zu ihrem Anfang bestimmt war. Diese Stunden, Temporalstunden, waren durch die verschiedenen Tag- und Nachtlängen in den jeweiligen Jahreszeiten unterschiedlich lang. Abgelöst wurde diese verschieden lange Stundenteilung durch die Äquinoktialstunden, gleichlange Stunden, die nur die Räderuhr angeben konnte. Der Ausgangspunkt für den Beginn der Stundenzählung - 1 bis 24 (S. 150) Große oder Astronomische Uhr, 1 bis 12 Kleine, Halbe oder Deutsche Uhr - ist abhängig vom Beginn des Kalendertages. In Italien nun fing der neue Tag mit dem Sonnenuntergang an, eine Zählung, die vom Kirchentag, der von Abend zu Abend geht, geprägt war. Die Böhmische Uhr, die in Böhmen und Ungarn nach der Mitte des 14. Jahrhunderts eingeführt wurde und ihre Stundenzählung mit Sonnenaufgang begann, und die Italienische oder Welsche Uhr mußten nach dem Wechsel der Jahreszeiten jeden halben Monat um eine halbe Stunde verstellt werden. In Nürnberg teilt man den Lichttag und die Nacht in Äquinoktialstunden ein, gab jedoch die Zwölferteilung von Tag und Nacht auf, die Tage beziehungsweise die Nächte hatten je nach Jahreszeit verschieden viele Stunden: Um die Sommersonnenwende zählte man 1 bis 16 Stunden am Tag, Mittag war also um 8 Uhr, um die Wintersonnenwende 1 bis 8 Stunden, Mittag war folglich um 4 Uhr. Diese Zeitrechnung, die Nürnberger Uhr, war offiziell bis 1811 in Gebrauch.



 

aus: K. Maurice, Von Uhren und Automaten. München 1968, S. 42f; zit. nach: Gudrun und Alexander Decker, Lebensverhältnisse im 16., 17. und 18. Jahrhundert, in: Materialien zum historisch-politischen Unterricht 4, hrsg. von H. Hoffacker. Stuttgart 1982, S. 149f, mit frdl. Genehmigung für psm-data