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Stanislaw Staczic (1755-1826) über die Lage der polnischen Bauern
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"Vor meinem Auge stehen fünf
Sechsteile des polnischen Volkes. Ich sehe Millionen unglücklicher Geschöpfe,
halbnackt, bedeckt mit Fellen und rauhem Tuche, von Schmutz und Rauch entstellt,
mit tiefliegenden Augen, kurzatmig, mürrisch, verkommen, verdummt; sie
empfinden wenig, denken wenig, kaum erkennt man in ihnen die vernünftige Seele.
Sie sehen Tieren ähnlicher als Menschen. Ihre gewöhnliche Speise ist Brot mit
Spreu vermischt, den vierten Teil des Jahres über nur Kräuter. Sie trinken
Wasser und Branntwein, sie wohnen in Erdhütten oder Wohnungen, die mit dem
Erdboden fast in gleicher Höhe stehen: dorthin dringt keine Sonne durch, Rauch
und Ausdünstungen ersticken darin den Menschen und töten ihn oft in kindlichem
Alter. Erschöpft von der Tagesarbeit für seinen adligen Herrn, schläft dort
der Hausvater zusammen mit seinen nackten Kindern auf faulem Stroh, auf
demselben Lager, auf dem seine Kuh mit ihrem Kalbe steht und das Schwein mit
seinen Ferkeln liegt."
| | aus: Werlhof, Ernst v.,
Polnische Geschichtsbilder. Leipzig 1920, S. 141 |
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