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Die Wiedergeburt des Wissens der Antike - Die Renaissance für Schüler leicht gemacht

Anne Roerkohl dokumentARfilm GmbH: „Die Welt um 1500 I - Renaissance“, Folge 18 aus der Reihe „Geschichte interaktiv“, erhältlich auf dokumentarfilm.com


Mit Vorfreude und großen Erwartungen packte ich den neuen Band der Reihe „Geschichte interaktiv“, produziert von der Anne Roerkohl dokumentARfilm GmbH, aus und legte die DVD ein. Der inzwischen achtzehnte Band der Reihe, die ein modulares Medienkonzept für den (Geschichts )unterricht darstellt, beschäftigt sich mit dem Thema „Die Welt um 1500 I – Renaissance“. Es ist der erste Teil einer zweiteiligen Dokumentation, mit der Schüler der Sekundarstufen I und II die spannende Zeit des Umbruches jenseits eines schnöden Frontalunterrichtes kennenlernen sollen.

Den Einsatz im Unterricht garantieren die Filmemacher aus Münster mit dem modularen Aufbau. Ein Hauptfilm (23:20 Min.) lässt sich leicht in einer Einzelstunde vorführen und danach in Kürze besprechen. Daneben lassen sich sechs einzelne Filmmodule aufrufen, die im Schnitt etwa 15 Minuten dauern und Einzelaspekte der Renaissance umfassend erklären. Eine nützliche Hilfe bei der Unterrichtsausgestaltung ist auch das stets gut sortierte didaktische Begleitmaterial, das auf einer beigefügten CD-ROM zu finden ist.

Der Hauptfilm auf der DVD umreißt das Leben der Menschen der Land- und Stadtbevölkerung um 1500. Es zeigt, wie hart und entbehrungsreich das Leben der Landbevölkerung gewesen ist. Das bäuerliche Leben, abhängig vom Lauf der Jahreszeiten und den Launen der Natur, lebten rund drei Viertel der damaligen Bevölkerung. Alles Produzierte war handgemacht; die Ernährung karg und eintönig. Besonders eindrucksvoll werden die Lebensumstände der Menschen, insbesondere der Kinder dargestellt, sodass heutige Kinder sehen können, dass es damals nicht Bildung für alle, aber Kinderarbeit, Armut und Seuchen gab und Nahrung, Kleidung und Medikamente nicht selbstverständlich waren.

Stadtluft macht frei? Aber nur, wer das notwendige Kapital hatte und seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Dennoch wurden die Städte immer voller. Jedermann verschmutzte die alten mittelalterlichen Gassen mit seinem Unrat und dem seiner Tiere; Flüsse und Bäche waren zu jener Zeit vor allem verseucht. Gegen die Armut regte sich Solidarität der Zünfte, Stiftungen und der Familien. Man half sich gegenseitig soweit es ging. Dies ist wohl auch der Frömmigkeit und Gottesfürchtigkeit jener Tage zu verdanken. In der Zeit der Renaissance war der Glaube an Gott ungebrochen. Jede Kuriosität, wie siamesische Schweine oder Unwetter wurden als Strafe Gottes gewertet. Menschen um 1500 dachten, sie stünden kurz vor dem Tag des letzten Gerichtes. Frömmigkeit und der Glaube an das göttliche Gericht ließ die Menschen Ablassbriefe kaufen, um ihre Zeit im Fegefeuer zu verkürzen. Zu dieser Zeit trat Martin Luther auf den Plan und prangerte öffentlich die Missstände und Geldgier der katholischen Kirche an.

Damit sorgte er für einen der großen gesellschaftlichen Umbrüche, die die Renaissance zur Zeitenwende zwischen Mittelalter und Neuzeit werden ließen. Die Kirche zerbrach in zwei Teile, ihr Bildungsmonopol ging verloren. Seit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg werden Bücher und erste „Zeitungen“ als Massenware unter das Volk gebracht. Vorbei war die Zeit des mühseligen jahrelangen Abschreibens von Büchern in Klostern. Kunst und Architektur erlebten in Italien, wie auch im Deutschen Reich eine Blüte. Raffael, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Lucas Cranach d.Ä. oder Albrecht Dürer traten hervor und schufen eine völlig neue, realistische, detailreiche und plastische Kunst. Wie die Medici in Florenz dominierten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die Fugger den Handel. Aus einfachen Kaufleuten wurden die Geldgeber der Kaiser und Fürsten. Städte wie Augsburg und Nürnberg im Zentrum Europas gehörten nun zu den reichen florierenden Umschlagplätzen des Frühkapitalismus;
auf einer Höhe mit Mailand und Florenz. Das Bankwesen und die Doppelte Buchführung schwappten von Norditalien in das Reich hinüber.

Mit der „Wiedergeburt des Wissens der Antike“ wurden die alten römischen und griechischen Schriften übersetzt und neu ausgelegt. Mit der Bildungsbewegung des Humanismus entwickelte sich die moderne Wissenschaft auf antikem Fundament sehr schnell und strebte danach, zu erfahren, was das Wesen des Menschen ausmache.

Das, was die Bibel bislang unumstößlich vorgegeben hat, wurde angezweifelt und widerlegt. Galileo Galilei entzauberte das alte Weltbild des Ptolemäus, nach dem die Erde im Mittelpunkt des Universums steht und alle anderen Himmelskörper die Erde auf kreisförmigen Bahnen umgeben. Columbus entdeckte nicht den westlichen Seeweg nach Indien sondern stößt auf einen neuen Kontinent, der bald darauf nach dem Entdecker Amerigo Vespucci benannt werden wird. Gerhard Mercator kartographierte diese Welt neu und die Seemächte Portugal und Spanien traten als rücksichtslose Kolonialmächte in Erscheinung.

Was die Menschen bewegte und das, was wir heute davon haben, erzählt uns diese DVD. Der Hauptfilm selbst beschreibt das Leben der Menschen in der Stadt und auf dem Land. Exemplarisch wird der Aufstieg der Fugger-Dynastie und vom Wirken des Künstlers Dürer erzählt.

Das erste Modul beschreibt das Herrschaftssystem und –verständnis der Renaissance. Die Rolle des Kaisers und der Kurfürsten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, dessen Staatsgefüge und das Lehnswesen werden gut verständlich visualisiert und erläutert. Wie konnte man Stadtbürger werden? Welche Rechte und Pflichten hatte ein Bürger? Was sind „Patrizierfamilien“? Am Beispiel der Stadt Nürnberg wird dies ausgiebig geschildert. Auch wagt dieses Modul einen Blick auf Norditalien, wo die Familie der Medici eine Handelsdynastie begründete, die auch Päpste und Majestäten hervorbachte und wo Nicoló Machiavelli ein neues Bild eines Fürsten prägte, der ohne Rücksicht mit Grausamkeit, Intrigen und Betrug seine Macht sichern und bewahren solle. Bis heute sorgt der „Machiavellismus“ als Staatslehre für Gesprächsstoff.

Das entstehende Bankenwesen und die sich etablierende Doppelte Buchführung, die Herausbildung der Tucher-Gesellschaft in Nürnberg und die Geschichte des reichsten Manns Europas, des Augsburger Händlers Jakob Fugger sind Gegenstand im zweiten Modul „Frühkapitalismus“. Das nächste Modul thematisiert die „Medienrevolution“, die ähnlich wie die heutige Informationsflut gewirkt haben muss und in der ehemals kostbare Buch-Einzelstücke zu Massenware geworden sind. Es schildert die Anfänge des Buchdrucks und der ersten Bestseller. Ein frühes Meisterwerk des Buchdrucks ist die Schedelsche Weltchronik von 1493, die das Wissen der damaligen Zeit enthält und reich bebildert und verziert ist, damit auch Analphabeten davon profitieren konnten. Ein weiterer Bestseller dieser Epoche ist Dürers selbstverlegte „Apokalypse“, der die Johannesoffenbarung in Holz- und Kupferstichen kunstvoll ins Bild setzt.

Das vierte Modul widmet sich der Renaissance der Kunst in Italien und Deutschland und der Bildungsbewegung des Humanismus. Im fünften Modul wird die Entdeckung der Welt angesprochen: Darin wird das neue Weltbild Galileis ebenso beschrieben wie die Expansion der Europäer in der „Neuen Welt“ nach der „Entdeckung“ durch Columbus.

Das sechste und letzte Modul ist besonders schön. Hier überrascht die Anne Roerkohl dokumentARfilm GmbH mit einem Exkurs für die Sekundarstufe I „Katharina Tucher – Leben in einer Patrizierfamilie“. In diesem achtminütigen Film erzählt Katharina Tucher höchstpersönlich, gespielt von Ingeborg Bickel, vor der Kulisse des Nürnberger Tucherschlosses von ihrem Leben und Wirken und dem ihres Gemahls, Lorenz (II.) Tucher.

Die Filmbeiträge sind gewohnt hervorragend. Sie bilden die Zeit und die Lebensumstände sehr gut ab, anhand von beispielhaften Städten wie Nürnberg und Augsburg werden Lebensverhältnisse der Bürger und Einwohner aufgezeigt, politische und wirtschaftliche Strukturen und neue Ideen der Renaissance erklärt. Komplexe Sachverhalte werden anschaulich visualisiert und beschrieben. Auch zeitgenössische Kunst, insbesondere Grafiken aus der Schedelschen Weltchronik wurden zur Verdeutlichung integriert. Sämtliche eingearbeitete Grafiken und Animationen sind äußerst gelungen.

Das Begleitmaterial ist ebenfalls wieder gut aufgestellt. So kann man als Lehrer auf klar strukturierte Unterrichtsmaterialien, gegliedert nach Film bzw. Modul, zum Einstieg, zur Erarbeitung und zur Festigung zurückgreifen. So lassen sich dort etwa Lückentexte oder Schaubilder finden, die man als Kopiervorlage verwenden kann. Ebenso wieder dabei sind Biografien der historischen Persönlichkeiten und Biografien der Spezialisten, die in den Filmen zu Wort kommen, wie etwa die Historikerin Prof. Dr. Stollberg-Rilinger.

Daneben enthält das Material auch eine fünfseitige Zeitleiste, Literatur und Links sowie Methodenkarten, die das Vermitteln von (wissenschaftlichen) Methoden, etwa der Analyse und Interpretation von Bildquellen oder das Erstellen von Mindmaps erleichtern können. Zu jedem der Filme kann die Lehrkraft zudem in einem didaktisch-methodischen Kommentar nachlesen, wie die Materialien und die Filmbeiträge sinnvoll im Unterricht genutzt werden können. Eine wirkliche Arbeitserleichterung bei der Unterrichtsvorbereitung.

Die Datenträger sind wieder sicher in der Hülle verstaut. Was geblieben ist? Der Gedanke, dass sich die Vorfreude gelohnt hat, die Erwartungen übererfüllt wurden und sich das Ansehen gelohnt hat.

Diese unverzichtbare Hilfe, Schülern die Renaissance mithilfe des modularen Medienkonzeptes näherzubringen, ist für 49,90 € erhältlich und kann u.a. unter der Adresse http://www.dokumentarfilm.com erworben werden. Bald soll auch der zweite Teil der Dokumentation zum Thema „Reformation“ erscheinen. Wir können gespannt sein.

 

Martin Knust

Nähere Informationen unter: http://dokumentarfilm.com/index.php?option=com_virtuemart&Itemid=202