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Verlag Ernst Probst / Maike Vogt-Lüerssen - "40 Frauenschicksale aus dem 15. und 16. Jahrhundert"

Mit ihrem Buch „40 Frauenschicksale aus dem 15. und 16. Jahrhundert“, erschienen im Verlag Ernst Probst, liefert die Historikerin Maike Vogt-Lüerssen einen bemerkenswerten Beitrag zum Verständnis der Frau am Beginn der Frühen Neuzeit.

Zweifellos ist es einem zirkulären Geschichtsverständnis zu verdanken, wenn es der Autorin gelingt, derart lebendig über Frauen in Politik und Religion zu berichten. Sie berichtet von Frauen – meistens aus dem Adelsstand –, die nur im Interesse der Politik hin- und hergetauscht wurden – sei es, um Kriege zu verhindern, höhere Posten zu ergattern oder die eigenen Ländereien zu vergrößern. Auch war es damals gar nicht anrüchig, junge Mädchen schon früh an Könige, Fürsten oder Päpste zu verkuppeln – diese waren dann auch schon mal 20-30 Jahre älter. Bei ganz kleinen Kindern schloss man eine symbolische Ehe, die ausgelöst wurde, wenn das Mädchen 12-14 Jahre alt war. Seltsamerweise wurden solche „Vater-Tochter-Ehen“ oft sogar glücklich. Wenn dann diese Frauen die Regierungsgeschäfte von ihrem kranken und alten Gatten übernehmen mussten, entwickelten viele einen verbissenen Ehrgeiz. Andere wiederum gingen behutsamer vor, zuweilen mit kluger Diplomatie, um grausame Kriege zu verhindern.

Die Schwestern der „Herren“ wurden für politische Schachzüge benutzt. Widerstand gegen Heiratspläne gab es kaum. Konnte man aber die geforderte Mitgift nicht leisten, verschwanden die Frauen hinter Klostermauern. Auch gab es für eine Frau nichts Erniedrigenderes, als keine Kinder zu bekommen. Kinder brauchte man; und sei es, um sie gleich nach der Geburt für politische Zwecke zu verplanen. Durch Epidemien, chronische Unterernährung oder mangelnde Hygiene gab es damals eine hohe Neugeborenensterblichkeit. Da Empfängnisverhütung oder gar Abtreibung unter Todesstrafe stand, brachten es manche Frauen in einer Ehe auf 20 Niederkünfte.

Maike Vogt-Lüerssen berichtet über eine Florentinerin, die 36 Kinder geboren haben soll. Sie schildert aber auch, dass 10% aller Frauen bei einer Geburt oder deren Folgen starben, meistens durch Kindbettfieber oder wenn die Lage des Kindes im Mutterleib Probleme machte. Das Leben der Mutter zu retten und dafür das Kind im Mutterleib zu töten war strengstens verboten, man nahm dafür eher den qualvollen Tod der Mutter in Kauf. Kaiserschnitte wurden nur an toten Müttern von Hebammen vorgenommen. Erst im Jahr 1500 wurde der erste Kaiserschnitt an einer lebenden Frau ausgeführt. Der „Schneider“ war der Schweizer Schweinekastrierer Jakob Nufer, der seine Frau und seinem Kind damit das Leben rettete. Die Mädchen der aristokratischen Oberschicht beherrschten schon mit 10 Jahren die klassischen Sprachen Latein und Griechisch sowie die zeitgenössischen Sprachen Französisch, Italienisch, Englisch und Spanisch. So ist es auch kein Wunder, dass diese hochbegabten Frauen in der Reformationszeit nicht nur in der Politik, sondern auch in Glaubensfragen kräftig mitmischten und somit ihre Spuren hinterlassen haben.

Das Schicksal der 40 Frauen hat die Autorin sehr verständlich und interessant dargestellt. Für den Laien verwirrend sind manchmal die zahlreichen Geburts- und Sterbedaten der Kaiser, Päpste, Fürsten und der dazu gehörenden Frauen, was aber den positiven Eindruck, den das Buch macht, keineswegs trübt. Maike Vogt-Lüerssen hat mit diesem Buch einen populärwissenschaftlichen Beitrag zur Frauengeschichte geleistet, der ohne Einschränkungen empfohlen werden kann. Eine Lektüre, die Geschichte hautnah erleben lässt - packend und spannend.

Käthe Mondwurf, Religionspädagogin i.R.



Käthe Mondwurf für psm-data

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