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Primaerliteratur
Deutschland | Deutscher Bund

[P|S|M]

Der preußische Offizier Johann von Borcke über die Rückkehr des Kurfürsten von Hessen-Kassel im Jahre 1813
"Am 21. November 1813 [...] hielt der Kurfürst seinen Einzug in Kassel, und Hessen feierte mit lautem Jubel seine Wiedereinsetzung [...]. Mir trat einer der seltsamsten Eindrücke, die ich je empfing, entgegen: die Wiedergeburt der Zöpfe. Am Einzugstage aber waren alle noch im Lande vorhandenen und viele frisch und jung im Nacken eingedrehten [Zöpfe] zu Ehren des Kurfürsten, der eine bis ans Lächerliche streifende Vorliebe für sie hatte, wie durch Zauberschlag zu neuem Leben entstanden [...]. Der Kurfürst wollte von der siebenjährigen Fremdherrschaft nichts wissen, und schon die Worte ‚Westfalen, westfälischer Dienst' waren ihm ein Greuel. [...] Die fremde Regierung war von niemandem geliebt worden, aber sie hatte doch manches Gute, unendlich vielen Menschen, Offizieren und Beamten, schnelle Beförderung gebracht, und sie war mit der Zeit fortgeschritten [...]. [Der Kurfürst war bestrebt], nun in blindem Eigensinn alles, auch das anerkannte Bessere der westfälischen Zeit, rücksichtslos zu beseitigen. [...] [Die] Enttäuschung, welche dem Freudenrausch folgte, [war] eine allgemeine und schmerzliche [...] Kassel wurde still und einsam [...], und die Unzufriedenheit wuchs mehr und mehr."



in: E. Kleßmann [Hrsg.], Die Befreiungskriege in Augenzeugenberichten. München 1973, S. 204ff., zit. nach: Erinnern und Urteilen, Bd. 3. Stuttgart 1980, S. 50

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