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Deutschland | Emigration

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Nachträgliche Bestimmungen wegen der Auswanderer - Senat der freien Hansestadt Bremen (1835)
Wegen derjenigen Personen, die sich zum Zweck der Auswanderung aus ihrer Heimath auf der Weser einzuschiffen beabsichtigen, findet der Senat Sich zu folgenden nachträglichen Bestimmungen zu den desfalls am 1. October 1832 und 19. Juni publicirten Verordnungen bewogen:

I. Durch die Verordnung vom 1. October 1832 ist festgesetzt, daß jeder hier anlangende Auswanderer sich spätestens am Tage nach seiner Ankunft bei der Polizei=Direction im Stadthause zu melden habe, um im Falle gehöriger Legitimation einen Erlaubni?schein für seinen hiesigen Aufenthalt zu empfangen, und daß jeder hiesiger Bürger und Untergehörige bei Vermeidung einer Geldbuße, nur wenn ihm ein solcher Erlaubnißschein vorgezeigt wird, einen Auswanderer beherbergen dürfe.

Die strenge und sorgfältige Befolgung dieser letztern Vorschrift muß der Senat hiedurch wiederholt, und zwar besonderns auch deshalb allen Betheiligten zur Pflicht machen, damit in den Fällen, wenn etwa Deserteure oder Militairpflichtige eines andern Bundesstaates sich durch Auswanderung ihren Verbindlichkeiten zu entziehen beabsichtigen würden, in Gemäßheit der am 7. März 1831 hieselbst publicirten Bundes=Cartell=Convention sämmtlicher Deutscher Bundesstaaten verfahren, so wie überhaupt, falls etwa Personen begangener Vergehen oder Verbrechen halber sich vom Continent zu entfernen und dazu die sich hieselbst darbietende Schiffsgelegenheit zu benutzen suchen sollten, von Seiten der Polizei=Behörde eingeschritten und dadurch zugleich auch der Einwanderung bescholtener Personen in überseeische Länder vorgebeugt werden könne.

Da sich auch zuweilen einzelne Auswanderer, ohne sich in Bremen zu verweilen oder überall nach Bremen zu kommen, nach den Einschiffungsplätzen begeben und dann also die erwähnte Vorschrift nicht zur Anwendung kommt, so wird hiermit verordnet:

daß jeder Auswanderer, welcher, ohne sich bereits bei der Polizei=Direction in Gemäßheit obiger Vorschrift legitimirt zu haben, in Bremerhaven oder Vegesack, um sich daselbst einzuschiffen, anlangt, sich spätestens am Tage nach seiner Ankunft bei dem dortigen Amte zu melden und zu legitimiren habe, und sind die Aemter Vegesack und Bremerhaven zugleich beauftragt, für die dortigen Einwohner die zur Aufrechterhaltung dieser Bestimmung erforderlichen polizeilichen Anordnungen zu erlassen.

II. Es sind zuweilen Auswanderer, welche sich in Bremen versammelt hatten, schon früher nach Bremerhaven befördert worden, als bis das für sie bestimmte Schiff zu ihrer Aufnahme völlig im Stande sich befand. Da nun in solchen Fällen, sofern nicht für das einstweilige Unterkommen der Passagiere im Voraus gehörig gesorgt ist, leicht sowohl für diese selbst Kosten und Beschwerden entstehen, als auch sonstige Unzuträglichkeiten herbeigeführt werden, so sieht Sich der Senat bewogen, alle Expedienten solcher Schiffe, die es betrifft, hiedurch dringen aufzufordern:

die Auswanderer nicht eher nach dem Einschiffungsplatz gelangen zu lassen, als bis das für sie bestimmte Schiff so vollständig versehen ist, daß sie auf demselben gleich nach ihrer Ankunft Aufnahme finden können.

Den Expedienten solcher Schiffe liegt deshalb auch ob, für solche etwanige Fälle, da zur Zeit der Ankunft der Passagiere in Bremerhaven oder Vegesack das daselbst für sie bestimmte Schiff noch nicht zu ihrer Aufnahme im Stande seyn sollte, für das einstweilige Unterkommen und den einstweiligen Unterhalt derselben durch einen daselbst anwesenden Bevollmächtigten die nöthigen Einschickungen zu treffen, widrigenfalls sie für alle von der dortigen Behörde dazu etwa aufzuwendenden Kosten verantwortlich seyn werden.

Beschlossen Bremen in der Versammlung des Senats am 19. und publicirt am 22. Juni 1835



zit. nach: Auswanderung, in: Reihe Unterrichtsmaterialien für die Schulpraxis, Hrsg. vom Lehrerfortbildungsinstitut der Stadt Bremerhaven, 1982, Heft 29, S. 18

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