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Frühe Neuzeit | Dreißigjähriger Krieg

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Das Tagebuch des Schulmeisters Gerlach in Albertshausen, 1629-1650




Das Tagebuch des Schulmeisters Gerlach in Albertshausen 1629 – 1650
Herausgegeben von Hans Zimmermann Uengershausen-Würzburg, Weihnachten 1924.

Vorwort.

Die Aufzeichnungen des im 30jährigen Kriege zu Albertshausen heutigen Bezirksamts Würzburg amtierenden Schulmeisters Gerlach geben uns ein Bild über eine Zeit des bittersten Leidens und der ärgsten Bedrängnis, die über unser deutsches Vaterland hereingebrochen war. In der Hauptsache wurde unsere Heimat Franken, schon damals eine der blühendsten Provinzen Deutschlands, von der verwilderten Soldateska der kriegsführenden Parteien auf das furchtbarste heimgesucht. Ob Freund oder Feind im Quartier lag, alle plünderten und plagten den fränkischen Bauern und Bürger mit allen nur erdenklichen Mitteln und Schikanen.
Gerlach schildert uns nun in seinem vom Jahre 1629 bis 1650 geführten Tagebuch die einzelnen Ereignisse dieser Zeit, insbesondere aber diejenigen, die sich in den einzelnen Ortschaften der ehemaligen Herrschaft der Wolfskeele, Zobel und Geier zugetragen haben. Außerdem gibt uns das Tagebuch Kenntnis von der im gleichen Zeitabschnitte einsetzenden Gegenreformation der Fürstbischöfe von Würzburg in den Pfarreien Albertshausen-Lindflur, Uengershausen-Reichenberg-Geroldshausen und Rottenbauer-Fuchsstadt, die gewöhnlich mit der gewaltsamen Entfernung des evangelischen Geistlichen begann und mit Einsetzung eines altgläubigen Pfarrers endigte.
Das Tagebuch selbst, das nachweislich im Pfarrarchiv zu Albertshausen aufbewahrt wurde, ist nicht mehr vorhanden. Ich vermute, dass dasselbe im Revolutionsjahr 1848 aus Unkenntnis und Unverstand vernichtet wurde. Der katholische Pfarrer und Drifriktsschulinspektor? Johann Baptist Kestler von Rottenbauer hat im Jahre 1839 eine Abschrift dieses für unsere Heimat so hochwichtigen geschichtlichen Dokumentes auszugsweise gefertigt und so haben wir es dem um die Heimatsgeschichte hochverdienten Geistlichen zu verdanken, dass der Inhalt des Gerlach`schen Tagebuches der Nachwelterhalten blieb. Die Abschrift befindet sich im Pfarrarchiv zu Uengershausen. Diese hochinteressanten Aufzeichnungen verdienen es , dass sie nicht nur für die Geschichts- und Altertumsforscher als geschätztes Material in Archiven aufbewahrt und verschlossen gehalten, sondern dass sie auch dem geschichtsfreundlichen Publikm, insbesondere meinen Landsleuten, zugänglich gemacht werden. Ich darf wohl annehmen, dass es für viele ein Bedürfnis ist, zu erfahren, wie unsere Vorfahren vor 300 Jahren in einer für Deutschland so hochwichtigen Zeitperiode gelebt und gelitten, wie sie für ihre persönlich und geistige Freiheit gekämpft haben und was sie alles daran setzen mussten, ihre Familie in einer Zeit zu ernähren, wo die räubernden Soldaten ihnen den letzten Laib Brot weggenommen haben. Gerade heute, wo das deutsche Volk dem Sadismus eines rachsüchtigen Feindes preisgegeben ist und machtlos das Unrecht des Versailler Friedensvertrages über sich ergehen lassen muß, dürften die Aufzeichnungen des Schulmeisters Gerlach einem erhöhten Interesse für weitere Volkskreise dienen. In der Hauptsache hat die Veröffentlichung des Tagebuches den Zweck, die Liebe zur alten schönen Heimat zu wecken, nicht nur bei denen, die das Schicksal in die weite Welt hinausgeworfen hat, sondern auch diejenigen, die in der Heimat auf der ererbten Scholle ihrer Vorfahren sitzen, sollen daran denken, dass es eine Gnade Gottes ist, in der Heimat leben und sterben zu dürfen.
In dieser Stelle möchte ich meinen ganz besonderen Dank dem nunmehrigen II. Stadtpfarrer an St. Johannis zu Würzburg Herrn Emil Schwerdtfeger und seinem Nachfolger in der Pfarrei Uengershausen Herrn Pfarrer Oertel für das liebenswürdige Entgegenkommen in Bezug auf Bereitstellung des Aktenmaterials aus dem Pfarrarchiv aussprechen.
Würzburg, Weihnachten 1924.

Hans Zimmermann

Uengershausen-Würzburg



Im Urtext 1629

Den 14.Oktober sind die Kroaten von Herrn Kommissario Joh. Brandmüller von Nördlingen kommend, in Uengershausen angekommen und in die einzelnen wolfskeelschen Ortschaften ausgeteilt worden Herr Kommissario nachmittags 4-5 Uhr in des Schulheißen Haus zu Albertshausen 3 Reuter, 4 Fuchsen, den Kutscher samt den Anhang.
Was täglich uff 1 Reuter unter Herrn Rittmeister Hans Tischler´s Compagnie Croaten an Proviant Fourage kraft der von Herrn Obristen von Oßa und Herrn Obristen Picolomini gemachten und unterschriebenen Ordinanz zu verabreichen ist, damit er sich dann begnügen lassen könne und darüber sich niemand beschwerden sollte; als für den Tag: 4 Pfund Fleisch, 2 Maß Bier oder Wein, 2 Pfund Brot, 6 Fudermaß Haber, 12 Pfund Heu, 1 Bd. Stroh, Logiement, Liegerstatt, Holz, Salz, Licht und etwas Zugemäß. Auf einen Offizier muß ein Mehreres gegeben werden.

1630

12. März sind die einlogierten Soldaten nach Giebelstadt gereiset; haben sich wegen des Fleisches und Bieres halber sehr unnütz gemacht. Wie lange mag es noch währen?
Gutes Mostjahr. Es ist soviel Most gewachsen, dass die Bauern angefangen haben, ihn wegzuschütten. Ein Bauer in Goßmannsdorf hat der Gemeinde Baldersheim 11 Ehmer zum Austrinken umsonst gegeben. Keine Fasse mehr gehabt um den Most einzufüllen.

1631

Den 22. Februar ist Pfarrer Johann Simonis zu Uengershausen, Geroldshausen und Hattenhausen (das heutige Reichenberg) Vormittag zum Zentgraf nach Bütthard geführet und von diesem und dem Auschuß abgeholt, das Pfarrhaus in Uengershausen umstellet worden. Ist bei dem Vogt zu Bütthard bis zum 2. März uffgehalten, wird ledig, die Pfarrei zu Uengershausen geräumt, hat sich nach Reichenberg uff das Schloß begeben . Der Pfarrer muß müßig stehen. Am 5. März (Aschermittwoch) der kath. Pfarrer von Euerhausen nach Uengershausen begeben mit 5 Reuttern in den Pfarrhof eingezogen, hat neue Feiertage gefeiert, geht den 2. Oktober wieder ab. Hat Sorg gehabt er werde ausgejaget.
Dienstag den 29. März nachmittags kommt ein katholischer Priester nach Albertshausen, den Barthel Dürr aussen vor dem Tore liegend in den Sonnen bei unseren großgünstigen Junkher Garten ,gesagt, wo das Prädicantenhaus sei, keine Antwort, ihm Priester 2 mal mit seinem schwarzen Steckelein mit Streichen begegnetund gesagt, er werde Pfarrer allhier, er habe Befehl von Ihro fürstl. Gnaden zu Würzburg. Nach diesem Verlauf in das Thorhaus unter den Schwiebogen niedergesetzt, anfängt ob man katolisch sei, darauf der Vogt Klaus Heunich: „Wir sind katholisch“, Priester angefangen, wie viel man Evangelisten habe im Jahre, falsch geantwortet. Der Priester: „Du bist ein Hundsvozt!“ Vogt gesagt:“ Du bist selbsten einer!“ Darauf der Priester gesagt: „Du bist ein ungehengter Dieb“. Vogt ihm dieses wieder in den Busen geschoben, Priester fortgegangen, seinen Mund nit zehmen können, er geschendet, gefluchet und gehundsvozt hat.
9. September pappenheim´sches Fußvolk übernacht einquartieret gewesen. Samstag abgezogen. Die Gemeinde Fuchsstadt hatte hierzu spendiert: 10 Ehmer Wein, 324 Pfund Fleisch, 21 Leib Brot, welches unter die Nachbarschaft ausgeteilet wurde. In diesem Tage wurde Gnodstadt vom Kriegsvolk vollständig niedergebrannt. 20. Sept. sind 93 Mann Fußvolk und 64 Reutter nach Albertshausen kommen, den 22. Nov. Zu früh 6 Uhr nach Reichenberg auf af die Musterung gezogen. Contribution an die Herrschaft erlegt.
1. u. 2. Oktober sein viel Würzburger Priester, Bürger, Weib und Kind geflohen, viel Wagen und Karren hier durch, sein viel Priester daraufgesessen. 5. Oktober Mittwoch sind auch 2mal in Lindflur die Pferde aus den Ställen gezogen worden, 10 Stück, auch eines, das von Biebelrieth hierhergefloht ward. 6. Okt. sind zu Albertshausen schwedische Reutter ankommen, ließen ihre Pferde beschlagen, fütterten, einer von ihnen kletterte bei der Schlagbrücken in das Schloß, aus dem 10 Pferde mitgenommen wurden.
8.Okt. S. Majestät der Schwedenkönig hat die Burg zu Würzburg zwischen 5 und 6 Uhr morgens erobert, eingezogen.
Am 12. Oktober ist er nach Ochsenfurt weitergezogen.
13.Okt. Kein Salve Quardia (Ortsschutz). Ein Soldat, ein Weib und 1 Pferd, das dem Baltin Müller in Geroldshausen genommen, in des Schultheißen Haus zu Albertshausen auf efehl des Junkhers gelegt worden. An diesem Tage zogen die schwedischen Reutter, so zu Uengershausen gelegen, durch Albertshausen mit vielen Wagen. Ein schwedischer Reutter setzt Barthel Dürr auf ein Pferd, das ein Fuchs gewesen ist, nimmt ihn mit. Die Wiederkunft gibt die Zeit! Am 16. Okt. haben die Schweden auf dem Felde ein Schweinlein gestochen, das dem Hannes Michel gewesen ist. Ein Schaf kostete 3 Batzen, 1 Kuh 1 Reichsthaler. 16. Oktober, weil der katholische Pfarrer hinweggewesen ist, hat sich der Bader in Uengerhausen unterstanden, Kirchläuten zu lassen, das Evangelium gelesen und gesungen.
17. Oktober brachte ein schwedischer Korporal mit seinen Soldaten Kühe, Kinder und verschnittene Ochsen nach Albertshausen. Wieder Fohlenmarkt gewesen.
19. Oktober ging die Sage, das kaiserliches Kriegsvolk in Kleinrinderfeld angekommen sei. Die Albertshäuser flohen.
20. Oktober kamen abermals in Abwesenheit des Salve quardia schwedische Reutter an, zogen am 21. nach Lindflur weiter. Am 22. kam die Salve quardia wieder an. Acholshausen ist niedergebrannt worden.
22. Oktober trieben 4 schwedische Reutter eine Herde Kühe, die sie in Kiri (Kirchheim) Dorfe nach Winterhausen. In Sulzdorf wollten die Schweden an diesem Tage Vieh abtreiben, wurden hiebei von den kaiserlichen überrascht und von 6 wurden 5 niedergemacht. Der 6. brachte diese Post in Person nach Albertshausen. Die Bauern tragen bei Nacht ihr Korn zur Mühle nach Acholshausen und Tückelhausen wegen großer Unsicherheit und weil man ihnen sämtliches Gespann abgenommen.
25. Oktober wurde die Zobel´sche Edelfrau von Giebelstadt, die mit ihrer Kutschen nach Lindflur fahren wollte, von schwedischen Reuttern am Klingholz angehalten und ausgeraubt.
28., 29., 30. Oktober flohen viele Einwohner vor den schwedischen Reuttern, die denselben das letzte Stück Vieh aus den Ställen gezogen haben. 3. November kam ein schwedischer Obrist ins Schloß Albertshausen in´s Quartier, blieb bis 5. und zog nach Remmlingen weiter. 6. November kamen 6 schwedische Reutter, gingen in die Häuser und suchten nach Brod, haben mitgenommen von Spentuch 3 Laib Brot, 1 Huhn, bei Heunich 1 Kalb. Der Englertin nahmen sie eine Kuh mit, welche ihnen jedoch wieder entlaufen.
7. November brachten 9 schwedische Reutter eine Herde Kühe, Schweine und Gänse, welche sie den Feinde abgenommen, blieben im Schlohof und trieben am nächsten Tag nach Fuchsstadt weiter. 8. Oktober 1 Wagen Weiber und 2 Reutter ins Quartier geleget. 20. Dezember kamen abends an 2 Karren, 1 Wagen nebst etlichen Musquetieren, um Futter aufzuladen, wurden abgewiesen, gehen nach Essfeld, kamen wieder und erhielten eine Büschel Heu und etliche Schüt Stroh. Darauf zündeten sie vor dem Tore ein Feuer an und verbrannten Heu und Stroh.
18. Dezember hat Pfarre Simonis in Uengershausen angefangen ohne Einsetzung seines Amtes zu walten und die erste Predigt gethan. Am 27.Dezember wollte er auch in Geroldshausen Kirche halten, es war aber den Unterthanen vom Junkher verboten, in die Kirche zu gehen.


1632

vom 19.-27. Januar lag in Lindflur die Compagnie „Witzleben“ 85 Mann 90 Pferde. Kostete an Wein 3 Fuder 2 Eimer 3 Maß und an Geld 31 fl. Die Zeche an Fleisch hat 334fl. 3 Batzen und 3 Kr. betragen.
28. Januar kommt Salve quardia 1 Pferd 1 Reutter und 1 Junge nach Albertshausen.
14. Februar wurden nachts zwischen 11 und 12 Uhr 10 Ortslöhne und Dienstknechte in den Turm gelegt, dann Mittwoch darauf Hannes Michels Tochter Dorothea Anna, Goth und Dienstmagd zu Lindflur und Jakob Markhard´s Tocher Anna eben dahin und Donnerstag wiederledig lassen. Die Ursach, weil sie getregelt hatten. 14. März Fußvolk Jacob Christof von Hellmstatt Compagnie in Albertshausen gelegen, den 15. nach Uffenheim weiter.
29. März ist ein neuer evangelischer Pfarrer von Friedrich von Wolfskeel angenommen worden. 1. Predigt am 11. Juni in der Kirche zu Reichenberg getan; war Magister Adam Neubert.
3. August kam Hans Dollfuß, der als Leutnant in schwedischen Diensten gestanden, in Lindflur an und ritt weiter nach Albertshausen, wo er geboren ward, zog tagsdarauf wieder in´s Lager Schwarzach, dann nach Windsheim.

1633

7.Jan.Die Trauben sind erst jetzt geerntet worden, da die in Quartier liegenden Schweden dies nicht zugelassen haben. Die Beeren sind mit Butten heimgetragen worden und hat trotzdem einen sehr guten Most gegeben.
Den 16. Februar lag derselbe Leutnant Dollfuß mit einer Compagnie Reuter in Lindflur und zog den 24. den Königshofen im Gau. Der Ort Schönfeld wurde von den Schweden abgebrannt.
13. August wurde in Reichenberg ein Schuster von einem schwedischen Reutter erstochen.
16. August ist Leutnant Friedrich des Obristen Zobel Salve quardia in Albertshausen gelegen. Von Würzburg nach Bütthard gezogen, hat 2 Pferde dem Jobst Rickel in Albertshausen und 1 Kuh dem Andreas Konrad von Lindflur mitgenommen. Samstag, den 18. August wurden diese Stücke wieder ausgelöst du zwar die Pferde mit 10 Reichsthaler, die Kuh mit 6 Reichsthaler. Georg Raps Tochter ist mit den Reuttern gezogen.
1. September wurde der Dom zu Würzburg eingenommen und die papistischen Pfaffen abgeschafft. „Gott gebe seinen Segen, war St. Egiditag eben.“
5. September starb Schulmeister Lorenz Schmitt in Fuchsstadt, hinterließ eine hoffende Frau, 1 Söhnlein und ein Töchterlein.
2. Oktober wurden den Bauern in Albertshausen beim Mistfahren 9 Pferde abgenommen, war groß Übel.
15. Oktober sind die Bauern in Fuchsstadt für den Schmied nach Kohlen gefahren; wurden ihnen von den Reuttern in Kleinrinderfeld die Pferde abgenommen. 22. Oktober wurde Christof Geier von Giebelstadt, der im schwedischen Krieg erschossen worden, in die Kirche zu Giebelstadt begraben, war eine stattliche Leiche. Ein Söhnlein des Ludwig Reinhard von Uengershausen erfror auf dem Holzwege, der auch zur Leiche gegangen war.
12. November wurde Magister Georg Neubert Pfarrer auf Schloß Reichenberg im Wirtshaus zu Giebelstadt von 2 Soldaten jämmerlich zugerichtet, als er um die Pfarrei bei dem Junker Zobel anhielt. Des Übels wird immer größer.
27. Dezember ist Pfarrer Feiertag von Lindelsbach als erster evangelischer Pfarrer in Eibelstadt eingesetzt worden.


1634

2.Februar hat der evangelische Pfarrer zu Ingolstadt zum ersten Male zu Allersheim und Büttelbrunn auf lutherisch gepredigt. Die Schultheißen wurden am 5. Februar vor dem Zentgrafen geladen, aber nur der Ingolstädter ist erschienen. In Lindflur stehen noch 4 Bauernhäuser und das Gemeindehaus. Alles andere ist abgebrannt oder ist verlassen, da die Einwohner entweder geflohen sind oder erschlagen wurden. Hannes Trost´ens Ehefrau von Albertshausen wurde auf dem Gang vom hl. Almosen von 2 Reuttern vergewaltigt beim Burgholz. Schafmeister Hannes Schopf, der zusah, sagt:hatte wohl ausweichen können.(5.März.) 15. März Allersheim evangelisch. Vom Grafen von Wertheim wurde Pfarrer Karg von Kleinlangheim eingesetzt. Kirchenstrafen vollzogen, da Gützi (Gützingen) das eingepfarrt war, noch katholisch war. In Albertshausen sind um diese Zeit noch mehrere katholische Haushaltungen reine und gemischte gewesen. 11. und 12. August haben die katholischen Adam Baumann und Jakob Markhard ihre Sach aus der Kirche in Albertshausen genommen und nach Essfeld geführt. 15. September ist die Kirche in Albertshausen abgebrannt. Große Furcht vor den Kaiserlichen.
25. September ist Schulmeister Georg Geisendorfer, gebürtig aus Rothenburg o.T., in Uengershausen gestorben.
26. September sind die Grünsfelder ausgefallen nach Geroldshausen zu Nacht zwischen 11 und 12 Uhr, haben geplündert. Am 28. Septbr. Wurde den Geplünderten alles wieder zurückgegeben. 3 Ratsherren, die dabei waren, wurden gefänglich eingezogen.
28. September wurde Crispin Wolf von Albertshausen, der nach Lindflur ging, um den Reuttern Schmalz zu bringen, von 2 Reuttern erschlossen und die Ottilie Weiß ebenda durch den Mund geschossen, ist gestorben.
21. Oktober mussten die Bauern von Albertshausen, Lindflur, Fuchsstadt und Rottenbauer und am 22. die von Uengershausen und Geroldshausen im Schlosse zu Reichenberg S. M. dem König Gustav Adolf von Schweden den Treueid leisten. Der hierzu Verordnete war Verwalter Stefan Frieß vom Schlosse zu Rottenbauer. 1. November erging von der schwedischen Regierung in Würzburg der Befehl an die Dorfmeister zu Giebelstadt, Albertshausen, Fuchsstadt, Lindflur, Uengershausen, Rottenbauer und Hattenhausen (Reichenberg), an Herrn Obristenleutnant Paradeisen, die nötige Fourage zu liefern, wogegen sie von allen Einquartierungen frei bleiben sollten. 16. November dagegen erhielten diese Ortschaften 150 Mann Einquartierung. Kriegsunkosten haben betragen 1634: Albertshausen 116 fl., Geroldshausen 324 fl., Uengershausen 4106 fl. Und Lindflur 48 fl.

1635

1. Januar starb Pfarrer Magister Neubert von Reichenberg in Würzburg. Dessen Leiche wurde am 26. Januar auf einem Karren nach Reichenberg geführt, hat das große Wasser den Karren bei Hetzfeld aufgehoben, ein Pferd ersoffen, die Leiche wieder aufgefunden und im Kirchhof zu Reichenberg nah am Kirchturm on Pfarrer Jeremias Kraus von Rottenbauer zur Erde bestattet.
13. Februar kamen altsächsische Reutter in Albertshausen an. Nach Wladmannshofen weiter; sind sehr hart gewesen, die Leute haben Geld geben müssen. Gott erbarms! Amtmann Lochinger Reutter uach Reichenberg gekommen, den Leuten 46 Reichsthaler abgewzungen, bittet um Abhilfe.
14. Februar starb zu Eßfeld Verwalter Stefan Frieß von Rottenbauer bürtig. Hat viel lutherische Bücher genommen und die Öfen im Schlosse zu Rottenbauer damit geheizt.
24. Februar haben die Soldaten, die in Albertshausen einquartiert waren, dem Theobald Dorwart einen Ständer und dem Endres Spenkuch eine Butte Wein aus dem Keller genommen, dem Hannes Pfänder ein Rebendach auf dem Felde aufgemacht.
25. Februar Rechnung für einquartierte altsächsische Reutter macht für 2o Tage 393 fl. Die Albertshäuser und Lindflur supplieren an den Fürstbischof, daß Pfarrer Kraus von Rottenbauer auch die Pfarrei Albertshausen mit Lindflur mitversehen dürfe, da Pfarrer Richard wieder nach Eßfeld verschrieben sei. 4. März wurden die Schultheißen von Geroldshausen, Albertshausen und Ingolstadt im Schlosse zu Reichenberg gefangen gesetzt, weil sie das Monatsgeld an Hauptmann Beer nicht zahlten.
25. März verkauften 2 Soldaten aus dem Hause des Jobst Rickel in Lindflur alles, was nicht niert- und nagelfest war. Die arm verbrannte Gemeinde bitten Herrn Fähndrich, die 2 Soldaten wo andershin einzuquartieren.
26. März (Grünndonnerstag) ward Pfarrer Richard von Eßfeld vom Bischof erneut angewiesen, die Pfarrei Albertshausen mitzuversehen. Ostern nit nach Albertshausen kommen, keinen Kirche gewesen. 16. April ist er wieder hierher kommen; Endreß Reuter zeigte ihm die Pfarrfelder. Sagte, die Leute sollen nach Eßfeld in die Kirche gehen oder sich in den Turm legen lassen.
Am Karfreitag hat Pfarrer Simonis das erste Mal in Geroldshausen geprediget. Am Ostertag in Uengershausen nach Abzug der kaiserlichen Kriegsvölker. Am 16. April haben die kaiserlichen Wittighausen angebrannt, wobei 40 Bauernhöfe zerstört wurden. 2. März hat Pfarrer Richard die erste kath. Predigt in Albertshausen gethan, hat verkündigt an Pfingsten wieder zu predigen. 18. Mai hat er Kirche in Lindflur gehalten. 25. März will Pfarrer Richard in der Kirche zu Fuchsstadt predigen, wird aber von den Bauern verjaget, hat dann in Herchsheim auf Katholisch gepredigt. Die Ehefrau des Hönninger in Lindflur gestorben war die Erste, die wieder auf katholisch begraben wurde. Katholische Lieder gesungen.
27. März Hauptmann Beer mit seinen Soldaten aus Albertshausen nach Sommershausen abgezogen. Wieder Salve quardia ankommen.
15. Mai verantwortet sich der Vogt Claus Heunisch auf ein Schreiben, daß Georg Karges von Albertshausen gesagt habe, er werde es noch erleben, daß alles katholische aus dem Lande gejaget wird.
8. Juni kommen 10 Reutter, haben dem Adam Baumann auf der Brücken zum Schloß 2 Pferde, der Magdalena Störin 1 Pferd genommen; hinweggeritten. Ein Pferd des Baumann wider entsprungen. Die Reutter nach Giebelstadt gezogen. Die Gemeindezäune wurden reparieret, so abgebrochen.
10. Juni nahmen die Reutter den Nägden das Mehl ab, so sie in den Mühlen zu Darstadt geholet, eine geschlagen (sollt nit sein). Mehl auf einen Wagen geladen. Nichts mehr bekommen.
Dragoner vom Regiment Markgraf Kärntha übernacht in Albershausen unter Rittmeister Rautsch; am 11. Juni nach Büttelbrunn weiter, nehmen dem Adam Baumann die Kühe mit.
17. Juni wurde die Brau des Vogt Claus Heunisch, die zm Markt in Würzburg war, auf der Rieden bei Fuchstadt von einem Soldaten, der mit bloßem Schwert auf sie eindrang, aller ihrer Sachen beraubt. Die leere Kötze erhielt sie wieder.
29. Juni feierts Pfarrer Richard von Eßfeld den kath. Feiertag Peter und Pauli ging nach Lindflur in die Kirche, verlieh im Wirtshaus den kleinen Zehnt zu 13 Gulden auf 3 Termine, hat Chorrock und Stola bei sich gehabt. Er verkändet auf der Kanzel, daß Maria Heimsuchung gefeiert wird, die Bauern beschwerden sich hierüber und wollen keine Pfarrfrohn mehr leisten Der Feiertag wird trotzdem gehalten.
8. Juli wird dem Jacob Markert in Albertshausen das Nachtmahl auf katholisch gereicht. 18. Juli hat Pfarrer Richard den Markert in Albertshausen auf katholisch begraben mit Weihwasser im Haus und Grab. So ein Gläßlein von dem Schulmeister mitgebracht, geweihet, und in der Kirche, so kein Dach gewesen ist, die Leute auf den Steinen gestanden, die von dem Brand noch darinnen gelegen. Er vor dem Altar gestanden, hat singen lassen:“Was mein Gott will etc.“ und „Nun laßt uns den Leibbegraben etc.“ 5 Batzen erhalten.
19. Juli. Taufe des Kindes des Schusters Philipp Fleischmann auf kath. 1 Batzen auf das Zinn geleget.
23. Juli holen die Bauern von Eßfeld das Getreide von den Pfarrfeldern in Albertshausen nach Eßfeld, am 27. führen 2 Albertshäuser Bauern Andreas Baumann und Stefan Endres das Getreide hinüber.
20. August mußten die wolfskeelischen, zobel`schen und geier´schen Ortschaften 834 fl. 22 Schillinge Contribution an Hauptmann Beer nach Würzburg zahlen. 1. u. 2. Sept. sind die Bauern von Allersheim und Sulzdorf nach Albertshausen mit ihrem Vieh geflohen. Das Vieh 3wurde ihnen von den kaiserlichen abgenommen und nach Gasdorf (Großmannsdorf) getrieben. In Geroldshausen wurden dem Veit 2 paar Ochsen und in Fuchstadt dem Sauer 1 paar und dem Kaspar Schwab 3 paar Ochsen und 1 Pferd abgenommen von den Kaiserlichen. Uam 7. Sept. dem Kaspar Wörtlein in Lindflur 1 paar Ochsen abgenommen; hat sie in Hetzfeld wieder bekommen.
12. Okt. Beerdigt Pfr. Richard den wolfskeelischen Förster Konrad Dorwarth auf kath. (hat heftig gebrüllet, die Ursach weiß Gott.)
25. Oktober suplieren die wolfskeel´schen, zobel´schen und geier´schen Ortschaften, beim Fürstbischof um Nachlaß der Contribution von 3948fl. Die Oberistleutenant v. Steinhain an Geld, Korn, Haber undStroh auferlegt, vom 31. Aug. bis 25. Oktober zu liefern. Abermals 14. Nov. Suplieret, nichts geholfen. 6. Nov. Taufte Pfarrer Richard ein Töchterlein des Vogtes Claus Heunisch im Schloß. Gevatterin war Margaretha des Wirts Georg Tauch in Fuchsstadt Ehefrau. Hat Geld in das Zinn gelegt, weiß nit, wo es hinkommen.
17. Nov. Fliehet alles nach Hetzfeld aus Furcht vor den Croaten.
14.-24. Nov. Dragoner in den wolfskeel´schen Ortschaften. Die Contribution beträgt 709 Gulden. Dem Obristleutenant von Steinhain infolge Befehl des Fürstbischofes jede Woche 15 fl., dann Korn, Stroh und Heu.

1636

3. Jan. hat Georg Wörlein Bestandbauer auf dem Edelhofe zu Lindflur zuhause auf katholisch gebeichtet. Pfarrer Richard von Eßbeld ist Beichtvater gewesen.
2. Januar Trauung des Leinewebers Endres Dürr in Albertshausen mit einer Rinderfelderin auf katholisch in der Kirche. Immer noch Einquartierung. 8Gott erbarm´s). Contribution Wallenrodt´sches Regiment hat 106 fl. betragen.
7. März tauft Pfarrer Richard in Lindflur immer noch katholisch. Betet Vaterunser mehr.
Am 27. März hat der Pfarrer von Allersheim einen Dragoner mit einer Tochert des Schultheisen Ruben Martin Dürr in der Kirche zu Geroldshausen copulieret. 14. April ist Fußvolk in Albertshausen und Fuchsstadt gelegen. Über gehauset. Alles zerschlagen und zerhauen. Weiber, Kinder und Vieh nach Hetzfeld geflüchtet. Fußvolk nach Kiri und Most (Kirchheim und Moos) weitergezogen, dor ebenfalls gewütet.
26. Juni hat Pfarrer Richard wieder in Albertshausen Kirche gehlten. Kirche immer noch nicht gedecket. Große Not. Verreckter Ochse und ein vom Blitz erschlagenes Pferd sind von den Leuten gegessen worden. Das Pferd gehörte dem Müller auf der weiten Mühle zu Eßfeld.
15. Juli hat Pfarrer von Lindelbach Hinkelmann mit Namen Betstunde zu Reichenberg, am 17. Juli Kirche zu Uengershausen, am 24. Juli Nachtmahl mit Predigt in Geroldshausen gehalten, wie Pfarrer Simonis mit Predigt in Schweinfurt krnak gelegen ist.
8. August am Tannenholz bei Schloß Reichenberg 2 Juden von Reuttern erschlagen und ausgezogen.
20. Oktober immer noch Pfarrer Richard in Albertshausen und Lindflur. Bestandbauer Georg Wörlein verweigert den kleinen Zehnt von 2 fl. 10 Schillinge 8 Pfg., weil der Pfarrer auf den evangelischen Feiertage (Simon und Judä) in die Kirche nach Uengershausen gangen.
1. Nov. Wieder kaiserliches Fußvolk in den Ortschaften gelegen. Übel die Leute behandelt.
14. Nov. 20 Reutter nach Fuchsstadt kommen, übel umgegangen, viel Geld erpresst und am 20. Nov. Nach Eßfeld weiter. Dort ebenfalls Leute geplaget. 20. Dezbr. viel Ausschluß in Geroldeshausen und Uengershausen gelegen, keine Wagen gehabt, übel gehauset und viel verwüstet.
Pfarrer Richard ist vom Oktober bis 31. Dez. niemals in die Kirchen zu Albertshausen und Lindflur gekommen. Viel zu thun, da auch die Pfarrei in Darstadt zu versehen. Leute sagen soll nicht mehr Kirche halten auf katholisch.


1637

Schulmeister Gerlach hält auf Neujahr Kirche in Lindflur und verliest das Evangelium. Pfarrer Richard nie gethan. Vom 1. Jan. bis 12. Febr. Nichts als Einquartierung. Es ist ein Kommen und Gehen gewesen unter schwerden Plagen und Lasten. Nichts ist sicher, Geld, Gut, Frauenehre, alles wird mißachtet. Der Krieg wütet ins Gräßlichste. So wurden in Uengershausen und Geroldshausen viel Geld abgefordert. Die Bauern haben nichts mehr. Des Martin Dürr in Geroldeshausen Hausfrau sprengten die Sodaten zum Bodenloch hinaus, hat sich dabei ein Bein ausgefallen. Am 13. Febr. Erscheinen wieder schwedische Reutter in den Wolfskeel´schen Ortschaften, haben ebenso übel gehauset wie die kaiserliche Soldateska. Der Schulmeister Gerlach wurde von Graf Thurn´schen Reuttern gefangen genommen, übel behandelt und erst nach Erlegung von 10 Reichsthaler wieder ledig gelassen. Altsächsische Reutter noch ankommen, haben den Spenkuch und dem Baltasar Konrad in Lindflur mit Dreschflegeln übel zugericht; haben Brot geben sollen, selbsten keines gehabt. Die Leute flohen nach Eßfeld und nach Hetzfeld, alles steht leer, nur die Reutter hausen in den zerstörten und verbrannten Höfen. Nichts mehr zu essen, da alles an die Reuter abgegeben werden muß. Jeder erhält den Tag 2 Pfd. Brot, 2 Pfd. Fleisch, 10 Fpd. Neu, 12 Pfd. Haber, 1 Maß Wein oder 2 Maß Bier.
22. Febr. Wurde dem Junker Jacob Christof v. Wolfskeel zu Rottenbauer von einem schwedischen Korporal der Wein aus dem Schloßkeller gestohlen. 5. März nahm ein Schwed dem Schmied Dorwart das Mehl ab, das er in der Mühle zu Hetzfeld geholt hatDie Schweden sind bis 5. Mai in den Ort schaften einquartieret gewesen und haben die Leute tracktieret und belästiget. Die Armut wird immer mehr. Am 16. Mai haben die Soldaten in Fuchstadt in den Kellern nach vergrabenen Geld gesucht, haben ein Kind einbegraben gefunden, so von Salveter und seiner Magd eingegraben worden um verflossene Weihnachten um. Ist er Zöllner und Ratsherr gewesen. Freitag den 19. Mai er von Eibelstadt aus, sie von Winterhausen aus, nach Ochsenfurt geführt und gefangen gesetzt.
Hat sie einen Mann, ist im Krieg, er kein Weib. Ist beiden in Ochsenfurt Montag nach Veitstag der Kopf abgeschlagen worden. Am 25. Mai hat ein Jesuit in der Kirche zu Lindflur Messe gelesen, war vom Kriegsvolk Lombardi. Um 3. Juli flüchtete alles nach Hetzfeld, weil die Sage ging, daß viel Kriegsvolk in die Flecken kämen.
6. Aug. wurde Jeremias Kraus vom Junker Jacob Christof Wolfskeel zum Pfarrer in Albertshausen und Lindflur angenommen und zwar solange bis diese Pfarrei wieder besetzt werdenkönne. In Uengershausen ist Daniel Hirschlag als Schulmeister angenommen worden.
7. August wurde der am 29. März 1632 an der hinteren Kirchenmauer zu Albertshausen eingemauerter Kelch im Beistein des Junkers Lochinger und des Vogts von dem Wenzel Winkler verehrt worden. Am 10. Aug. ist der Kelch an Junker Jacob Christof nach Rottenbauer zur Aufbewahrung übergeben worden. Die Übergebenden sind gewesen Gotteshausmeister Martin Denzer und Schneider Mittnacht.
5. Sept. wieder Craten zu Geroldshausen in Quartier. Die Leute wieder nach Eßfeld und Hetzfeld geflohen. 12. Sept. hät Pfarrer Simonis die 1. Leichenpredigt bei der Hausfrau des Baltasar Schlegel in Lindflur. 17. Septbr. Croaten mit 100 Pferden in Geroldshausen ankommen, haben niemand beleidigt, gute Leute gewesen.
15. Oktober hält Pfarrer Kraus zum erstenmale wieder Nachtmahl, seit 1634 keines mehr gewesen.
10. Novbr. altsächsische Reutter ankommen, in Geroldshausen bis 15. geblieben.
19. Nov. Reutter des Regiments Obristleutenant Heinrich von Gedern in Albertshausen, fliehet alles wieder nach Hetzfeld, am 25. Nov. Nach Reichenberg weiter. 18.-27.Dez. Croaten in den Flecken, fliehet alles wieder. Gutes Weinjahr. Der Eimer kostet 3 fl.

1638

12. Febr. Große Furcht vor den Croaten, sodaß man einen alten Mann nicht ehrlich begraben konnte, sondern im Burgholz zu Albertshausen verscharrren mußte. 26. Febr. Jagd im Klingholz unter persönlicher Anteilnahemdes Fürstbischofs Franz, hat dem Vogt und seiner Frau 2 Dukaten verehret.
2. März fordert Pfarrer Richard seine Pfarrbestallung. Nichts geben, da keine Kirche hält.
19. März allgemeine Flucht der Leute aus den Flecken nach Hetzfeld. Die Plünderungen werden entsetzlich.
21. Mai kommen Wölfe in´s Dorf. Immer noch Croaten im Quartier, sind bis Kirchweih blieben(27. Septbr.) Gott erbarm!
24. Okt. Die Frau eines Landsknechtes will das Nachtmahl nehmen in der Kirche zu Lindflur. Hat Pfarrer Simonis keinen Wein. Er schickt in Michel Kreßer´s Haus; gibt Frau keinen her, weil nit bezahlt wird. Schickt zur Edelfrau Amalie, auch die schlägts ab in der Meinung, Pfarrer wollt ihn austrinken, sagt Kirchner: nein, soll Nachtmahl gehlaten werden. Gibt ein Kännlein. Gott zur Ehre gerechnet.
14. Dez. ist ein Wolf von einem Reutter erleget worden. 22. Dezbr. hat man angefangen die Kirche säubern zu lassen.
27. Dez. Nachtmahl in der Schloßstube zu Albertshausen gehalten. Junker Jacob Christof dabei gewesen.

1639

Am Neujahr zu Albertshausen keine Kirche gewesen wegen Sorge um Kriegsvolk. Alles ist wieder mit Vieh nach Hetzfeld geflohen. Reutter bis 19. Febr. In Quartier gelegen. Gemeinden schwere Lasten zu tragen gehabt. Die Geflüchteten sind allmählich wieder heimgekehrt. Um 26. Febr. 5 Compagnien Volks und Reutter dagelegen, viel geplündert und geraubt. Am 9. April wieder alles geflohen. Bald schwedisches, bald sächsisches , bald kaiserliches Volk im Durchzug. Vor nichts zurückgeschreckt. Raub, Mord und Schändung alle Tage. In Geroldshausen am 25. Juli deutsche Reutter ankommen, übel gehauset. Viet einen Ochsen abgenommen, des Becken und des Schulmeisters Haus geplündert und angezündet. Ein Trupp begibt sich nach Albertshausen um die noch dort zurückgebliebenen Bauern zu verjagen um plündern zu können. Viel geschossen. Hauptmann Neuhaus schützt die Edelfrau und gibt salve quardia (ein Kroat und ein Böhm). Gott uns am 17. August von diesen Marodierern erloöset. Bis 16. Sept. wieder viel Volk einquartieret. In Uengershausen sind am 16. September Reutter angekommen, haben Getreide gedroschen und es auf ihren Pferden mitrgenommen. Ist auf 20 Malter geschätzt worden. In Rottenbauer gibt ein Reutter dem Pfarrer Kraus, der im Bromberg spazieren gegangen, eine Maulschelle, wie er, so er plündern wollte, bei ihm nur ein Taschenmesser findet.
19. Oktober wurde den kath. Müllern in Eßfeld, Hetzfeld, Darstadt und Goßdorf (Goßmannsdorf) verboten, für Lutherische zu mahlen. Die Hetzfelder Becken dürfen keine Wecken mehr an die Lutherischen verkaufen.
30. Oktober fährt Kaspar Wendel von Eßfeld nach Würzburg, springen bei den Tannen hinter dem Schlsse bei Reichenberg 2 Reutter heraus, hauen die Sträng ab, wollen die Pferde, widersetzt sich Kaspar mit seinem Knecht, stößt eien nieder, den andern haut er über die Stirn. Nimmt Wehr und Waffen ab, liefert die Reutter mit seienem Wagen beim Fürsten in Würzburg ein. 600 Reutter in Rottenbauer gelegen, große Furcht, Flucht. War gerade Kirbe (Kirchweih) in Fuchstadt und Lindflur. Alles fliehet wieder nach Eßfeld und Hetzfeld.
26. Dezember in den wolfkeel´schen Ortschaften Regiment Mersi einquartieret.


1640

5. Januar wurden dem Jobst Nickel in Albertshausen 2 Pferde beim Hetzfelder Sieghaus ausgespannt und genommen; dazu 6 Batzen an Geld und 1 Messer. Sind 5 Reutter gewesen. 11. und 12. Januar sind die Leute von Hetzfeld und Eßfeld wieder heimkommen.
5. März eine Compagnie vom Oberst Trunkmüller einquartiert, haben beim Schulmeister Hemden, Mantel und Schuhe mitgenommen.
2. April hat der Junker verboten, daß keiner auf abgebrannter Hofstätte seien Ochsen weidet bei Strafe von 2 Batzen.
10. April stirbt der letzte Geier von Giebelstadt und wird in Goldbach (im heutigen Württemberg) zur letzten Ruhe bestattet.
22. April hat ein Reutter dem Seb. Pfeuffer in Albertshausen, der auf dem Felde Erbsen saete und von ihm Haber verlangte, eine in die Backen.
19. Mai müssen die Rottenbauer nach Würzburg fahren und 10 Malter Mehl aufladen, dem Kriegsvolk nachfahren müssen; sind am 26. Mai wieder nach Hause kommen. 7. Juni wieder Reutter zu Albertshausen im Quartier, diese haben dem Junker Jacob Christof von Wolfskeel 1 Pferd aus dem Schlosse gestohlen.
3. August viel Proviant von den Bauern nach Würzburg gefahren. Der Spenkuch und seine Frau hart geschlagen worden.
Am 29. August sind 18 Wagen mit Munition und 110 Pferden neben 20 Musketieren in Albertshausen anommen. Uengershausen und Fuchstadt haben spendieren müssen. Am 30. August wird ein Reutter an der Rottenbauerer Steig aufgehängt, weil er einen Bauern in Sonderhofen, der hinter dem Pflug gangen, erschossen hat. Ein Plakat wird angeheftet: „Vorsätzlicher Bauernmörder“.
9. Oktober große Flucht nach Eßfeld und Rottenbauer wegen anziehendem Kriegsvolk. 15. Oktober spendierten die Albertshäuser an die Uengershäuser 15 Metz Hafer und 15 Maß Wein.
17. Noovember flüchten die Bauern aus den Ortschaften nach Hetzfeld und Würzburg, kehren erst 6. Dezember wieder zurück. In Lindflur treibt das Kriegsvolk 50 Schweine, so in der Eichelmast waren und dem Bischof und dem Junker gehören, hinweg. Beim Schulmester in Albertshausen ein Rittmeister in Quartier. War lutherisch und hat Almosen hinterlassenfür die Armen.
In Albertshausen haben die Croaten vom 23.-29. Dezember verzehrt: 68 fl. 51 Pfg., 159 Pfund Fleisch, 41/2 Metz Korn, 7 Malter 9 ½ Metz Haber, 1 Malter Wicken und 7 Eimer Wein.

1641

12. Januar kommt Obrist Schillerhaas nach Albertshausen zu Quartier.
8. Februar kommt Schreiben von Würzburg, die Schweden kämen, die Bauern sollten Pferde verschaffen, sonst aber zuhause bleiben.
19. März kommt Obrist Schillerhass´sche Reutterei nach Lindflur in´s Quartier, bleiben übernacht, ist für sie aufgegangen 2,5 Malter Korn, 2 Malter Haber, 1 Metz Mehl, 22 ½ Maß Wein, 3 Schweine, 3 Geisen, 57 Laib Brot, 12 Hühner. Eine Scheuer haben sie abgebrannt.
15. April ist die Kirche zu Albertshausen durch Fröhner von Schutt geäumt worden. 19. April haben Reutter 6 Pferde in Fuchstadt gestohlen.
12.-15. Juli sind Uengershausen und Geroldshausen mit Mackwitz´schen Reuttern belegt gewesen, habaen die Albertshäuser spendieren müssen.
29. Oktober kommen Reutter von Obrist Klein nach Albertshausen; die Lindflurer und Uengershäuser haben sich um 30 Reichsthaler losgekauft.


1642

8. Mai ist eine Compagnie welscher Reutter in Uengershausen ankommen, am 9. Mai weiter nach Lauda.
10. November Kroaten in Albertshausen zum Winterquartier. Übel gehauset. Bei einer Kindstaufe eingefallen, gefressen, gesoffen und entweiht.


1643

16. April ist Pfarrer Simonis von Uengershausen wegen lothringischer Reutter nach Hetzfeld geflohen. Die Kirche in Albertshausen hat wieder einen Dachstuhl erhalten. Wieder angefangen, junge Schweine und Hühner zu züchten, was seit langer Zeit unterblieben ist.
21. Juli kommt Junker Jacob Ernst vom Kriege zurück, zieht bald wieder weg gen Sulzdorf zu. Im Oktober zieht Kriegsvolk bald dahin, bald dorthin. Gründe nicht bekannt.
25. Oktober verlangt Michael Kreßer in Lindflur bei seiner Krankheit einen katholischen Priester, wird von der Herrschaft gewährt. Hat ihn der Pfarrer von Hetzfeld absolviert.

1644

Am 20. Januar wird dem Theobald Dürr von Albertshausen von 4 Reuttern an der Hetzfelder Steg 2 Pferde und der Wagen geraubt. Am 23. Januar flieht wieder alles nach Eßfeld. Am 4. März Obrist Sparr Regiment in den Wolfskeelschen Flecken einquartiert. Sehr übel betragen. 28. Mai Obrist Calleredck Regiment in Lindflur im Quartier; sehr wohl verhalten. Am 24. Juni verkaufen die einquartierten Reutter um billiges Geld Hutschnüre, Goldborten und Anderes, das sie den Nördlinger Kaufleuten an der Hetzfelder Steg abgenommen haben.
2. November dringen Wölfe in Lindflur ein, treffen ein eingegangenes Stück Vieh der Edelfrau. 14. November Moos und Albertshausen ganz geplündert.

1645

9. April kommen von Rottenbauer und Lindflur weimarer Reutter mit 56 Pferden in Albertshausen an, darunter ein Rittmeister. Sämtlich im Schlosse übernacht, haben viele Hühner genommen und Pferde gebeutet.
12. April kommt Rittmeister Thomas Markschoff mit Reuttern vom Sparr´schen Regiment in Geroldshausen von Most (Moos) an, bleiben bis 19. April, nehmen dem Bauern Fuchs 2 Pferde mit. Große Furcht, viel daraufgegangen, haben die Bauern hart geschlagen wegen Wagenmitgeben. Beim Durchmarsch in Lindflur entläuft einem Reutter das Pferd samt Sattelzeug, junger Bursche fängt es ein, Bringt´s der Edelfrau, die es zum Einspannen benutzt. Reutter verlangt sein Pferd am 13. September 1646 zurück. Muß Edelfrau 50 Reichsthaler Strafe zahlen. 23. April fährt Junker Jacob Christof von Rottenbauer nach Würzburg mit 2 Pferden, werden ihm unterwegs ausgespannt und von den Reuttern weggeritten. 27. April Königsmark´sche Reutter in Geroldshausen ankommen, alles geflohen.
25. Juni wurden dem Georg Tauch in Geroldshausen zwei Pferde nachts von den Reuttern aus dem Stalle gezogen, mußte sie in Sommerhausen mit 4 Reichsthalern auslosen.
6. November kommen 6 Reutter in Üngershausen an, stehlen Schweine und Geisen. 18. November flüchten die Bauern von Üngershausen und Albertshausen mit irhem Viehj nach Eßfeld. Mich. Schemm wird erschossen (durchs Auge), waren Reutter vom Obrist Federbusch.

1646

24. Juni überall Johannisfeuer. In Gielbelstadt ist Pfarrer Fuchs von einem Reutter erschossen worden, da er das Feuer als heidnisch nit leiden wollte.

1647

21. Januar übernimmt Pfarrer Kraus die Pfarrei in Reichenberg und Lindflur, da Pfarrer Simonis wegen hohen Alters und großer Krankheit diese nit mehr hat versehen können.
15. März Euerhausen abgebrannt. Ist von den Reuttern an 4 Ecken angezündet worden. Ursache weiß Gott.
25. März 15 Reutter im Schloß Albertshausen einquartiert. Nehmen in den Ortschaften Pferde, Ochsen und Kühe mit. 28. März General Wrangel´sches Kriegsvolk in den Ortschaftenangekommen, sind die Leute nach Hetzfeld, Würzburg und Winterhausen geflohen; sind bis Pfingsten geblieben. Dörfer bis dahin öd und leer gestanden. Haben 90 Thaler Contribution erstatten müssen.
23. Mai Einsetzung eines evang. Pfarrers in Hetzfeld.
26. Mai Pfarrer Simonis in Würzburg, wo er sich der Kriegsgefahr halber aufgehalten, gestorben. Die Leiche nach Üngershausen geführt und dort zur Erde bestattet. Leichenpredigt nit gehalten wegen großer Furcht vor dem Kriegsvolk. Am 6. Juli hält Pfarrer Treu von Winterhausen die Leichenpredigt. 25. Juli sind weimar´sche Reutter von Tauberkönigshofen, wo sie eine Schlacht mit den Franzosen gehabt, über die Zehnt nach Randesacker gezogen. In Albertshausen nur Schulmeister Gerlach und Martin Schemm anwesend, sonsten alles geflohen, plündern beim Schulmeister.
14. November neueingesetzter Pfarrer Christof Wunder von Altenburg bürtig erstmals gepredigt in der Kirche zu Üngershausen.
Die Straßen noch unsicher von den Schnapphähnen, Pferdausspannen und Schweineschießen kommt alle Tage vor.

1648

Im Winter viel Wölfe geschossen und gefangen. In Rinderfeld ist ein Knabe in eine Wolfsgrube gefallen, hat ihn Wolf den Unterkiefer abgebissen. Wird in´s Spital nach Würzburg gebracht. 5. Febr. Ist Moos von französischen Reuttern ganz abgebrannt worden. In Albertshausen sind am sleben Tage die Häuser des Spenkuch und des Dorwarth angezündet worden; bis auf den Grund abgebrannt. Am 24. März ist die Schloßscheuer in Rottenbauer von den Franzosen in Üngershausen der Hammerbacerin ein Geis abgenommen, welche sie um 4 Batzen haben verkaufen wollen. Niemand da, der 4 Batzen gibt. Schenken sie dem Schulmeister, der sie der Hammerbacherin wieder zurückgibt. Unter den Franzosen ist ein Lutherischer gewesen, der der Frau noch 2 Batzen dazu gibt. Es herrscht große Furcht vor den Schnapphähnen (abgedankte Soldaten). Am 2. Juli geht das Gerücht um, der Friede sei geschlossen.
12. September sind in Lindflur 17 banerische Reutter einquartiert worden mit dem Vorgehen nur zu übernachten, paßten einen SCHWEDISCHEN Obristen ab, der als Commandant nach Wertheim bestimmt gewesen ist. Haben ihn gefangen genommen, nachdem sie auf ihn geschossen haben, führen ihn nach Würzburg. Hat 200 Reichsthaler Losegeld bezahlen wollen. Reutter nit getan. Am 1. November wird der Friede verkündet. Junker Jacob Christof von Wolfkeel fordert die Geflohenen auf, auf die Höfe wider zurückzukehren bei Androhnung einer Strafe von 15 Reichsthalern.

1649

Neujahr Ingolstädter Schloß gebrannt, bald wieder gelöscht. 14. Februar ist ein Hirsch zu 3 Zentner von den Wölfen bis an der Edelfrau Wiesen bei Lindflur gejadt worden. Haben ihn erhascht und angefressen. Durch das Geschrei des Bernhard Schlegel´s Sohn nachgegangen und Wölfe weggejadt. Geweih der Edelfrau geben. Fleisch haben die Leute bekommen.
15. Februar haben die Bauern angefangen ihre Höfe wieder zu beziehen und die abgebrannten Häuser, Scheunen und Ställe wieder aufzubauen. 2. März zieht Pfarrer Wunder vom Schloß Reichenberg in das Pfarrhaus nach Uengershausen.
12. März schließt Junker Jacob Christof einen Wolf. Des Försters Bastian Mulfinger Tocher von Geroldshausen ist aus dem Gefändgnis im Schloß zu Reichenberg ausgebrochen, wo sie wegen Kindsmord gefangen gelegen ist. Im August und September Rückmarsch der Schweden, immer noch große Plage für die Ortschaften. In Albertshausen ist am Sonntag vor Michaeli zum ersten Male wieder Kirbe (Kirchweih) gewesen. Eimer Wein kostet 3 Gulden, Maß Wein 5 Kreuzer. Wird auf den Plan gezogen, Spielleute mit Sackpfeifen und Schalmeien aus Darstadt dagewesen; 3 Tage Tanz, Platzknechte wieder eingeführt. Geht zum ersten Mal wieder lustig zu. Im Krieg nit so gehalten, nur in der Kirche. Aus Freude über den Friedensschluß wurde in Nürnberg ein Gastmahl von 8 Tagen gehalten mit Ochsen am Spieß und Brunnen mit Wein.
5. Oktober wird neues Schloßtor in Albertshausen angefangen zu bauen.
24. November stirbt Schullehrer Daniel Hirschlag in Üngershausen.

1650

12. April wird in den wolfskeel´schen Flecken auf Befehl des Junkers Jacob Christof der Karfreitag gehalten. Vorher nit gethan.
15. März wird die Reparatur am Schloß Albertshausen beendigt.
9.-26. August abgedankte Reutter im Quartier in den Flecken.
18. August überfallen die Wölfe die Ziegenherde in Reicheberg, fressen dem Hirten 2 Geisen. 24. Augsut 600 schwedische Reutter in Üngershausen einquartiert. Große Plage.
Am 26. September die letzten Schwedenin den Ortschaften.
Förster Mulfinger in Geroldshausen schießt am 12. Dezember einen Luchsen. Dem Fürstbischof geschenkt.


Ende

GM für psm-data; Sammlung Alexander Decker, Bremerhaven; Digitalisierung FM 2006