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Deutschland | Deutscher Bund

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Hessen gewährt die Märzforderungen

Ludwig von Gottes Gnaden Erzherzog und Mitregent von Hessen und bei Rhein.

Nachdem Unser Herr Vater des Großherzogs, Königliche Hoheit, beschlossen haben, durch das Edict vom gestrigen Uns zum Mitregenten zu ernennen - eine Anordnung, der Wir Uns in Betracht der durch das vorgerückte Alter Unseres Herrn Vaters gegebenen Veranlassung mit Schmerz unterzogen haben, - ist es Uns ein Bedürfnis, Unserm Volke den Dank für die treue Liebe, welche es bisher Unserm Hause bewährt hat, zu verkünden, und die Zuversicht auszusprechen, dass Uns diese Liebe und das Vertrauen in unsere wohlwollenden Absichten werden bewahrt bleiben.

Was zur Gewähr politischer und bürgerlicher Freiheit gehört, soll unserm Volk nicht vorenthalten bleiben.

Wir zählen auf die Verfassungsmäßige Mitwirkung und Unterstützung Unserer Stände bei Leitung der Landesangelegenheiten, und Wir finden darin eine Gewähr des Vertrauens des Volkes.

Original

Was zur Gewähr politischer und bürgerlicher Freiheit gehört, soll unserm Volk nicht vorenthalten bleiben.

Wir zählen auf die Verfassungsmäßige Mitwirkung und Unterstützung Unserer Stände bei Leitung der Landesangelegenheiten, und Wir finden darin eine Gewähr des Vertrauens des Volkes.

Die Presse ist frei, die Censur ist hiermit aufgehoben.

Wir werden den Ständen eine allgemeine Volksbewaffnung in Vorschlag bringen lassen.

Das Militär wird auf die Verfassung sofort beeidigt werden.

Wir werden den Ständen unverzüglich einen Gesetzentwurf auf Aufhebung des Art.81. der Verfassungsurkunde vorlegen lassen, damit das Petitionsrecht und das Recht der Volksversammlungen frei ausgeübt werden können.

Die freie Ausübung aller religiösen Culten ist gestattet.

Die Bundesverfassung hat die gerechten Forderungen des deutschen Volkes auf nationale Geltung nicht befriedigt, dabei haben Wir die Ueberzeugung gewonnen, dass eine Nationalvertretung zur Vervollständigung der Organisation und zur Erstarkung Deutschlands wesentlich beitragen wird. Wir werden Uns nach Kräften bemühen, bei den mitverbündeten deutschen Fürsten dieser Ueberzeugung Eingang zu verschaffen.

Der Wunsch des Volkes, dass für ganz Deutschland ein Civil- und Strafgesetz und dieselben Formen des Verfahrens gelten möchten, theilen wir ganz und werden in diesem Sinne wirken. Einstweilen werden Wir in Anerkennung des dringenden Bedürfnisses in den beiden diesseitigen Provinzen den Ständen alsbald Gesetzesentwürfe über ein neues auf Mündlichkeit und Oeffentlichkeit gegründetes Civil- und Strafverfahren, verbunden mit Schwurgerichten und Aufhebung der privilegirten Gerichtsstände, vorlegen lassen.

Der Provinz Rheinhessen sind bis zur Einführung einer allgemeinen deutschen Gesetzgebung ihre Institutionen und Gesetze garantiert.

Den Ständen wir ein Gesetzentwurf auf Zurücknahme des Polizeistrafgesetzes unverzüglich vorgelegt werden.

Wir haben durch diese Zusagen die Bitten bereitwillig gewährt, die in der gegenwärtigen kritischen Lage zu Unserer Kenntnis gekommen sind, und stellen mit Vertrauen die öffentliche Ordnung unter den Schutz der Freiheit und der Bürger, welche sie lieben.

Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und des beigedrückten Staatssiegels.

Darmstadt, den 6.März 1848

(L.S.) Ludwig.

Der Minister des Innern: H.Gagern.



Quelle: 1848, Flugschriften im Netz

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