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Primaerliteratur
Frühe Neuzeit | Lebensverhältnisse

[P|S|M]

Abschaffung der Folter durch Markgraf Karl Friedrich von Baden, 9.9.1767
Nachdem wir die Folgen des in peinlichen Faellen oefters vorkommenden Mittels der Tortur mehrmals in Ueberlegung gezogen, und dabei sowohl einerseits die Unzuverlassigkeit dieses Beweismittels, durch wekches selbst ein Unschuldiger zu einem, die Todesstrafe etwa zuziehenden falschen Gestaendnis, ja zur Verzweiflung gezwungen werden kann, und wobei es fast lediglich auf die Zulaenglichkeit oder Unzulaenglichkeir der zu Erstehung der Marter erforderlichen Leibes- oder Gemuetskraefte ankommt, als auch anderseits den unbilligen Vorteil, welchen ein mit genugsamen Kraeften begabten Missethaeter, durch standhafte Erstehung der Marter zum Nachteil der oeffentlichen Sicherheit genieset, reiflich erwogen haben: So sind wir hierauf durch den Euch abgeforderten und an Uns erstatteten Vortrag zu dem Entschluss veranlasset worden, das Mittel der peinlichen Marter als eine nicht allzeit mit der Natur eines rechtlichen Beweises, und ebenso mit Unsern Gesinnungen, mit dem noethigen Schutz der Unschuld, ja selbst mit der Sicherheit des gemeinen Wesens nicht wohl uebereinstimmende Sache, in Unseren Gerichten, so viel es nur immer die gedachte Sicherheit des gemeinen Wesens verstattet, abzuschaffen und zu verbieten.





(Reskript des Markgrafen an sein Hofgericht. Datum Carlsruhe, den 8. September 1767)
nach : Karl Hofmann, Quellenbuch zur Badischen Geschichte, Karlsruhe : Friedrich Gutsch 1913, Nr.57, pp.58-59; Digitalisierung: A. Ganse