| Primaerliteratur |
| International | Osteuropa | Polen | [P|S|M] |
Friedrich II. (der Große) am 20.2.1771 an den preußischen Gesandten in St. Petersburg
|
Stellt man die Frage richtig,
so handelt es sich nicht mehr darum, Polen unversehrt zu erhalten, da ja die
Österreicher ein Stück davon abtrennen wollen, sondern zu verhindern, daß
diese Abtrennung nicht das Gleichgewicht zwischen der Macht des Hauses
Österreich und der meinigen berührt, dessen Aufrechterhaltung für mich so
bedeutsam und für den russischen Hof selber so wichtig ist. Ich sehe kein
anderes Mittel, um das zu erreichen, als das Beispiel nachzuahmen, das der
Wiener Hof mir gibt, und auch meinerseits, wie er das tut, alte Rechte geltend
zu machen, die meine Archive mir im Überfluß liefern werden, und mich in den
Besitz irgendeiner kleinen polnischen Provinz zu setzen, um sie wieder
herauszugeben, falls die Österreicher von ihrem unternehmen abstehen, oder sie
zu behalten, wenn jene ihre vorgeschützten Rechtstitel geltend machen wollen.
Sie werden selbst erkennen, daß eine solche Erwerbung bei niemandem
Eifersucht hervorrufen könnte; daß die Polen (die einzigen, die mit Recht
schreien könnten) angesichts ihres Verhaltens weder vom russischen Hof noch von
mir irgendwelche Schonung verdienen; und daß, wenn die Großmächte erst einmal
einig sind, das Friedenswerk von daher kein Hindernis mehr erfahren würde. Ich
möchte aber vor allen Dingen die wirkliche Meinung des russischen Hofes über
diese Angelegenheit erfahren und überlasse es Ihnen, nach Ihrem Ermessen die
dazu geeigneten Mittel und Wege zu finden. Sollte es Ihnen gelingen, die
Kaiserin und ihren Minister für meine Ansichten zu gewinnen, so würden Sie mir
einen um so willkommeneren Dienst erweisen, als ich nur dieses einzige Mittel
sehe, die Gleichheit zwischen mir und dem Wiener Hof aufrechtzuerhalten. [...]
| | Friedrich der Große,
Politische Korrespondenz, hrsg. von R. Koser und G. B. Volz. Berlin 1883, Bd.
30, S. 467ff.; zit. nach: Geschichte betrifft uns 5/1997 |
|

|