Startseite Grundlagen Antike Mittelalter Frühe_Neuzeit 18/19Jh/International18/19Jh/Deutschland20Jh/International20Jh/Deutschland Länderverzeichnis Neue_EinträgeForum1GästebuchSuche Impressum
 
PSM empfiehlt...
Start | Empfehlungen |

Papyrus - eine etwas andere Textverarbeitung

Wenn es ein Schreibprogramm gibt, das man vorbehaltlos für Anwendungen im privaten, schulischen und universitären Bereich empfehlen kann, dann das vor fast 20 Jahren entwickelte Programm „Papyrus“. „Papyrus“, das zunächst für den in den 80er Jahren populären ATARI programmiert worden war, wird noch heute von seinem Erfinder Ulli Ramps und der Berliner Firma R.O.M. logicware gepflegt - mittlerweile jedoch für alle aktuellen Betriebssysteme (Windows und Mac OS, eine Linux-Version ist offenbar geplant).



Die Textverarbeitung „Papyrus“, dem Rezensenten liegt die aktuelle Version 13.06W vor, vereinigt nicht nur die klassischen Aufgaben einer alltagstauglichen Bürosoftware wie Briefvorlagen, Formulare, Serienbriefe, Textmakros usw. in sich, sondern bietet insbesondere dem gestressten Studenten eine ganze Reihe von unverzichtbaren Arbeitserleichterungen (Gliederung in Kapitel, automatisches Inhalts- und Stichwortverzeichnis, diskontinuierliche Blöcke, Fuß- und Kopfnoten), die mittlerweile zwar auch bei konkurrierenden Programmen zum festen Standard gehören, jedoch bei „Papyrus“ bereits in den ersten Programmversionen implementiert waren und seitdem kontinuierlich verbessert wurden. So überrascht die aktuelle Fassung beispielsweise mit einem Marker-Modus, der es nicht nur erlaubt, Textstellen farbig zu markieren, sondern die Möglichkeit bietet, diese mit Kommentaren und Anmerkungen zu versehen und wiederum als diskontinuierliche Blöcke zu behandeln. Selbstverständlich werden die farbigen Markierungen nicht ausgedruckt. Vorzüglich auch die Klemmbrettlösung, die es dem Benutzer erlaubt, markierte Texte seitlich abzulegen und später weiterzubearbeiten. Die Möglichkeit, über die integrierte Datenbank nicht nur eine Literatur- und Zitatverwaltung anzulegen, sondern abschließend per Mausklick das fertige Literaturverzeichnis auszugeben, verweist darauf, dass „Papyrus“ insbesondere bei Hausarbeiten oder umfangreichen wissenschaftlichen Publikationen den regulären Textverarbeitungen überlegen ist. Erst bei längeren Texten lässt „Papyrus“ so richtig seine Muskeln spielen. Weder zahlreiche Fußnoten oder Endnoten noch nachträgliche Änderungen bringen das Programm aus der Ruhe oder führen gar zu ungewollten Abstürzen. Wer häufiger - wie der hier Schreibende - in einem riesigen Dokument mit den permanent ungewollten Um- und Neuformatierungen der Seiten gekämpft hat, wird das sehr dankbar annehmen. Auch die Verarbeitung von Grafiken wird bei umfangreicheren Projekten nicht zum Problem. Im Gegenteil: Wer zusätzlich Grafiken einarbeiten muss, wird über den Komfort begeistert sein, mit dem sich diese in den Fließtext einbetten lassen. Das objektorientierte Prinzip mit Griff und Anker ist ansonsten Programmen vorbehalten, die in einer ganzen anderen Preisliga angesiedelt sind. Insofern wäre Papyrus auch eine ideale Software, um beispielsweise Schülerzeitungen oder andere Publikationen (Festschriften usw.) mit einem professionellen DTP-Layout zu erstellen. Eine wichtige Maxime für „Papyrus“ war von Anbeginn an das WYSIWYG-Prinzip (What you see is what you get) - eine Option „Seitenvorschau“ wird man logischerweise vergeblich suchen.
Sehr überzeugend ist in der aktuellen „Papyrus“-Programmversion die Integration von DUDEN-Korrektor 4.0 gelöst. Wenngleich der Korrektor ohnehin als das beste Korrekturprogramm anzusehen ist, ist vor allem das Zusammenspiel mit den Textverarbeitungen bislang eine einzige Katastrophe. Trotz eingeschalteter Online-Korrekturen für Grammatik und Rechtschreibung lässt sich mit „Papyrus“ hingegen stets reibungslos arbeiten. Die nervigen Wartezeiten, weil ungewollte Korrekturaufträge abgearbeitet werden oder sich geschwätzige Hilfsanimationen einblenden, gehören hier der Vergangenheit an. Alles funktioniert wunderbar fließend und nahezu in Echtzeit. Da dies auch für ältere und weniger leistungsfähigere Rechner gilt, sollte „Papyrus“ gerade dort das Mittel der Wahl sein.
Bemerkenswert an „Papyrus“ ist der ungewöhnlich schlanke Programmcode - bereits Ende der 80er Jahre wurde die Textverarbeitung auf einer bescheidenen Diskette ausgeliefert. Und auch heute ist der Ressourcenverbrauch von ca. 5MB über jeden Vergleich mit der übergewichtigen Konkurrenz erhaben. Wie problemlos Software sein kann, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sich Papyrus - einmal lizensiert - auf jedem USB-Stick gespeichert und problemlos mitgeführt werden kann.
Da das interne Dateiformat (*.pap) von keiner anderen Textverarbeitung unterstützt wird, bietet Papyrus auf seiner Homepage einen so genannten „Viewer“ an, der über eine Druckfunktion verfügt. Hiervor wird man in der Regel kaum Gebrauch machen, da das Programm über genügend Alternativen verfügt - bspw. wird neben den üblichen Formaten wie Word oder RTF auch die Möglichkeit unterstützt, ein Dokument als PDF abzuspeichern.
Bedenkt man nun, dass neben der bereits angesprochenen Datenbank auch eine vollwertige Tabellenkalkulation zu dem „Programmpakt“ gehört, geht der Preis von ca. 100€ inklusive DUDEN Korrektor selbstverständlich in Ordnung.
Noch eine persönliche Anmerkung: Nachdem die benutzerfreundlichen ATARI Computer Anfang der 90er Jahre vom Hardwaremarkt verdrängt worden waren, hat der hier Rezensierende in der Welt der Dosen und Fenster auch das Programm „Papyrus“ für eine gute Weile aus den Augen verloren. Nach der nunmehr schon vor einigen Jahren erfolgten reumütigen Rückkehr bleibt festzustellen, dass durch „Papyrus“ ein Stück von dem alten ATARI-Mythos erhalten bleibt - die Erinnerung an eine Zeit, in der Computer gestartet und nicht hochgefahren wurden und Programme noch auf eine Diskette passten. Ein dickes Lob an Ulli Ramps und seine Mitstreiter für diese Arbeit. Weiter so!

Dr. Georg Mondwurf für psm-data


Copyright