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Primaerliteratur
International | Frankreich | 1789-1815
[P|S|M]
Danton über Grundsätze und Mittel der Politik
[...] [a] Der Konvent ist eine revolutionäre Körperschaft, er muß Volk sein, wie es das Volk selber ist. Es ist an der Zeit, daß wir den inneren Feinden den Krieg erklären. Wie, Bürger, der Bürgerkrieg bricht überall aus, und der Konvent verharrt in Bewegungslosigkeit! Ja, Bürger, überall erhebt die alte Aristokratie frech ihr Haupt. Ihr habt die Errichtung eines Tribunais beschlossen, damit die Köpfe der Schuldigen, fallen, und Euer Tribunal ist immer noch nicht organisiert!

Aber wenn Ihr Säumigen Euch in Paris unter die Leute mischen würdet, dann würde dieses selbe Volk Vernunft annehmen; denn bedenkt es wohl, die Revolution kann nur durch das Volk selbst vollzogen werden: es ist das Instrument der Revolution, und es ist an Euch, dieses Instrument zu lenken.

Vergebens sagt Ihr, daß die Volksgesellschaften von Bürgern wimmeln, die auf absurde und abscheuliche Art öffentliche Anklage erheben. Nun denn, warum geht Ihr nicht unter sie, um sie von ihren Verirrungen abzubringen? Glaubt Ihr es damit erreichen zu können, daß Ihr den überspannten Patrioten als Verrückten frisiert? Die Revolutionen entfachen sämtliche Leidenschaften. Eine große Nation im Zustand der Revolution ist wie das Erz, das im Schmelzofen brodelt: Die Statue der Freiheit ist noch nicht gegossen, das Erz befindet sich im Verschmelzungsprozeß. Wenn Ihr mit dem Schmelzofen nicht umzugehen versteht, dann wird er Euch alte verschlingen. (Wiederholter Beifall.)

Wie ist es möglich, daß Ihr nicht gerade heute die Notwendigkeit verspürt, ein Dekret zu erlassen, das die Feinde der Nation Furcht und Zittern lehrt! Es ist notwendig zu verkünden, daß in jeder Gemeinde jeder Bürger auf Kosten der Reichen, die einen Beitrag entrichten werden (und sie müssen ihn entrichten, das Eigentum wird nicht verletzt werden), es ist notwendig, sage ich, zu beschließen, daß jeder Bürger eine Pike erhält, die von der Nation bezahlt wird.

Ich erkläre nun, da man öffentlich für die Konterrevolution spricht, gute Bürger beleidigt, in allen Städten die Konterrevolution predigt und alles beklatscht, was der Republik Schaden bringen könnte, ich erkläre, sage ich, daß jeder, der die Vermessenheit besitzen sollte, in meiner Gegenwart die Konterrevolution herbeizuwünschen und jene herauszufordern (wie es vorgekommen ist), die über Tatkraft verfügen, es durch meine Hand büßen muß, und danach möge mein Kopf fallen..., zum wenigsten hätte ich dann der Nachwelt ein großes Beispiel gegeben. (Allgemeiner Beifall.)

Ich beantrage, daß der Konvent dem ganzen Universum, dem französischen Volk erklärt, daß er revolutionär ist, daß er die Freiheit aufrechterhalten wird, daß er entschlossen ist, alle Schlangen zu erwürgen, die das Vaterland vergiften, alle Ungeheuer zu zerschmettern mittels eines Gesetzes das, falls notwendig, extrem revolutionär ist.

Dies darf keine unverbindliche Adresse sein, sondern muß eine Erklärung sein, die von Männern abgegeben wird, die sich des Auftrags voll bewußt sind, den sie vom Volk erhalten haben. - Erklärt doch Ihr selber den Aristokraten den Krieg; sagt, daß für das
öffentliche Wohl Gesetze jenseits aller normalen Maßnahmen notwendig sind. - Seid schrecklich, seid Volk, und Ihr werdet das Volk retten.

[b] Wenn es wahr ist, daß kein wie auch immer gearteter Schicksalsschlag uns entmutigen kann, dann muß ich hier wiederholen, was ich bereits dem Minister und dem Ausschuß gesagt habe, nämlich daß man der nationalen Tatkrfat die politischen Mittel hinzufügen muß. Wo die Kanone nichts ausrichtet, da soll das Gold wirken; und wenn die Guinees von Pitt die Fundamente der Freiheit angreifen, warum dann nicht gleichermaßen die Gegenseite unterminieren? Es ist unsinnig, den Feind allein diese Mittel anwenden zu lassen.

Dem Ausschuß stehen 50 Millionen zur Verfügung. - Ich behaupte, daß wir mit 3 oder 4 Millionen Toulon schon für Frankreich zurückerobert und die Verräter gehenkt hätten, die es den Engländern ausgeliefert haben.

Eure Dekrete haben nichts ausgerichtet? - Nun, hat etwa das verführerische Gold Eurer Feinde nichts ausgerichtet? Ich habt dem Ausschuß 50 Millionen zur Verfügung gestellt; aber diese Summe reicht nicht aus. Sicher wären 20, 30, 100 Millionen gut angelegt, wenn sie der Eroberung der Freiheit dienen.

Man muß den Feind mit allen Waffen bekämpfen; man muß sich seiner eignen Mittel die Laster einzelner Menschen ausnutzen. Bedenkt endlich diese neuen Mittel, die der Sache des Volkes zum Triumph verhelfen können. (Beifall.)

Wenn man sich mehr der Volksgesellschaften bedient hätte, wenn die ihnen angehörenden Patrioten die Sendboten der Freiheit würden, das ganze Land durcheilt hätten, dann wären Eure Feinde sicherlich weniger frech. Einige Millionen, richtig ausgeteilt, reichen aus,
um sie alle mit revolutionären Mitteln zu vernichten. [...]

Ich komme nochmals auf meine Ansicht zurück: Ihr müßt endlich gegen die Feinde politische Mittel und revolutionäre Maßnahmen ergreifen. Wenn Ihr diese Triebfeder Eurer Verfassung nicht hinzufügt, dann, ich sage es Euch, wißt Ihr nicht zu regieren und seid des Volkes nicht würdig, das Ihr vertretet. (Beifall)



Quelle: Discours de Danton. Hrsg. von André Fribourg. Paris 1910, S. 299-312; zit. nach: Behschnitt, W. Die Französische Revolution, Quellen und Darstellungen, in: Politische Bildung, Materialien für den Unterricht. Stuttgart 1978, S. 68ff