Startseite Grundlagen Antike Mittelalter Frühe_Neuzeit 18/19Jh/International18/19Jh/Deutschland20Jh/International20Jh/Deutschland Länderverzeichnis Neue_EinträgeForum1GästebuchSuche Impressum
 
Primaerliteratur
International | Frankreich | 1789-1815
[P|S|M]
Antoine Rivarol über den 14. Juli 1789
In Versailles erfuhr man bald, daß der Pöbel sich zusammen mit der Bürgerwehr auf das Hôtel des Invalides gestürzt und 30.000 Gewehre weggeschleppt hatte und daß er von da aus zur Bastille gezogen war, um weitere Waffen und Munition zu erbeuten. Nach diesen Berichten wurde der Gouverneur, der die Torheit begangen hatte, sich in die äußeren Umwallungen zu begeben und sich nicht um die Zugbrücken zu bekümmern, nach zwei- bis dreistündigen Verhandlungen und einigem Hinundher angegriffen und mit seiner kleinen Truppe von Veteranen zur Übergabe gezwungen.
Obgleich die Regierung schuldig war, weil sie gegen das Gewitter, das sich so kräftig angekündigt hatte, keinerlei Maßnahmen ergriffen hatte, war der Gouverneur de Launay nicht weniger tadelnswert, weil er sich auf Verhandlungen mit dem Pöbel eingelassen hatte. Hätte er sich in die Bastille eingeschlossen, wäre er unüberwindlich gewesen. Wie das nun immer auch sein mag: Dieser unglückliche Gouverneur ist für seinen Leichtsinn schwer bestraft worden; das durch seinen Widerstand und den Tod einiger Bürger heim Angriff erregte Volk schleppte ihn zu der Place de Grève und schlug ihm den Kopf ab, nachdem man ihn mit Schlägen und Beschimpfungen überhäuft hatte. Dieser Kopf wurde auf der Spitze einer Lanze durch die Straßen zum Palais Royal getragen.
Darin besteht die ganze Erstürmung der Bastille, die von dem Pariser Pöbel derart gefeiert wird. Geringes Risiko und viel Grausamkeit von seiner Seite und schwere Unbesonnenheit von Seiten de Launays; kurz gesagt: Es war nur eine Inbesitznahme. (...)



aus: Die Französische Revolution, Quellen zur Geschichte und Politik. Hrsg. von Irmgard und Paul Hartig. Stuttgart 1984, S. 44ff.