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Primaerliteratur
Deutschland | Deutscher Bund

[P|S|M]

Philipp Jakob Siebenpfeiffer (Verteidigungsrede 1834)
"Was mich betrifft, ich bin Republikaner von ganzer Seele; nicht bloß er Theorie nach, sondern ich halte die Repräsentativ-Republik für die einzige Staatsform, die einem größeren Volk, das seine Würde fühlt, geziemt, für die alleinige, die heute möglich. Sie allein kann freies Denken, freies Handeln geben, somit den Zweck der Völkerbewegung erfüllen. Ein mündiges Volk unter einer Monarchie dünkt mir ein Herkules am Spinnrocken, woran der eigene Wahn es bindet. (...) Die konstitutionelle Monarchie, welche Republik und Fürstlichkeit vereinen soll, ist mir praktisch ein Unding. Nur ein Wille kann Staaten regieren; jene stellt aber einen zweifachen auf: den Willen des Monarchen und den Willen des Volkes. So entsteht ein Doppelprinzip, das sich selbst feindselig bekämpft. Alle Gewalt strebt, wie man weiß, naturgemäß nach ihrer Erhaltung, Befestigung, Erweiterung: ist die Regierung stark, so wird sie absolut, die Mitwirkung des Volkes wird ein Gaukelspiel sein; ist der Volksrat stark, so geht die Monarchie in der Republik unter (...) Ich will, dass die Gesamtheit herrsche, d.h. Geist und Gang der Regierung regle. Wo eine herrschende Klasse, da ist auch eine dienende. Der herrschende Gesamtwillen, der freie Ausdruck aller Volksinteressen- dies ist meine Republik. So viel über Ziel und Inhalt meiner Bestrebungen. Nun über Art und Weise, wie ich es zu erreichen gesucht. (...) Zwar lassen sich diese Ansichten in zwei Hauptmeinungen zusammenfassen, wovon die eine die soziale Umgestaltung langsam, auf dem Weg allmählicher Reformen, die andere wesentlich auf einmal will. Inzwischen muss ich in Beziehung auf die letzte Partei sogleich die Beschränkung beifügen, dass dieselbe wohl zufrieden wäre, hätte man nur erst die Möglichkeit allmählicher Reformen errungen und sichergestellt. Ich selbst gehöre zu dieser Partei.

Kein Volk wünscht jemals Umsturz, Anarchie. Dass in jedem Volk ein Haufe von Leuten besteht, die sich in solchem Elemente wohl befänden, ist wahr; Mangel an Aufklärung und Überfluss an Elend sind schuld: die Staatsordnung, wogegen solcher Pöbel sich erhebt, hat ihn erzeugt; je zahlreicher und wilder er ist, desto verdammlicher erscheint die Ordnung der Dinge, die ihn erschaffen. Doch hütet euch, das sogenannte niedere Volk zu verdächtigen, ihr, die ihr den Pöbel nicht da sucht, wo er allein zu finden - in eueren Reihen, Pöbel in Glanz und Würden, in Palästen und im Überfluss!"



aus: H. Brandt (Hrsg.) (1979) - Restauration und Frühliberalismus 1814-1840, Darmstadt 1979, S.423-427

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