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Referat des Delegierten Dr. Oppenheimer auf dem VI. Zionisten-Kongreß am 26. August 1903 in Basel
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"Seitdem vor 2000 Jahren das Schwert der Römer die Wurzel zerschnitt, die das Volk in seinem Stammlande geschlagen hatte, hat man ihm in aller Welt die Berührung mit der Mutter Erde versagt... Und so haben wir es heute mit einem körperlich minderwertigen und außerdem noch durch Hunger, schmutzige Not, Gram und soziale Erniedrigung verkümmerten Menschenmaterial zu tun: unzuverlässige Bausteine für ein neues Volkstum... Unser Anfang muß demnach sein: genossenschaftliche Bauerndörfer: das wird uns vorgeschrieben durch die Geschichte, durch die Wirtschaftswissenschaft und durch unsere heilige Überlieferung.
Aber wie soll das geschehen? Nun, meine Freunde, wir sollen ein Netz von Bauernkolonien über das Land spannen, das wir erwerben wollen. Wenn man ein Netz spannen will, so schlägt man erst an den Stellen die Haken ein, zwischen denen das Netz entstehen soll, dann spannt man zwischen diesen Haken starke Stricke, dann knüpft man zwischen den Stricken stärkere Fäden und stellt derart ein grobes Maschenwerk her, das man dann nach Bedarf durch das Dazwischenwirken feinerer Fäden zu immer feineren Maschen ausgestaltet...
Wir haben, so weit wie der dafür verfügbare Teil unserer Mittel reicht, in allen Teilen des Landes große Grundflächen zu erwerben und zwar womöglich nur solche, deren Bodenbeschaffenheit und Wasserverhältnisse von vornherein eine gewisse Ergiebigkeit der Ackerkultur gewährleisten. Von diesen erworbenen Flächen sind die besten Teile in solcher Größe als landwirtschaftliche Großbetriebe auszugestalten, wie sie einem ausgezeichneten Fachmann übersehbar sind. Die Werbung solcher Fachleute..., womöglich jüdischer, im Notfalle unbedenklich christlicher, muß der erste Akt der Vorbereitung zionistischer Tätigkeit sein. Sie haben auf dem ihnen bestimmten Gute den Wirtschaftsplan aufzustellen, den Etat zu entwerfen, ... den Bedarf an Maschinen, an Saatgut ... und vor allem an Bauernfamilien festzustellen. Zu gleicher Zeit müssen in Galizien, Rumänien und Rußland aus der dort vorhandenen reichen Zahl jüdische Ackerbauer(n) zur Uebersiedlung auf den Weg gebracht worden sein...
Wir werden von jeder Kolonie, als einem Zentrum von Menschen, Tatkraft und Intelligenz aus, nach Maßgabe der verfügbaren Mittel neue Siedlungen anlegen und mit neuen, immer noch womöglich ausschließlich landwirtschaftlichen, Ansiedlern besetzen; wir werden ferner neues Land erwerben und für die Besiedlung vorbereiten..."
| | Quelle: Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des VI. Zionisten-Kongreßes in Basel, 23.-28. August 1903. Wien 1903, S. 182 ff.; zit. nach: Praxis Geschichte 3/1998, S. 32 |
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GM
(digitale Umsetzung) für psm-data 
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